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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Unsere Freunde im
mit einigem Erstaunen lesen, daß
„
ersten-, zum allererstenmal gegeben wurde — volle 52 Jahre
nach ihrer Première in
Stück, mit welchem sich
geführt, glänzende Aufnahme gefunden und bald darauf einen
sicheren Platz auf allen
rollen waren den beliebtesten
gepaßt,
vielseitig begabte Mann, der nebenbei Operncomponist, Text
dichter, Capellmeister gewesen, nicht Alles gesungen und ge
spielt während seines Engagements in
er den
am nächsten Abend den
oder den Peter
und Zimmermann
gleich lebendig in Spiel und Gesang.
bildhübsch, mit dunklen Locken und ausdrucksvollen braunen
Augen, stets gut gelaunt und voll lustiger Einfälle. Wie
sehr verändert, früh gealtert erschien er uns, als er im
Februar
Josephstädter Theater dirigirte! Nur die leuchtenden Augen
unter den grauen Locken und der gefurchten Stirne ließen
den einst so lebensfrohen Mann wiedererkennen. Die thea
tralischen Mißjahre, welche der Revolution von
hatten
als Capellmeister des Josephstädter Theaters, durchlebte er
den unheilverkündenden vorletzten Act seines Lebensdramas,
dem in
hat die Zeit der Tantièmen nicht erlebt. Das Josephstädter
Theater, das
die meisten seiner früheren Opern in
im August
den Jahr den „
Mit dem „
das Theater an der Wien dem Hofoperntheater weit
vorangegangen. Die
schon im Jahre
verstreichen, ehe sie den „
bevor sie den „
„
ganz zuletzt,
Zunächst erklärt sich diese Verspätung wol aus der rasch vor
greifenden Concurrenz der beiden genannten Vorstadttheater,
ebensosehr aber aus dem reichen Zufluß von Novitäten, die
in dem Jahrzehnt
darboten. Neue Werke von Donizetti und
Neubelebung der bereits halbvergessenen Opern „
und „
und jetzt der „
ville: „
und die Personen jedoch in sein geliebtes kleinbürgerliches
Sohn
langen Feldzug heimkehren soll. Aber vor dem Erwarteten
trifft ein anderer Soldat desselben Schützenregiments in dem
Städtchen ein, ein übermüthiger Geselle, Namens
Er hat sich augenblicklich in
wirth
gehalten und von seinem vermeintlichen
genommen zu werden. Im zweiten Act kommt der wirkliche
Gustav
will und nach der Polizei schickt, beruft sich
im Tornister aufbewahrten Legitimations-Papiere. Man finde
aber in dem zufällig verwechselten Tornister nur eine Anzahl
Liebesbriefe und einen auf ganz andern Namen lautenden
Militärpaß. Dadurch in seinem Verdacht bestärkt, läßt
hat dieser das Herz
kommt. Nun tritt auch
ihm verübte Mystification und löst die ganze Ver
wirrung. Das Stück endet lustig zu allgemeiner Zu
friedenheit mit einer Doppelheirat. Wie man sieht,
bewegt sich
kleines
bürgern, welche durch allerlei Verwechslungen und Miß
verständnisse in ungewohnte Aufregung und in einen
Wirrwarr gerathen, bei dem es natürlich ohne Prügel und
Arretirungen nicht abgeht. Ein eingebildeter Amtmann, ein
bornirter Gastwirth, ein fluchender Dragoner, ein furcht
samer dummer Junge — das sind die komischen Figuren,
zwischen denen zwei Liebespärchen, ein muthwilliges und
ein mehr empfindsames, ihre harmlose Intrigue spinnen.
Lauter Typen, mit deren Charakteristik unser Componist
gründlich vertraut ist und die in leicht veränderter Form
uns auch sonst bei ihm begegnen. Die gut geführte Handlung
ergibt Scenen von unwiderstehlicher Komik, ohne dem Ver
stande Zeit zu lassen, über Unwahrscheinliches tiefer nach
zudenken. Die Hand des Textdichters
geschickten Ausbau der komischen Ensemble-Nummern nicht zu
verkennen, leider auch nicht in der Trivialität des Dialogs
und der Liedertexte.
