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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Jede Künstlerfahrt
Triumphzug, seine diesjährige zugleich ein Jubiläum. Im
März werden es fünfzig Jahre, daß der neunjährige
in
einem Bravourstück von
besonders gefallen zu haben. Nicht immer ist der Tondichter
größer und unsterblicher, als der ihn interpretirende Spieler.
Seit jenem
und wird nach hundert Jahren noch seinen Namen feiern —
wer aber weiß etwas von dem Componisten Franz
tschek
dunkle Ehrenmann (Sohn des gleichnamigen
Capellmeisters
sechs Jahren vor dem kaiserlichen Hofe gespielt hat. Er hat
also vor unserem
und — dreißig Jahre vorzeitiger Verschollenheit. Fast gleich
zeitig mit
Beide Künstler sehen wir heute in beneidenswerther Kraft
und Spielfreudigkeit, in aufrechtem Besitz ihres Könnens
und Empfindens, alt an Erfahrung, jung im Gemüthe. Eine
so lange ruhmvolle Laufbahn gehört selbst in der Musik zu
den Seltenheiten. In jeder andern Kunst ist sie überhaupt
unmöglich. Wer hat von einem neunjährigen Dichter oder
Maler gehört? Nur die Tonkunst besitzt den fragwürdigen
Vorzug, das Gehör und die Finger der Kleinen weit ihrem
Verstande vorauszuschicken. Die meisten werden alte Kinder,
ohne Wunder und ohne Ruhm; wenige erwachsen zu großen
Künstlern und zahlen häufig, wie
frühe Reife mit einem frühen Tod. Freuen wir uns der schönen
Ausnahmen, die, wie
Jahren auch in der Kunst hochgewachsen sind und ihre lange
segensreiche Wirksamkeit noch immer weiterzuführen vermögen!
An einem so wichtigen Marksteine gedenkt man unwill
kürlich der ersten Anfänge. In
zum erstenmale in einem Wohlthätigkeits-Concert,
drei anderen kleinen Knaben — den Brüdern Hellmes
und Adolph
Und auch jetzt wieder, am 11. Februar, hat
seinen ersten Abend im großen Musikvereinssaale mit dem
selben
zähligemal und doch von
haben.
Persönlichkeit sind eng verwachsen gerade mit diesem Werke;
man könnte es kurzweg „sein Concert“ nennen. Neben
diesem spielt er, spielen alle Geiger am häufigsten das
Mendelssohn’sche. Die langjährige Herrschaft dieser
Auch diesmal sicherte
uns ein neues, noch ungedrucktes Werk von
führen: die dritte
D-Moll. Sie zählt zu dem Vollkommensten, was dieser Meister
im Fache der Kammermusik geschaffen. Auf jedem Tact schaut
unverkennbar
beiden
größer, auch äußerlich größer, indem sie — verschieden von
jenen dreisätzigen — aus vier Sätzen besteht. Das erste
Allegro beginnt mit einem leisen, langgezogenen Gesang der
Violine, in jener anscheinend gefaßten, beschaulichen Stim
mung, welche die meisten Anfangssätze von
charakterisiren pflegt. Aber bald vernehmen wir halb unter
drücktes Schluchzen der Geige und heftiges Aufstürmen des
Claviers; die Leidenschaft ist unter der trügerischen Ruhe
durchgebrochen und behauptet das Feld. Der zweite Theil
(nach dem nicht repetirten ersten) steigt empor aus einem
merkwürdigen Orgelpunkt auf A, der sich durch 46 Tacte
hinzieht und über welchem sich ein wunderbar reiches Gewebe
von Modulationen ausbreitet. Der Schluß des Satzes bringt,
gleichsam als Antwort auf jenen Orgelpunkt in A, einen
etwas, kürzeren auf dem Grundton D, über welchem
chromatische Sextengänge des Claviers und allmälig
verhallende Seufzer der Geige sich tief und tiefer
herabsenken. Das Adagio (D-dur 3/8-Tact) eröffnet
