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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Ein theatralisches Ereigniß seltenster Art er
lebten wir an der vollständigen scenischen Aufführung von
durch war die
beste Jugendkraft noch einmal, an der Neige seines Wir
kens, groß und geläutert aufflammt, nur in Concerten ge
geben worden, bis man in
(
tralischen Darstellung des Dramas wagte. In
staltete sich die Wirkung wenigstens theilweise befriedigend,
an den beiden anderen Bühnen versagte sie dergestalt, daß
die
lichen Eindruck“ berichten konnte. Eine vollendete Reproduc
tion dieses Werkes stellt ganz ungewöhnliche Ansprüche an
die declamatorische, musikalische und scenische Kunst. Nur bei
einem Zusammenwirken so vieler ausgezeichneten Kräfte, wie
sie das Hofoperntheater am 22. d. M. vereinigte, vermag
„
dann aber macht er ihn ohne Frage. Vom Größten bis
zum Kleinsten wurde hier Alles mit rühmenswerther Sorg
falt und Hingebung geleistet; die ersten Mitglieder des Hof
operntheaters:
hofer
Tacten oder Worten. Das größte Lob werden sie wol Alle
dem Director Herbeck gönnen, dem trefflichen musikali
von Verzerrung wie von eitler Ziererei unberührtes Gefühl;
seine ganze Persönlichkeit — Alles wirkte zusammen, um
uns
quälerei, nicht nur begreiflich, sondern sympathisch und lie
benswerth zu machen. Schon um dieser Einen Leistung willen
sollte man den „
führen. Ohne
trotz all seines Gedankenschatzes, wahrscheinlich scheitern; aber
diese Musik verschmilzt so innig mit der Grundstimmung
desselben, breitet über die bedenklichsten Stellen hier einen
so berückenden Glanz, dort ein so verklärendes Mondlicht,
daß der Eindruck zu den ergreifendsten wird, die wir im
Theater erlebten. Und doch ist
stück fehlerhaft, wunderlich, abstrus; kaum daß die Kritik
weiß, wo sie mit ihrem gewöhnlichen Rüstzeug anfangen, wo
aufhören soll. Das ganze Drama bildet Einen langen
Monolog
stätigend oder äffend unterbricht. Blos in wenigen kurzen
Sätzen des Anfangs und des Schlusses sind es menschliche
Laute, welche dies Echo spenden: der
der alte
lichster Art, mit denen
meisternd, halb Mensch, halb einer der Ihrigen. Ein edler,
von räthselhafter Schuld bedrückter, mit Zauberkünsten be
wehrter Sterblicher, der sterben will und nicht sterben kann.
Ein Zwillingsbruder
nannt und anerkannt — aber ein
ohne
gang, ohne Auerbach’s Keller, ohne Frau
Gärtchen! Nur eine Walpurgisnacht in noch grausigerer höl
lischer Umgestaltung finden wir in diesem
Brust wohnen, hat
grübelnde, metaphysische; nichts von der anderen, die in
derber Liebeslust die Welt umfaßt mit klammernden Organen.
Augen, kaum daß überhaupt etwas mit ihm vorgeht. Und
das soll ein Bühnendrama sein? Gewiß kein Muster
eines solchen. Aber ein wunderbares Gedicht, das auch von
der Bühne herab das Gemüth widerstandslos gefangen
nimmt, ein Abgrund von Gedanken und Gefühlen, befrem
dend, abstoßend und doch zugleich dämonisch anziehend und
fesselnd.
Zwei Elemente, die in
verstörend wirken, finden in
thätig Rettungsmittel. Einmal der große mystische Apparat
von Geistern und Erscheinungen, welche
die reale Welt stellt, sodann die niederdrückende Trostlosig
keit der Stimmung. Ohne Hilfe der Musik, welche jenen
Geisterspuk, wo er erscheint, sofort auf ihren Fittig nimmt
und uns glaubwürdig macht, müßte dies wirre Gespenster
wesen uns von der Bühne fast wie eine Maskerade anstar
ren. Wie nothwendig diese Musik dem Drama und wie noth
wendig wieder das Drama der
das haben wir vollständig erst aus der lebendigen Auf
führung erkannt. Im Concerte bleiben sämmtliche Gesangs
stücke der
Orchesternummern. Aber auf der Bühne! Man höre da den
Geister-Bannfluch der vier Baßstimmen! Welch schauriger
Eindruck, wenn diese vier schwarzverhüllten Gestalten auf der
Felswand hinter
silberglänzenden Alpensee versinnlicht auf das reizendste das
glitzernde Tonbild
von ihm erst das volle Leben. Auch der Höllenchor vor
und gezwungen, wirkt wie eine grelle Theater-Decoration
vollständig auf der Bühne. Was jenen düsteren Fanatismus
der Verzweiflung betrifft, der das Gedicht
wühlt, so würde er den Hörer erbarmungslos niederdrücken,
legte sich nicht
auf die Wunde. Welcher Zauber ruht in der verklären
den Kraft der Musik! Ein zweites
das düstere Marmorstatuen leben und lächeln macht.
