Musik.
(Hofoperntheater. — Concerte. — Musikalische Literatur.)
Ed. H. Pauline Lucca ist von der Komischen Oper
mit einem kurzen Gastspiel in das Hofoperntheater über
siedelt. Sie hat daselbst die Margarethe von Gounod und
die Afrikanerin von Meyerbeer gesungen, zwei Rollen, deren
überaus glänzende Aufnahme wir bereits in Kürze gemeldet
haben. Es waren bedeutende Leistungen, groß angelegt, geist
reich ausgeführt, Alles bis in den kleinsten Zug durchdacht
und vortrefflich gemacht. Manchmal schien mir das Durch
dachte und Gemachte sogar allzu stark vorzuschlagen. Ich kann
nicht leugnen, daß mich Frau Lucca in dem kleineren Rahmen
der Komischen Oper noch vollständiger befriedigte, in hei
teren Rollen herzlicher erfreute. Noch unbekannt mit ihren
tragischen Partien, sprach ich bei Gelegenheit der „Lustigen
Weiber“ die Vermuthung aus, Frau Fluth repräsentire
allem Anscheine nach die frischeste und eigenthümlichste Seite
des Talentes von Frau Lucca. Ihre Zerline und Angela
leuchteten als Strahlenbrechungen desselben Lichtes. Im
tragischen Fach entfaltet Pauline Lucca mehr ihre Kunst,
im heiteren mehr ihre Natur. Letztere begegnet in der
Großen Oper doch einigen kleinen Hemmungen. Ganz abge
sehen von ihrer nur mittelgroßen Gestalt, welche eine Zerline
getreuer repräsentirt als eine Selica, hat das Organ der
Lucca in Rollen wie diese einen großen Kraftaufwand zu
bestreiten. Die Stimme dringt zwar überall kräftig durch,
mit ihr aber zugleich ein Zug von Anstrengung, welcher die
hohen Töne von G aufwärts im Forte häufig schrill er
scheinen läßt. In der Komischen Oper theilten sich das
kleine Haus und die heitere Gattung in das Verdienst,
solche Anstrengung nicht zu veranlassen. Ferner findet die
Neigung der Frau Lucca zu breiter, nachdrücklicher Behand
lung der Phrase und Verzögerung des Zeitmaßes ein
weites Feld gerade in den Aufgaben der seriösen Oper.
Dadurch geräth manche Stelle ins Schleppende und Forcirt-
Pathetische. Man erinnere sich an ihre auffallend langsamen
Tempi in dem Duett mit Faust, in den sentimentalen
Melodien der Selica, namentlich im fünften Act. Die Auf
fassung der Selica durch Frau Lucca gilt freilich für eine
Art authentischer Interpretation, da sie die Partie mit
Meyerbeer selbst studirte, trotzdem darf und muß die
Kritik auf den Urtext zurückgehen. Interessant und anregend
wirken alle Scenen dieser geistvollen Künstlerin in der
„Afrikanerin“, wie im „Faust“. Jedes Detail ist bis zur
Beugung des kleinen Fingers durchdacht, studirt, unab
änderlich festgestellt; etwas von dieser absoluten Sicherheit
gäbe man mitunter gerne hin für eine kleine Inspiration
des Zufalls, für den Reiz des Unbewußten. Ob ihre Selica,
ob ihr Gretchen den Vorzug verdiene? Die Meinungen
dürften getheilt sein. Gretchen wirkt insofern stärker und ge
fälliger, als die Rolle seelenvoller, überzeugender, musikalisch
reiner ist, als die Afrikanerin. Die Gretchen-Rolle ist so
dankbar, daß sie es im höheren Sinne bereits zu sein auf
hört; es besitzt nämlich jede Stadt und jedes Städtchen
seine Lieblings-Margarethe, welche dort für unübertrefflich
gilt. Kommt nun eine fremde berühmte Künstlerin, so findet
sie gerade als Margarethe die größte Schwierigkeit, den ein
heimischen Liebling zu verdunkeln. Auch auf mich hat Frau
Ehnn mit ihrer üppigen, warmen Stimme und ihrer lei
denschaftlichen Innigkeit in den Liebesscenen des dritten Actes
tieferen Eindruck hervorgebracht, als die Lucca, deren Vor
trag hier, bei aller Kunst, durch eine gewisse Kühle und
Ueberlegenheit befremdete. Hingegen intonirt Frau Lucca,
zur besonderen Freude des Musikers, immer rein und richtig,
was man bekanntlich von Frau Ehnn nicht behaupten kann.
