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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die neuesten Lieder von
raschend schnell und tief in unsere musikalischen Kreise ein
gedrungen. Von Herrn Walter, Herrn
ist’s, daß er die mittlere Strophe mit ihrer verstandes
mäßigen Erwägung („Da kommt das Wort und faßt es“)
nicht scharf contrastirend heraushebt, sondern sie einheitlich
verbindet mit dem Anfang, aus dem sie hervorgeht, und dem
Ende, in dem sie versöhnt sich auflöst. Bezaubernd in seiner
galanten Zärtlichkeit ist das „
Genrebildchen, das in
stehen könnte; selten wird man in engstem Rahmen so
flotte Zeichnung und so übrig frische Farben bewundern.
Ein anderes kleines Lied: „
zu dem Liebenswürdigsten und Geistreichsten; das köstliche
Geflatter und Gezwitscher der Schwalben in der Begleitung
macht sich nicht selbstständig breit, sondern trägt und ergänzt
nur die Melodie. Ein anmuthig hinfließendes Lied, ein Lied
nach welchem die Sänger greifen werden, heißt „
Die Melodie, nicht eben neu oder hervorragend, ist eminent sing
bar, nachsingbar, und wiegt sich auf Harmonien, die bei aller
Einfachheit die vornehmste Kunst verrathen. Eine sinnige
Auffassung dünkt es uns, daß
also gegen das Ende der vergnügten Kahnfahrt, die Beglei
tung immer mehr beschwichtigt, zurückhält; die Sechzehntel
werden zu Achtelnoten, der glückliche Schiffer will noch nicht
landen, er geizt mit jeder Minute, rudert immer langsamer.
Dieser Zug ist im Texte nicht angedeutet, der Componist
hat ihn hineingedichtet. Drei kleinere Lieder — „
mander
die Volksweise. Mit Gedichtlein wie „
„
sich als Künstler, indem er es zu versuchen unterließ. Tiefer
wirkt das dritte, „
Herzlichkeit. Es bildet den Uebergang zu den ernsteren Liedern
in welchen ein bedrücktes Gemüth Tragisches gleichsam
ahnend vorausfühlt oder es in stiller Resignation über
wunden hat. Die Perle derselben ist das „
von Paul
rad, lachend, singend, und spinnen jede an ihrem
Brautkleid. „Kein Mensch, der mir gut ist —
wofür soll ich spinnen? Ich weiß es nicht.“ Ein rührendes,
kurzes Lied, das sich in unserer Phantasie zum lebendigen
Bilde verkörpert. „
von dem alten Paul
klagt in etwas altmodischer Weitschweifigkeit die Stolze an:
„Du weißt, du hörst, du siehst die Schmerzen und nimmst
der’ keinen doch zu Herzen!“ Die bürgerlichen Worte stellen
sich leidenschaftlicher Musik in den Weg. Wirklich nimmt die
Melodie trotz der Aufschrift „sehr lebhaft und ausdrucksvoll“
einen mehr trübselig schlendernden Gang. Man kann an
diesem Liede — ein seltener Zufall bei
einmal eine Probe auf die Vieldeutigkeit der Musik machen.
Die Musik schmiegt sich durchwegs dem schmerzlichen Gedichte
Liebenden dürften sich dieser klaren A-dur-Melodie unter
legen lassen. Wenden wir uns schließlich zu den wenigen
Liedern, die einen stärkeren tragischen Ton anschlagen.
Wenn sie nicht alle gleichwerthig sind, so liegt dies zum
Theile an den Gedichten. Da ist z. B. das Lied: „
Kirchhof
Der Dichter mag die Antithese, daß ihm als „Genesene“
gelten, die auf dem Grabstein als „Gewesene“ beklagt wer
den, in acht kurze Zeilen zusammenfassen — die Musik bedarf
dafür breiterer Entfaltung, will sie nicht zum Epigramm ein
schrumpfen. Ueberdies gehört das
v.
Schmerzen auf Eroberungen ausgehen. Wenn ein Dichter,
nachdem er schon zweimal das Wort „sturmbewegt“ wieder
holt hat, auch noch versichert, daß „sturmestodt die Särge
schlummern“, dann glauben wir ihm gar nichts mehr.
Auch die Mordgeschichte „
stelten Volkston („Ein Mann harrt auf der Haide, ja Haide
— zu einer Falschen Leide, in Leid“) nicht schauriger, im
Gegentheil.
getroffen, schlicht und derb. Dem Poeten von „
schweben „Schatten von Cypressen“ vor, und darum, meint
er, „dunkel klingen meine Lieder“; auch diesem eitlen
Schmerzenssohn hat
pfindung einzuhauchen gewußt. Minder glücklich gelang es
ihm mit einem dritten zerrissenen Herzen, mit dem „
derer
einst begraben werde, an der Stelle lieb’ ich dich.“ Die Me
lodie bewegt sich in gezwungen hoher Lage, schlägt auch
wiederholt das hohe As auf Sylben an, denen so scharfe
Accentuirung nicht zukommt. Den erschütterndsten Eindruck
empfangen wir von dem Liede „
Schlummer
los Kranken, einer langsam Sterbenden. Das
Theodor
nie geglaubt, irgend eine Musik vermöchte seine herzdurch
bohrende Wirkung noch zu erhöhen.
vermocht. Seine Composition des
die Krone, die Dornenkrone der neuen Sammlung.
