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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die vier Jahreszeiten! Aus ihnen haben, seit
es eine Kunst gibt, die Poeten, Maler und Musiker ihre
holdesten Dichtungen geschöpft und werden es weiter thun,
so lange sich das Wunder dieser viersätzigen Himmelssympho
nie wiederholt. Welch reicher, klarer Quell auch für den
Tanzpoeten, wenn er ein offenes Auge, Phantasie und
vollends einigen Humor besitzt! Das neue Ballet, für wel
ches der Titel „Die vier Jahreszeiten“ uns besser gefiele,
als der steifere „
einen bunten Wechsel von Landschaftsbildern, heiteren Scenen
und glänzendem Schaugepränge. Die Herren Gaul und
die Gesellschaft eilends zerstieben und den Vorhang fallen.
Nun kommt der Winter an die Reihe, der bekanntlich
auch seine Freuden hat. Wenn wir nur im Hofoperntheater
nicht gar so lange auf diese Freuden warten müßten! Für
das neue Ballet ist es ein Unglück — wir glauben kein
unverbesserliches — daß jeder der vier Jahreszeiten eine
„allegorische Erklärung“ vorausgeschickt ist, die mit geringen
Abänderungen immer dasselbe bringt und, obwol nur
wenige Secunden dauernd, doch eine übermäßig lange
Vorbereitung braucht. Wenn zu Anfang des Ballets Fräu
lein Abel als „
„
sturm erregt, der noch lange wirksam nachhalten wird. Wenn
dennoch etwas diesen Erfolg beeinträchtigt hat, so war es —
abgesehen von den erwähnten scenischen Verzögerungen —
die überspannte Erwartung des Publicums. Mit dem Vorrecht
der Unersättlichkeit erwartete man, „
die
Schatten stellen. Das aber thut „
wegs. Die „
bild von urwüchsigem Humor geradezu einzig. Ihre Musik
ist classisch, denn sie schöpft nur aus dem Allerbesten, was
die Tanzmusik besitzt: aus Franz Schubert,
Das neue Ballet, im Styl den „
der „
trefflichen Schwimmgürtel abgeben, um altersschwache Opern,
wie den „
von Szigeth
Erde
heitere, fast zur Pantomime zurückgreifende Divertissement
bei uns thatsächlich über das stylmäßige große Ballet errun
gen hat. Es dünkt mir dies ein erfreulicher Fortschritt des
gesunden Geschmacks, so sehr die erste Solotänzerin darüber
wehklagen wird. In Sachen des seriösen Ballets vollständig
Laie, ein undankbarer, gelangweilter Laie, würde ich mir so
verwegenen Ausspruch schwerlich erlauben, wenn die Erfah
rungen der letzten Jahre nicht unzweifelhaft darlegten, daß
unser Publicum ebenso denkt. Gibt es etwas Ermüdenderes,
als einen ganzen Abend hindurch einem ernsthaften Ballet
d’action zu folgen, dessen ganze „Action“ blos in der Ge
legenheitsmacherei für virtuose Tanzproductionen besteht?
Welche Geduldprobe, diese umständlichen getanzten Adagios,
diese endlosen „Variationen“, diese Riesenschlangen-Pas de deux!
Nur dem kleinen Areopag der ernsthaften Kenner und Enthu
siasten gilt für das Entscheidendste, wie lange eine Tänzerin
auf den Fußspitzen vorwärts zu trippeln oder wie oft sie sich
um sich selbst zu drehen vermag. Für diese Balletgelehrten
braucht die kreiselnde Virtuosin nicht einmal dasjenige zu be
sitzen, was uns zwar nicht als die wichtigste Eigenschaft,
wol aber als die erste Voraussetzung gilt: Jugend und
Schönheit.
Von den einst vielbewunderten mythologischen,
chisch
Höchste der dramatischen Kunst überhaupt erblickte, hat man
sich längst abgewendet.
Noverre, der sich selbst den „
natürlichere, realistischere Geschmack von Heute ergötzt sich mehr
an den lebensvollen Chorwirkungen, als an den Fußspitzentrillern
der prima Ballerina. In den drei Divertissements, welche neuestens
die drei größten Erfolge des Hofoperntheaters bezeichnen, hat
die erste Solotänzerin gar nichts zu thun; hingegen erfreut
uns ein Reichthum an lebensvollen, meist charakteristisch
nationalen Ensemble-Tänzen, zwischen welchen sich zwanglos
eine possenhafte Handlung schlängelt. Wie gesagt, nähern sich
die wirksamsten Partien der „
fee
Wenn nicht Alles trügt, wird der nächste Fortschritt im
Balletwesen sich noch weiter in dieser Richtung bewegen.
Aus der fortbildungsfähigen Form der Pantomime wird ein
erfinderischer Balletmeister wirksame, noch unverbrauchte
Kräfte gewinnen, ohne auf die Reize des eigentlichen Tanzes
zu verzichten.
Die jetzt im Hofoperntheater herrschende Sitte, ein kur
zes Ballet am Schlusse einer mehractigen Oper zu geben,
erweist sich als durchaus praktisch. Die größere Hälfte des
Abends ist der Oper, die kleinere dem Ballet gewidmet. In
früheren Jahren herrschte die umgekehrte Ordnung: man
begann mit einer einactigen Oper und ließ ein längeres
Ballet folgen. Das gesungene Vorspiel, meist mit zweiten
oder dritten Kräften besetzt, ward wenig beachtet, ja, von
einem großen Theile des Publicums, das erst zum Ballet
erschien, gänzlich übersprungen. Da gelangte das lustige
Singspiel „
das Verhältniß anderte sich mit Einem Schlage.
erzählt in seinen
Komiker Baumann und