Unübertrefflich wahr und einfach gibt die Lucca die erste
Begegnung mit Faust, die so häufig zu gezierten Minau
derien mit endlosem Sitzenbleiben auf „ungeleitet“, u. s. w.
mißbraucht wird. Ebenso schlicht und schön klingt
aus ihrem Munde das Lied vom König von Thule. Den
Glanzpunkt dramatischer Wirkung erreicht die Lucca in
der Domscene; die folternde Seelenqual des betenden
Gretchen kann nicht ergreifender gemalt werden. Nur
den schneidenden Aufschrei, mit dem die Lucca plötzlich
niederstürzt, hätte ich lieber weggewünscht. Er ist allerdings
in der Rolle vorgeschrieben (nicht bei Goethe, aber bei
Gounod) und soll wol das Anbrechen des Wahnsinnes be
zeichnen; der Eindruck bleibt trotzdem nur der eines grellen
Theater-Effectes. Meisterhaft spielt sie die Wahnsinnsscene
im Kerker. Die dramatischen Funken und Blitze der Selica
können gar nicht aufgezählt werden; häufig gab es auch ein
Leuchten ohne die rechte innere Wärme. Am hervor
ragendsten war das Spiel der Lucca mit Nelusco im Kerker
und mit Vasco im vierten Act. Zu Anfang des fünften
Actes hat Frau Lucca die schöne Cantilene in C-dur: „Du
Tempel, reich und herrlich“, wieder restituirt, welche hier in
der Regel weggelassen wird. — Wir freuen uns der Nach
richt, daß Frau Lucca nach Neujahr ihr Gastspiel am Hof
operntheater fortsetzen will.
Das erste Concert des Wiener Männergesang-
Vereins begann mit der Schiller’schen „Dithyrambe“
von Julius Rietz. Sie ist oder wird allmälig ein Armuths
zeugniß für diesen Zweig der Musik-Literatur. Denn es muß
an einem empfindlichen Mangel neuer größerer Chorwerke
liegen, daß diese mit geschickter Hand, aber lahmer Phan
tasie gemachte Capellmeister-Seeschlange, ein Dithyrambus
der bürgerlichen Correctheit, immer wieder hervorgesucht
wird. Neu war darin das Auftreten des tüchtigen Violin
spielers und Orchestermitgliedes W. Junk als Solo-Tenor.
Zu seinem hübschen blonden Tenoristenkopf paßt vollständig
diese empfindsame, angenehme Stimme, welche nur mit
Kraftäußerungen in hoher Lage haushälterisch vorgehen muß.
Das Baßsolo sang anstatt des erkrankten Herrn Krauß
Herr Dr. v. Raindl mit würdigem Ausdruck. Zur ersten
Aufführung gelangte F. Hiller’s93. Psalm. Die erste
Abtheilung klingt ziemlich salbungsvoll im herkömmlichen
Mendelssohn’schen Psalmenstyl; in der zweiten jedoch
geben die „brausenden Wasserströme“ dem Componisten
Anlaß zu einer grandiosen Tonmalerei, welche den
geistreichen Tondichter im effectvollsten Lichte zeigt. Als
posthume Novität erschienen schließlich drei Chöre mit Or
chester-Begleitung aus dem Melodram „Die Zauberharfe“
von Franz Schubert. Die 1820 für das Theater an
der Wien componirte „Zauberharfe“ gehört zu den vielen
rasch verschollenen Bühnenmusiken, welche Schubert mit so
beneidenswerther Frische und Leichtigkeit aufs Papier warf.
