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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Zur Zeit des Todes von
— so liest man in musikalischen Geschichtsbüchern — sollen
in ganz
Noten lesen konnten. Die musikalische Cultur in
ist verhältnißmäßig jungen Datums, und bis heute hat
dieses Land durch seine Componisten und Virtuosen nur
wenig von sich reden gemacht. Trotzdem fehlte es niemals
an einzelnen Anzeichen, welche auf ein nicht gewöhnliches
Talent der Schweden, namentlich für den Gesang, hindeute
ten. Sängerinnen wie Jenny
sind freilich exceptionelle Kunstgrößen; was sie jedoch Cha
rakteristisches gemeinsam haben und mit einigen anderen,
minder berühmten
eigenartig, daß es offenbar mit dem Naturgrunde zusam
menhängen, als physiologische und musikalische Anlage in
ihrem Volke selbst schlummern muß: die weiche, leicht an
sprechende Tonbildung, der ruhige, krystallhelle Fluß des
Vortrages, vor Allem die Feinheit des Gehöres. „Die
Deutschen singen mit dem Kopfe und mit dem Herzen,
aber nicht mit dem Ohre,“ äußerte einmal Jenny
und wie oft mußte ich dieses Wortes gedenken, wenn ich
dramatischem Vortrage — falsch singen hörte. Auf meine
Gegenfrage gestand sie, ihren Landsleuten in diesem Punkte
den Vorzug einzuräumen. Eine interessante Bestätigung
dieses Urtheiles, ein Beispiel von feinster Empfindlichkeit
des Gehöres, oder noch genauer: des Sich-Selbsthörens
beim Selbstsingen bietet das „ Schwedische Damen-
Quartett“, das gegenwärtig in
gleichzeitig, haarscharf, mit der reinsten Intonation.
Schon nach wenigen Tacten schweigt der Hörer in dem
doppelten Behagen von Wohlklang und Sicherheit und horcht
unermüdlich diesem unübertrefflichen, bis in die leisesten Re
gungen des Athmens und Aussprechens harmonischen Zu
sammenklang. Wundervoll ist das ganz gleichmäßige An
schwellen und Absterben des Tones, wobei man nicht etwa
an ein Kokettiren mit diesem Effect denken darf. Im Ge
gentheile haben diese Productionen gar keinen virtuosenhaf
ten, sondern rein künstlerischen Charakter und machen gerade
durch die Anspruchslosigkeit und den bescheidenen Ernst der
Sängerinnen einen so gewinnenden Eindruck. Wie wohl
thuend ist vollends dem vielgequälten modernen Ohr dieses
Singen in durchaus reinen Intervallen! Es klingt manch
mal, als wenn eine reingestimmte Physharmonika in schö
nem vierstimmigen Accord anspräche. Die Schwedinnen üben
nur mit Zuhilfenahme der Stimmgabel, und da sie das
in praxi öfter übel- als „wohltemperirte“ Clavier meiden,
erzielen sie, feinhörig wie sie sind, stets die klare, scharfe
Süßigkeit reiner Intervalle. Man hat diese Gesangs-Pro
ductionen oft mit
chen, und die Analogie liegt nahe. Aber das Ausströmen
des Gesanges aus der Menschenbrust steht an Unmittelbar
keit und Innigkeit der Tongebung doch noch hoch über dem
Instrumentenspiel, und darum übt auch dieser einheitliche
Vortrag von vier Frauenstimmen einen noch stärkeren,
eigenthümlicheren Klangreiz, als das beste Streichquartett.
Keine der vier Stimmen besticht für sich durch besondere
Schönheit, doch hat der erste Sopran etwas von der sym
pathischen Weichheit, dem „
die
rer Klangfarbe durch Kraft und fabelhafte Tiefe excellirt. In
dem diese Altstimme, von der wir das tiefe C und H an
schlagen hörten, fast die Rolle eines Cellos übernimmt, vermag
das Damenquartett seinen vierstimmigen Satz etwas weiter als
gewöhnlich auseinanderzuhalten und ein größeres Feld zu culti
viren. Nach der langen Alleinherrschaft der Männer-Quartette,
welche das gemischte Vocal-Quartett leider fast gänzlich ver
drängt haben, ist ein Frauen-Quartett eine ganz neue, über
raschende Erscheinung: es existirt auch keine Literatur dafür.
