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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Am verflossenen Samstag beging die Komische
Oper ihre Eröffnungsfeier mit
Sevilla
Menge schaulustiger Peripatetiker das neue Theater auf
dem
karten drängten durch die hellen, freundlichen Corridors in
den prächtig erleuchteten Saal. Dieser für achtzehn- bis
neunzehnhundert Zuschauer berechnete elegante Bau hat gerade
die rechte Größe für Aufnahme des musikalischen Lustspiels,
dessen feinere Wirkungen in großen Opernhäusern versagen.
Nach ihren Dimensionen erscheint die Komische Oper als
eine Schwester unseres Stadttheaters, nach der Anord
nung des Zuschauerraumes als ein architektonischer Spröß
ling des Hofoperntheaters. In zwei Punkten scheint uns
letzteres übertroffen: in der Disposition des Orchesters und
der Logen. Das Orchester der Komischen Oper liegt merk
lich tiefer als jenes des Hofoperntheaters, entzieht somit die
Musiker und ihre mit Armen, Fingern und Backen arbei
tende Gymnastik mehr dem Anblicke des Publicums. Es
nähert sich wenigstens dem Ideale dieser Einrichtung, dem
für das Auge des Zuschauers und für die Stimmen der
Sänger geworden ist. Wenn man hierüber Orchestermitglie
der befragt, so vernimmt man natürlich nur heftigste Oppo
sition gegen die
Standpunkte menschlicher Schwäche verzeihlich, daß die geigen
den Künstler auch gesehen sein wollen. Vom Standpunkte des
dramatischen Vortheils und Bedürfnisses ist es aber nicht
verzeihlich. An diesen Vorzug, daß man vom Orchester
weniger sieht, reiht sich in der Komischen Oper der andere,
daß man, Dank den tieferen Logenbrüstungen, mehr zu sehen
bekommt von den Damen und ihren Toiletten. Vortrefflich
ist die Akustik des neuen Theaters: das Forte weckt kein
hallendes Echo, das Piano ist bis zur leisesten Abschwächung
des Tones oder Wortes deutlich vernehmbar, und zwar —
wie gewissenhafte Experimentatoren versichern — gleich gut
vernehmbar von jedem Platze des Zuschauerraumes. Als aus
gezeichnet bewährte sich ferner die Beleuchtung und die Ventila
tion; man hatte trotz der Ueberfüllung des Theaters nicht
über Hitze zu klagen. In Einem Punkte jedoch ist für das
Publicum lange nicht so gut gesorgt, wie im Hofoperntheater, und
wir wollen diesen Uebelstand, dem ja vielleicht theilweise noch
abzuhelfen ist, ohneweiters denunciren. Es ist der viel zu
schmale Zugang zu den Parterresitzen, welcher durch die längs
der Wand aufgestellten Klappstühlchen vollends zur beängsti
genden Klemme wird.
Das Publicum hat sich noch lange nicht sattgesehen
an dem glänzenden Interieur des Theaters, als Capell
meister Proch vor das Pult tritt, um das Zeichen zur
wittern — die der beiden Donnergötter
chen wie dieses
Die Ouvertüre ist zu Ende, und Director Swoboda,
Die Oper beginnt:
Wir hatten manches Bedenken gegen die Wahl dieser Oper
gerade zur Eröffnungsfeier. Nicht weil die Composition von
einem Italiener herrührt — sind wir Deutsche doch an komi
schen Opern recht arm — aber weil eine vollkommene, lebens
wahre Darstellung des „
eine gute
Schaden erleidet der „
setzung aus der
zweiten durch jene aus dem
perament. Man betrachte nur beispielsweise den Sechsachtel
tact in
zerschellen in diesem
munteren Geplätscher wird? Die südliche Beweglichkeit, Laune
und Pfiffigkeit, die ganze Tonart dieses Humors sind unseren
Sängern nicht natürlich; kein
selbst, noch viel weniger glauben ihm die Anderen. Wer ein
mal eine
riorität der Italiener auf diesem ihrem eigenen Grund und
Boden nicht bestreiten. Das entgegengesetzte Urtheil Gutz
in seinen „
Die Aufführung des „
ist sehr gut ausgefallen, und dieser Erfolg hat jedenfalls
mehr Kraft, als alle theoretischen Bedenken. Director
boda
und
irgend eine
wenigstens ebenso gut, wie man sie durchschnittlich auf
sch Hauck, bisher
nicht schelmischer und liebenswürdiger predigen, als Minnie
vorsichtshalber noch einmal gewarnt sein, und so mußte die
Sängerin, ganz zum Schlusse der Oper, nämlich mit einem
der
Ehren gesungen hat.
Ein Coloratur-Tenor ist auf
lich ein nur höchst sporadisch vorkommendes Geschöpf. Um
so überraschender wirkte die Leistung des Herrn Anton
als
Stimme ist in Passagen und Trillern so vorzüglich geübt,
daß schon die erste Serenade stürmischen Beifall hervorrief.
Noch mehr das Strophenlied „lo son Lindoro“ (aus
siello
mit einer vollständigen Kunststickerei von Trillern und Falsett-
Passagen ausschmückte. Von seinem
kalische Sicherheit, der Stimme „ernstes Führen“; sonst
bildet er beinahe dessen Gegenstück, in der äußeren Erschei
nung, dem Charakter der Stimme und der Specialität sei
ner Erfolge — eine Taube neben einem Steinadler. Die
Freude des Publicums über den jungen
viva
stürmisch. Wenn ein wehmüthiges Gefühl an diesem Abende
sich einschleichen konnte, so war es die Trauer, daß der vor
einem Monat noch muntere alte
unseren Heldentenoren, den ersten großen Erfolg seines Soh
nes nicht mehr erlebt hat.
Eine zweite neue Bekanntschaft angenehmen Eindruckes
machten wir an dem Darsteller des Hermany.
lich kräftigen Gestalt und dem offenen, schönen Antlitze des
Sängers. Nicht „die widerwärtige Erscheinung, die man einen
schönen Mann nennt“ (wie
für welchen die Damen sofort Partei nahmen. Take care!
Hermany (das fatal assonirende „Herr“ vor diesem Na
So ist denn der erste Abend der Komischen Oper
ungetrübt und überraschend glücklich ausgefallen. Bei den
großen Schwierigkeiten, unter denen ein so großes, von
Grund auf neues Unternehmen ins Leben tritt, waren wir
darauf gefaßt, die Anfänge desselben mit den Rücksichten
einer schonungsvollen Courtoisie besprechen zu müssen. Allein
zu unserer größten Befriedigung hat gleich die erste Vor
stellung der Komischen Oper alle Rücksichten überflüssig und
als ihr gutes Recht geltend gemacht, was nur vorgefaßten
Wohlwollen ihr zuzugestehen hoffen durfte.