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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Mit der Eröffnung des neuen Opernhauses
im Jahre
in
und der Größe des Gebäudes entspricht die scenische Pracht,
welche sich vor den Augen des Zuschauers entfaltet. Nur
auf einer Bühne von so riesigen Dimensionen, solchem Reich
thum des Maschinen- und Decorationswesens, nur mit so
außerordentlichem starken Orchester, Chor und Ballet sind
Vorstellungen
Opern möglich, wie wir sie im neuen Opernhause sehen.
Ein einziges Bedenken und Bedauern hat dieser prachtvolle
Bau alsbald hervorgerufen: daß hier der komischen und
Spieloper die Lebenslust fehlen werde, daß sie in diesen
weiten Räumen sich wirkungslos verflüchtigen müsse, wie
eine zu zarte Stimme, ein zu feines Gesicht. Der Verlauf
der letzten drei Jahre hat diese Besorgniß gerechtfertigt.
Anfänglich hielt man sich die Spieloper fast gänzlich vom
Leibe, die Mitglieder hatten vollauf zu thun mit der großen
Oper. Dann griff man zu dem Auskunftsmittel, an ein bis zwei
Abenden der Woche im alten Kärntnerthor-Theater das
kleinere Opern-Repertoire wieder zu spielen. Diese Maß
regel, welche insbesondere
gedachte, bewährte sich aufs allerbeste. Dem Publicum
waren seine kleineren, heiteren Lieblingsopern bereits em
pfindlich abgegangen, und wer einige Abende hindurch im
neuen Hause an dem Schaugepränge und den Massen
effecten der großen Oper sich schwelgerisch gesättigt hatte,
der kehrte dann noch einmal so gern zu dem alten Theater
zurück, um die angestrengten Sinne in den klaren Fluthen
einer heiter-melodiösen Musik zu laben. Opern wie „
„
doppelt ansprechend zu wirken, ja sie versammelten ein viel
dankbareres Publicum als ehedem. Das war die Rückwirkung
des neuen großen Opernhauses; man fing an, daneben das
kleine erst recht lieb zu gewinnen. In einem
dieses Blattes vom 7. Juli
möge das neue Opernhaus sich auf Ballete und große
Opern beschränken, der Spieloper hingegen eine feste Stätte
im alten Kärntnerthor-Theater bewahren. „So lange
wenigstens in dem alten Hause, als nicht ein neues,
eigens für dieses kleinere, der Kunst nicht minder werth
Errichtung eines zweiten selbstständigen Opernhauses nach
Art der Opéra Comique anstreben.“
Jene zeitweilige Benützung des alten Kärntnerthor-
Theaters für einige der beliebteren Spielopern war von
kurzer Dauer. Durch den unerforschlichen Rathschluß hoher
und höchster Hofbehörden wurde das Kärntnerthor-Theater
„definitiv aufgelassen“, Decorationen und Requisiten eiligst
verkauft und jedem künftigen Pächter oder Käufer des
Hauses die unerbittliche Bedingung gestellt, daß niemals
darin mehr eine Theater-Vorstellung stattfinden dürfe. Diese
selbst im „Reiche der Unwahrscheinlichkeiten“ überraschende
Verfügung, durch welche das ehrwürdige Kärntnerthor-
Theater ohne Abschied, ohne feierliche Schlußvorstellung,
gleichsam bei Nacht und Nebel heimlich hingerichtet wurde,
hatte zur Folge, daß nun auch für die komischen Opern das
neue Haus alleinige Stätte ward. Es brachte deren einige
zur Aufführung, aber nur mit sehr bedingtem Erfolge.
Mochte die Besetzung noch so gewählt, die Aufführung noch
so sorgfältig vorbereitet sein, das Publicum hatte doch
jederzeit die Empfindung, es sei dies nicht der rechte Ort
für das feinere musikalische Lustspiel und Conversationsstück.
Der intime Reiz dieser feinen Genrebilder von
Schritte und Armbewegungen der Schauspieler wurden
nothgedrungen länger, ihre Mimik gewaltsamer, ihre Con
versation nachdrücklicher, als sie in der Spieloper sein soll
ten und als sie auf einer kleineren Bühne sicherlich gewesen
wären. Es wurde Einem nicht warm, nicht heimisch dabei,
und thatsächlich begannen alle Journalberichte über solche
Vorstellungen mit dem unausweichlichen Satze von der
geringen Tauglichkeit des neuen Opernhauses für die
komische Oper. In einem
mußte ich bekennen, daß selbst für Opern wie „
und „
eine mögliche, aber keineswegs eine günstige Stätte sei.
„Viel weniger“ — so hieß es weiter — „steht dies von
der eigentlich komischen Oper zu hoffen, welche ein ungleich
feineres Mienenspiel und raschere, pointirte Behandlung des
Dialoges erfordert. Diese Gattung dürfte nach einigen An
läufen sich fast von selbst von dieser Bühne zurückziehen.
Darum bedauern wir auch die „Auflassung“ des alten
Kärntnerthor-Theaters, welches man ursprünglich als das
Asyl für die kleinere, heitere Oper beizubehalten gedachte.