gleichfalls die Violine mit einem getragenen Ge
sang auf der G-Saite, welcher, bis zum Schluß
durch keinen Zwischensatz unterbrochen, den Charakter einer
edlen, gefaßten Klage einhält. Das Stück ist schön, klar und,
im Gegensatz zu den meisten Adagios von
kurz. Als reizendes Detail wirkt der chromatisch aufsteigende
Triller der Violine vor dem Schluß. Eigenthümlicher ist das
folgende Presto in Fis-moll, eines der genialsten Stücke von
geringste Lust zum Scherzen. Ein unruhig intermittirendes
Pochen pulsirt wie ängstliches Herzklopfen durch das Haupt
motiv und die ganze Stimmung des durchaus einheitlichen
Satzes. Dieses Thema ist das originellste, prägnanteste in
der
lange in der Erinnerung. Die nervös aufgeregte Bitterkeit
des Scherzos schlägt im Finale (D-moll 6/3) zu flammen
der Leidenschaft aus. Der Componist bringt hier zwei
Presto-Sätze nacheinander; die Ueberschriften: „Presto assai
e con sentimento“ auf dem Scherzo, und „Presto agitato“
auf dem Finale verrathen schon einigermaßen die verschiedene
Stimmung in beiden. Das Hauptthema des Finales frappirt
nicht durch Neuheit, es erinnert an Verwandtes bei
Aber wie das Adagio, von dessen Thema Aehnliches gilt,
sich mit jedem Tacte eigenartiger, reicher entwickelt und in
streng organischem Zusammenhang doch fortwährend Uner
wartetes producirt, so auch, in noch viel höherem Grade,
das Finale. Es ist der längste und am stärksten durch
gearbeitete Satz. Unter dieser, wie heiße Lava hinströmenden
Tonfluth wird man beim ersten Hören nur den kleinsten
Theil der darin steckenden modulatorischen und contrapunk
tischen Kostbarkeiten wahrnehmen, welche bei näherer Be
trachtung immer fesselnder hervortreten; aber die fast dra
matische Leidenschaftlichkeit des Satzes reißt auch den unvor
bereiteten Hörer mit fort. Bewunderungswürdig ist wieder
die einheitliche Stimmung, welche die ganze
wie in einen goldenen Ring faßt. Jeder der vier
Sätze erzählt uns ja etwas Anderes, aber wir
empfinden die Vorgänge dennoch als zusammengehörig und
als untrennbar von der Persönlichkeit des Erzählers. Daß
die neue
ist, als die
hinzu, daß sie die Virtuosität der beiden Spieler mächtiger
aufruft, also concertmäßiger, glänzender wirkt. Was das
relative Werthverhältniß der drei
wir uns niemals gerne fragen, welches von drei verschiedenen
schönen Dingen das schönste sei? Die in ihrer anspruchs
losen Freundlichkeit so anheimelnde
sicherlich überragt von der
die sogenannte
als die neue; ob deßhalb geringer? Ich fühle zu parteiisch,
um das zu entscheiden. Mir ist die
lieber bewährter Freund, den ich für keinen Andern hergebe.
In ihrer weichen, nachdenklich träumenden Empfindung und
ihrer wundersam tröstenden Kraft steht sie ganz für sich allein
da. Sie wirkt auf uns ungefähr wie
den Mond
wie die eigene Jugend, die ja wie aus dämmernder Ferne
uns daraus anblickt.
In
sonders ein Adagio von Spohr aus dessen fünftem
in G-dur. Ehedem mit
vielen Jahren beinahe nichts mehr von ihm. Um so trau
licher berührt es uns, wenn jetzt seine warme, weiche Stimme
wieder einmal an unser Ohr schlägt. Violin-Virtuosen wie
Quartettvereine könnten mit Vortheil manches vergessene
schöne Stück von
ungeschickte Wahl erweist man seinem Andenken wenig Ehre
und uns wenig Freude — wie z. B. mit dem
Sextett Rosé’s letzter