Gleichzeitig mit den drei Liederheften erschienen von
„ Fünf Gesänge für gemischten Chor, a ca
“ (op. 104). Sie sind durchaus ernsten Inhalts.
So vortrefflich das Alles ist, wir würden es doch,
wenn’s sein müßte, hergeben für die „ Zigeunerlieder“.
Melodie entweder durch polyphones Gewebe verschleiert oder
den emancipirten Gewalten der Begleitung preisgibt — in den
Zigeunerliedern lebt nur volle, gesunde Schönheit. Sie wirken
mit dem Duft und der Farbe von frischen Rosen. Der Form
nach bilden die „
„Liebeslieder-Walzern“ op.
reizend diese in allen Einzelheiten sind, in ihrer Wirkung
als Ganzes bleiben sie hinter den
Die
Wahl: es sind ihrer zu viele (18 im ersten, 15 im zweiten
Hefte), um sämmtlich nach einander gesungen zu werden. Die
hang und lassen uns nach dem letzten Stück nur das Be
dauern, daß es schon aus ist. Der Walzertact ferner, welcher
die Liebeslieder durchwegs regiert, konnte troß aller rhyth
mischen Verwandlungskunst des Componisten doch nicht ohne
einen kleinen Bodensatz von Monotonie bleiben. Hingegen
lassen die
von Tempo und Tonart, keine Einförmigkeit aufkommen.
Endlich athmen die
liedern
jenen unvergleichlichen Erdgeruch, der uns an der echten
Volkspoesie der „
in
sein Eigenthum, im Gegensatz zu den bekannten „
rischen Tänzen
weisen blos „gesetzt“ hat — freilich mit einer harmonischen
Feinheit und Unerschöpflichkeit, welche sofort den großen Ton
künstler verräth. Den Naturalismus der eigentlichen Zigeuner
musik hat sich
unddreißigstel-Passagen, noch das chaotische Gewinsel und
Gewimmer, womit die Original-Zigeunerbanden uns in der
ersten Viertelstunde verrückt machen. Und der Inhalt des
Liederheftes? Er ist der einfachste und zugleich reichste, der
leidvolleste und seligste: die Liebe. Man könnte wie über
Motto von
neu’ste, einz’ge Weltbegebenheit.“ Die „
ein kleiner Roman, dessen Begebenheiten uns nicht erzählt,
dessen Personen uns nicht genannt werden und den wir den
noch prächtig verstehen und nie wieder vergessen.
Mit wildem Ruf beginnt das erste Stück: „
Zigeuner, greife in die Saiten
getreuen Mägdelein!“ Der Tenor singt vor, das Quartett
wiederholt die Strophe, gegen den Schluß immer heftiger
aufflammend. In dem folgenden Quartette „
Rimafluth
Doch scheint der Zigeunerbursch bald ein anderes Liebchen
gefunden zu haben: fröhliches D-dur folgt auf die Moll-Ton
art, auf die zornige Klage leichblütiger Verliebtheit: „
ihr, wann mein Kindchen am allerschönsten ist?
nimmt sie das Wort in ebenso heiterer Stimmung: „
Gott, du weißt ja
müthiger Luft vereinigen: „
Tanze
allerschönsten Nummern, zwei Cabinetsstücke, das eine
neckisch scherzhaft, das andere überquellend von ernster
tiefer Empfindung. Gibt es etwas Zierlicheres, als
das
etwas Seelenvolleres, als das sich
mich nicht, verlass’ mich nicht“? Ein Nachhall dieser
Stimmung weht durch die melancholische Weise in G-moll:
„
schütze dich!“ so treuherzig in die Dur-Tonart einlenkt. Auch
das nächste Stück bringt den gleichen Wechsel zwischen G-moll
und G-dur, aber wieder in ganz anderen Farben. Stürmisch
wild beginnen alle Stimmen unisono: „
schaut Niemand mich an
umschlägt bei Naturkindern, springt mit einem Satz („Nur
mein Schatz, der soll mich lieben“) in den hellsten Czardas
jubel. Wieder gewinnt Sehnsucht und Herzeleid die Ober
hand; ein inniges starkes Gefühl zittert durch das Lied:
„
ferne an das stählerne Rauschen des Cymbals mahnt. Und
nun stehen wir vor dem elften, dem letzten Stück der Samm
lung: „
Verlangen stürmt diese Melodie dahin, nach jedem Absatz
von zwei starken trotzigen Accordschlägen gleichsam vorwärts
gestoßen. Ein unvergleichlich poetischer Abschluß.
Der Wunsch, den Hörer vorläufig vertraut zu machen
mit dem Zusammenhang der „
vorstechendsten Schönheiten, hat uns geschwätzig gemacht. Allein
wer könnte von dieser Tondichtung zu reden aufhören, wenn
er einmal angefangen! Seit lange brachte uns kein Musik
stück ein so volles, ungetrübtes Genießen, wie diese „
lieder
Naturgebildes auf uns wirken und die schöpferische Hand
des Künstlers nur leise durchfühlen lassen. Sie sind, wenn
man will, vom Himmel gefallen — in die rechten Hände.