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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. In dem poetischen Bilder-Cyklus „
läßt dort
aufspielen.
So sagt das Gedicht, in welchem eine krankhaft auf
geregte Sinnlichkeit sich in verwegenster Bilderjagd außer
Athem hetzt. Einen musikalischen Anempfinder von
Temperament mußte gerade diese Scene zur Nachbildung
reizen. Man denke nur: die Geige in Teufelshand, die
Musik als prickelnde Ruthe hinter
sie der Sinneslust in die Arme jagen soll! Wozu
hier noch der Musik bedarf, ist freilich nach den früheren
Strophen nicht recht begreiflich, introduciren sie doch diesen
bereits in einem Zustand von Liebesgluth, in welchem er
von dem schönsten Walzer ebenso wenig vernehmen wird,
als ein balzender Auerhahn. „Ich werde rasend, ich ver
schmachte, wenn länger ich das Weib betrachte!“ ruft der
Aermste beim Anblick einer Bauerndirne aus. Es schwingen
ihre Locken „der Wollust rasche Sturmesglocken“,
schwingt den Bogen,
welch unwiderstehliche Aufgabe für die erotische Flagellanten-
Musik der
stück
daß dem Hörer eine Schlangenhaut über den Rücken läuft
und die Zähne wehthun. (Die Bässe spielen durch 24 Tacte
die leere Quinte, über welcher zuerst die Quinte (fis (cis, dann
zusammen die beiden Quinten (fis (h und (a (d angeschlagen
werden und schließlich in schneidendstem Sforzando wiederholt
der gräßliche Quinten-Aufbau e h fis d a e sich erhebt!)
Kopf, und unfähig, aus eigenen Mitteln Schönes zu schaffen,
ersinnt er mit Absicht das Häßliche.
In dem ganzen Musikstück malt sich übrigens weit mehr
die satanische Natur des Geigers, als der von
schilderte sinnberückende und herzentzückende Zauber seines
Spiels; erst hart am Schlusse überrascht uns ein langes,
schmachtendes Flötentrillern und ein confuses Reißen in den
Harfensaiten, das nicht aus dem Tonstücke selbst, sondern
nur durch dessen Vergleichung mit dem unzweideutigen Schluß
des Gedichtes verständlich wird. Wir haben den
„
schrecklicher Wirkung spielen hören und gestehen gerne, daß
er in der pikanten Instrumentirung sich ungleich besser macht.
Während diese impotente Liebesraserei im Clavierauszug
nicht einmal amüsant ist, sieht man ihr doch wenigstens im
Orchester allmälig Hörner, Schweif und Pferdefuß wachsen.
Das ist recht unterhaltend, zumal da gleichzeitig die vielen
Reminiscenzen an
ein ernsthaftes Kunst-Institut von der Bedeutung unserer
„Philharmonischen Concerte“ scheint uns aber dieses Genre
von Ergötzlichkeit doch nicht schicklich, nicht würdig. Auf den
Schlußaccord folgt im Publicum ein Augenblick lautloser
Stille; die Novität schien schweigend abgefertigt, als plötzlich
einige entrüstete Zischlaute ertönten. Natürlich erhob sich
eine applaudirende Opposition und entbrannte ein heftiger
Kampf zwischen beiden Parteien, der schließlich in allgemeiner
Heiterkeit erlosch.
Das Programm dieses achten und letzten Philharmonie-
Concertes war überhaupt keines von den glücklichsten. Herr
Ludovico Breitner spielte
lichen Orchesterbegleitung unseren Sängern doch nur selten
zu statten kommt und dann nicht unbenützt bleiben sollte.
Nachdem
Symphonie
jeder Grund zu abermaligem Vortrag einer oftgehörten
Gesangs-Composition, welche neben
talwerken und
Schatten steht. Die Aufführung der
glänzte durch Schwung und feine Ausarbeitung, so daß der
Schlußeindruck des diesjährigen Philharmonischen Cyklus
ein günstiger und für Dessoff ehrenvoller blieb.