Die neue alte Oper besitzt alle Vorzüge und Schwächen
Neues sagen! Mit dem „
schmied
Höhe der musikalischen Erfindung und formellen Ausfüh
rung; noch weniger erreichen sie den in seiner Weise classi
schen „
durch allerlei zopfige Passagen, durch ihre Gesangstücke in
Polonaisenform, ihre häufigen Rosalien und langen Wieder
holungen. Aber wir begegnen darin manchem Musikstück,
das wir zu den gelungensten des so liebenswürdigen
zählen müssen. Da ist vor Allem die drollige große Solo
scene des dummen
Einem Tone singend, seine Abenteuer erzählt. Sie ist voll
Leben, voll gesunder, natürlicher Komik; dieses einzige Stück,
das originellste in der ganzen Oper, würde hinreichen,
übrigen Einzelgesänge sind weit schwächer; die beiden
Strophenlieder
Possen-Refrains wollen uns heute nicht mehr in den
Rahmen einer Oper passen. Ungleich wirksamer sind
die Ensemblestücke, namentlich das erste Finale, in welchem
dann das Quartett („Ihm Trost zu bereiten“) und das
Septett im dritten Acte („Stille Nacht“), in welchem die
„Comödie der Irrungen“ der im Dunklen einander suchen
den, findenden und wieder verfehlenden Personen ihren er
götzlichen Höhepunkt erreicht. Auch das mit der Verhaftung
Lebendigkeit bei schön abgerundeter Form. Diese Nummern
ragen siegreich aus der Partitur hervor. Dennoch legen wir
nicht geringen Nachdruck auf den einheitlichen, stets heiteren
und natürlichen Ton, welcher das Ganze beherrscht. Selbst
die sentimentalen Stellen
niemals durch übertriebenen Ausdruck aus dem Rahmen des
Lustspiels. In ernsten Momenten ist
und herzlich, aber niemals pathetisch. Es ist etwas Anderes,
ob Liebessehnen und Abschiedsschmerz in einer heroischen
großen Oper oder in einer kleinen komischen zu schildern
sind. Ein Genrebild darf nicht mit den Mitteln und For
men des Historienbildes wirken. Das Hauptmotiv kann das
gleiche, der Styl muß ein anderer sein. Und diesen Grundsatz
hat
Haltung und gesunde Natürlichkeit können allen seinen Nach
folgern in der
Operette zum Muster dienen. Diese Eigenschaften wirken auf den
Hörer mit einer einschmeichelnd überzeugenden Kraft selbst
dort, wo sie unbedeutenderen Musikstücken anhaften, die ja
in keiner
zu selbstverständlichen Melodie oder allzu kindlichen Scene
überfliegt uns wol ein Lächeln, das ungefähr sagen will:
Unbegreifliche Zeiten, welche sich an dergleichen ergötzen
konnten! Aber in dieses moderne Selbstbewußtsein mischt sich
doch ein bischen Neid auf unsere Voreltern, denen „
den Schützen
Sind jene „unbegreiflichen“ Zeiten nicht auch glücklichere ge
wesen? Etwas wie ein Hauch aus jenen Tagen naiver Genüg
samkeit schleicht sich doch in unser eigenes Herz, und wir
leihen den einfachen Melodien und harmlosen Spässen
ein freundliches Ohr, weil sie naiv und anspruchslos sind.
Wir sitzen vor der Bühne fast wie vor einem trauten
Kaminfeuer und wärmen uns, früherer Zeiten gedenkend,
an dem derben Humor der Handlung und der gemüthvollen
Fröhlichkeit der Musik.
Aber nicht blos den Zuhörern, auch den Opernsängern
von heute ist die bürgerliche gesunde Heiterkeit und Unbe
fangenheit der Vorfahren abhanden gekommen; sie müssen
schon eine kleine Anstrengung machen, aus Eigenem dazu
thun, durch den Reiz ihrer Persönlichkeit und die Kraft ihres
Talents nachhelfen, wo die Farben des Bildes verblaßt sind.
In diesem Sinne hat insbesondere Fräulein Renard, für
darboten, die Wirkung von
„
Schützen
in einigen ganz vortrefflich. Zu diesen gehört vor Allem der
„ Stoll, der das Publicum außer