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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wenn man die einförmig düstere Gebirgsland
schaft der
immer dem Laufe der
Ort, der als vorgeschobener Wachposten
unnahbar steilen Festung Charlemont geschützt und vertheidigt
ist. Mitten auf dem Marktplatz erhebt sich auf bescheidenem
Sockel eine Marmorbüste mit der Inschrift: Etienne
Nicolas Méhul. Das Monument ist durch Subscription
In den Biographien großer Künstler bildet meistentheils
die Jugendgeschichte das ungenügendste Capitel; die Anfänge
liegen mehr oder minder im Dunkel, erst mit den Erfolgen,
mit der anbrechenden Berühmtheit wird es Licht. Ueber
bisher bekannt war. Nicolas lautete und nicht, wie alle Handbücher angeben,
Etienne Henri) war in
Es erscheint fast wunderbar, wie er, der als Sohn eines
kleinen
reich
seiner frühesten Jugend, von leidenschaftlicher Musikliebe ge
trieben, die Wege fand, sich musikalisch zu bilden und sogar
seine Familie für den Gedanken einer Componisten-Laufbahn
zu stimmen, welche damals Allen unbegreiflich, aussichtslos
erscheinen mußte. Für den Anfang hatte er keinen andern
Lehrer, als den alten blinden Organisten des Klosters. Schon
als zehnjähriger Knabe übernahm
lockte durch sein Orgelspiel die Menge in die kleine Kloster
kirche, während die Hauptkirche leer blieb. Ein ganz unver
hofftes, ungewöhnliches Ereigniß mußte jedoch eintreten, sollte
der kleine Musiker nicht zeitlebens in diesen dürftigen An
fängen stecken bleiben. Ein solches Ereigniß war die Ankunft
eines ausgezeichneten Hanser,
begonnen. Unterricht und Beispiel des Deutschen
dieses einzigen Lehrers, den
legend und entscheidend.
Fleiß; die Ruhe und Einsamkeit des Klosters, der ununter
brochene Verkehr mit
günstig. Oft hat
im Kloster verbrachten Jahre als die glücklichsten seines
Lebens bezeichnet. Unter welchen Umständen
Kloster verlassen hat, ist nicht mehr zu ergründen. Alles
schien ihn dort festhalten zu wollen: die Liebe seiner Vor
gesetzten und der Mönche, der Wunsch seiner Eltern, ihn
einst als Geistlichen zu sehen, die sichere Aussicht auf die
Organistenstelle im Hause. Glücklicherweise kam es anders.
Ein Musikfreund, wie es heißt der Oberst eines in Charle
mont garnisonirenden Regiments, hörte im Kloster den
jungen
Im Jahre
sein Brot anfangs durch Unterrichtgeben. Für die Angabe der
meisten Biographen,
stelle versehen, findet sich nirgends eine Bestätigung. Jeden
falls muß der kaum 16jährige Knabe einen nicht gewöhn
lichen Muth und Ernst besessen haben, um in diesem Alter
und diesen Verhältnissen sich mitten in den Schlund von
er mußte doch zwölf Jahre lang warten auf seinen ersten
Erfolg.
den ihm Gluck mitgegeben hatte. Der Componist der „
Dramatischen. Seine drei ersten Opern schrieb er, ohne an
eine Aufführung zu denken, blos zur eigenen Uebung, „pour
se former la main“. Die erste von ihm zur Aufführung
gelangte Oper war „Euphrosine, ou le Tyran corrigé
(
der geistreichsten, originellsten Menschen des damaligen
geschrieben. Obwol für die Opéra comique bestimmt, war
das Stück doch von sehr düsterer, fast tragischer Färbung.
Das zur Melancholie neigende Temperament
Vorbild von
furchtbaren Revolutionsscenen, die sich damals unter seinen
Augen abspielten, mochten diese seltsame Wahl mitbestimmt
haben. Jedenfalls schwebte dem Componisten eine Art Um
gestaltung und Erweiterung der „Komischen Oper“ vor,
welcher er einige von
menten einzubürgern suchte. Als Ziel steckte er sich die Schil
derung der Leidenschaften im rein menschlichen, im bürger
lichen Drama — im Gegensatz zur Schilderung der Leiden
schaften im heroischen und mythologischen Drama, dieser
Domäne der Großen Oper.
dieser neuen reformirenden Aesthetik, welche dem Publicum
eine fortströmende Quelle noch unbekannter Genüsse und
starker Erregungen aufschloß. F. B.
den Stoff zu seiner „
„
Oper „
Alexandrinern, schwerfällig in der Form und von unerträglicher
Länge, konnte dieses Libretto nur durch die Macht einer ganz
außerordentlichen Musik einen Erfolg erringen und behaupten.