Die Damen Hilda
son
Frauen-Quartett, das sich in
transponirte Männer-Quartette, theils Volkslieder, theils mo
derne Compositionen von
ren, in welchen die Nationalfärbung stark vorschlägt. Diese
Lieder wirken in so trefflicher Ausführung sehr anregend
durch ihren die formale Schönheit stark überwiegenden cha
rakteristischen Ausdruck. Bei mancher Herbigkeit, ja Härte
der Melodie und Rhythmik leuchtet doch viel gemüthvolle
Zartheit und gesunder Humor aus diesen Gesängen. Das
„
geworden und darf in keinem Concert der Schwedinnen fehlen.
Ueber die ausfüllenden Instrumental-Nummern in den
drei Concerten des Damen-Quartetts gibt es nicht viel zu
sagen. Das Beste darunter war das Clavierspiel von Fräu
lein Halke, einer Schülerin Professor
Beamter in einem Bank- oder Wechselhause und soll sich
durch einen präcisen Anschlag bei Handhabung der Coupons
scheere und perlenden Vortrag des Curszettels auszeichnen.
Er hat somit sein Concertspielen gottlob nicht nöthig. Wir
auch nicht.
Unter den selbstständigen Concertgebern der letzten
Woche machte sich der Violinvirtuose Herr Ottokar Sew
durch kräftigen Ton und bedeutende Bravour sehr vor
Festetics. Außer diesen
Das dritte „Gesellschafts-Concert“
Zu dem guten Erfolge dieses Concertes haben die Sängerin
Fräulein Fillunger, Concertmeister
diese Composition zu einer so überaus kunstvollen macht, die
Beibehaltung desselben Choral-Themas durch alle sieben Sätze,
gibt ihr in der Wirkung auf das Publicum etwas Finsteres,
Drückendes, umsomehr, da auch die Tonart E-moll durch
wegs festgehalten und der Chor niemals durch eine Solo
stimme unterbrochen ist. Wir glauben, daß jede der bisher
in
ständniß gefunden, einen tieferen und freudigeren Eindruck
hinterlassen habe. Die Zuhörer lauschten dieser
mit ernster Andacht, ohne ein innigeres persönliches Verhält
niß dazu finden zu können. Daß wir uns in dieser Wahr
nehmung nicht täuschten, bewies am besten die ganz andere
Aufnahme, welche gleich darauf zwei einfache „Volkslieder“
für gemischten Chor fanden. Da war Alles mit dem Herzen
dabei und entzückt von dem traurigen Liede („
Nacht
ganzen Rhein
Wirkung verargen? Unter den Hunderten von Zuhörern ist
ja kaum Einer, der nicht irgend eine weltliche Trauer oder
Freude im Gemüthe trägt, mitklingende Saiten, die sofort
bei diesen schlichten, innigen Melodien vibriren. Aber sehr
klein ist bereits die Zahl von Concertbesuchern, die für das
„in heißer Lieb’ gebratene Opferlamm“ empfinden, was seiner
zeit
Art Poesie stilles Aergerniß nehmen.
abgeblühten, großen geistlichen Kunst, ein Denkmal, zu dessen
voller und ganzer Wirkung die Andacht, die kirchliche Andacht,
hinzutreten muß. Die
punkt der Aufführung ein denkwürdiges Ereigniß in unserem
Concertleben. Man muß die Partitur eingesehen haben, um
von den enormen Schwierigkeiten dieser Aufführung eine
richtige Vorstellung zu gewinnen. Unser „Singverein“ darf
stolz sein auf diese Leistung, und Brahms, der sie
Reihe der Vocal-Compositionen passend durch eine der
lisch Haydn (C-dur) unterbrochen war,