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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Der September ist bekanntlich nicht die Zeit,
um in
sammeln. Die großen Opernhäuser ruhen noch im Sommer
schlafe, Sänger, Musiker und Componisten sind ausgeflogen,
nur einige Theater niederen Ranges sorgen für den nöthig
sten Kunstbedarf des zurückgebliebenen Publicums und der
Fremden. Dennoch begünstigte mich der Zufall, daß die
Scala in
von
zur Aufführung
Anschlagzettel verkündete den Titel in
„
„
kleine Neuerung und Verbesserung gegen den früher üblichen
Namen: „
sch
dem Kugelgießen im Widerspruche steht. Der „
im verflossenen Winter in der Scala zum erstenmale auf
geführt worden. Ueberaus spät und spärlich hat
Opernmusik in
lich jetzt erst Fuß zu fassen. Selbst mit Mozart’s origi
Popularität erlebte, wurde der „
liche Aenderungen und Zusätze dem Publicum mundgerecht
gemacht. Der berühmte Tenorist
alte Lied: „
Miß
bleibenden Duettes ein triviales Volkslied; neue Figuren, ein
Gastwirth, eine
stände hineingedichtet worden. Wer etwas Aehnliches im
Scala-Theater erwartet haben mochte, fand sich auf das an
genehmste getäuscht. Die Aufführung war getreu, vollständig
und von sichtlicher Pietät für das Kunstwerk durchdrungen.
Nur den gesprochenen Dialog, den der Italiener in keinem
Falle acceptirt und welcher in so großem Hause doppelt be
denklich würde, hatte man in Recitative umgewandelt. Man
muß zugestehen, daß diese Recitative billigen Anforderungen
entsprachen, daß sie mit Verständniß und Bescheidenheit ge
setzt waren; an einzelnen, beziehungsvollen Stellen hörten
wir die drei dumpfen Baß-Pizzicatos des
als passende Reminiscenz. Signor Faccio heißt der junge
Was den Gesang betrifft, so mußten wir ebensosehr
die kraftvollen Stimmen bewundern, die ohne Anstrengung
den colossalen Raum beherrschten, als die Akustik des Baues,
welche diese Wirkung so günstig unterstütze. Das Personal
bestand durchwegs aus Italienern. Dadurch erhielt
Musik eine leichte
sagen, es sei durch den Vortrag die Composition irgendwie
verunstaltet oder Lügen gestraft worden. Die Sänger nah
men es ernst mit ihren Rollen und erlaubten sich keine
Aenderungen. Allerdings hebt der
zelne Phrase scharf und nachdrücklich hervor, und sein Ausdruck
ist fast überall ein gesteigerter, pathetischer. So konnte es nicht
überraschen, daß
Innigkeit, die Scherze
ter bekamen und in ihren musikalischen Contouren stärker,
plastischer hervortraten, als in Tasca, ein Tenor von kräftigem Brust
zu schließen, der Liebling des Publicums. Die Ausstattung
hielt sich größtentheils an
erheiternde geographische Freiheiten, wie im ersten Acte die
nach
Bauerncostüme. Die Decoration der Wolfsschlucht war gut
gemalt, das Gespensterwesen angemessen, bis auf die zu zahl
reichen rothen Teufel, die mit ihren Turnübungen den
Kugelguß verherrlichten. Auffallend war, daß
seiner gewöhnlichen Stimme sprach, wie jeder andere Acteur,
und daß auf
Zwei!) kein Echo antwortete. Aus vielen ähnlichen
Details und dem eigenthümlich balletmäßigen Charak
ter der ganzen Gespensterwelt konnte man sich neuer
dings überzeugen, daß dem Italiener der rechte Sinn
für das Märchenhafte fehlt. Das
färbt sich ihm unwillkürlich zur heitern Antike, zu einer Art
„klassischer Walpurgisnacht“ im Balletstyl. Ausdrückliches
Lob gebührt dem Scala-Theater, daß es, unverführt durch
neueste Vorbilder in
Acten gibt, wie er geschrieben ist, und nicht die Wolfsschlucht
zu einem eigenen vierten Act ausrenkt. Hingegen übt man
in
mehractiges Ballet zwischen die Oper einzukeilen. Der Vor
hang, der über die Gräuel der Wolfsschlucht gefallen, erhob
sich wieder, nicht um uns in
führen, sondern um den Prunkscenen eines großen Ballets,
„ Bianca di Nevers“, Raum zu geben. Dadurch wird
nicht über das Gewöhnliche und standen entschieden zurück
hinter dem Ausstattungswesen des
Hingegen bot ein Erntefestzug, welcher den ersten Act der
„
lebende Ziegen und Lämmer, von fröhlichen Kindern geführt,
bildeten die Avantgarde, der ein riesiger ochsenbespannter
Erntewagen folgte. Das Ganze, an L.
geordnet und ausgeführt.
