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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Vorstellungen im neuen Opernhause ge
wannen in den letzten Wochen eine anregende, lebensvolle
Abwechslung durch die Gastspiele von Herrn
und Fräulein Schröder.
Tenoristen von unbestrittenen Verdiensten, an Stimme und
Gesangskunst unserem Gaste überlegen. Allein das quanti
tative Messen und Compensiren reicht hier nicht aus; der
Eindruck, den wir von
ein qualitativ verschiedener. Nicht daß er die Eigenschaften
seiner Collegen in höherem Maße besitze, macht ihn so
überwältigend, sondern Eigenschaften, welche die Anderen so
gut wie gar nicht besitzen. Ein hartes Wort und dennoch
wahr. Freilich sind wir niemals empfindlicher, als wenn uns
Naturgaben abgesprochen werden, deren Erwerb nicht in
unserer Macht steht, wie körperliche Schönheit und Geist.
weit mehr auf der Bühne. Dabei hat er unermüdlich gear
beitet, seinen Schaffenstrieb frisch, seinen künstlerischen Ernst
sich makellos erhalten. Damit aber nichts vollkommen sei,
gab ihm die Natur eine starre, unbiegsame Stimme mit
und setzte ihrer musikalischen Ausbildung allerlei Hemmnisse
und Grenzen. Wir haben es im Jahre
nigt, wenn
unzureichend und reizlos sang. Und dennoch will die Erin
nerung an so vieles Ergreifende und Bedeutende in dieser
Leistung, wie der ganze erste Act, das Auftreten
vierten Acte, uns seither nicht verlassen. Wie gern hätten
wir diesen Faust mit all seinen Unvollkommenheiten wieder
gesehen! Wie freudig würden wir jede neue Rolle
mann
linien prophetisch aus der Hand lesen kann! Hoffen wir,
daß
werde, den
zustellen, desgleichen den im Repertoire bereits angekündig
ten, aber geheimnißvoll wieder verschwundenen
In
neue Rolle: der Rienzi! Sie ist der Individualität dieses
dabei mit einer Klarheit und Eindringlichkeit der Declama
tion, welche nicht eine Sylbe verloren gehen ließ. In der
folgenden Scene hat
gelegt, die überlegende Klugheit des Politikers gewinnt die
Oberhand. Die äußere Ruhe, mit welcher
Scene mit
als früher sein Ungestüm. Ja, diese Momente ernster Ge
lassenheit schätzen wir besonders hoch in ihm sind sie Natur, gewöhnlichen Opernhelden unerreichbar.
Ganze Scenen vermag er in würdevoller Ruhe festzustehen,
nur sein Auge spricht und zeitweilig eine leichte Handbewe
gung; ein ganzer Mann und ganz bei der Sache. Kein
conventionelles Vorstürzen, An-die-Stirne-greifen, Die-Arme-
ausbreiten und wie all die stereotypen Bewegungen heißen,
die man so im wirklichen Leben nie sieht und doch in der
Oper als das Alleinwahre acceptiren soll. Wenn der junge
Edelmann
Freiheitssinn, sich zu
mann
Stillen überlegend, fährt er einigemale mit der Hand über’s
Kinn, sich den Bart zupfend. Diese hier wohlangebrachte
realistische Geste hat uns überrascht. Eine Kleinigkeit,
gewiß — aber hat man jemals einen Heldentenor in irgend
einer Oper sich den Bart streichen sehen, ausgenommen in
der „
lich, da ist es hergebracht; sonst verfällt Keiner auf
eine solche Bewegung, weil sie nicht zur Opern
praxis, zu den „idealen“ Herkömmlichkeiten gehört.
Im zweiten Acte glänzt
mirten Anrede an die gedemüthigten Cavaliere; die feine
Wendung von dem gebieterischen Tone zu der verbindlichen
Einladung am Schlusse wird Niemandem entgangen sein.
Im dritten Acte hat
heldenhafter Repräsentation; er reitet als Sieger ein und
haranguirt vom Pferde herab das ihn umdrängende Volk.
Wir hegen keine Sportpassionen, am wenigsten im Theater;
aber wie die Hünengestalt
busch hoch zu Roß erscheint, das Thier mit sicherer Faust
bald rechts, bald links lenkend (Andere danken
sie nicht zugleich aus dem Tact und aus dem Sattel fallen),
das thut jedem Auge wohl und macht die dramatische Illu
sion vollständig. Bei der letzten Vorstellung fügte es sich
recht artig, daß
Abend erschreckend unartig aufgeführt hatte), mit dem Vor
derfuß streng im Tacte scharrend, den Gesang seines Herrn
accompagnirte. Sahen wir im zweiten und dritten Acte
vierte gestürzt, verfolgt, verlassen.
