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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Das „ Durante hat im
Hörers wird sich mehr zu der einen oder der andern Kunst
hingezogen fühlen. Die Palme höchster Meisterschaft ruht un
bestritten in den Händen
großen
tende Vorzüge, die nur ihrer Nation eignen.
die größte Gestalt unter ihnen, berührt uns heute fremd,
fast unheimlich in seiner düsteren Majestät. Ungleich ver
wandter fühlen wir uns den Meistern der
nischen Schule, dem weicheren harmonischen Fluß, der
freier entwickelten Melodie ihrer Werke. Was wir Modernen
an ihnen vermissen, ist Individualität. Wir tragen unbe
wußt so viel Musik der
Kirchenmusiken von
hört, uns trotzdem bekannt anklingen. Eine starke Familien-
Aehnlichkeit verknüpft obendrein die unübersehbar zahlreichen
Werke der
gehört eigentlich in die Kirche und bedarf der Kirche zur vollen
Wirkung. Doch auch im Concert hat uns der edle Bau,
der bei aller Vornehmheit warme Ausdruck, die durchsichtige
und klangschöne Polyphonie dieser Tondichtung erfreut und
erbaut. Der Styl ist feierlich und glänzend, die Sangbarkeit
und zwanglose Führung der Stimmen eine Wohlthat für
Sänger und Hörer. Nach dieser erhebenden Tondichtung,
welche in der Schönheit der Religion zugleich die Religion
der Schönheit feiert, würde man nicht vermuthen, daß Fran
cesco
bissener Mensch gewesen. So schildern ihn Zeitgenossen mit
dem Beifügen, daß keine der drei Frauen, mit denen er ver
heiratet war, einen höflichen, umgänglichen Mann aus ihm
zu machen vermocht habe.
Ein anderes classisches Werk, das uns durch Ausgrabung
wieder zur Novität geworden, ist
phonie
hundert Symphonien componirt hat, so befindet sich ein
Concertdirector derzeit nie in Verlegenheit, aus diesem reich
haltigen Lager ein Stück herauszufinden, das uns neu oder
doch längst vergessen ist. Freilich dürften wir auch manche
unbekannte Symphonie von
Zu
Aufgabe einer Symphonie ganz anders, als heute. In knapper
Form und für ein kleines Orchester componirt, gehörte die
Symphonie ehedem zur besseren Gesellschaftsmusik; sie
sollte unterhalten, erheitern, nur ganz vorübergehend,
dem Contraste zulieb, auch zur „Empfindsamkeit“ sprechen.
Man arbeitete nicht ein volles Jahr und länger an
einer Symphonie, sondern veröffentlichte gleich ein
ganzes oder ein halbes Dutzend auf einmal. Weniger
als sechs Symphonien pflegte keine Concertgesellschaft, kein
musikliebender Cavalier bei dem Meister zu bestellen. Die
„sechs von
großer Erfolg veranlaßte den
rascher Folge nicht weniger als 63 Symphonien von
herauszugeben! Erzählt uns diese Notiz, diese trockene Ziffer,
nicht von einer andern, längst untergegangenen Welt? Die
Symphonien selbst sind uns glücklicherweise nicht untergegangen,
obwol wir eingestehen müssen, daß unser Zusammenhang
mit ihnen sich stark gelockert, unser Bedürfniß danach erheb
lich nachgelassen hat. Ganz darf man diesen Zusammenhang
niemals verloren geben; schon die immer anspruchsvoller und
gewaltsamer auftretende Musik der Gegenwart und „Zukunft“
macht uns ein zeitweiliges Bad in der klaren Fluth
scher Symphonien erwünscht. Was die im Gesellschaftsconcert
gespielte betrifft, so haben auch wir großen Kinder drei Sätze
lang begierig auf das Erscheinen des „Bären“ gewartet, der
endlich im vierten Satz sich auf die Hinterbeine zu setzen
und uns anzubrummen geruht. Für dergleichen Musikwitze
zu schwärmen, dazu fehlt uns doch die genügsame Heiterkeit
und unverbrauchte Musikpassion unserer Urgroßeltern....
Am selben Tage erlebte auch das Goldmark’sche
könnte es bezweifeln? Er hat es auch in der ausgezeichneten
Ausführung der Solobratsche in
neuerdings bewiesen.
