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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Unter den literarischen Productionen Richard
nen, welche sich mit praktischen Fragen des Musik- und
Theaterlebens beschäftigen. Als Künstler von außerordent
lichem Bühnenverstand, als ein wahres Register-Genie, hat
dende Lichter auf einzelne Mißstände des Opernwesens ge
worfen. Unterlief dabei auch manches Uebertriebene, nur
aus specifisch
blieb doch noch immer genug des Anregenden und Beleh
renden. Wir erinnern beispielsweise an die im „
von
ohne die wünschenswerthe Legitimation wahrhaft sachgemäßer
Verbesserungs-Vorschläge auftrat und die Billigung jedes
ernsten Kunstfreundes, mochte er nun
sein oder nicht, sich errang. Ein wahres Labsal nach den
redseligen, abstract-theoretischen Abhandlungen
deren abstruser Inhalt nur von der Ungeheuerlichkeit des
Styls noch überhoben wurde. Seit einigen Tagen cursirt
eine neue Broschüre von
Titel: „ Ueber Schauspieler und Sänger“, sich
Entwicklung fast unmöglich. Im Zuge irgend einer wichti
gen Auseinandersetzung hält er oft plötzlich inne, um ein
Sturzbad von Zorn und Spott über Sänger, Schauspieler,
Dichter, Componisten, Capellmeister oder Intendanten zu
ergießen, so daß man sich verwundert fragt, was ihm denn
überhaupt daran liegen könne, mit solchen Creaturen sich
unausgesetzt abzugeben. Die Auflösung des Räthsels er
scheint früher oder später in der Hindeutung, daß er selbst
es sei,
ner
der inmitten der allgemeinen Verdummung und Verderbt
heit als fehl- und fleckenloses Vorbild dastehe. Unwillkür
lich denkt man an die alte Geschichte von dem gesprächigen
Herrn, der sich einigen das Irrenhaus besichtigenden Frem
den als Cicerone anbietet, ihnen über die Narrheit jedes
einzelnen Patienten die pikantesten Aufschlüsse gibt und
schließlich einen sich für
der stolzen Versicherung zurechtweist: Das muß ich ja am
besten wissen, da ich selbst
Im Eingange der neuen
seine Mimen noch ganz artig, wie ein höflicher Hausherr
an der Thür. „Unsere Schauspieler, Sänger und Musiker
sind es, auf deren eigensten Instincten alle Hoffnung selbst
für die Erreichung von Kunstzwecken, die ihnen zunächst
gänzlich unverständlich sein müssen, beruhen kann.“ Ja er
steigert das Verdienst der Schauspieler bis zur Uebertrei
bung, „daß der eigentliche Kunstantheil bei Theater-Auffüh
rungen lediglich den Darstellern zugesprochen werden muß,
während der Verfasser des Stückes zu der eigentlichen Kunst
nur so weit in Beziehung steht, als er die von ihm im
voraus berechnete Wirkung der mimischen Darstellung für
die Gestaltung seines Gedichtes vor allen Dingen verwerthet
hat. Darin, daß es in Wahrheit, und trotz aller ihm ein
geredeten Maximen, nur an die Leistung der Schauspieler
sich hält, bekundet das Publicum noch am besten einen
wirklich unverdorbenen Kunstsinn“. Daraus müßte folgen,
daß dem Publicum eine gute und eine mittelmäßige Dich
tung ganz denselben Eindruck mache, wenn nur beide von
denselben vorzüglichen Schauspielern dargestellt werden. Für
die „sichersten theatralischen Künstler der Welt“ erklärt
daß es sich in ihrem Theater stets nur um die Kunst
des Comödiespielens handle. Die Deutschen hätten
allerdings denselben Fehler, und man könne sagen:
„es werde hier wie dort Comödie gespielt, nur
spielen die Franzosen gut, die Deutschen aber schlecht“.
Talent sei dem Deutschen nur im „allerspärlichsten
Grade, ja fast gar nicht zu eigen“. In den
Theater-Aufführungen findet
Comödie zu spielen, in welcher
einen lächerlichen Travestirungs-Apparat auflöst. Eine per
sönliche Eitelkeit, welcher es an jeder Befähigung zur künst
lerischen Täuschung über ihre Zwecke gebricht, läßt unsere
Mimen daher im Lichte völliger Stupidität erschei
nen“. Nur vor Einem Mißgeschick sei der
spieler bewahrt: „er kann nie aus seiner Rolle herausfallen,
weil er nie darinnen ist“. So urtheilt
ganze
schlechtesten Abhub derselben gesehen hätte. War er denn
niemals im Burgtheater? fragt man sich unwillkürlich.
