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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
so machen es alle Theater-Directionen, daß sie nur dem
trügerischen Glanz der modernen Opern huldigen und die
schlichtgefaßten echten Perlen classischer Musik im Staube liegen
lassen! Warum gibt man nicht mehr
So hört und liest man klagen zu jeder Zeit und überall,
wo es nur in
Alle acht oder zehn Jahre fühlen denn auch regelmäßig diese
Directionen ein classisch Rühren und wagen wieder einmal
den Versuch mit der „
stellung geht Alles gut; es wird applaudirt, gerufen, gelobt,
und im Zwischenact versichert ein Nachbar den andern seines
Wonnegefühls über diese herrliche Musik. Aber selten ge
schieht es, daß einer dieser Lobredner das Bedürfniß fühlt,
sich „
hören, und nach wenigen Vorstellungen spielt die Oper vor
leeren Bänken.
Theater-Directionen. So machen es Alle, alle die musikali
schen Bildungspächter, welche „
Lippen und „
Ihnen zuliebe wendet man Zeit und Mühe auf diese Oper
(wie schwer sind drei Primadonnen zusammenzukriegen für
Proben und Aufführungen!), und nach vier bis fünf Wieder
holungen geht kein Mensch mehr ins Theater.
tutte
gemacht. Die trefflichste Aufführung in
bis vierzig Jahren war unstreitig die
gern
sie es nur mühsam zu einigen Wiederholungen. Noch weniger
vermochte die letzte
unser Publicum nachhaltig zu interessiren. Das Einstudiren
der „
Kräften besetzt werden kann — ist von Seiten der
Direction immer ein pietätvolles Opfer, ein künstlerisches
Geschenk an die kleinste classische Fraction des Publicums.
Die Direction verdient für dieses Opfer die wärmste Aner
kennung, aber einen ernsthaften Tadel verdient sie meines
Erachtens nicht, wenn sie es unterläßt. Ich halte „
tutte
trotz der reizenden Einzelnummern, welche einzeln, im
Concertsaal, so bezaubernd wirken. Die Ursache liegt theils
im Publicum, theils in dem Werke selbst. In uns: denn
während des raschen Lebens- und Verbrennungs-Processes,
den die Musik seit
gesteigerte Bedürfnisse angenommen, sind durch
lebhaftere Musik in der Oper gewöhnt worden. Das ist ein
Naturproceß, mit dem sich nicht rechten läßt.
hat uns in „
ungleich packendere Musik von höchster dramatischer Leben
digkeit gegeben; man kann doch unmöglich dasselbe Publi
cum, welches diesen Opern heute noch mit unersättlichem
Entzücken zuströmt, für unmündig erklären, wenn es bei
einem schwächeren Werke seines Lieblings kühl bleibt. Wir
sind schuld, oder die Zeit ist es, daß viele ehedem wirksame
Partien in „
listisch klingen. Aber eine andere, tiefliegende Schuld ruht in
dem Werke selbst und wurde gleich bei dessen Erscheinen
aufs bestimmteste empfunden und ausgesprochen. Der Refe
rent für
schrieb im Jahre
Oper in
daß unsere besten Componisten meist immer ihr Talent und
ihre Zeit an jämmerliche Sujets verschwenden. Gegenwär
tiges Singspiel ist das albernste Zeug von der Welt, und
seine Vorstellung wird nur in Rücksicht der vortrefflichen Com
position besucht.“ In der That, gibt es einen dürftigeren Stoff
für eine ganze Oper, als die Wette zweier
ihrer
schmacktere Zumuthung an den Köhlerglauben der Zu
schauer, als die fortdauernde Blindheit der beiden
welche ihre
zuvor noch gekost, nicht erkennen, ja ihr eigenes
mädchen
Arzt, dann für den Notar halten?
Libretto ist geistlos und impertinent, weil es den beiden
wenigen Stunden treulos zu machen. Die Verzeihung,
welche schließlich die Untreue dieser beiden
und welche damit gerechtfertigt wird, daß alle Frauen sich
gleichen, ist eine noch viel gröbere Impertinenz als die
früheren. Um dem abzuhelfen, hat man später das Libretto
dahin umgearbeitet, daß die beiden
Falle entdecken, und um ihre
stellen, als ließen sie sich von den Fremdlingen berücken.
Diese (von L.
