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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wenn man in
anlagen des
Treppe zur Stadt zurückkehrt, muß man an einem freund
lichen, gartenbekränzten Hause vorüber, das die Villa Medici
heißt. Eigenthum
selnde Colonie
sten ihrer Regierung hier die letzte Ausbildung erhalten —
nicht durch Lehrer der Akademie, sondern durch all die herr
lichen Kunstschätze, welche
gegenbringt. Dem Auge jedenfalls, ob auch dem musikali
schen Ohr? Denn es sind nicht blos Maler und Bildhauer,
sondern auch Tondichter, welche als die Hoffnungsvollsten des
halten, der sie zu zweijährigem Aufenthalt in
Residenz in der Villa Medici verpflichtet. Nicht wenige ge
feierte Componisten haben in diesem gastlichen Asyl gelebt:
Erinnerung an den Letztgenannten erwachte zuerst und mit
aller Stärke in mir. Es ist zwar sehr unschicklich für den
correcten Musiker, in
denken, sondern an ein verrufenes modernes Weltkind wie
Hektor
die ich gegen den Codex vorgeschriebener Empfindungen in
Mann an einem Fenster der Villa Medici zu sehen, wie er
das Löwenhaupt schüttelt und, ein zweiter Georg
„noch einen Fluch“ herbeischleppt gegen
der musikalische Ruhm der
längst versiegter Quell, der keines Kindes Mund mehr
letzt?“
liener, ein sehr geringes Interesse für Gemälde, Kirchen,
Statuen und förmlichen Abscheu vor wälscher Musik. So ju
belte er denn vor Freude, als der ihm väterlich geneigte Di
rector der Akademie, Horace Vernet, gestattete, seine „zwei
jährige
zen und (im Sommer
Ein junger Tondichter, dessen Religion sich in dem Namen
Eindrücken der Instrumental-Musik lechzte, konnte allerdings
für seine musikalische Vollendung keinen ungeeigneteren Auf
enthalt finden als
bis in
der Musik, und dem fremden Musiker fast so unentbehrlich,
wie noch heute dem Maler und Bildhauer. Zu
Zeiten hatte jedoch der vorschriftsmäßige
gar keinen Sinn mehr, und heutzutage müßte Jemand, der
etwas Einsicht und sehr viel Courage besitzt, der
sch
kalischen Stipendisten nach
Wir sehr die
menste Incarnation, die päpstliche Sängercapelle, herab
gesunken, das haben uns schon
lioz
noch tiefer gegangen. Die berühmten Aufführungen in der
Sixtinischen Capelle während der Charwoche haben aufge
hört, seitdem der Papst mit
welche auch diesmal zur Osterzeit massenhaft zuströmten,
fanden für ihre getäuschte Erwartung einen sehr kargen
Trost in den Ankündigungen: es werde das ehemals in der
Sixtinischen Capelle gesungene Baj in der
war das Chaos fertig, so unsicher stolperten die Intona
tion und das Tactmaß der päpstlichen Sänger. Von einer
andächtigen Stimmung in der Kirche war keine Spur.
Auch von der Oper in
Freude. Im Teatro Apollo, dem größten Opernhause
(es hat über den Parterrelogen fünf Stockwerke), gab man
die neue lyrische Tragödie „ Go
, deren blutrünstige Handlung im Jahre 534 unter
Die Aufführung des „
wurde selbst von
ein Scandal bezeichnet, als „Profanation eines classischen
Meisterwerkes“, für welche der Capellmeister verantwortlich
zu machen sei. Nicht Besseres verlautete von der Vor
stellung des „
holungen erlebte, indem der erste Tenorist durchfiel, ein
zweiter durchging, ein dritter nicht ankam, kurz die ganze
Misère dieser Opernverwaltung culminirte. In
ziehen die Opern-Institute keine Staats- oder Hofsubvention,
sie sind Privat-Unternehmen, bestenfalls unterstützt durch einen
Zuschuß von der Stadt. Gibt es ein paar recht elende
Vorstellungen mit ausgezischten Sängern, so pflegt man
dem Impresario diesen Zuschuß zu entziehen, die Oper ge
räth dann noch schlechter, die Subvention wird wieder be
willigt; ein Beirath, gewählt aus den Vätern der Stadt
oder deren theaterlustigen Söhnen, Neffen, Vettern, mischt
sich in die Direction der Oper, diese wird dann natürlich
am allerschlechtesten, und so geht die Sache fort. Das Merk
würdigste bleibt aber sicherlich das Factum, daß die Vor
stellung von
überhaupt in Rom die erste Aufführung dieser seit
Unter den Sängern, die ich diesmal in
Kraft von vollendeter Technik oder glänzendem dramatischen
Talent. Klangvolle, jugendkräftige Stimmen bringt
noch immer in respectabler Anzahl hervor, das gehört zu
seinen Naturproducten und könnte nur in Folge nachhaltiger
Degeneration der Race abnehmen. Aber die Schulung dieser
Stimmen, die künstlerische Bildung der Sänger überhaupt
scheint in dem heutigen
schon Felix
man müsse, um gute
oder
höherem Grade. Möglich daß nicht blos der jüngste Früh
ling in
rieth, sondern daß auch ein besonderer Unstern die Opern
bühnen mit seinem Schein beglückte: was ich im März und
April zu hören bekam, machte dem ruhmbedeckten Vater
lande der dramatischen Musik wenig Ehre. Mit welch unge
duldiger Erwartung eilte ich in
Theater! Es gehört bekanntlich zu den allergrößten Opern
häusern, also zu jenen, die für den Ruin der Gesangskunst
am frühesten gesorgt haben. Bei herabgelassenem Vorhang
gewährt es einen glänzenden Anblick; sobald der Vorhang
emporgeht, wird man entzaubert durch die Mittelmäßigkeit
der Decorationen und Costüme, der Sänger und des En
sembles. Ueber die Eröffnung des San Carlo-Theaters (1817)
schrieb Stendhal seinerzeit: „Im ersten Moment glaubte
die
künstlerischer Routine überragte sie trotzdem die drei anderen
unbedeutenden Mitspieler. Das sehr stark besetzte Orchester
(zwölf Contrabasse) genügte in der „
soll aber für „
und „
Carlo bildeten) ganz unzureichend und von dem laut tacti
renden Capellmeister kaum in Ordnung zu erhalten sein.