In Bologna sprach man noch mit Stolz von der
mit anderen Anzeichen dürften diese doch eine bevorstehende
Geschmackswendung signalisiren. Zu diesen anderen An
zeichen gehört ohne Zweifel auch die zunehmende Fertigkeit
im Orchesterspiel. Auf einer Bühne minderen Ranges, dem
Teatro delle Loggie zu Flo
neueste Oper „
wöhnt. Es ist nicht das einzigemal, daß es sich einbilden
läßt, das gerade gehöre zum Genusse, was den Genuß ver
dirbt.“ Nun, diesen Unfug habe ich diesmal nicht mehr vor
gefunden, weder in der Scala bei der „
noch hier in
mal bei Verdi’s „
Als Curiosum sei noch erwähnt, daß wir in
im Teatro Niccolini von einer
truppe die denkbar erbärmlichste Aufführung von
häßlich und steif, die Herren ohne jegliche Komik, Alle ohne
Stimme und ohne Talent. Die Rolle der
von einem Mann gespielt, welcher mit heiserer Baßstimme
sprach und seine komischen Effecte darin suchte, zähneflet
schend bis an die Fußlampen zu rennen und ins Parterre
herab Gesichter zu schneiden, vor welchen man sich noch daheim
im Bette fürchtete. Der Scandal dieses
ist um so größer, als die
zweiten und dritten Ranges Vorzügliches im Lustspiel leisten.
Man kann in
tern („Politeama“ nennt man jetzt diese Arenen) vor einem
rauchenden und biertrinkenden Parterre vortrefflich Comödie
spielen sehen. Ich habe in meinem Leben sehr selten Ge
legenheit gehabt,
muthete, sie würden die leidenschaftliche Heftigkeit und das
stereotype Pathos ihrer Operndarstellung auch im recitiren
den Schauspiel nicht verleugnen. Wie überrascht war ich,
so viel Mäßigung im Affect, so viel Bescheidenheit in der
Komik, so viel Ruhe und Haltung bei diesen Schauspielern
zu finden! In dem neu erbauten, sehr hübsch an der Pro
menade
man ein neues Stück: „
ein modernes Gesellschaftsstück mit endlos langen Dialogen
und magerer Handlung. Es war von einem jungen
nueser
persönliche Freunde und Feinde sich in zwei Heerlager theil
ten und applaudirend, rufend, zischend, pfeifend einen klei
nen Vernichtungskrieg gegen einander führten. Daß die
Pfeifer allmälig verstummten und den Applaus endlich un
behelligt ließen, war wesentlich das Verdienst der guten
Darstellung. Namentlich die Damen entwickelten eine solche
Feinheit und Natürlichkeit des Spiels, eine so maßvolle
Haltung, vor Allem eine so hinreißende Lebendigkeit der
Mimik und der Augensprache, daß man ohneweiters auf
Künstlerinnen von bedeutendem Rufe hätte rathen dürfen.
Und doch war das Theater nur eine Arena und die Schau
spielerinnen kaum besser bezahlt, als bei uns eine Cho
ristin. Ganz ähnliche Wahrnehmungen kann man in der
Arena zu
sationsstücke gegeben werden. Ein Beweis, wie verbreitet
das starke dramatische Talent in
es im Volke steckt. Gräulich ist in allen diesen Theatern
nur die Zwischenactmusik, welche, lediglich aus Bläsern be
stehend, ein rohes Blechhandwerk treibt. Mit Neid be
trachten diese Bläser ihren Collegen von der großen Trommel,
den Einzigen, welcher mit der Cigarre im Munde spielen
kann! Auch die Militär- und Nationalgarde-Musiken, die
man Sonntags in öffentlichen Gärten hört — in den
pubblico
licher Productionen in
welche auf schlechten Instrumenten eine Anzahl Polkas und
Opern-Cavatinen verarbeiten.
Eine Bemerkung kann ich schließlich nicht unterdrücken,
wenn auch der sehr enge Kreis meiner
nehmungen mir nicht gestattet, ihr eine allgemeine Be
deutung zuzusprechen. Ich habe nämlich in den Theater-
Vorstellungen, die mir zugänglich waren, das Publicum wenig
enthusiastisch gefunden, auch nicht bemerkt, daß in Kaffee
häusern oder auf der Promenade Musik und Theater so
lebhaft wie einst besprochen würden. Wenn ich von dieser
relativen Theilnahmslosigkeit auch abziehe, was auf Rech
nung der Sommersaison fällt, es verbleibt doch immerhin
ein nicht zu übersehender Rest.
Die Erklärung dafür glaube ich in einem alten Buche
zu finden, in der „ Stendhal.