Etwas Tröstenderes, Friedlicheres als die idyllische Zwischen
musik in F-dur kenne ich nicht; die kleineren Orchestersätze
im ersten und im dritten Acte tönen mitten durch die Trauer
in verwandter Weise, beglückend, segnend. Und über dem
Allen die Beschwörung der
Töne an, wie sie Keiner vor ihm oder nach ihm erdacht;
Töne von so tiefschmerzlicher und dabei doch eigenthümlich
seliger Trauer, daß sie uns sanft das Herz zusammenpreßt
und die Thränen ins Auge drängt. Das Grausige, Schreck
hafte der Erscheinung ist hier zur stillen, blassen Schönheit
verklärt, der Verwesungsmoder wie von Rosenduft durch
zogen. In der Schlußscene, beim Sonnenuntergang und dem
Tode
bar dieselbe Mission des Tröstens und Versöhnens. Mit
Ausnahme der Ouvertüre, welche das Bild
seiner ganzen düsteren Größe widerspiegelt, wirkt
mann
ganze Drama hindurch mildernd und verklärend.
Der Fluch der Melancholie ist es, der
krampfhaft schüttelt; aus
Lichtbild derselben Empfindung an: der Segen der Melan
cholie. Es mag vielleicht unpassend scheinen, bei diesen Tönen
an ein anderes Gedicht als das
der sanfte, fast friedliche Schmerz, der die kleinen Instru
mentalstücke der
mir stets unwillkürlich mit der Erinnerung an ein wenig
bekanntes Gedicht Gottfried
Die zweite Akademie im Hofoperntheater zum
Besten des Pensionsfonds war das gerade Widerspiel der
ersten. Während am Dienstag Abends ein bisher nur in
Concertform gegebenes Drama, „
auf seinen rechtmäßigen Platz, die Bühne, gelangte und
damit zu der vom Dichter beabsichtigten vollen Wirkung,
wurden am Mittwoch verschiedene Fragmente aus Opern
durch concertmäßige Vorführung entstellt und entkräftet.
Ebenso angelegentlich, wie wir Herrn Director
eine Wiederholung des „
Opern-Abtödtungen wie die in der zweiten Weihnachts-Aka
demie nicht wieder zu veranlassen. Im Concertsaal mag es
sich mitunter empfehlen, irgend ein musikalisches Prachtstück
aus einer verschollenen Oper nach Oratorienweise abzusingen,
um Kunstfreunden wenigstens dessen rein musikalischen Ge
halt, abgezogen von der Bühnenwirkung, darzubringen. Im
Theater sind wir aber nicht blos Hörer, sondern auch Zu
schauer, wir wollen und können da nicht auf Bühnenwirkung
verzichten. Der Genius loci ist auch in der Musik eine
Macht, die nicht mit sich spassen läßt. Eine wohlbekannte
Oper wie „
innigste mit der Darstellung, den Costümen und Decora
tionen verwachsen ist, läßt man uns auf der Bühne des
Hofoperntheaters wie ein Oratorium aus Noten
vorsingen:
aufrichtend, wenn die Reihe an ihn kommt, und wieder
ruhig niedersitzend, sobald eine andere Nummer anhebt —
dahinter auf langen Bänken die Herren und Damen vom
Chor regungslos nebeneinandergereiht, mit den Notenheften
in der Hand. „Ja, warum singen denn all diese Künstler,
die wir so oft in der „
Costüm?“ so hörten wir ringsum fragen. Wozu ladet man
uns denn ins Opernhaus, wenn eine Oper nicht
opernmäßig dargestellt werden soll? Ehemals konnte
man sich mit kirchlichen Velleitäten entschuldigen, welche
an gewissen „Normatagen“ keine scenische Aufführung er
laubten. Das hat aufgehört, und an demselben Abende, wo
der erste Act der „
„
wurden, spielte man schließlich — gleichsam um uns das
Willkürliche des ganzen Vorgangs recht deutlich zu machen
— den vierten Act aus der „
sich gehört. Die Lucca entfesselte als
auf den uns das Hofoperntheater vollen Anspruch gewährt.
Wenn eine Musik von der edlen, milden Sentimentalität
der „
gerüst, das ihr Kraft und Widerhalt verleiht, dann muß sie
freilich unendlich monoton erscheinen. Geradezu unver
ständlich werden aber Scenen wie das große Fi
nale aus
und Glanzstück der im Uebrigen veralteten und
kaum mehr lebensfähigen Oper. Wenn wir da nicht
das aufgeregte Volk über die Bühne stürzen sehen und das
brennende Capitol im Hintergrund, so begreifen wir platter
dings nicht, was eigentlich all diese sittsamen Herren
und Damen so ruhig aus ihren Notenblättern absingen?
So hat man der gegenwärtigen Theater-Generation wahr
scheinlich nur die Meinung beigebracht, daß auch an diesem
berühmten Finale „nichts ist“. Der Bühne entbehren können
allenfalls Opernfragmente, in welchen bei stillstehender Hand
lung sich die Empfindung des Einzelnen lyrisch ausbreitet,
also Arien und Romanzen. Darum erzielte auch die von
Herrn Walter sehr zart vorgetragene, an sich unbedeu