O ja;
ren (wahrscheinlich mit der
und
ersten Acten mit dem an den Director ertheilten Rath ent
fernt, er möge seine Schauspieler wenigstens veranlassen,
Alles gerade noch einmal so schnell, als sie es gethan, zu
sagen, und diese Maßregel mit der Uhr in der Hand durch
setzen; „so nämlich schien es mir möglich, den grenzen
losen Unsinn, in welchen jene Leute beim Tragiren
Einmal im Zuge, über die Schauspieler zu schimpfen,
erwischt er natürlich auch die Dramendichter beim Schopf,
als die schlimmsten Mitschuldigen an jenem grenzenlosen
Unsinn. Hebbel’s „
gehen hinter die Coulisse, verrichten dort eine monströse
Heldenthat und kommen dann auf die Bühne zurück, um
in geringschätzigem Tone, wie etwa Herr v.
über seine Abenteuer, darüber zu berichten ... wie als ob
Jeder sagen wollte, das Ganze sei doch nur eine Lumperei,
worunter dann ebensowol die
Theater zu verstehen wäre.“ In diesem Tone geht es fort.
Um das ganze Verbrechen Hebbel’s zu begreifen, muß
Bei Gelegenheit der „
Bühnendirectoren ihr Theil: „Unsere Schauspieler sehen
von ihren Intendanzen solche Stücke ebenso als bare
Münze aufgenommen, wie es in den sonderbar ironischen
Unfläthereien unserer in das Große arbeitenden Historien
maler von den Kunstprotectoren geschieht: es wird, wie un
erläßlich, Musik dazu gemacht, und nun muß der Mime
daran gehen, zu sehen, wie weit er es in seinen abgeschmack
testen Manieren etwa noch bringen könne.“
pört, daß unsere Theater den zweiten Theil von
„
wahrscheinlich
In seiner Sucht nach Paradoxen steigt
Behauptung auf, „daß kein Theaterstück der Welt eine
solche scenische Kraft und Anschaulichkeit aufweist, als dieser
ebenso verketzerte als unverstandene zweite Theil der
gödie
spricht „unser völlig blödsinnig gewordenes Kunsturteil“ —
kurz, es kann R.
das „in tiefster Wurzel verdorbene
zu wollen!
Wie soll nun aber
Höllenpfuhl wieder herauskommen? Ganz einfach: durch
einen kühnen Sprung. Nachdem er anfangs (Seite 10)
gesagt, der Deutsche besitze schauspielerisches Talent nur „im
allerspärlichsten Grade, ja fast gar nicht“, findet er auf
einmal (Seite 23), „daß der Deutsche auch für die drama
tische Kunst nicht minder befähigt sich zeigen werde,
sobald seinem Genius das ihm eigene Gebiet hierin frei er
öffnet, ja eben nur offen gelassen wird“. Wer eine feine
Witterung hat, der spürt hier schon im Säuseln des Lüft
chens das Herannahen von „
wenig Geduld.
wo der Schauspieler, welcher ja nur comödiantische Affecta
tion zur Nachahmung vor sich hat, den unentstellten, natür
lichen Menschen finden könne. Seine Antwort lautet:
Nur noch im gemeinsten Leben. „Nur in dem niedrigsten
Genre wird bei uns in
spielt.“ Soll dies ein anerkennendes Wort sein für die
volksthümliche Frische, mit welcher bei uns die Stücke von
„sogenannten Volkstheater in den
urtheilt
bild“. Das Ideal originalen theatralischen Volksgeistes, das
das Kasperltheater unserer
Jahrmärkte“! Im vollen Ernst. In einer solchen
Verlassen wir den Schauspieler und wenden wir uns mit
Opernsänger. Unter diesem verstehen
wir gegenwärtig den eigentlichen Sänger, von welchem nie
mehr ein Auftreten im recitirenden Schauspiel verlangt
wird.
