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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wagnerianer von allen Seiten! Schriften von
es fängt an, unerträglich zu werden. Wie gütig und weise
wäre es doch von allen diesen Herren, ein paar Jahre zu
pausiren, die Musikwerke
oder gegen sich sprechen zu lassen und der in zwei Lager
gespaltenen Musikerwelt einen ganz kurzen Waffenstillstand
zu gönnen. Gibt es doch nichts Verderblicheres für die ge
deihliche Entwicklung und das geistige Reifen der Kunst, als
dieses unaufhörliche Gezänk und Gehetze. Was ist nicht schon
Alles über das ungelegte Ei von
gedruckt worden!
Schreibefieber befallen, das in wenigen Jahren seinen „ Ge
“ zu einer erschreckenden Cor
Von dieser
Bände in Groß-Octav erschienen. Da Richard
viel geschrieben hat, Bücher, Flugschriften, Journal-Artikel,
worunter so manches schwer Zugängliche oder fast Verschollene,
so war die Idee einer Sammlung ganz zweckmäßig, voraus
gesetzt, daß sie systematisch geordnet werde und man das
Zusammengehörige darin auch wirklich beisammen finde.
Aber
Der Zusammenhang des Inhalts gilt ihm gleich, nur
seine individuelle Entwicklung, seine Persönlichkeit
erscheint ihm wichtig, und so bringt er, „nach psychologischer
Methode“, seine Schriften in chronologischer Reihenfolge.
Wer nur einigen literarischen Ordnungssinn besitzt, dem
wird übel zu Muthe, wenn er in diesen „
Schriften
sätze
hierauf wieder das „
Drama), den „
Zukunft
rechtfertigt
nach allen Seiten meiner Entwicklung mir folgen kann“.
Die Operntexte gehören, unseres Erachtens, gar nicht zu
den selbstständigen literarischen Productionen
deßhalb auch nicht in die „
sind ein unzertrennlicher Bestandtheil seiner Opern, und wer
den „
studiren will, der holt sich die Musik mit dem darunter
stehenden Text. Sollten aber diese Textbücher, die wol
kaum Jemand ohne die Musik lesen wird, dennoch in die
zusammengestellt werden. Den hätten freilich wenige Leute
gekauft, und so hat man es denn so eingerichtet, daß, wer
zwei bis drei neue (d. h. verschollene) Journal-Artikel
ner
bücher mitkaufen muß. Ja, noch mehr: ein untrennbares,
bisher in Einem Bande erschienenes Werk: „
Drama
dem unvermeidlichen Ballast von Operntextbüchern beschwert,
in einem anderen Band untergebracht. Ebenso die zusam
mengehörige
ten, daß noch niemals Autors-Eitelkeit und Verleger-
Speculation sich zur Hervorbringung einer solchen bibliogra
phischen Mißgestalt vereinigt haben, wie es diese „
Ausgabe
Von den aus
nen Verherrlichungs-Broschüren ist die neueste: „Die Auf
führung von Beethoven’s Neunter Symphonie
unter Richard Wagner in Bayreuth am
solcher Verzückung, als wäre ihm die
etwas ganz Neues. Dahin zielt auch das Ganze ab, daß
eigentlich Niemand, der diese Tondichtung nicht unter
ner
begreife. Es ist charakteristisch, daß Herr
ders ergreifenden Stellen der
entrollte hier vor uns ein Bild von schreckenvoll gewaltigem
Charakter.“ Also Wagner, nicht
Die maßlose Verherrlichung
zahlreiche Adepten (zum Theile nach seinem eigenen Vorbilde)
betreiben, erzeugt als natürlichen Rückschlag ebenso maßlose
Angriffe auf
nerischen Broschüren sind bei sehr gutem Willen doch so
plump und geistlos geschrieben, daß sie
schaden können, sondern nur den Verfassern selbst. Dahin
gehört eine angebliche „musikalische Studie“ von Berthold
Settenhofer (
fruchtbarsten und originellsten Talente auf dem Gebiete der
Theatermusik. Jeder von Beiden hat seinen eigenen Styl
— gut oder übel — sein eigenes Cachet, an dem er sofort
kennbar ist. Das will nicht wenig sagen und läßt sich weder
todtschweigen, noch mit Grobheiten „im Harnisch“ todtschlagen.
Unvergleichlich besser als die genannten Broschüren ist
ein Epilog zur
helm Mohr, betitelt: „
Anti-
Weber in Dullo: „
gliederung und Beurtheilung des „
von
Abgeschmackte und Häßliche dieser „Dichtung“ beim rechten
Namen zu nennen.
Ueber die
fast wörtlich wie oben Dr.
samen
Getreuen besetzter Wall gegen das Publicum und sein Urtheil:
die öffentliche Meinung“.