Ueber den Clavier-Virtuosen d’Albert, der uns mit
Im fünften Philharmonischen Concert hat Frau
Essipoff ein noch ungedrucktes
daß es mehr Mazurka als Menuett ist. Die Compositionen
anklingend, sind vorwiegend pikant und graziös.
zu heben durch geschickte Contrapunktirung, gesangvolle Mittel
stimmen und ungewöhnliche, oft nur allzu raffinirte Harmo
nisirung. Das von Frau
ein erster Versuch in größeren symphonischen Formen; es
enthält hübsche, originelle Einzelheiten neben vielem Ge
suchten und Bizarren. Unmittelbar nach der Formschönheit
und der gemüthvollen, edlen Natürlichkeit von Robert
pelt verpfeffert und verwürzt. Der erste Satz hat am meisten
musikalische Logik und vornehme Haltung. Das Andante be
ginnt stimmungsvoll, ermüdet aber durch den monotonen
Sechsachtel-Rhythmus, in welchem das Clavier die Orchester-
Melodie accordisch begleitet. Im Finale verläßt den Com
ponisten die
Wild
fänglichen Theilnahme ein, anstatt sie zu steigern und zu befestigen.
Als einen besonderen Vorzug, der sich eigentlich von selbst
verstehen sollte, rühmen wir die eminent claviermäßige Be
handlung der Solopartie. Es liegt da Alles so gut in der
Hand, daß man sagen möchte, das Concert klinge schwieriger,
als es wirklich ist. Jede der Passagen macht Effect, klingt
brillant und ungezwungen, im Gegensatze zu machen neueren
Concertstücken, deren nicht recht claviermäßige Technik ein weit
mühsameres Studium erfordert, ohne sich durch die gleiche
Wirkung belohnt zu sehen. Herr Paderewski hat auch bei
Man hört bekanntlich viel mehr und besser Clavier
spielen als Singen, ist somit gegen virtuose Pianisten gleich
giltiger geworden, als gegen Gesangskünstler, welche eine
durchgebildete Technik mit poetischer Auffassung und seelen
vollem Ausdruck verbinden. So fand denn auch der Kammer
sänger Walter am vorigen Samstag ein besonders zahl
„
jüngste Programm der Philharmoniker als erste Nummer.
Unter den
— stehen aber nicht weniger als dreizehn in D-dur!
Wieder ein Ausblick in jene uns fremd, fast unverständlich
gewordene Periode musikalischen Schaffens, an die eben zuvor
„
dreizehn
Concert war es die oft gehörte
anmuthigsten Meisterwerke
grüßen uns flüchtig wohlbekannte Motive: Vorausklänge aus
den Ouvertüren zu „
Sie lebten bereits versteckt in
dem Meister unbewußt, in seine Symphonie geschlichen.
Als Novität erschien eine
„ Mackenzie, demselben
den
nur in der Melodie selbst mehr Leidenschaft und Süßigkeit.
Das Allegro gehört zum größten Theil den beiden komischen
Junkern
der Canon „Halt’s Maul, du Schuft!“ den sie in der
classischen Trinkscene anstimmen, hier nicht fehlen würde;
welch’ herrliche Gelegenheit für den Componisten, einen volks
thümlichen, herzhaft lustigen Ton anzuschlagen! Aber nichts
von alledem. Obwol
„Sollen wir die Nachteule mit einem Canon aufstören?“,
bringt er keinen solchen; dafür später zu
„Niemals hat man Jemandem so abscheulich mitgespielt“
einen durch vier Stimmen fugirten Satz, welcher viel Gelehr
samkeit, aber keine Spur von Humor verräth. Natürliche
Laune und Fröhlichkeit, überhaupt Natur ist’s, was wir am
meisten vermissen in dieser Composition. Jede
Ouvertüre gäbe eine passendere Einleitung zu „
als dieses schwerfällige, verkünstelte und unmäßig gedehnte
Orchesterstück. Große Gewandtheit ist
zusprechen, sowol in contrapunktischer Kunst wie in der Instru
mentirung. Auch die Verletzungen der musikalischen Logik
durch häufiges Zerreißen des Zusammenhanges und ganz un
motivirte Einschiebsel deuten mehr auf ein Nichtwollen,
als auf ein Nichtkönnen des Componisten. Der Ehrgeiz,
genial und großartig zu erscheinen, wo es doch nur
gilt, frisch und fröhlich zu sein, dazu der Einfluß von
und
Componisten gemeinsame Untergrund,
schimmert), hemmt
echte, rechte Lustspiel-Ouvertüre zu schaffen. Nein, das ist
nicht das vielgerühmte „Merry old
heutige ernsthafte, gelehrte, maßleidige
Fleiß und Ehrgeiz sich auf die Musik verschlagen hat. Ueber
das Niveau von
Resultate dieses Bestrebens bis heute nicht merklich zu reichen.
ihre Frage an das
wollt?“ gelautet, so hieß die Antwort unzweideutig: Etwas
Anderes!