Nicht umsonst hatten wir uns auf die Bekanntschaft
des Violin-Virtuosen August Wilhelmj besonders gefreut.
Pianist kann die Terzen- und Septengänge in
bunden bringen, als
Cantilenen, ja rasche Scalengänge in Octaven spielte er so
rein und sicher, daß man, wie zweifelnd, mit geschärftem
Ohre hinhorcht, ob man das Unglaubliche denn wirklich ge
hört habe. In
Ausdruck einer unerschütterlichen, fast stolzen Ruhe, die mit
der kraftvollen, männlich-schönen Erscheinung des Künstlers
wohl harmonirt und an den Jüngling
Mit Einem Wort — und es ist ein vielsagendes —
helmj
Violin-Virtuosen der Gegenwart. Dennoch widerstrebt mir
der hie und da laut werdende Eifer, mit dem neu auf
gehenden Gestirn unsern
vielleicht in irgend einer technischen Specialität noch über
treffen — was
zu dem classischen Poeten des Violinspieles und zu der
idealen Künstlernatur macht, die wir an ihm verehren, das
ist aus
sprechend hervorgetreten. In seinen bisherigen Vorträgen,
so glänzend sie in der Bravour, so einschmeichelnd sie im
Gesange waren, hat uns
punkt gegeben, die eigentliche Seele seiner Kunst
ebenbürtig zu erklären. Niemand läßt sich ruhig seine Ideale
antasten oder gar vom Sockel stürzen, und zu diesen Idea
len gehört mir
cert, kein Quartett von
vorgetragen, die eigentlichen Prüfsteine des Goldgehaltes,
des künstlerischen Adels eines Violinisten. Sein Programm
wollte uns nicht recht gefallen. Ein einziges
Orchester (eine ungesunde, nüchterne und gespreizte Com
position
Genrebildchen, die mehr für den Gesellschaftssalon als für
den Concertsaal passen.
„
geeignete Schlußnummer ist. Das Uebertragen
Compositionen hat immer etwas Bedenkliches, da diese mit
allen Fasern im Clavierton und in der Claviertechnik wurzeln.
Des-dur ließ dieses Bedenken nicht aufkommen, es erwachte
aber bei dem
artig heitere Auffassung seinen eigenthümlichen, poetischen
Schmelz einbüßte. Wir bedauerten, daß ein so großer Vir
tuose nicht in mehr großen Aufgaben sich zeigte und das
Orchester meistens müßig hinter sich stehen ließ. Vielleicht
bringt uns
Concerte ein, dem wir mit freudig gespannter Erwartung
entgegensehen. Wilhelmj’s Erscheinen in
Die Merelli’sche Gesellschaft ließ in verflossener
Schreiten wir muthig über den Leib einer entsetzlichen „Wirthin
Naudin betrat in
Die „
Aufführung im
durch das berühmte Gesangsquartett
burini
obendrein den Schimmer einer verklärenden Pietät. Der
gefeierte und persönlich so beliebte Maestro starb im Sep
tember desselben Jahres in
Trauerfeierlichkeit sangen
dritten Acte der „
„Lacrymosa“. Seither sind die „
in
ungeschickte Textbuch zweifellos mitschuldig ist. Die Partitur
enthält neben vielem Langweiligen und Trivialen manchen
glücklichen dramatischen Anlauf (bei dem es freilich stets sein
Bewenden hat), auch manche schöne Melodie von dem Wohl
laut und der süßen Schwermuth, welche
charakterisiren. Trotzdem gehören die „
schon unwiderruflich zu jenen reizlos gewordenen Opern,
die nur durch die Gesangskunst außerordentlicher Sänger
für einzelne Abende wieder aufleben. Die Patti steht als unübertreffliche Gesangsleistung den virtuo