Wandlung ungemein schön und wahr zur Anschauung.
Zuerst das stumme, wehmüthige Erstaunen ob des plötzlichen
Verrathes, dann die schmerzliche Freude über die einzig Treu
gebliebene, seine
„
groß. Kurz, wir verdanken es der großartigen Leistung
mann
einflößte und damit über die prunkhafte Armseligkeit der
Composition hinweghalf.
Die übrigen von
kannten Rollen waren der
Nicht nur der Erfolg derselben war glänzender als vor vier
Jahren, auch die Leistung selbst. Fürs erste fanden wir die
Intonation
keineswegs unfehlbar; sodann klang seine Stimme in den
größeren Räumen des neuen Opernhauses besser, nicht so
starr und gewaltsam, als vordem im Kärntnerthor-Theater.
Insbesondere
weise mißglückte Leistung
in fast überraschender Weise durch die ungleich harmonischere,
reinere Ausführung des Gesanges. Wie Blätter und Blüthen
keimte aus der durchaus einheitlichen, poetischen Auffassung
der Rolle eine Anzahl geistvoller, charakteristischer Züge.
Wir erinnern blos an die Gebet-Scene im ersten Act, un
mittelbar vor dem Zweikampf. Während die Darsteller des
zeigen, sich heroisch in den Vordergrund postirend, bleibt
Uebrigen im Mittelgrunde stehen. Ebenso schön charakterisirt
er die seraphische Natur des Gralritters im zweiten Finale,
wo von allen Seiten Anklagen und Verdächtigungen gegen
Wehmuth gemilderter Hoheit steht
hetzenden und aufgehetzten Parteien, weder begütigend noch
drohend, den Blick still gegen Himmel gerichtet: Sie wissen
nicht, was sie thun! Auch in dem Liebesduett mit
entschädigte uns die treffliche Declamation und das aus
drucksvolle Spiel für den hier wünschenswerthen sinnlichen
Reiz der Stimme. Wie faßt er
Schönste schien uns der Schluß dieser Scene: nachdem er
mälig, langsam sinken, im selben Maße sinkt seine Hoffnung,
seine Lebensfreude, bis endlich die mit unsäglicher Traurig
keit hingehauchten Worte: „Nun ist all unser Glück dahin!“
die Herzens-Tragödie des Stückes abschließen.
Unmittelbar auf
königlich Schröder. Schade, daß man nicht beide Künstler einmal
und verschwommen. Unbedingtes Lob verdient ihr Triller,
desgleichen die raschen diatonischen Scalen, endlich der
schöne Klang des Mezza voce. Den Ausdruck fanden wir
correct und anmuthig, wenn auch selten tief oder
leidenschaftlich. Das dramatische Element steht in Fräulein
tritt niemals energisch, mit hinreißender Wahrheit hervor,
verstößt aber auch nirgends gegen die Intentionen des
Dichters oder des Componisten. Der Segen natürlicher
Anmuth begleitet Fräulein
Schritten. Ihr Spiel, obwol überwiegend conventionell,
besitzt einen negativen Vorzug, auf den wir großen Werth
legen: es ist niemals überladen oder verkünstelt. Das hat Fräu
lein
gelernt, nach tüchtigen Mustern des dortigen Schauspiels
und der Oper. Der gute
wendet, besonders wenn er sich der Beredsamkeit seines
Blickes und Tonfalles bewußt ist, nicht so viele und so
heftige Bewegungen wie der
das angeboren kühle Temperament durch übertriebene
Action Lügen strafen und sich selbst fortwährend aufstacheln
wollte. Die maßvolle, vornehme Haltung Fräulein
war namentlich in Rollen di mezzo carattere wie
und
sein soll, daß man damit auch für höhere Aufgaben aus
reiche. Bei den schönen Mitteln und dem echt künstlerischen
Streben Fräulein
laufbahn gewiß; namentlich im Verbande einer großen
Bühne würde sie bald manche Unebenheit abschleifen und
tiefer hinter das Geheimniß des Theatralisch-Wirksamen
kommen. Wir würden uns freuen, wenn Fräulein
so günstig aufgenommenes Gastspiel zu einem Engagement
am Hofoperntheater führen sollte.
Sowol Herr
von unseren heimischen Künstlern aufs beste unterstützt. Es
war ein Genuß, Fräulein Ehnn und Herrn
Friedrich-Materna. In