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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wenn es populäre Sängerregeln nach Art der
„Bauernregeln“ im Kalender gäbe, so müßte für die erste
Juni-Hälfte zu lesen sein: Vor Thorschluß ist schlecht
gastiren. Die fremden Gäste kämpfen da nicht blos gegen
den stärkeren Reiz der Sommerabende, sondern auch mit dem
anticipirenden, ungeduldigen Feriengefühl der mitwirkenden
Künstler, Zuhörer und Kritiker. Nur blendende Talente oder
erste Celebritäten vermöchten über die Ungunst dieser Juni-
Stimmung vollständig zu siegen. Unsere zwei Damen aus
der Fremde, Fräulein v. Orgeni und Frau
Fräulein Aglaja v. Orgeni hat hier bereits im Jahre
(bekanntlich von Frau
fehlt ihrem Vortrage die Kraft, Lebendigkeit und echte Wärme,
ein Mangel, den Fräulein
Künsteln mit raffinirtem, dramatischem Detail zu ersetzen
sucht. Weder ihr Spiel, noch ihr Vortrag, so viel Studium
auch daran haftet, vermag den Hörer zu überzeugen, es ist
eben Alles zu sehr ausstudirt, auf Kosten der Natürlichkeit
und Einfachheit ausgeklügelt. Im Vortrag neigt Fräulein
und die einzelnen „gefühlvollen“ Noten nach Möglichkeit. Den
distinguirten Zug in den Leistungen Fräulein
kennen wir heute wie vor sechs Jahren willig an, als Dame
von Geist und feinster Bildung besitzt sie ihn von Haus aus.
Wo wir aber eine volle, frische Natur sehen wollen, wie
einen Salon-Beigeschmack, der nicht zu dem Bilde des
Dichters stimmt. Diese Eigenthümlichkeiten der Stimme, des
Vortrages, des Spieles von Fräulein
stimmend mit ihrer äußeren Erscheinung, geben ihren Schöpfun
gen etwas eigenthümlich Monotones, Leidsames, nervös Ab
gespanntes, das auf die Dauer niederdrückend wirkt. Auf
kleineren, weniger Stimmkraft erfordernden Bühnen wird
Fräulein
falten, am wirksamsten vielleicht im Concertsaal.
Gegenüber der elegischen Schlankheit und Blässe Fräu
lein Grün die leib
pfunden und gestaltend. Von den zwei Rollen, welche Frau
häuser
Als
vortrefflich aus, als braune
haft als möglich. Die sanfte, würdevolle Haltung
ihr meist in ruhigem Tempo und gleichmäßiger Stimmung
sich bewegender Gesang entsprach ungleich mehr dem Tempe
rament und der Vortragsweise der Frau
während auf dem Prelltuch der Leidenschaft auf- und nieder
geworfene
man ihre verzehrende Liebesgluth ebenso wenig, wie ihre braune
Hautfarbe. Frau
rollen und kurzfahrige Bewegungen die Rolle zu charakterisi
ren; diese mimischen Hilfsmittel, gleichsam nur äußerlich an
geheftet, blieben aber ohne die erforderliche Beglaubigung im
Gesang, dieser klang meistens bequem, blond,
mochte Frau
siasmiren, dem die Bettelheim als
Die beiden kurzen Gastspiele
für eine zeitlang der letzte kritische Anlaß, über das Hofopern
theater zu sprechen. In drei Tagen schließt das neue Opern
haus seine prächtigen Hallen, um sie erst im August wieder zu
öffnen. Dieser alljährliche periodische Abschluß ladet wie von selbst
ein zu einem Rückblick auf das künstlerische Ergebniß der letzten
Saison. Wir bedauern, kein besonders günstiges Resultat con
statiren zu können. In dem ganzen Verlauf der letzten zwölf
Monate wurde eine einzige neue Oper, Fera
“, aufgeführt, bekanntlich mit so ungünstigem Erfolge, daß
all die kleinen „technischen“ Einwendungen, die von Seite
der Direction gegen solche Zumuthung erhoben werden — sie
können von unserer wohlbegründeten Ueberzeugung uns nicht
abbringen. Man blicke nur ringsum und suche, was andere,
über kein so großes Personal verfügende Opernbühnen (
Ja, wir brauchen gar nicht das Ausland zur Vergleichung
heranzuziehen, sondern nur in den Jahrbüchern des
Hofoperntheaters zu blättern, um uns zu überzeugen, wie viel
mehr in früheren Jahren hier geleistet, regelmäßig geleistet
wurde. Unter den Directoren Duport und
toire-Opern ins neue Haus ebensoviel Mühe wie Novitäten
verursachen. Angenommen jedoch, das sei wahr, wie dank
bar wären wir dann gewesen, wenn man die „
„
dafür auch nur Eine neue Oper einstudiren lassen! Das
Bedürfniß nach Neuem, nach Abwechslung ist so sehr in der
Natur des Theaterwesens begründet, daß man es nicht unge
straft ignoriren darf. Nichts, was durch allzu häufige Wieder
holung sich schneller abnützt, als eine Oper. Durch das
schonungslose Ableiern von Opern wie „
„
die Aufführungen selbst lau und geistlos.
Auch die Einwendung der notorischen Armuth an
empfehlenswerten Opern-Novitäten kennen wir und respec
tiren sie. Aber nur bis zu einer gewissen Grenze: sobald
man nichts tadellos Gutes findet, muß man das relativ
Beste oder Interessanteste wählen. Neues kennen zu lernen
von namhaften oder talentvollen Componisten bleibt unter
allen Umständen an sich ein großer Reiz. Opern wie
„ Hamlet“ von Ambroise
liche concentrire, die Hebel seiner Arbeit nicht an die richti
gen Punkte ansetze. Sollte etwa der bureaukratische Theil
seiner Aufgabe ihn so sehr gefangenhalten und des scharfen,
allzeit wachen Blickes berauben, welchen der Theater-Director
sich angesichts der ganzen lebendigen Gegenwart erhalten mußte.
Es ist eine Lächerlichkeit — leider kommt sie sporadisch auch
vor — wenn man über die Person des Directors herfällt
ob eines falschen Trompetentons im Orchester oder einer
steifen Armbewegung des Tenoristen auf der Bühne. Der
Director kann auch einem erzprosaischen Sänger keine Poesie,
einer schwerfälligen Primadonna keinen Nachtigallen-Triller
einhauchen. Wofür jedoch der Director die volle Verantwort
lichkeit trägt, das ist das Repertoire, die reiche oder dürftige,
gute oder schlechte Wahl der Stücke.
Gastspiele sind seit Jahr und Tag sehr zahlreich über
die Bühne des neuen Opernhauses gezogen — meistens ohne
die Spur eines bleibenden Eindruckes zu hinterlassen. Nur an
Einem dieser zehn bis zwölf Gäste haben wir eine bedeutende
neue Bekanntschaft gemacht, an Betz aus
schnelle, glänzende Carrière gemacht haben. Alle drei
sind Wienerinnen, haben in
erhalten und waren leicht und billig für das Hof
operntheater zu gewinnen, wenn man nicht eben so lange
zuwartete, bis das Ausland im glücklichen Besitz war.
Ein Trost für den Abgang der
der Erwägung, daß sie selten beschäftigt und höchstens für
drei oder vier Opern unentbehrlich war. Es ist ein charak
teristisches Zeichen der musikalischen Gegenwart, daß die eigent
lichen Coloratur-Partien in auffallendem Abnehmen, ja nahezu
am Aussterben sind. Die schroffe Gegenüberstellung einer
dramatischen und einer Coloratur-Partie bei
und Halévy (