In der That schuf
Meisterwerk, das ihn mit Einem Schlag unter die ersten
Componisten reihte. „
zum berühmten Mann gemacht. Ohne den geringsten Zu
sammenhang mit den Ideen der Revolution eroberte diese
Oper die vollste Theilnahme eines Publicums, das damals
alle ähnlichen nichtpolitischen Stücke fallen ließ. „
ward später auf vier, endlich auf drei Acte reducirt und
hat sich in dieser Form mehr als vierzig Jahre lang auf
dem Repertoire der Opéra comique erhalten. Es ist ein
merkwürdiges Werk, das trotz mancher veralteter Stellen
noch heute unser lebhaftes Interesse erregt und von
keinem angehenden Operncomponisten, ignorirt werden
sollte. Insbesondere das berühmte Eifersuchtsduett ent
ladet eine dramatische Schlagkraft, die man der
sollte. Der alte Grétry, bekanntlich kein Verschwender
in keinem späteren Werke erhoben. Merkwürdig ist wieder,
daß
keine Solo-Nummer hat, sondern blos in einem Quartett,
und zwar erst am Schlusse desselben, mitsingt. „
erhielt sich lange auf dem Repertoire und wurde noch
Der außerordentliche Erfolg der Opern „
und „
öffentlichen Meinung. Ehrgeizig wie er war, fühlte
sehr lebhaft die Verpflichtungen, welche so schnell erworbener
Ruhm ihm auferlegte. Die Besorgniß, nicht auf gleicher Höhe
zu verbleiben, quälte ihn unausgesetzt. „J’aime la gloire avec
fureur,“ sagt er selbst in einem an das
tacles
Thätigkeit. Im Laufe von vier Jahren (
er acht dramatische Werke zur Aufführung gebracht. Freilich
errangen nur drei derselben („
„
übrigen, in
hier füglich übergehen. Weit mehr interessirt uns der
eintretende und immer stärker anwachsende Einfluß der
zösisch
Tyrannisch im Kleinen wie im Großen, wollten die Be
hörden auch die Werke der Kunst ausnahmslos in den Dienst
der republikanischen Ideen zwingen. Die Proben zu
neuer Oper „ Mélidore und Phrosine“ waren in
noch kein eigentlich „patriotisch-republikanisches Werk“ gelie
fert: ein solches müsse der Aufführung der harmlosen „
sine
Poet Ho
“ (
Noch tiefer in die republikanische Strömung gerieth
Marie Joseph Chénier, zu dessen Drama „
départ“, welche gleich der
Man muß daraus keineswegs auf eine republikanische
Gesinnung des Componisten schließen wollen. Obwol nicht
ohne Sympathie für die Ideen von Freiheit, hielt sich
doch stets abseits von allen Parteien und äußerte niemals
eine politische Meinung. Als ein fruchtbarer Componist von
besonderer Begabung für den Ausdruck des Kraftvollen,
Heroischen, Feierlichen, fand er in patriotischen Hymnen ein
sehr günstiges Feld für seine Thätigkeit. Wegen derselben
Vorzüge wurde
reich mit der Composition von officiellen Hymnen beauftragt,
und diese athmeten denselben pathetischen und dabei popu
lären Schwung, wie seine Revolutionslieder. Alle
Componisten jener Zeit, Cherubini,
bei der Gründung der Akademie (einziger
Musiker zum „membre de l’Institut“ ernannt, auch einige
Jahre später von allen Tonkünstlern der erste mit dem
Kreuz der Ehrenlegion geschmückt wurde. Trotz seiner ge
häuften Beschäftigungen fand er doch Zeit und Lust, den
Verkehr mit den vorzüglichsten Geistern seiner Zeit zu pflegen,
als liebenswürdiger Gesellschafter und virtuoser Märchen
erzähler die berühmten Salons der Madame
Consuls
leben. Seine schwächliche Gesundheit und Neigung zur
Melancholie schienen ihn noch anziehender zu machen, ins
besondere für die Damenwelt. Leider hatte er das Unglück,
aus seinen Verehrerinnen nicht die rechte für sich auszu
wählen. Er heiratete die
Dr.
mit Gastronomie beschäftigte, als mit seiner Wissenschaft und
seinen Patienten. Er gab seine vornehme Clientel in
auf und ließ sich in
Spieltisch, die Tage im Bett oder bei Gastmälern verbrachte,
ein bedeutendes Vermögen rasch verschleudernd. Man darf
annehmen, daß die
den Gewohnheiten und Anschauungen ihres
kommen habe. Mademoiselle
sehr lebhafte und intelligente kleine Person geschildert. Den
Werth ihres
zwischen Beiden wuchs bald zur vollsten Unverträglichkeit.
Gleich nach der Hochzeit hatte Madame
ins Haus genommen, von der sie sich keinen Augenblick
trennte; die Verwandten ihres Mannes hingegen behandelte
sie mit größter Unfreundlichkeit. Bald wurde ein erträgliches
Zusammenleben unmöglich, und die Scheidung erfolgte.
Madame
lebt. Niemals sprach sie seinen Namen aus, dessen Ruhm
sie gänzlich unempfindlich ließ, niemals ließ sie einen Ver
wandten ihres Mannes vor. Nach dem Tode
sie sofort nach
benen hastig Alles zusammen, was nicht niet- und nagelfest
war, und fuhr damit unverweilt zurück nach ihrem Aufent
haltsort
Frau war es in
Gefühl von Bitterkeit und Vereinsamung bemächtigte sich seiner,
das, immer zunehmend, Zeit seines Lebens schwer auf ihm lastete.
(Ein Schlußartikel folgt.)