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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
etwa sechzig Jahren hat er sich an dieser vornehmen Stätte
nicht mehr blicken lassen und sein Rasirzeug nur in den
Vorstädten gehandhabt. Aber seine Wiege war doch das Hof
theater nächst dem Kärntnerthor, das kann ihm Niemand
nehmen. Die Handlung freilich ist gar nicht aristokratischer
Herkunft; noch viel älter als das
sie durch mehr als ein Jahrhundert alle möglichen Wand
lungen durchgemacht. Der „Dorfbarbier“ blühte schon zu
Zeiten der extemporirten Comödie; jeder neue
brachte auch neue Einfälle und Variationen hinein, bis eines
Tages — das „regelmäßige Schauspiel“ befohlen wurde. Da
sammelte Paul
einem Lustspiel, und „
theater ein Tummelplatz fröhlichen Muthwillens. Die besten
Schauspieler verschmähten es nicht, darin aufzutreten; einmal
ließ sich sogar der berühmte Tragöde Brockmann als einer der
spielten alle Mitwirkenden so schüchtern, daß das Ganze
keine Wirkung machte. Der bescheidene Componist hatte nicht
einmal gewagt, sich auf dem Theaterzettel zu nennen.
Der Theaterzettel brachte folgende empfehlende Bemerkung:
„Das Lustspiel dieses Namens ist bekannt und immer mit Beifall auf
genommen worden. Die komischen Auftritte darin gaben Anlaß, daß
man es zur Oper umschuf. Der Tonsetzer hat die interessantesten Situa
tionen genützt und in Musik gesetzt.“
In den folgenden Wiederholungen trat man allmälig kühner
auf, und auch der Componist warf sein Incognito ab. Der
stetig wachsende Beifall steigerte von Tag zu Tag die gute
Laune und den Muthwillen der Darsteller. Im Fasching
zu groß, und die folgende Vorstellung sollte die letzte sein.
heroisches Mittel. Er erschien in Trauerkleidern, mit lan
gem Flor um den Hut, und als
begann, sprach er weinerlich in feierlichem Hochdeutsch: „Herr
sagen!“ Die Zuschauer erfuhren schnell die Bedeutung dieser
Improvisation und erreichten durch stürmische Demonstration
die Zurücknahme des Verbotes. Sogar in aristokratische
Kreise drang der „
Uebersetzung auf dem Schloßtheater des Fürsten Karl
für welches
Der treffliche Baßbuffo Brocchi gab den
ihn nothgedrungen und ließ den großen Mann fortan un
gestört seine wunderbaren Schinkencuren fortsetzen. Vorzüg
lich blieb er ein Lieblingsstück bei Freitheatern. In einem
solchen übermäßig vollgedrängten Freitheater kam
räucherte. Jubelnd bedankten sich die gemüthlichen Zuschauer.
Dieser Baumann, ein geborener Komiker von sprudeln
Woher nun der außerordentliche Erfolg, die hundert
jährige Lebensdauer dieses kleinen, anspruchslosen Werkes?
Die populäre Wirkung komischer Singspiele geht immer
zunächst von der Handlung, vom Texte aus. So wenig wir
Schenk’s Musik unterschätzen, niemals hätte sie allein einen
Spruchweisheit. Die schnellgetröstete
der salbungsvolle Schullehrer
zappelnden Geschworenen, endlich das muntere Liebespaar
aus dem Leben gegriffen. Die Handlung, in welcher diese
Personen mit und gegen einander arbeiten, entwickelt sich
natürlich und in lauter drolligen Situationen. In diesem
Textbuch findet der Componist die Wirkung fast fertig vor,
er hat dieselbe gleichsam nur zu unterstreichen. Und das hat
barbier
leicht und fröhlich dahin, ohne beleidigende Trivialität.
Wie ungesucht komisch klingen die Strophenlieder
und die F-dur-Arie des
Das Septett „Gott grüße Euch in Ehren!“ erinnert in
seinem melodiösen Fluß und seiner dramatischen Lebendigkeit
fast an
fährliche Situationen, wo der Spaß etwas unheimlich zu
werden droht, weiß der Componist recht geschickt herum
zukommen. Im „
stücken, worin die Doctoren gehechelt werden, spielt auch
Gevatter
barin mit der Klage eintritt, ihr Mann sei an der Schinken
cur gestorben, und wenn später der
meintlich vergifteten
doch recht düstere Vorstellungen in den Scherz hinein. Unsere
alten Possendichter faßten auch den Tod nicht senti
mental. Für die Musik, die gewiß affectirt und aberwitzig
wird, wo sie zwiespältigen Ausdruck erklügeln will, sind
Situationen wie die genannten nicht leicht. Nur Naivetät
schreitet, dem Nachtwandler gleich, heil an diesem Ab
grund vorbei.
mühelos das Richtige, indem er Trauriges zwar andeutet,
aber Traurigkeit nicht aufkommen läßt. Merkwürdig ist der
Effect, den er in dem Todtenlied durch gedämpfte Trom
peten hervorbringt. Die Sordine der Trompete (eine kleine
hölzerne Röhre, die in die Stürze eingeschoben wird) ist seit
dem vorigen Jahrhundert fast ganz außer Gebrauch ge
kommen. Erst Richard Wagner hat den dünnen, durch
Es versteht sich, daß die Wirkung des „
vor Allem von der komischen Kraft der Darsteller abhängt.
eminente Komiker sein; nach Stimme und Gesangskunst
fragen wir nur nebenbei. Darum pflegt auch der „
barbier
großen Opernbühnen. Selbst die besseren Darsteller in
unserer Spieloper sind doch keine eigentlichen Komiker; und
fehlt ihnen nicht das Talent, so fehlt ihnen doch der Muth,
so komisch zu sein, wie ihre Ahnherren es ungestraft sein
konnten. Mit diesem Vorbehalte müssen wir die Aufführung
des „
Die natürlichste und herzhafteste Komik entwickelte Herr Stoll.
durfte. Herr v. Reichenberg (
Es fehlt uns der Raum, wol auch der Anlaß, mit
gleicher Ausführlichkeit über das zweite Stück der Hofoper-
Matinée vom 23. d. M. zu berichten. „ Das Pensionat“,