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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. „Ich brauche keine lustigen Bücher, bin selber
lustig!“ sagte ein liebenswürdiger Wildfang, als ihm ein
Freund humoristische Lectüre anbot. Könnten die Italiener
von heute das Gleiche von sich rühmen! Sie, die vordem
so viele lachende Melodien, so viel musikalischen Frohsinn
producirten, daß halb
jetzt durch Politik und Geschäfte verdrießlich geworden und
„brauchen lustige Bücher“, das heißt sie müssen für ihre
musikalische Erheiterung ununterbrochen
cocq
zösisch
„
zunt
sellschaften dritten Ranges, haben sie doch ein regelmäßig
starkes Publikum von Italienern, welche der Buffomusik
nicht entbehren können und doch musikalisch nicht mehr selber
lustig sind. In diesen Operetten muß wirklich ein unver
wüstlicher Fonds von Komik und Melodienreiz stecken, wenn
sie bei so mittelmäßiger, mitunter elender Darstellung noch
Liebhaber finden. „
hindurch gegeben. Wer die vortreffliche
im Carl-Theater kennt, begreift kaum, wie das Publicum
der genannten Hauptstädte auch nur eine richtige Vorstel
lung davon gewinnen, geschweige denn dafür schwärmen kann.
Die
sangskräften getragen, war immerhin musikalisch anständiger
als die
richtiger hörende, singende und empfindende Volk seien. Von
dem schauspielerischen Talent der Italiener war hier freilich
wenig zu merken, es fehlte durchaus an Nüancirung und
witzigem Nachdruck, den Frauen überdies an jeglicher An
muth und Noblesse. Die Darstellerin der Demoiselle
— eine jener tiefen, rauhen Sprechstimmen, die man bei
Italienerinnen häufig antrifft — spielte diese Salonkönigin
im Styl eines wüthenden Fischweibes; dennoch war sie die
Gefeierte des Abends. Zahlreiche Nummern wurden wieder
holt, das ganze zweite Finale mußte unter fanatischem Jubel
sogar dreimal nach einander abgesungen werden. Und die
horreur! Weniger Stimme haben, falscher singen, häßlicher
sein als diese Französinnen, die wir in
chole
Esprit und Grazie bleibt ihnen trotzdem treu, ein Phos
phoresciren des Geistes, das über dem festen Grund ihrer
sicheren Technik seine Wirkung macht. Die Franzosen
sind die geschulteren, feineren, aber auch der Ziererei ge
neigteren Schauspieler; hingegen imponirt das Spiel des
Italieners durch eine wohlthuende Natürlichkeit, ein ehr
liches Sichgehenlassen, dem jede Affectation oder grimassi
rende Koketterie fernliegt. Im Teatro delle Loggie in
sahen wir ein
Naturwahrheit spielen, daß man darüber die unerlaubte
Dürftigkeit der Handlung vergaß.
seines Librettos zur „
eine specielle musikalische Pietät empfinde, bringt in jener
Comödie („
Alltagsmenschen; durch die Aufführung gewannen sie aber
das Interesse sprechend ähnlicher Porträts, so treu
aus dem Leben heraus gespielt war jede Rolle. Mein Re
spect vor dem angeborenen Schauspielertalent der Italiener
wuchs jedesmal im umgekehrten Verhältniß zu dem Rang und
den Ansprüchen der Bühne. Am dürftigsten fand ich es in der
Großen Oper, am üppigsten in den kleinen Pulcinell-Theatern
von
aus der großen Familie stereotyper komischer Masken noch
erhalten hat, erscheint in jedem Stücke und immer in weiß
leinenem, bauschigem Gewand, spitzer Filzmütze und einer
schwarzen Halblarve. Obgleich letztere ihn fast aller mimi
schen Hilfsmittel beraubt, wirkt er doch überall unfehlbar
komisch. Seine vornehmste Stätte, das San Carlino-Theater
in
Spelunke, zu welcher man auf einer engen Treppe hinab
steigt. Das Orchester besteht aus sechs gegen alle Dissonanzen
vollständig abgehärteten Musikern; Vorhang, Decorationen,
Wände und Sitze sind so schäbig und defect als möglich.