Ein ganz ungewöhnliches Aufsehen macht die soeben
ausgegebene Broschüre von Dr. Th. Puschmann:
entscheiden. Wir enthalten uns daher auch jedes eigenen
Urtheils über das außerhalb unserer Competenz liegende
Ergebniß dieser Studie und wollen nur rein objectiv deren
Hauptinhalt unseren Lesern mittheilen.
Dr.
Opern
„
„
hung vorgegangen sei. Unter den krankhaften Symptomen,
die der Verfasser aufführt, ist das erste die „alles Maß und
Ziel überschreitende Selbstüberschätzung“. Beweise dafür bieten
bekanntlich in Hülle und Fülle
Verfasser hat nicht schlecht ausgewählt. Ebenso anmaßend
wie in seinen Schriften sei
Verkehr. Größenwahn, und dieser sei
„ein charakteristisches Symptom der psychischen Entartung,
welche häufig nur die Vorstufe zu tieferen Störungen der
Geistesthätigkeit sei. Es braucht mit dieser Form durchaus
nicht eine gänzliche Verrückung der psychischen Processe ver
bunden zu sein, wenn sich auch früher oder später die Fol
gen der geistigen Störung geltend machen werden“. Der
Wahnsinn aus Hochmuth befällt gewöhnlich jene intelligenten
Menschen, bei denen der Egoismus die ganze gemüthliche
Sphäre ausgelöscht hat. Ein zweites Krankheitssymptom
bei Verfolgungswahn, wie er sich am
deutlichsten in der bekannten Broschüre vom „
der Musik
gegen ihn geschmiedet; es existire in
schwörung, deren Complicen nur der Einen geheimen Ordens
regel gehorchen, welche Haß und Verfolgung
u. s. w. Zu den Verschworenen gehören die musikalischen
Recensenten, die Intendanzen der großen Theater, vor Allem
aber die Juden, die sich solidarisch verbunden und verpflichtet
haben,
ker Wahn,“ bemerkt Dr.
ner
zu gescheit ist, um auf so unnütze, faule Geschäfte, wie die
Verfolgung
verwenden.“ Intellectuelle Störungen verrathen ferner die
politischen und social-reformatorischen Versuche
Julius Fröbel (ein Verehrer der
Nach dieser Betrachtung der intellectuellen
Seite von
die moralische über, auf den Charakter. Der Verfasser
bespricht jene Form der Geisteskrankheiten, welche „moralischer
Irrsinn“ (moral insanity) genannt wird und sich weniger
in Alienationen der Intelligenz, als der Gefühle und des
Willens äußert. „Die Krankheit zeigt sich in Verkehrtheit
der Neigungen, Perversität der Begierden und Wünsche und
in dem vollständigen Mangel der sittlichen und socialen
Gefühle.“ Daß die Wahn-Ideen etwas Accidentelles und
der eigentliche Charakter der Seelenstörung die moralische
Alienation ist, haben in neuester Zeit die wissenschaftlichen
Gutachten der berühmten Irrenärzte Dr.
und Dr.
schlagend bewiesen. In ihren Augen war
unzurechnungsfähig zu einer Zeit, wo ihn Niemand noch
für geisteskrank hielt, weil der schärfere Blick des Psychiaters
dort schon das erste Stadium der Geistesstörung erkennt,
wo der Laie nur unbegreifliche Inconsequenz, Thorheit und
Bosheit erblickt. „Wer, wie Richard
Bande der Familie, der Ehe, der Freundschaft und Liebe
frech zerreißt und seine moralische Entartung zur Schau
trägt,“ sagt
Verachtung, oder wenn, wie hier, Geistesstörung vorliegt,
auf das Mitleid der Welt.“ Nachdem der Verfasser auch
das physiologische Gebiet berührt und den großen Ein
fluß einer überreizten geschlechtlichen Sinnlichkeit abge
schätzt hat, gibt er eine kleine psychologische Skizze von
tion zeugt. In den einzelnen Wendepunkten dieses reichbe
wegten, wechselvollen Lebens sucht der Verfasser den
Ursachen der angeblichen Geistesstörung
weit es möglich ist, auf die Spur zu kommen.
Die immerhin waghalsige Veröffentlichung seiner psychiatri
schen Studie rechtfertigt Dr.
Worten: „
gewöhnliche Glücksumstände emporgewirbelt, eine culturhisto
rische Bedeutung erlangt; er ist der Führer, der Name für
eine krankhafte Bewegung, welche in unseren Tagen immer
mehr Terrain zu erobern droht. Sie ist es, nicht die Person
sichtslose Art, mit der wir den persönlichen Charakter
ner
Herzloses, so trösten wir uns mit dem Gedanken, daß sie
vielleicht für manchen seiner Anhänger sehr nützlich und heil
sam sein wird, indem sie ihn von einem Wege abbringt,
der zum Verderben und geistigen Ruin führen muß. Auch
der Person
Dienst zu leisten; für Krankheit, welche ein Unglück, aber
keine Schande ist, gibt es Heilung und Genesung.“