Echt Schubert’scher, durchaus lyrischer Ton herrscht darin,
jugendliches Blut, sinnlicher Klangreiz, bequeme Sorglosig
keit. Aber für Schubert wollen diese Chöre nicht viel be
deuten; er hat nur geringen Aufwand an Kunst und Er
findungskraft darauf verwendet und in populärem Ausdruck
sich allzu gefällig zum großen Theater-Publicum herabgelassen.
Das gilt besonders von den beiden Chören der (offenbar in
Niederösterreich, nicht in der Provence geborenen) Trou
badours; die kleinen Coloraturen, welche der Tenor in dem
Vers: „Die verdiente Lorbeerkrone reicht ihm der Schönheit
Hand“ auf „Lorbeerkrone“ und „ihm“ ausführt, klingen
doch gar zu zopfig. Weit poetischer wirkt der für Frauen
stimmen gesetzte „Chor der Genien“, eine süße Schlummer
melodie, welche sich auf breiten Harfen-Arpeggien tonselig
wiegt. Aus gastlicher Gefälligkeit trug Fräulein Gabriele
Krauß (früher Mitglied der Wiener, jetzt der Pariser
Oper) drei Solonummern vor: zwei Lieder von Schu
mann und Kirchner, von deren Text es schlechterdings
unmöglich war, ein Wort zu verstehen, dann die große
E-dur-Arie aus „Fidelio“, in welcher sich wenigstens die
routinirte und musikalisch feste Bühnensängerin erproben
konnte. Leider ist die Stimme von Fräulein Krauß seit
ihrem Abgang von Wien noch klangloser und zitternder gewor
den. Ihr fortwährendes heftiges Tremoliren wirkt geradezu un
angenehm, und wir können einem unserer Collegen nicht Unrecht
geben, wenn er die Töne der Krauß „Klanggespenster“ nennt.
Daß man übrigens in Fräulein Krauß die Wienerin und
den Gast ehrte und mit Beifall überschüttete, versteht sich
von fest. Nur sollen die Herrn von Männergesang-
Verein, welche die stärkste Klatscherlegion bildeten, nicht ver
gessen, daß sie Concertgeber sind und keineswegs Publicum;
wenn Chor und Orchester einmal anfangen, ihre mitwirken
den Collegen, gut oder übel, öffentlich zu censuriren, dann
wird das Publicum auf das Durchsetzen seiner Meinung
verzichten müssen.
Die von Herrn Friedrich Heßler geleiteten Produc
tionen des Orchestervereines bewahren auch heuer
ihren streng privaten Charakter und erfreuen sich dadurch
aller Vortheile häuslicher Unterhaltungen. Das letzte Con
cert dieses eifrigen Dilettanten-Vereines schien die Zuhörer
besonders zu befriedigen; es hatte an Volkmann’s
C-dur-Serenade und an Cherubini’s Balletmusik aus
„Anakreon“ zwei interessante Programm-Nummern aufzu
weisen. In Hellmesberger’s dritter Quartett-Soirée
hat das vor mehreren Jahren zuerst aufgeführte Streich
quartett von J. Herbeck neuerdings sehr angesprochen;
auch wurde der Pianist Herr W. Schenner nach dem
Vortrage des B-dur-Trios von Beethoven lebhaft ausge
zeichnet.