Wir zweifeln aber nicht daran, daß über
kurz oder lang in Wien eine eigene Unter
nehmung für die komische Oper entstehen
werde. In dem Maße, als
Es ist Zeit, daß ich den geneigten Leser um Entschul
digung bitte für diese nicht ohne Selbstüberwindung, aber
auch nicht ohne guten Grund gebrachten Selbstcitate. Es
lag mir nämlich daran, zu constatiren, daß ich für die Grün
dung einer eigenen „Opéra comique“ in
und angelegentlich schon zu einer Zeit gesprochen habe, als
noch nicht die entfernteste Aussicht auf die Realisirung die
ses Wunsches sich zeigte. Jetzt, wo ein solches Unternehmen
von einem Verein kunstsinniger Männer auf gesicherten
Grundlagen vorbereitet ist und rascher Verwirklichung ent
gegengeht, fühle ich in mir etwas wie intellectuelle Mit
urheberschaft und mit dieser die angenehme Verpflichtung,
die Novität bei den Lesern einzuführen.
Der für das neue Theater gewählte Name: „Komische
Oper“ empfiehlt sich als wörtliche Uebersetzung von
sulirung der
wird die „Komische Oper“ in
viel weiter ausdehnen und auch solche kleinere Opern geben
können, welche (wie „
Recitative enthalten oder die Mitwirkung eines Ballets er
heischen. Sie wird von
bis
Lustspiel-Repertoire der
sch
und seit Kurzem in
das Wiedereinstudiren classischer Buffo-Opern, es wird in
unserer „Komischen Oper“ Hand in Hand gehen mit der
Vorführung des Neuesten, was in diesem Fache von talent
vollen, namhaften Autoren erscheint. Wer hat sich nicht in
neuem Interesse erquickt? Von dem alten Johann
Fr. Reichhardt an, der zu Ende des vorigen Jahrhun
Das Princip der Arbeitstheilung, das in Wissenschaft,
Kunst und Industrie unter modernes Leben durchdringt, ver
langt auch auf der Schaubühne sein Recht. Eine Bühne,
die wie unser neues Opernhaus auf die glänzende Reprä
sentation der großen Oper angewiesen und bis ins Detail
daraufhin eingerichtet ist, kann unmöglich die Spieloper in
gleicher Ausdehnung und mit gleichem Erfolge pflegen.
Selbst wenn sie es wollte, ihre Mittel würden den Dienst
versagen. Die Sänger der großen Oper, die ja hauptsäch
lich mit Rücksicht auf starke, ausdauernde Stimmen und
leidenschaftlichen Gesangsvortrag ausgewählt werden, sind
in der Regel ungeeignet für die leichte Conversations-Oper,
sie werden es von Jahr zu Jahr mehr, in dem Maße, als
in ihrem Theater die große Oper immer entschiedener
Alleinherrscherin wird. Nur in einem eigenen, stabilen
Theater können sich Specialitäten für die komische Oper
ausbilden, ein Styl, eine Schule des Singens und Spielens
in diesem Kunstfache. Ohne die Opéra Comique in
wären die reizendsten Talente, wie Madame
dere, niemals zur Entfaltung gekommen, sie wären
als Nebenfiguren in der Großen Oper verküm
mert. So verkümmern in
zahlreiche Künstler, welche durch die Natur ihrer
Stimme und ihres Talentes für die komische Oper ge
schaffen, sich dennoch zu mittelmäßigen
sängern hinaufschrauben, weil sie nur in diesem Fache eine
Carrière zu hoffen haben. Ist die „Komische Oper“ in
einmal mit Glück eröffnet, so dürften zahlreiche Talente
dieser Art aus ganz
Meisterschaft entfalten. Gerade so wie jeder jugendliche
Theater-Aspirant, der Stimme besitzt, sich der Großen Oper
widmet, so macht sich in
dem etwas einfällt oder auch nichts einfällt, an die Com
position einer heroischen oder tragischen Oper. Wo sollte er
auch eine komische Oper zur Aufführung anbringen? Und ist sie
irgendwo angebracht, welch zweifelhafte, kurze Laufbahn steht
ihr weiter in Aussicht? In
dürfniß nach Novitäten für die Opéra Comique und das
Théâtre Lyrique hält die Production in Fluß, und die bloße
Existenz dieser Theater hat manchen Componisten, dessen an
muthiges Talent an einem tragischen Stoff zerschellt wäre,
dem heiteren Genre und damit einem glücklichen Wirkungs
kreise zugeführt. Wir dürfen ähnlichen Einfluß von der
„Komischen Oper“ in
erschreckende Sterilität auf dem Felde des musikalischen Lust
spiels in
neuer komischer Opern den kräftigsten Hebel bilden werde.
So erscheint denn vom musikalischen Standpunkte die
Gründung einer eigenen „Komischen Oper“ in jedem Be
tracht erfreulich und vielverheißend. Sie begegnet einem
künstlerischen wie einem geselligen Bedürfnisse
auf seiner gegenwärtigen Höhe unstreitig zu wenig Theater
besitzt und namentlich einer zweiten Opernbühne die ge
winnreichste Zukunft verspricht. Natürlich wird die „Ko
mische Oper“ erst durch ihre Leistungen die ihr jetzt schon
entgegenkommenden Sympathien nachträglich verdienen und
rechtfertigen müssen. Alles oder doch das Meiste wird von
dem Wie der Ausführung abhängen. Zur Stunde, wo
der Bau noch nicht einmal begonnen hat, kann über den
künftigen künstlerischen Inhalt desselben unmöglich schon
etwas bekannt sein. Es bieten sich den Conjectural-Politi
kern nur einige wenige Anhaltspunkte. Diese sind zuerst
die allgemein geachteten Namen der Concessions-Besitzer,
sodann die Persönlichkeit des artistischen Directors. Man
kennt Herrn Albin Swoboda nicht blos als einen