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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Kaum war es bekannt geworden, daß Franz
Liszt zum Besten der Franz-Josephs-Stiftung in
Es war im Jahre
einer Reihe von Concerten die Wiener entzückte. Der alte
Musikverein unter den
dieser Triumphe; er verhält sich zu unserem jetzigen großen
Concertsaal ungefähr wie das enge, mauernbedrückte
von damals zu dem heutigen. Die Galerie mit ihrem trost
losen, hühnersteigartigen Aufgang galt seltsamerweise für den
elegantesten Platz: die vornehmsten Damen entfalteten da
ihre Toilettenpracht. Daneben kam der „Cercle“, damals
noch als Nothbehelf, in
ohne Orchester spielte, gerieth man nämlich auf die zweck
mäßige Idee, das ganze sonst dem Orchester gewidmete
Podium den andrängenden
deren Zahl das Parterre und die Galerie niemals aus
reichten. Da umfing denn ein blühender Kranz von schönen
Damen ringsum das Clavier des „Unvergleichlichen“, welcher
solche Umgebung jederzeit als geschmackvoller Kenner liebte
und würdigte.
entbehrlichen gesungenen, gegeigten und declamirten „Zwischen
nummern“. Sein immenses Repertoire erklang da in bun
testem Wechsel von
Bravourgalopps, von Opern-Phantasien und
Lieder-Transscriptionen.
liebenswürdige Herr des Hauses, plauderte mit den Damen,
begrüßte die Freunde, bezauberte Alle. Er spielte mit
unter sehr ungleich, gut und schlecht nacheinander,
aber jederzeit
er von Stimmungen abhängig war, hob ihn nur
um so höher in der Meinung des Publicums, welches der
gleichförmig sauberen, schachbrettartig eingetheilten Kunst der
früheren Virtuosen müde war. Ich erinnere mich, wie
nach einem Bravourstück über
unaufhörlich gerufen, sich nochmals ans Piano setzte und,
vortrefflich aufgelegt, das Hauptthema neuerdings aufnahm
und in einer kurzen, ganz freien Improvisation voll der er
staunlichsten Schwierigkeiten durchführte. Es war in einem
der von
begannen — eine fatale Einrichtung, von der Noth geschaffen
und von der Mode eine zeitlang beibehalten. Die Theater
genossen nämlich bis zum Jahre
Provinzstädten das Privilegium, daß Abends keine andere
öffentliche Kunstproduction stattfinden durfte. Nur
Anziehungskraft war hinreichend groß und unfehlbar, um den
Musikvereinssaal auch nach dem Theater in allen Räumen
zu füllen. In
tagsüber das musikalische junge
sammtener Blouse am Clavier, corrigirte Probebogen oder schrieb,
das Notenpapier auf dem Knie, irgend eine Composition
mit seiner schiefen, langstieligen, nicht allzu leserlichen Hand
schrift nieder, plaudernd und rauchend. Traf man es glück
licherweise, daß
spielte, so hatte man neuen Anlaß, über diese enorme mu
sikalische Organisation zu staunen. Ferdinand Hiller erzählt
wie als Künstler; nicht nur sein Spiel war etwas Neues,
sondern auch seine Freigebigkeit für wohlthätige Zwecke.
Auch jetzt, am 11. Januar
die Kaiser-Franz-Josephs-Stiftung, den Anlaß für das
Wiederauftreten des berühmten Meisters nach langer Zurück
gezogenheit. Das Comité dieser Stiftung gewährte dem
festlichen Charakter dieses Ereignisses auch äußerlichen Aus
druck. Der Saal war längs des Orchesterraumes mit Blu
men und Kränzen geziert (wir hätten nur das geschmack
lose riesige „F. L.“ auf der Orgel weggewünscht), das
Clavier starrte in Blumenschmuck, ein elegantes Publicum
füllte den Saal bis in den letzten Winkel. Mit Jubel be
grüßt, tritt Liszt auf, in langem, hoch zugeknöpftem Abbé
sporenklirrend aufzuspringen und immer feuriger, immer
schneller im Kreise zu wirbeln — es schien alle Jugend
geister
manche
beider Hände auf Einer Taste und durch die eigenthümliche
Nachahmung des Cymbals. In unnachahmlicher Weise er
reicht
selnde Verhauchen dieses Haupt- und Lieblings-Instruments
der
voll geistreicher Nüancen, dabei von edler, künstlerischer
Ruhe. Und seine Technik, seine Virtuosität? Ich werde mich
wohl hüten, davon zu reden. Genug, daß
gebüßt, sondern höchstens abgeklärt und beruhigt hat. Welch
merkwürdiger Mensch! Nach einem reichen, beispiellos be
wegten Leben voll Aufregung, Leidenschaft und Genuß
kommt der zweiundsechzigjährige Mann wieder, nicht ent
kräftet, nicht zerstreut, nicht blasirt, und spielt das Schwerste
mit der Leichtigkeit, Kraft und Frische eines Jünglings!
Mit atemloser Aufmerksamkeit lauscht man nicht blos seinem
Spiel, sondern auch den physiognomischen Wirkungen, die
es in
Ausdruck kraftvollen Ernstes hat sein zurückgeworfenes
Haupt noch immer etwas vom
den energisch vorragenden Brauen die feurigen Augen, bald
hebt ein leichtes Lächeln die so charakteristisch aufgebogenen Mund
winkel noch einige Linien höher. Der Kopf, das Auge, manchmal
auch nachhelfend die Hand unterhalten während des Spielens
ununterbrochenen Verkehr mit dem Orchester und den Zu
hörern. Wie
vorträgt, wie er dabei abwechselnd die Lorgnette aufsetzt und
wieder herabnimmt, wie er das Haupt hier lauschend vor
neigt, dort kühn zurückwirft — das Alles interessirt seine
Zuhörer unsäglich, noch mehr die Zuhörerinnen. Es gehörte
jederzeit zu
Kunst auch noch mit allerlei kleinen Künsten zu effectuiren;
wir wissen ja: „Die Himmlischen wenden oft seltsame
Mittel an.“ In stürmischen Octavenlauf fliegt
seiner Rhapsodie zum Schlusse; das vielhundertköpfige
Publicum klatscht, ruft, jubelt, erhebt sich von den Sitzen,
wird nicht müde, den Meister hervorzurufen, der seinerseits
in der ruhigen, freundlich dankenden Haltung eines Ge
wohnheitssiegers kundgibt, daß er auch noch nicht müde ist.
Für den
vollbracht hat; und doch that er so unbefangen, als sei das
nichts und er noch der
Liebling der Götter!
Arrangirt war das ganze Concert würdig und tactvoll:
keine Solonummer neben
sachen. Die ersten Dirigenten
Pulte ab, sogar Herbeck dirigirte die beiden
(Druckfehler-Berichtigung.) In der Kritik von
Genovefa“ soll es (Spalte 4, Zeile 14