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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Es gehört keineswegs zu den Annehmlichkeiten
des Kritikers, über ein vom Publicum kühl aufgenommenes
junges Talent zu berichten, gleichsam mit Anwendung von
günstig stimmenden Töne deutlich und verstärkt an das Ohr
des Lesers leiten. Aber noch schlimmer ist es, wenn das
junge Talent vom Publicum enthusiastisch gefeiert wurde
und die Kritik nun hinterher kommen muß mit stark abküh
lenden Betrachtungen. Das sieht so kleinlich und gemüthlos
aus, so mißgünstig — und doch ist’s nothwendig, will man
sich nicht zum Mitschuldigen machen an der künftigen Ver
wilderung eines solchen Sonntagskindes. Wir sprechen
von dem mit eclatantem Jubel aufgenommenen Concerte
des Componisten Joseph Sucher, derzeit Gesangs-Repeti
Kein Zweifel, daß
gen; springt es doch in einzelnen starken Funken jäh, mit
blendendem Ungestüm in die Augen. Aber das Vergnügen
daran währt immer nur wenige Tacte, die nächste Phrase
wirft uns mit Janitscharengewalt wieder aus der Stim
mung.
genauer theatralisches; auf dem Theater können solche al
fresco gemalte, in
Tonschilderungen ihre relative Berechtigung haben. Wenn
man aber an einer Reihe von Concert-Compositionen nur
das dramatische Talent loben kann, so gesteht man still
schweigend, daß sie in einem falschen Styl componirt sind.
So ist es auch mit
Lied „
denen Jugendträumen, für Chor und großes Orchester mit
Pauken, Triangeln und Becken componirt, macht von vorn
herein an seiner richtigen Einsicht zweifeln. Das
ginnt in
bei den Worten „Funken“ und „rothe Lichter“ regt sich
aber sofort der theatralische Dämon in Herrn
vollführt, unbekümmert um die Grundstimmung des Ge
dichtes, auf eigene Faust eine kleine Walpurgisnacht, die erst
ziemlich spät wieder in das Anfangsmotiv zurückbiegt. Wie
hier der Componist die effectvolle Schilderung von Aeußer
lichkeiten zur Hauptsache macht, so gibt er auch anderwärts
anstatt der Total-Empfindung musikalische Steckbriefe ein
zelner Worte und Phrasen. Wenn es zum Beispiel in
am Mast der Calabrese“, so läßt
rath“ vom ganzen Chor mit einem Nachdruck heraus
schreien, welcher an die zähnefletschenden Bösewichter
an kleinen Provinzbühnen erinnert. Bei der Anrede des
Ritters (im „
springen bei dem Stichwort „Elfen“ sofort Harfen-Arpeggien
und was sonst zu diesem Naturgeister-Hausrath gehört, her
vor, obwol die Elfenwelt nichts mit der Scene zu thun hat.
Die größte Furcht der Anfänger, mißverstanden zu werden,
veranlaßt auch Herrn
streichen. Im Großen betrieben wird diese Maßlosigkeit in
dem
kurzen Anfangszeilen, welche nur präludirend die Stimmung
angeben sollen („Es ist die Zeit, wo die Natur einhergeht
auf der Liebe Spur“), verbraucht Herr
sten, heftigsten Steigerungen des Ausdrucks und der Instru
mentirung, Posaunen und Paukenwirbel, die Singstimmen;
fortissimo in höchster Lage — man glaubt ein großes
Opernfinale zu hören und hat es doch nur mit einer leisen
Frühlingsregung zu thun. Es versteht sich, daß die nach
folgende Sonnenaufgangs-Schilderung zur Hauptsache aus
gedehnt wird und das bloße Wort „Flimmer“ sämmtliche
Orchester-Effecte entfesselt, welche je in
tituren „geflimmert“ haben. Gerade an dieser Stelle
gibt aber der Componist in der Nachahmung des allmälig
erwachenden Vogelgesanges eine glänzende Probe seines schil
dernden Talentes und zugleich seiner Instrumentirungskunst.