Aber die Schauspieler verrathen bei größter Anspruchslosig
keit ein Talent für Plastik und Naturwahrheit des Komischen,
das die Bewunderung selbst der Fremden erringt, welche
den
Gleichfalls unterirdisch und nicht viel eleganter ist das
kleine „Teatro Filarmonico“ in
wir eine Opera buffa von Guglielmi: „
Einfachheit des Hauses und ein anspruchsloses, naives Pu
blicum. Interessant war uns die Einlage von zwei Mo
’schen Arien in die Tenorpartie; sie stachen von dem
Die Opera buffa, diese reizendste Eigenthümlichkeit der
cielle Meister- und Lieblingsfach der Neapolitaner. Im Leben
wie in der Kunst ist angeborene Heiterkeit ein besonderes
Geschenk des Himmels. Wie belebender Sonnenschein über
strömt sie nach allen Seiten, und so wird der rechte Froh
sinn des Einen zur Wohlthat für Viele. In dem üppigen
Talent
des Volkes zu künstlerischer Blüthe und trug eine Unmasse
von Früchten. Pergolese hatte zuerst in dem kleinen
liener. Piccini, dieser zu Gunsten
fesseln noch zwei alte Claviere unsere Aufmerksamkeit. Das
erste, ein sehr langes Doppelklavier, auf dem zwei Spieler einan
der gegenübersitzend spielen können (mit zwei Manualen auf dem
Einen Clavier), ist eine Arbeit des berühmten Andreas
Stein in
Im Leben aller Völker gibt es auf- und absteigende
Epochen, in jeder Kunst Perioden der Fruchtbarkeit und des
Mißwachses. Daß
musikalischen Production, gegenwärtig nur ein einziges be
deutendes Talent besitzt (
wurfe gereichen. Aber anklagenswerth, ja unverzeihlich er
scheint der Mangel an Pietät gegen die eigene große Ver
gangenheit. Wie? Ist es möglich, daß
so vieler großer und berühmter Componisten, nicht Einem
von ihnen ein Denkmal gesetzt hat? Daß nicht Ein
Platz, nicht Eine Straße in
dieser Meister trägt? Daß ihre Werke dort todt und ver
gessen sind, ja selbst ihre wissenschaftliche Erforschung und
Darstellung sich im Lande nicht regt, sondern Deutschen und
Franzosen überlassen bleibt? In
über der lebendigen Production nicht die Leistungen der Ver
gangenheit; die ersten Bühnen von
die älteren classischen Stücke, die schönsten Straßen tragen
die Namen
welche rühmliche Thätigkeit entfaltet es seit dreißig Jahren,
um durch Vorträge und Aufführungen, durch kritische Aus
gaben, biographische und ästhetische Werke die von unseren
Vorfahren überkommenen Schätze zu sichten und fruchtbrin
gend zu machen! Das Land jedoch, welches in manchem
Sinn das Vaterland unserer Musik, im strengsten die Ge
burtsstätte des Kunstgesanges und der Oper heißen darf,
nichts von diesem historischen Geist. Wo findet man dort
eine systematische Sammlung alter Musik-Instrumente, wie
sie bei uns sogar Provinzialstädte wie
besitzen? Ich traute meinen Augen nicht, als ich das
schöne National-Museum in
wanderte, welches ein Gesammtbild der
und Kunstgeschichte geben soll, und dort nicht ein einziges
Musik-Instrument, nicht Einen auf die Tonkunst bezüglichen
Gegenstand vorfand. Und in ganz
Tafel, keine öffentliche Aufschrift, welche an die große musik
geschichtliche Bedeutung dieser Stadt erinnern würden, wo zu
Ende des sechzehnten Jahrhunderts in dem kunstsinnigen
Haus des Grafen Bardi die ersten Keime der dra
Zurückschreiten seltsam gegen die zunehmende geistige Rüh
rigkeit der Italiener auf anderen Gebieten des Wissens.
Die Leistungen
schung, der Jurisprudenz, der philosophischen und der Natur
wissenschaften werden in neuerer Zeit von
lichem Eifer und Antheil verfolgt. Da ich in Gesellschaft
eines berühmten Arztes reiste, den in
legenheit, den wissenschaftlichen Eifer und die fachmännische
Belesenheit der ehemals übel angeschriebenen
Mediciner kennen zu lernen. Da war nicht Einer, der nicht
gleich nach jenem Patienten gefragt hätte, dem kürzlich
waren über diese chirurgische Novität, wie über die wich
tigsten klinischen Ereignisse und epochemachenden Werke in
informirt, um darüber fragen zu können. Unter den
lienisch
einzelne Journalisten, wie der geschätzte Filippi in