Benützen wir den Raum, der uns ausnahmsweise heute
bleibt, um neben der ausübenden Kunst auch einige Novi
täten der Musik-Literatur zu erwähnen. Da ist zuerst die
neue Gesammt-Ausgabe von F. Mendels
sohn-Bartholdy’s Compositionen, ein wahres Natio
nalwerk. Breitkopf und Härtel, eine Verlegerfirma vom
ältesten musikalischen Adel, liefert in dieser Mendelssohn-
Gesammt-Ausgabe ein würdiges Seitenstück zu ihrer nicht
genug zu preisenden großen Beethoven-Edition. Julius
Rietz, der Freund Mendelssohn’s und genaueste Kenner
seiner Werke, besorgt die kritische Durchsicht dieser Ausgabe,
von welcher bereits vier Bände (sämmtliche Clavier-Compo
sitionen, Lieder und Streichquartette) erschienen sind. Das
Ganze erscheint auf Subscription in neunzehn Serien, von
denen jedoch auch jede einzeln zu haben ist. — Zu den
„Thematischen Katalogen“, dieser so dankenswerthen, uns
jetzt unentbehrlich dünkenden Erfindung unser Zeit, hat sich
nunmehr auch ein vollständiger Schubert-Katalog ge
sellt, nach welchem längst die Wünsche der Musikfreunde
standen. Dieser thematische Katalog sämmtlicher Compositio
nen von Franz Schubert ist bei F. Schreiber in Wien er
schienen und von G. Nottebohm mit jener Sachkennt
niß und philologischen Genauigkeit redigirt, welche alle Ar
beiten dieses Musikgelehrten auszeichnen.
Eine interessante Wiener Publication führt den Titel
„Aus dem Schwarzspanierhause“ und hat
Herrn Dr. v. Breuning zum Verfasser. Dr. Breuning,
bekanntlich ein Sohn von Beethoven’s intimsten Freunde
Stephan v. Breuning, bewahrt aus seiner Jugendzeit leb
hafte persönliche Erinnerungen an Beethoven. Diese Erin
nerungen, nebst zahlreichen Mittheilungen seines Vaters,
einer genauen Beschreibung von Beethoven’s Wohnung und
Haushalt im „Schwarzspanierhaus“ und gar Vieles sonst,
was aus den letzten Lebensjahren des Meisters neu und in
teressant ist, hat Breuning in diesem Büchlein gesammelt,
das sich durch reichhaltigen Stoff und schlichten sachgemäßen
Vortrag empfiehlt. — Unter der lateinischen Aufschrift
„Opuscula“ empfangen wir eine kleine Reliquie eines echt
deutschen Musikers, des verstorbenen Thomas-Cantors in
Leipzig, Moriz Hauptmann. Der größte Theil dieser
von Hauptmann’s Sohn herausgegebenen Aufsätze ist streng
fachmännischen Inhalts und behandelt theils Gegenstände
der Akustik und Physik (Klang, Temperatur), theils Fragen
aus dem Gebiet der Harmonielehre, Metrik und Contra
punktik. Die wenigen kleinen Aufsätze allgemeineren, insbe
sondere ästhetischen Inhalts lassen bedauern, daß nicht mehr
von den trefflichen Studien Hauptmann’s, welche in alten
Musikzeitungen vergraben liegen, hier aufgenommen wurden.
Bei diesem Anlaß wiederholen wir auch eine frühere Inter
pellation: Was ist’s mit dem Briefwechsel zwischen Moriz
Hauptmann und Otto Jahn? Ist doch die Veröffentli
chung dieser interessanten Correspondenz schon vor drei Jah
ren als „bevorstehend“ angekündigt worden. — Von dem reich
haltigen „Musikalischen Conversations-Lexi
kon“, das unter H. Mendel’s Redaction bei R. Oppen
heim in Berlin herauskommt, ist jetzt der vierte Band (F
bis H) erschienen; er wird dem verdienstvollen Unternehmen
neue Anhänger werben. — Der zweibändige „Beethoven“,
von A. B. Marx, dessen redseliger, aber warmer und an
regender Vortrag sich viele Freunde gemacht hat, erschien
soeben bei Otto Janke in Berlin in dritter Auflage. Diese
besitzt das besondere Verdienst, daß ihr Herausgeber, Dr.
G. Behncke, den historischen Theil, welchen Marx neben
dem rein musikalischen und ästhetischen stiefmütterlich behan
delt hatte, bereichert und dabei Rücksicht auf die neuesten
Beethoven-Forschungen von Thayer und Nottebohm genom
men hat.