Man kann das kaum effectvoller machen. Leider fallen gleich
auf die Worte: „Der Waldessänger ganzer Chor“ alle Blech
instrumente so wüthend ein, daß man glauben muß, es sitzen
nicht Amseln und Lerchen, sondern Cavallerie-Musikbanden
auf den Zweigen. Das folgende große Liebesduett ist voll
ständig
und Instrumentation, und gipfelt schließlich in einem trivia
len unisono, das eine feierliche Verlobung zwischen
ner
Die Schlußnummer des Concertes bildete
zählendes Gedicht „
Orchester. Wenn das dissonirende Geschrei und der Orche
sterlärm in der Geisterschiff-Scene des „
(dritter Act) für eines der bedenklichsten dramatischen Wag
stücke gilt, was soll man dazu sagen, wenn ein viel ärgeres
Spectakel als
binden sich Trompeten, Hörner und Posaunen, Kanonen
schläge, große und kleine Trommel (letztere fast in Perma
nenz) mit den in unarticulirtes Schreien und Rufen um
schlagenden Männerstimmen zu einem wüsten Lärm, von
dem sich jeder edlere Geschmack betrübt abwendet. Einige
Bariton-Lieder mit Clavierbegleitung sorgten dafür, daß
man nicht in ununterbrochenem Orchesterlärm zu Grunde
ging, außerdem noch, daß man nicht an Herrn
besserem Gefühle verzweifle. In diesen Liedern sind ein
zelne Züge von Sinnigkeit und warmer Empfindung. So
wirkt der recitativartige Anfang des ersten
des günstig durch seinen ruhigen, ernsten Ausdruck. Leider
hat das schon mit der fünften Zeile ein Ende, und der „in
tiefen Ernst Versunkene“ declamirt die Worte: „Mein Lieb,
ich hab’ an dich gedacht!“ als commandirte er eine
Schwadron Husaren. Auch das zweite Lied, „
hält sich etwa zwei Strophen lang recht gleichmäßig und vor
nehm, in der dritten aber revoltirt der Spectakelgeist im
Componisten, um das Gedicht in fast komischer Weise Lügen
zu strafen; denn gerade zu den Worten: „Das höchste Glück
hat keine Lieder, der Liebe Luft ist still und mild“ bricht
Herr
Vielleicht bin ich über
schweifig geworden; indeß, wo die Kritik tadelt, muß sie
meines Erachtens dreimal so viel Gründe beibringen, als
wo sie lobt. Ueberdies wolle Herr
führlichkeit entnehmen, daß ich ihn keineswegs zu den Com
ponisten zähle, die „nicht der Rede werth“ sind.
Das pianisirende Ehepaar Jaell hat, auf raschem
ohne rechten Zusammenhang und festen musikalischen Kern;
man konnte glauben, es sei früher Morgen und die Dame
sitze in Schlafrock und Pantoffeln am Clavier, allenfalls ein
Zeitungsblatt auf dem Schoß, und lasse halb unbewußt die
Finger über die Tasten gleiten, an nichts denkend, als ihren
Tempo waren bis auf eine Ahnung verschwunden. Nach
diesen bis zur Unhörbarkeit zerhauchten und zerflossenen
Eusebius-Melodien schwang sich Frau
eine kühne Reiterin auf die nachfolgenden Allegrosätze Flore
stan’s und tummelte dieselben wie ungesattelte wilde Pferde
durch den Circus. Es that mir weh, gerade diese Lieblings
dichtung
nische Empfindung, genug excentrische Phantasie, als daß der
Spieler viel aus Eigenem dazugeben müßte; am wenigsten
vertragen wir einen solchen Ueberfluß empfindsamer, aus
und Unbeweglichkeit einer eisernen Jungfrau erledigt, fand
indessen für ihre kühne Virtuosität viel entsprechendere und
lohnendere Aufgaben in mehreren Concert-Piecen. Dazu
gehörte namentlich Liszt’s „
Einen auserlesenen Genuß boten die beiden Trio-
Soiréen der Herren Door,
Art von Tondichtungen. Sicherer und ruhiger in seinem
Spiele als voriges Jahr, verdiente Herr
das aufrichtigste Lob. Sein Vortrag ist immer rein, deutlich,
unaffectirt, gut musikalisch — lauter Dinge, die nicht gar
so häufig sind, wie man glaubt. Man kann mitunter im
Adagio die Empfindung tiefer und poetischer wünschen, im
Allegro die Leidenschaft dämonischer; allein zwischen den
Grenzen, die nur der Genialität erreichbar sind, waltet Herr
und der Bildung, dabei mit einer anmuthenden Frische und
Entschiedenheit, der man mit fröhlichem Vertrauen folgt.
Noch wichtiger für die
Zusammenwirken zweier Meister, wie Walter und
Componist Fr. Wilhelm Rust, eine Art modernisirter