Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es sind mehrere Jahre her, daß Freund
lesenswerthen als wenig gelesenen Zeitung verschwieg, das
Glück pries, für einen großen Leserkreis zu schreiben. „Was
Sie heute in die Druckerei schicken, lesen morgen dreißig
tausend Menschen. Ja, in die „
schönste Schreiben!“ Mit diesem durch die Drolligkeit der
Satzfügung wie des Vortrages mir unvergeßlich gebliebenen
Stoßseufzer schloß er seine Rede. Er hatte Recht mit seiner
wohlwollend neidischen Gratulation; aber ein halbunter
drückter Seufzer klang unwillkürlich auch durch meine Ant
wort. Denn es kommt im Leben des Feuilletonisten doch hin
und wieder ein Tag, wo die gar so vielen Leser ihn eigent
lich geniren, wo wir kleinmüthig, zum Schreiben unaufge
legt oder auf sehr dürftigen Stoff angewiesen sind und
dieses Bekenntniß viel leichter vorbringen würden in einem
kleinen intimen Kreise. Am liebsten möchte man so ein
Pflicht-Feuilleton geschrieben haben, ohne es erst schreiben
zu müssen. Da dies leider auf keine Weise angeht, so
wünscht man mindestens, es möchte, was unter solchen Um
ständen nun einmal geschrieben und gedruckt sein muß, so
wenig als möglich gelesen werden. Einen Tag im Jahre
gibt es, an dem man mit größter Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit darauf zählen kann; einen Tag, den man
nach Analogie des bekannten Saales „des pas perdus“ im
nennen darf. Dieser Tag ist der 24. December. Da sehen
die Männer ihr Journal nur flüchtig an, die Frauen gar
nicht. Ein rascher Blick auf die Telegramme, auf die Tages
neuigkeiten, auf die Weihnachts-Inserate und dann — fort,
in die Kaufläden und zurück zum Schmücken des Christ
baumes, der vom frühen Morgen an ganz eigentlich das
Haus beherrscht und Groß und Klein zu seinen vergnügten
Sklaven macht. Am 24. December leben die Menschen in
viel zu glücklicher, erwartungsvoller Geschäftigkeit, um Con
certberichte zu lesen, und die Wenigen, denen keine liebe
Hand mehr einen Christbaum aufputzt und die für keine
Lebenden ein Wachskerzchen anzuzünden haben, sie irren wol
auch, Vergessenheit suchend, in den Straßen oder wühlen
daheim in Erinnerungen, die weitab liegen von der neuesten
Zeitung. So oft es nur anging, habe ich diesen Tag für
meine Feder in Beschlag genommen, diesen Einen
tag im Jahre, wo man „unter dem Strich“ einsam in
spärlichem Gedankenbassin plätschern kann, ohne daß Jemand
durch die Spalten hereinsieht.
Es fehlte zwar nicht an Musikproductionen aller Art
seit meinem letzten Concertberichte. Dennoch findet sich nur
wenig darunter, was zu eingehender Kritik auffordert. Das
hat keineswegs von vornherein eine tadelnde oder gering
schätzige Bedeutung, denn auch über die vortrefflichste Com
position läßt sich nichts Neues sagen, wenn sie und die aus
führenden Künstler längst bekannt sind. So verhält es sich
z. B. mit Jean Florentiner Quartett“,
das uns, mit einer einzigen Ausnahme, nur Längstbekanntes
in freilich trefflicher Ausführung darbot. Diese Ausnahme,
Vincenz Lachner’s „
wieder mit einer Art nichtrostender Jugendliebe den Namen
des verehrten Meisters. Aber das genannte
doch zu den schnell welkenden, es hat keinen kräftigen Trieb
und Aufschwung; das edle Pathos des ersten Satzes geht
bald in gebildete Redseligkeit über, das des Finale endlich
wirkt geradezu herabstimmend. Auch dem Spieler erweist
sich das Stück nicht eben dankbar; kaum kann Anfang und
Ende eines Concertes weniger glänzend und pompös sein;
der Virtuose tritt gleichsam unangemeldet, unbeachtet ein
und entfernt sich am Schlusse still à la hollandaise. Mit
dem wahlverwandten Geiste und der seelenvollen Zartheit
Lauterbach’s vorgetragen, vermöchte
Der „Orchesterverein der Gesellschaft der Musik
freunde“ erhält sich unter Herrn Friedrich Heßler’s Lei
dieses vielversprechende, mit so gewinnender Bescheidenheit
auftretende Talent zu seinem ersten Erfolge nur beglück
wünschen.
Das lieblich klingende Lob- und Trostwort „vielver
sprechend“, das uns Gutes in vermehrter, Mangelhaftes in
verbesserter Zukunftsauflage erscheinen läßt, es spricht nur
zur Jugend. Producirt sich hingegen ein Mann in den
„besten Jahren“ nicht zum besten, so kann man schwerlich
mehr an seine künftigen Fortschritte appelliren. Das ist der
Fall mit dem Pianisten Louis Marek aus
schaft doch ein vernehmlicheres Echo in ihm weckte. Bach, welche schrecklich in die
Gehen wir von den Einzel-Virtuosen zu den Gesang
vereinen über, welche in letzter Zeit stark im Vordergrunde
standen. Da gab es eine „Gründungs-Liedertafel“ des Aka
demischen Gesangvereines, dann eine „Fest-Lieder
sich in ganz
und
von einem so productiven, im besten Sinne populären Talent
wie
hier an herzlichster Anerkennung nicht fehlen, und die
Kritik, die doch am besten wissen muß, wie selten
Talente von der Art
res Erachtens, sich dieser Zustimmung nur anschließen.
Die Ausführung der
bekannten Chöre war vorzüglich. Der Akademische Gesang
verein kann sich zu der wiedergewonnenen Thätigkeit des
Ehren-Chormeisters Dr. Eyrich gratuliren; im Männer
ren, welch gefährlich Ding die Nachahmung Richard
ner
Zum Schlusse: „ Die Schöpfung“ von