„Die Poesie in der Musik“ — das ist ein
Titel, der ohne Zweifel zahlreiche Musikfreunde und -Freun
dinnen anlocken wird. Herr Franz Hüffer, ein in Lon
don ansässiger Deutscher, hat das Büchlein verfaßt, und
zwar ursprünglich in englischer Sprache, nur für englische
Leser. Die (bei Leuckart in Leipzig erschienene) autorisirte
Uebersetzung bringt biographisch-kritische Aufsätze über Richard
Wagner, Schubert, Schumann, Robert Franz und Liszt,
worin sich manche anregende Stelle, wenngleich wenig Neues
für einigermaßen bewanderte deutsche Leser findet. Der
größte Raum in dem Büchlein und der höchste Enthusias
mus gehört Richard Wagner. Diese „Poesie in der Musik“
heißt auch wirklich im englischen Original: „Richard
Wagner and the music of the Future.“ Das Inter
essanteste sind einige bisher ungedruckte Briefe von Robert
Schumann an A. Zuccalmaglio, der unter der Maske
eines „Dorfküsters Gottschalk Wedel“ manchen originellen
Beitrag für Schumann’s Musikzeitung geliefert hat. Für
die Wiener, welche freilich dabei nicht am besten wegkom
men, haben namentlich mehrere Briefe Schumann’s aus
Wien Interesse. Bekanntlich trug sich Schumann mit dem
Plane, seine „Neue Zeitschrift für Musik“ in Wien heraus
zugeben, und die Ausführung stand sogar näher in Aus
sicht, als man vermuthete. Schumann meldet dem Gott
schalk Wedel im August 1838 aus Leipzig, daß er nach
Wien gehe und die Zeitschrift vom 1. Januar 1839
an in Wien erscheint. „Manches Gute hoffe ich von
dieser Uebersiedlung; neue Lebenskreise, neue Thätigkeit,
andere Gedanken; Vieles glaube ich da wirken zu
können, wo sie, mit Jetter zu sprechen, in der Con
fusion schwimmen, wie Fliegen in der Buttermilch.“ Am
19. October 1838 bittet Schumann, schon von Wien
aus, der Freund möchte ihm für die ersten Nummern, die
schon in Wien erscheinen sollten, einen Beitrag senden.
„Etwas Heiteres, Novellenartiges für die Wiener, ja nichts
Catilinarisches, was hier nicht verstanden wird. Zwar ist
das Erscheinen der Zeitschrift in Wien noch nicht kundge
macht. Sie glauben kaum, was für Schwierigkeiten die Cen
sur macht, und die Verleger auch, die für ihren Strauß,
Proch etc. fürchten. Ueber Wien selbst hab’ ich meine eigenen
Gedanken; ich passe nicht unter diesen Schlag Menschen;
die Fadheit ist denn doch zu Zeiten zu mächtig. Indeß wird
genauere Bekanntschaft mit den Einzelnen von diesem Ur
theil Manches löschen.“ Am 10. März 1839 meldet Schu
mann aus Wien dem Freunde bereits das Scheitern des
Planes. „Weder die Zeitung noch ich bleiben hier, wir passen
im Grunde auch nicht hieher. Die Sache hat sich nach ge
nauer Erwägung als nicht vortheilhaft herausgestellt. Das
Haupthinderniß ist die Censur.“ Von der Tyrannei der letz
teren gerade gegen eine Musikzeitung hatte Schumann offen
bar übertriebene Vorstellungen, aber sein Zutrauen auf das
Gedeihen einer Zeitschrift seiner Färbung unter den vor
märzlichen Musikzuständen in Wien war jedenfalls zu sangui
nisch gewesen. Als ich Schumann bei seinem letzten Besuche
in Wien an jenen Uebersiedlungsplan erinnerte, gestand er,
daß die Lust, sich in Wien niederzulassen, neuerdings in ihm
erwacht sei. Nur wisse er sich hier keinen rechten Wirkungs
kreis. „Als Schriftsteller oder Redacteur kann man in
Wien nichts Rechtes für Musik leisten,“ lautete seine neue
Ansicht, „nur ein einflußreicher, praktischer Musiker vermöchte
als Dirigent eines großen Musik-Institutes in Wien refor
matorisch zu wirken — ein Mann wie Mendelssohn!“