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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Aus einem ganzen Haufen von projectirten
Opernstoffen hatte
zur wirklichen Ausführung gewählt: die „
entsprach dem Romantiker in
Wesen, christliche Frömmigkeit, mystische Wunder, endlich
sogar Anklänge ans Volkslied — alle vier Elemente der
und Hebbel,“ heißt es auf dem Titelblatte des Textbuches;
gische Motivirung
Theaterschuft,
in Eine Solohexe,
sich nicht merklich von ihren zahlreichen Operncolleginnen
unterscheidet. Widerwärtige Vorgänge aus
wiederholen sich genau in der Oper mit noch abstoßenderer
Wirkung, z. B. die Scene, wo das Burggesindel in
vefa
herauszerrt und tödtet, schließlich die
Halloh davonschleppt. Die Lösung ist gewaltsam überstürzt:
kaum hat
schickt, als er auch schon, geführt von der reumüthigen
im Walde ankommt, um
Wiederfinden im Walde — wir müssen lange genug darin
verweilen — könnte die Oper füglich schließen; aber die
Scene wird nochmals verwandelt, um die Ankunft der Ge
retteten auf der Burg unter Choralklängen und Glocken
läuten zu feiern.
Zu diesem Textbuche hat Schumann eine Musik ge
noch zwei Duette (im zweiten und im vierten Act), die jedem
echt dramatischen Componisten die feurigsten Melodien ab
gepreßt und ihn außerdem gedrängt hätten, beide Scenen
durch außerordentliche Steigerung und charakteristischen Gegen
satz auseinanderzuhalten. Bei
kühne Liebeswerbung
demselben trüben Dämmerlicht und declamatorischen Zickzack.
Es ließen sich ohne Schaden ganze lange Stellen aus
oder
umgekehrt, so gleichmäßig ist die Behandlung. Man hört
diesen Mangel meistens durch den Ausspruch erklären, die
Musik zur „Mehr lyrisch als dra
matisch ist sie jedenfalls, aber für meine Empfindung nicht
einmal lyrisch genug, d. h. nicht hinreichend volles und
starkes Aussprechen des subjectiven Gefühls. Sie hat
vielmehr einen stark epischen Charakter und klingt
nicht wie das unmittelbare Erlebniß und Geständniß
wenn ein Erzähler diese Vorgänge schildern würde.
Es ist derselbe Gesangsstyl, in welchem in der „
oder „
eingenistete epische Ton ist die Ursache, warum wir in
keit eines Vorganges, nirgends die niederzwingende Kraft
der Leidenschaft erleben. Die Personen dieser Oper haben
alle etwas eigenthümlich Gebundenes, Verhaltenes; ihr
Gesang überzeugt uns nicht, es ist, als suchten sie ihre
Freude und ihren Schmerz sich erst einzureden und an
zusingen.
Auf
mal Otto Ludwig in seiner Verurtheilung eines
ist allenfalls dramatisch, könnte es wenigstens sein in an
derer Umgebung, aber der einzelne Tact verschwindet in dem
Eindrucke des ganzen Musikstückes, des ganzen Actes, der
ganzen Oper. Der einzelne Tact! Das ist bei
ein feiner Strich in einem Aquarellbild; man füge deren
noch so viele säuberlich an einander, sie bleiben wirkungslos
dort, wo al fresco gemalt werden muß.
Treten wir näher an die einzelnen musikalischen Fak
toren der
fast durchweg den Mangel an Plastik. Die gesungenen
Töne krystallisiren sich nicht zu einer festen, dem Hörer sich
einprägenden Gestalt. Man weiß aus „
fahrt
ununterbrochene Gewinsel eines halb recitativischen, halb me
lodiösen Arioso den Hörer erschlafft; in der Oper wird diese
Wirkung noch fühlbarer als im Concertsaal. Noch auf
fallender ist die Dürftigkeit der Rhythmik: fast durchweg
zweitheilige Tact-Arten und Rhythmen. Wo man die Parti
tur aufschlägt, erblickt man in den Singstimmen Reihenfol
gen von gleichen oder gleichmäßig getheilten Notenwerthen,
meistens Viertel; schon der äußere Anblick befremdet durch
den Mangel an wechselnden Notengruppen und rhythmischen
Contrasten. Mit Ausnahme des flüchtig hereindringenden
Trinkchors im zweiten Act ist
ich wieder“ das einzige Stück von lebhaftem, markirtem
Rhythmus. Auch dieses hat, wie die meisten Musikstücke der
Oper, keinen förmlichen Abschluß; sie endigen fast alle ton
los abbrechend aus tieferen Noten, oft auf dem Dominant-
Accord, als verschwinde der Sänger unversehens in einer
Falte des weit aufgebauschten Orchesters. Letzteres herrscht
allenthalben vor und erstickt leider durch seine wogende Un
ruhe die feine Malerei des „einzelnen Tactes“. Wir sind
heutzutage an das zudringlichste Orchester gewöhnt und be
freunden uns damit, wenn es nur weise Licht und Schatten
vertheilt;
mäßig fahlen Nebel, der, bald leichter, bald dichter, doch
nur selten ganz freien Ausblick gestattet. Daß
vorwiegend gewöhnt war, instrumental, in absoluter Musik,
zu denken, verrathen auch die Gesangspartien in der „
novefa
aus einem Quartett oder einer Symphonie. Das werthvollste
Stück der Oper ist auch dasjenige, was mit der Scene gar
nichts zu thun hat: die Ouvertüre. Unter den Gesangs
nummern geben wir dem zweistimmigen Volkslied: „Wenn
ich ein Vöglein wär’“ unbedenklich den Preis. Wie wohl
thuend wirkt dieser herzliche, ungekünstelte Gesang! Ein so
rein und schön musikalischer Moment wie dieser kommt in
der „
die Arie
warmes Blut pulsirt. Außerdem dürfte nur noch der erste
Kreuzfahrerchor und Einiges aus der Hexenscene im dritten
Acte an
ehrung für
ehrung für
„einen seltenen Reichthum an schöpferischer Kraft offenbart“.
