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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Aus dem musikalischen Getümmel der letzten
Wochen sehen wir zwei neue vornehme Gestalten empor
ragen, von unserem Publicum mit raschem Blick erkannt
und liebgewonnen: die Sängerin Alice Barbi und der
sie mit überquellend leidenschaftlicher Wärme bei reinster
technischer Ausführung. Und für die gemüthvolle Melancholie
in
richtigen Ton; ihre ausdrucksvolle, natürliche Mimik gab
der Stelle: „Einen Weiser seh’ ich stehen unverrückt vor
meinem Blick“ sogar eine überraschende Anschaulichkeit.
Vielleicht mochte Mancher mit irgend einem zu lebhaft auf
leuchtenden Worte, mit einem zu plastisch herausgearbeiteten
Detail nicht übereinstimmen; man muß sich hüten, der
gleichen für „affectirt“ zu halten, was dem Südländer na
türlich ist. Wir haben in Alice
Gesanges von geistvoller, eigenartiger Künstler-Physiognomie
kennen gelernt, auf deren nächstes Concert wir uns zu freuen
guten Grund haben.
Herr Bernhard Stavenhagen, ein junger Thürin
begonnen hat, am Ende kränklich und matt. An seinem Vor
trag der
Auffassung bei zartestem Detail und die strenge Einhaltung
des Tactes. Dennoch erzeugten mitunter die Klangkünste des
Pianisten wenigstens den Schein eines absichtlichen Schön
machens. Der große Zug der Tondichtung mußte sich vor
übergehend doch dem einzelnen berückenden Klange fügen.
Maler, der einer blendenden Farbe zulieb, oder wie ein
Poet, der für einen originellen Reim die Idee des Ganzen
zurechtrückt. Kleinere Stücke von
spielt er mit reizender Natürlichkeit, fast mit der Unmittel
barkeit von Improvisationen. Mit zauberhafter Leichtigkeit,
fast zu rasch, läßt er den
uns vorüberfliegen. Befremdend fiel es auf, daß
eine
von der Claviatur zu heben, an den
Mit besonderem Interesse hörten wir
Polonaise
technischen Schwierigkeiten wie ob ihres räthselhaften Inhalts
selten gespielt.
kommen und erhellte das verwirrende Dunkel des letzteren
nach Möglichkeit. Es ist dies eine Phantasie im pathologischen
Sinne, das Phantasiren eines Fieberkranken, dem lockende und
wüste Bilder in wirrer Flucht erscheinen. Vergebens sucht er sie
zu deuten, festzuhalten, zu verbinden; seine Erregung steigert
sich endlich bis zur Tobsucht, aus welcher er in tiefste Er
mattung hilflos zurücksinkt. Ein psychologisch merkwürdiges,
aber musikalisch durchaus unerfreuliches Stück. Wenn
der begeistertste Verehrer
sagt, sie stehe als ganz pathologisch außerhalb der Sphäre
der Kunst, so ist dem nichts weiter beizufügen. Es wird er
zählt, daß
sah und ein langer Zug
alterthümlicher Tracht an ihm vorbeischritt. Diese Vision
erfüllte ihn mit solchem Schrecken, daß er zur ent
gegengesetzten Thür hinausflüchtete und jenes Zimmer
des Nachts nicht mehr zu betreten wagte. Ein
Am schönsten spielt Liszt. Er macht sie sogar erträglich und interessant, denn
Ein Virtuose, der sich den mildthätigen Luxus erlaubt,
ein großes Orchester-Concert zum Besten des Unterstützungs
fonds des
anderes als blos musikalisches Vermögen besitzen. Wir
gratuliren Herrn Xaver Scharwenka recht herzlich dazu.
Bravour. Trotzdem hat mich sein Spiel weniger befriedigt,
als vor zehn Jahren.
gezeichneter Clavier-Pädagoge gesucht und berühmt. Der Pro
fessor scheint in ihm den Poeten todtgeschlagen zu haben.
Was er spielt, klingt methodisch, abgecirkelt, nüchtern. Die
frühere Solidität seines Vortrages ist zur Pedanterie ver
knöchert. Wie kühl und poesielos geriethen unter
wenka
Solche Stücke wollen mit lebendigem Geist und tief
einwurzelnder Empfindung, wie etwas individuell Er
lebtes, gespielt sein. Auf die Finger des Virtuosen
möchten wir da vergessen; bei
auf seine Seele. Auch sein Anschlag ist härter und steifer
geworden; die vorlaute Herrschaft der linken Hand erinnerte
an das strenge Commando eines Officiers, der seine Com
pagnie in Tact und Ordnung erhält. Den Beschluß machte
eine
gebers, welcher selbst dirigirte. Sie sucht durch die gewal
tigsten Intentionen, durch das betäubendste Getöse, durch
ungewöhnliche Länge und Breite zu wirken. In dem Be
streben, etwas äußerst Leidenschaftliches, Tiefes und Groß
artiges zu schaffen, hat
schätzt. Schon der erste Satz, eine Verherrlichung des grim
migsten Pessimismus, ist geeignet, den Hörer von der Neu
gierde nach dem Folgenden zu heilen. In der Form fällt
der Satz haltlos auseinander; die Logik symphonischer Ent
wicklung erscheint abgedankt zu Gunsten eines sprunghaften
melodramatischen Wesens. Man glaubt mitunter eine er
regte dramatische Opernscene ohne Gesang zu hören. Es
macht stets einen betrübenden Eindruck, wenn ein liebens
würdiger Mann, der mit seiner Vernunft und dem Leben
auf dem besten Fuße steht, sich ein großes tragisches Schicksal
andichtet und durchaus für einen
gelten will.
Es gab noch zwei große Orchester-Concerte, welche vom
Hofcapellmeister Hanns Richter dirigirt und vom glück
nannte Unterstützungsverein unserer Philharmoniker eröffnete
sein Concert mit der (in
tirte Stück empfiehlt sich immerhin als eine passende Er
öffnungs- oder Schlußnummer für Concerte, in denen Chor
und Orchester beschäftigt sind. Fräulein Henriette
hartner
zeit
spruchslos, wie es der Styl dieser Musik erfordert
und die natürliche Anmuth der jungen Künstlerin er
warten ließ. Man dankte ihr mit anhaltendem, wohl
verdientem Applaus. Die schönsten Leistungen boten aber die
Philharmoniker selbst, als wollten sie, in dem Bestreben, das
alljährliche Nicolai-Concert zu popularisiren, ihre eigenen
Productionen in den Abonnements-Concerten noch überbieten.
Der Sylphentanz aus Berlioz’ „
Für die gelungene Aufführung von
„
der aufrichtigste Dank. Das ist eine jener gigantischen tief
sinnigen Schöpfungen, welche oft gehört und gut gehört sein
wollen, damit ihre Wunder wie ihre befremdenden Seltsam
keiten uns völlig vertraut werden. Bekanntlich hat die aller
erste vollständige Aufführung der
also zweiundzwanzig Jahre nach deren Vollendung, stattge
funden, und zwar durch den alten
Musikverein, den man noch gekannt haben muß, um sich
von der Naivetät seiner dilettantischen Leistungen einen
Begriff zu machen. Sechzehn Jahre später hat Her
mit der ihm eigenen nachhaltigen Begeisterung das