tung
auch hier in
Wendung der Fabel hat aber die große Inconvenienz zur
Folge, daß sie zu der musikalischen Charakteristik des zweiten
Actes nicht paßt, indem die Mädchen jetzt nur affectiren,
nur zum Scheine äußern müssen, was
vollen Ernste meint. Es sind noch zahlreiche andere Um
arbeitungen und Veränderungen dieser Oper (von der es
im
unternommen worden, die wol einzelne Aeste beschneiden
oder stützen, allein nicht das Grundübel heben können, das
an der Wurzel sitzt und dem Baume den Lebenssaft aus
saugt. Wie weit man in diesen Reformen gegangen, mögen
nur zwei Beispiele darthun: erstens die einst im Theater
an der Wien gebräuchliche Treitschke,
mend die von Dr. Bernhard Gugler unter dem Titel
War nun auch
Mann dazu, aus einer poetischen Wüste einen musikalischen
Garten zu zaubern, so ist doch die Qualität des Librettos
von weit größerem Einflüsse auf ihn gewesen, als man ge
wöhnlich annimmt. Läßt sich doch in allen seinen Opern
verfolgen, wie auf den Höhepunkten der Dichtung auch seine
Musik sich zu größerer Gewalt erhebt. Die allzu nachsich
tige Sorglosigkeit
texten fand doch auch ihre Nemesis. Unstreitig hat in
„
witzigen und Herzlosen der Dichtung
Schöpferkraft beeinflußt und unter ihre normale Höhe her
abgerückt. Damit soll weder der vollendeten Schönheit ein
zelner Nummern in dieser Oper etwas genommen werden,
noch dem unvergleichlichen Hauch von Anmuth, der auf
dem Ganzen ruht. Es soll lediglich gesagt sein, daß
diese Composition, welche
Kraft und seines Ruhmes, zwischen dem „
und der „
Bedeutung diese Nachbarschaft nicht vermuthen ließe.
Ueberhaupt liegt in der Chronologie der
etwas so Wunderliches, sowol was die Gattungen als was
den künstlerischen Werth betrifft, daß sie eingehende Betrach
tungen verdiente. Modernen Musik-Philosophen wird es
freilich ein Leichtes sein, zu beweisen, warum gerade auf
„
der „
sie werden als tiefe, im Kunstbegriffe selbst ruhende Noth
wendigkeit demonstriren, was in ganz zufälligen Umständen
oder in der individuellen Sorglosigkeit und naiven Auffas
sung
fan tutte
laut, Grazie und Klarheit leuchtet, heißt nur mit anderen
Worten sagen, daß sie mozartisch sei. Sie ist dies in
in den größeren Ensembles. Namentlich das erste Finale ist
ein Gebilde von Meisterhand, reizend in der Melodie, be
scheiden-geistreich in der Begleitung, von treibender Leben
digkeit des Ausdruckes. Das kleine Quintett in F-dur und
das Terzett „Soave sia il vento“ sind musikalische Blüthen
von frühlingsmäßigem Duft und Schmelz. Ein tieferer,
seelenhafter Zug zeichnet sie aus, etwas von dem idyllischen
Zauber der schönen, meerbespülten Villa, welcher von den
Decorationen verrathen und offenbar nur durch die
abgeschmackten Bewohner verscheucht wird. Neben den
größeren Ensembles bilden die Arien und Duette
den schwächeren Theil, viele davon sind rein con
ventionelle, concertmäßige Ausfüllungen stereotyper For
men, sowol im pathetischen als im Buffostyle.
Bei der melodiösen Anmuth des ganzen Werkes und
der ansehnlichen Zahl schöner Einzelnummern wäre der Er
folg von „
Act sich nur auf der Höhe des ersten erhielte. Leider fällt
er dramatisch wie musikalisch ab, anstatt das Vorhergehende
lebhaft zu steigern und rasch zu schließen. Mit dem ersten
Fallen des Vorhanges ist die armselige Intrigue bereits
vollständig abgenützt, der zweite Act kann nur lästige Wie
derholungen und eine längst vorausgesehene Lösung bringen.
Die Musik müßte hier, um den Kampfplatz zu behaupten,
mit verdoppeltem Feuer einsetzen. Viele Nummern würden
einen leidenschaftlicheren Ausdruck, einen frischeren Rhythmus
und südlichere Färbung zugelassen haben. „Die Scene spielt
in
Hinsicht läßt sich von der Musik zu „
haupten, was von
wurde: daß sie zu gleichmäßig Alles in Rosenwasser taucht.
Die Handlung nöthigte
Weichlichen, anmuthig Spielenden zu verweilen — ein Ele
ment, das ohnehin für seine Individualität leicht gefährlich
wurde; für Gegenstücke der Kraft und Größe hatte der
Dichter in keiner Weise gesorgt.
Der Eindruck, den die Oper am 18. d. M. im neuen
Opernhause hervorbrachte, war ein sehr günstiger. Dem
ersten Acte folgte anhaltender Beifall und wiederholtes Her
vorrufen aller Darsteller; im zweiten wurden wenigstens die
hervorragenderen Nummern ausgezeichnet. Wenn die Theil
nahme gegen das Ende erkaltete, so liegt dies fast mit Noth
wendigkeit in der Sache selbst. Man hat die Einsicht gehabt
— und das ist die wahre Pietät — dem Total-Eindruck zu
liebe ein halbes Dutzend Musiknummern zu streichen und
andere passend abzukürzen. Zu bedauern ist nur, daß ge
rade zwei der schönsten Arien zum Opfer fielen, nämlich die
des
bella
werthvoller, als sämmtliche Arien der
zusammengenommen. Die Besetzung der Oper war vor
trefflich. Frau Wilt hatte in der, großen Stimmumfang
Gebiet der Spieloper würde mit Fräulein
läßlichste Stütze und seine anmuthigste Zier einbüßen, denn
in Rollen wie
„
gegenwärtig florirenden
tutte
und Mayerhofer bereits erprobte Repräsentanten der