Ich finde in diesem Werke, ganz abgesehen von seinen drama
tischen oder undramatischen Eigenschaften, ein entschiedenes
Erlahmen von schöpferischer Kraft und kann dasselbe als
rein musikalische Erfindung in keinem Betracht seinen früher
erschienenen herrlichen Quartetten, Symphonien, Clavier
stücken und Liedern gleichstellen. Wäre „
dramatisch, aber sonst mit dem ganzen zauberischen Reich
thum
nicht auf allen Bühnen, doch gewiß in jedem Concertsaal,
in jedem Hause gesungen werden. Aber „
schon merklich die grübelnden, zerstreuten, gramseligen Züge
von
überwuchernden Vorhalte, Synkopen, Orgelpunkte und der
kraftlos gewordenen Rhythmik und Melodik lassen sie sich
nachweisen. Freilich auch daneben eine Unzahl kleiner genia
ler Charakterzüge, die aber in der Partitur meist wirkungs
los verathmen.
Während die Opern von specifisch dramatischen Talen
ten uns häufig bei der Aufführung durch Effecte über
raschen, welche man aus den Noten kaum prophezeit hätte,
verspricht die Partitur der „
da Wirkungen, die dann thatsächlich ausbleiben. So dachte
ich mir, um nur Ein Beispiel anzuführen, den Kriegerchor
„Karl Martell“ im ersten Act als eine effectvollere Num
mer; aber durch die anhaltend tiefe Lage der Tenorstimme
verblaßt das Ganze wirkungslos. Unzählige seine Inten
tionen mögen in dieser Partitur stecken, aber sie kommen
nicht heraus. Wie viele
Componisten, die künstlerisch tief unter
schreiben bessere Opern! Was sie hinschreiben und beab
sichtigen, das kommt eben auch heraus.
Ein besonders kunsthistorisches Interesse erregt
mann
alleinigen Ausnahme, nicht den „Zukunftsmusikern“ beizuzählen
sei (wie ich vor zwanzig Jahren so oft zu beweisen veranlaßt
war), das ist wol heute, wo seine Instrumentalwerke sowie
seine Aussprüche gegen Programm-Musik etc. allgemein ver
breitet sind , als angenommen zu betrachten. Allein in der
„
durch den declamatorischen Charakter des Gesanges, durch die
Auflösung der traditionellen festen Musikformen, endlich
durch die selbstständige Führung des Orchesters. In allen
diesen Punkten geht „
weiter als „
„
treffen ist kein zufälliges oder rein ideelles; eine directe
Einwirkung
Lebhaft erinnere ich mich des Abends, wo ich im Sommer
unter Richard
hörte.
„
rung mit gespannter Aufmerksamkeit, fand zwar die Musik
hin und wieder „gering“ oder „gemein“, lobte aber mit
Wärme die „Behandlung des Dramatischen“. Gerade zwei
Jahre später (August
Die fundamentale Verschiedenheit seiner Begabung von
jener
len, und doch muß jeder Unbefangene nach den ersten
Nummern des „
Klaren darüber sein, daß
Talent ist und
genialer Tondichter sein und doch der Bühne zeitlebens
fremd bleiben. Schätzen wir uns glücklich und preisen
seiner Gaben auch ohne die „
und echte
fest an ihr Herz geschlossen.
Trotz aller Zweifel an der theatralischen Lebensfähigkeit
der „
theaters die aufrichtigste und wärmste Anerkennung dafür,
daß sie mit vollem Bewußtsein von dem mäßigen Effect der
Oper dieselbe zur Aufführung brachte, um eine Ehrenschuld
gegen
durch einen so lebhaften
guten Anspruch, auch die einzige Oper des theuren Meisters
kennen zu lernen. Es gereicht Herrn Director Herbeck zur