Singspiels zurückzuwünschen, wo Schauspieler auch große
Opernpartien sangen und es noch keine eigene Coloratur-
Sängerin und keinen lyrischen Tenor gab. In diesen „beiden
seltsamen Wesen, welche vom übrigen Personale eines
Theaters in einer gewissen, sowol der Stupidität wie der
Virtuosität geweihten Absonderung leben“, erblickt
„das Verderbniß namentlich der
Anlage des Deutschen fremd sei, so hat er ohne Zweifel
Recht. Er geht aber zu weit mit der Behauptung, „der
unausführbar und wir müssen ihm durchaus ent
sagen“. Der
Worte schlechtweg „unausführbar“, als die
dadurch „zu einem verzerrten Wuste unverständlich articulir
ter Vocale und Consonanten“ wird. Wir fühlen deßhalb
keine Nöthigung, auf
der
sunde Sprache ausschließt“. „Da unsere Sänger nicht
natürlich aussprechen, kennen sie auch meistens den Sinn
ihrer Reden gar nicht, und der Charakter der von ihnen zu
gebenden Rolle wird ihnen somit nur nach allgemeinen
schattenhaften Umrissen bekannt. Bei dem hieraus ent
stehenden irrsinnigen Herumtappen treffen sie dann für den
Zweck des Gefallens auf nichts Anderes, als die hie und
da zerstreuten Ton-Accente, auf welchen sie nun mit stöhnen
dem Athemzug ihre Stimme, so gut es geht, loslassen.“
Es sei ihm nun fast erstaunlich gewesen, fährt
fort, „wie schnell ein solcher Sänger, bei nur einiger Be
gabung und gutem Willen, von dem Unsinne seiner Ge
wohnheiten zu befreien war, sobald ich ihn auf das Wesentliche
seiner Aufgabe in aller Kürze hinleitete“! Die Künste unserer Ge
sanglehrer seien freilich gänzlich vergebliche Mühe. „Es kann sich
nur darum handeln, von welcher Beschaffenheit die Auf
gaben sind, welche wir den mimischen Talenten unseres
Es ist nicht zu leugnen, daß
trefflich für seine Zwecke abzurichten versteht; aber wenn
er behauptet, erst durch das Einstudiren seiner „
singer
bracht zu haben, so widerspricht dem doch der Thatbestand.
Wir können nämlich versichern, daß jene Künstler, die sich
in der
neten (
und in ganz verschiedenen Opern genau so vortrefflich waren,
und daß umgekehrt die mittelmäßigeren Mitglieder nach den
„
sind, wie zuvor. „Ich darf mir,“ sagt
Verdienst zusprechen, durch die musikalischen Zeichen meiner
Partitur dem Sänger die richtigste Anleitung zu einer
natürlichen dramatischen Vortragsweise, wie sie selbst dem
recitirenden Schauspieler gänzlich verloren gegangen ist, ge
geben zu haben.“ Hierauf läßt sich blos mit der Bitte an
den Leser antworten, er möchte eine beliebige längere Con
versationsstelle in den „
Reden der
im ersten Gespräch mit
Quinten, Sexten, mitunter noch weiter herumspringenden
Sylben, welche im Redeton des recitirenden Schauspielers um
einen Viertel- oder halben, höchstens um einen ganzen Ton
von einander abstehen — einer natürlichen Declamation
entsprechen oder aber das Gegentheil davon sind. Wenn
nach diesem „Beispiel“ der gesammte dramatische Vor
trag nicht nur in der Oper, sondern auch im Schauspiele
„wieder aufgerichtet werden“ soll, dann bitten wir doch in
aller Bescheidenheit lieber um Beibehaltung des „grenzen
losen Unsinns“ unserer
Nachdem
Eintritt als freundlicher Hausherr schmeichelhaft empfangen
hat, um sie dann desto bequemer und gründlicher abzustrafen,
fühlt er doch beim Abschied wieder die moralische Nöthigung,
ihnen ein Pflaster für ihre Wunden mitzugeben. Er thut
dies am Schlusse durch eine Verherrlichung der berühmten
ordentliche Seltenheit wohlthuenden Eindruck,
einem andern als seinem eigenen Bilde warm werden zu
sehen. In dieser ungewohnten Stimmung gesteht
sogar, daß ihn die
famile
muthung ziehen, es müsse dem
und Kunstbildung auch lange vor dem „
möglich gewesen sein, aus dem Banne „comödiantischer Affec
tation“ und „völliger Stupidität“ ein wenig herauszutreten.