Der Chor ist für schwierigere Aufgaben gewiß unbrauchbar.
Die Priesterinnen der
unbegreiflich falsch, daß man annehmen muß, sie seien durch
ein geheimes Gelübde in diesem Sinne gebunden. In der
ganzen Vorstellung vermißten wir eine künstlerisch leitende
Hand, einen musikalischen obersten Willen.
Sollte man es glauben, daß die erste Scene
und ihr Duett mit
mäßig wegbleibt, so daß
tritt? Die Hauptrolle spielte eigentlich die Militärmusik auf
der Bühne, welche vorne postirt und mit doppelten Schlag-
Instrumenten, zum Beispiele zwei Paar Becken, ausgerüstet
war und so mörderisch loslegte, daß die Singstimmen macht
los daneben verhallten. Diese Impietät gegen
„
Aeußerungen ihres nationalen Genius zu ehren haben, schien
Niemandem nahezugehen. Um so strenger benahm sich das
Publicum gegen das nachfolgende Ballet. „
tödtlich langweilige und schäbig ausgestattete Dorfgeschichte
— getanztes Morphin aus dem Laboratorium des „Coreo
grafo Fusco“. Das Ballet wurde von Anfang an fort
während ausgezischt, vielmehr ausgeheult und ausgebellt,
denn dies sind die eigentlichen Verdammungslaute, durch
welche die Galerien das verbotene Pfeifen effectvoll ersetzen.
Außer „
zu hören. Schon acht Tage vor dem Gründonnerstag war
das Opernhaus geschlossen, und auf meine Anfragen an der
Theaterkasse wußte man Früh sehr selten zu sagen, ob
Abends gespielt werden würde. Dafür prahlten die An
schlagzettel unermüdlich mit der „bevorstehenden“ Auffüh
rung einer Novität von Maestro Petrella, „
und fand ich Trost in den düsteren Erinnerungen
an zwei frühere
und „
Daß
Einen berühmten Componisten besaß, jetzt auf den einzigen
werden. Aber selbst dieser
daß man seine ernsten Opern vor einem Publicum spielt,
das sich mit dem Hut auf dem Kopfe in den Bänken rekelt,
Cigarren raucht und Bier trinkt. In dieser Form erlebte
ich die lyrische Tragödie „
berto in
Buch so unbarmherzig gegen die „Sommerbettelei der Schau
spielkunst“ loszieht, dazu sagen, daß diese sonst nur bei
offenen Tagestheatern vorkommende „verpöbelte Unterhal
tungslust“ sich jetzt in
mächtigt! Principe Umberto in
Theater, das über ein stark besetztes Orchester und sehr an
ständige Sänger verfügt. Und dennoch darf man sich darin
wie in der Kneipe betragen. Nach dem zweiten Acte schon
bedeckt das Parquet eine dichte Rauchwolke, aus welcher
unaufhörlich mit leichtem Knall die Wachskerzchen der
Raucher aufblitzen, während rechts und links kleine Casca
den von Cigarren-Asche auf den Schoß der Nachbarn herab
rieseln. Wollte man etwa gerade in der „
nach
schließt, diese (auf der Bühne wegbleibende) Katastrophe
wenigstens im Parquet andeuten? Wo das Publicum sich
so ungenirt benimmt, kann man es wirklich dem dicken
Souffleur nicht verübeln, wenn er nach jedem Acte seinen
Muschelkasten ausklappt und, gegen die Zuschauer gewendet,
sich schnaufend die Märtyrerstirne abtrocknet. Das war für
uns eigentlich der willkommenste Lichtblick in diesen kläg
lichen „letzten Tagen von
redlich auf jeden Zwischenact. Mein der Opern-Seekrankheit
mehr unterworfener Reisegefährte B. jedoch ging, noch ganz
erfüllt von
Localton des Opernsujets ein, daß er den Logenschließer
statt nach dem Foyer nach dem Vomitorium fragte.
(Ein zweiter und letzter Artikel folgt.)