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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
Tonkunst, doch der Tonkünstler, beginnt auch in musikalischer
Beziehung ein ernsteres Interesse zu erwecken. Alljährlich
wächst die Anzahl der Opernsänger und Virtuosen, die nach
ihres Talents oder die höchste Weihe ihres Ruhms zu suchen,
sondern um Lorbeern in Dollars umzusetzen. Aber ein Volk,
das dergleichen Genüsse so hoch bezahlt, muß doch musikalische
Empfänglichkeit, musikalisches Bedürfniß, wol auch Talent
besitzen. Wie ist es damit bestellt? Und wie sieht es, neben
der Oper, mit den Orchester-Concerten, mit den Chorvereinen,
mit der Kammermusik, mit dem Musik-Unterricht aus? Seit
wann kann überhaupt von Musikpflege in
sprochen werden und welchen Gang verfolgt sie in ihren
verschiedenen Zweigen? Diese Fragen beantwortet uns zum
erstenmale zusammenhängend ein Buch von Dr. Frederick
Louis Ritter, das soeben in zweiter vermehrter Auflage
noch manche Städte dort, welche nur eine fette Weide für
musikalische Ignoranten und Abenteurer sind. Der Eine zeigt
an, daß er die musikalische Composition in zehn Lectionen
lehre, der Andere (irgend ein Clavierstimmer oder -Händler)
verspricht, seine Schüler in vier Wochen zu guten Pianisten
auszubilden. In einer Stadt nicht weit von
der Dirigent eines Chorvereins zugleich als Buffo auf und
schildert singend mit gräßlichen Körperverrenkungen einen
Seesturm und das Scheitern des Schiffes. Eine Unzahl
ähnlicher Geschichten, „wie sie nur in
können“, stehe dem Verfasser, wie er sagt, zu Gebote; er
hat jedoch Recht, sie für unpassend zu halten in einem
ernsten historischen Werk.
Die Anfänge musikalischer Entwicklung in
tiren von der ersten Ansiedlung
England
einer barbarisch gesungenen einfachen Psalmodie erwuchs die
musikalische Cultur in den
haben zur Zeit der großen Revolution in
taner Orgeln und Musikbücher zerstört. Der Psalmengesang
in der schönen Bearbeitung der besten
punktisten wurde als frivol verpönt, nur die einstimmige
Melodie durfte von der Gemeinde gesungen werden. Die
Erfindung neuer Weisen war verboten, das Volk schreckte
vor solchem „Teufelswerk“ zurück und verlor allmälig jeg
lichen Sinn für die künstlerische Bedeutung der Musik. Die
Puritaner, welche
ihr eintöniges Psalmodiren und ihren Haß gegen weltliche
Musik mit. Während der ersten Epoche der Colonien stand
die musikalische Cultur daselbst so niedrig, wie bei den Gal
liern oder Alemannen im siebenten Jahrhundert. Die ersten
Durch kirchliche Engherzigkeit verblieb die Musik in so arger
Vernachlässigung, daß der Chorgesang der allereinfachsten
Psalmodie zu einer Folterqual wurde für jedes gebildete Ohr.
Bach und
Singschule besucht hatte und einiges Musiktalent in sich ver
spürte. Er begann die Form der ihm am meisten zusagenden
Psalm-Melodien umzumodeln und, so gut er konnte, zu har
monisiren, wozu er die Innenseite seines Leders oder seiner
Baumrinde als Notenpapier benützte.
guten Kirchensänger, so weit damals überhaupt vom Singen
die Rede sein konnte. Der Erfolg seines Gesangbuches war
bedeutend und ermuthigte ihn, bald ähnliche Sammlungen
folgen zu lassen, sogar eine Art primitiver Gesangschule und
Compositionslehre. Bei alledem blieb er stets ein ungeschickter
Harmoniker und noch ärgerer Contrapunktist. Verkrüppelt,
auf einem Auge blind und auf einem Fuße hinkend, fort
während aus einer großen ledernen Rocktasche Tabak
schnupfend — so hat sich sein Bild seinen Zeitgenossen ein
geprägt. Ein Original und so recht der Typus des „Yankee
Psalmtune-teachers“ vom Ende des vorigen Jahrhunderts.
Ein großes politisches Ereigniß, die
machte ihn zum patriotischen Psalmcomponisten.
unterlegte beliebten Kirchenmelodien politische Gelegenheitstexte,
und diese patriotischen Hymnen wurden von jedem Chorverein,
in jeder Familie, sowie von den Soldaten im Feldlager gesungen.
Und so geschah es, daß manche seiner Gesänge, die mit
dem Zeitpunkte großer politischer Aufregung zusammentrafen,
wirkliche Volkslieder wurden, z. B.
Verdienst, nicht blos fremde Melodien „angepaßt“, sondern
auch eigene erfunden zu haben, und darf als der erste
aber ehrlicher Musiker. Unser Verfasser zählt eine ansehn
liche Reihe strebsamer Zeitgenossen und Nachfolger
auf, die für uns nur geringes Interesse haben. Jedenfalls
begannen mit diesem Psalmcomponisten vom Ende des
vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts die ersten eigen
artigen Regungen
Kindheit, aber lebenskräftig und hoffnungsvoll. Wie alle
Autodidakten, so legten
Werth auf dasjenige, was sie so mühsam hervorgebracht
hatten, obgleich das höchst mittelmäßig war im Vergleich
mit den Leistungen irgend eines wirklichen Tonsetzer. Ohne
die geringste Kenntniß von dem, was Andere bereits vor ihnen
und viel besser geleistet hatten, hielten sie sich in naiver Un
erfahrenheit für Original-Genies und ihre Producte für un
vergleichliche Meisterstücke. Von ihren Anhängern wurden
sie die
der Musik geheißen. So lächerlich die Ueberschätzung
dieser Autodidakten ist, sie bezeichnen doch eine Epoche
in der Entwicklung der
verbreiteten im Volk die Liebe zur Musik, insbesondere das
Verlangen nach neuen Melodien. Zahlreiche Singschulen und
Chöre, in allen Theilen
öffneten einen breiten Markt für Gesangbücher und Psalmen
singlehrer. Der Lohgärber, der Fleischer, der Zimmermann,
der Pächter, der brotlose Advocat, wenn er nur eine erträg
liche Stimme und einige Uebung im Notenlesen besaß, wurde
jetzt Psalmencomponist und Lehrer und hausirte von Stadt
zu Stadt mit „neuen, nie zuvor gedruckten Psalmmelodien“.
Wol mußten diese pfiffigen Yankees, daß ihre Zöglinge sich
nach etwas leichterer Waare sehnten. Aber weltliche Musik
war so gut wie unbekannt im Lande; höchstens daß einige
Salons reicher Familien eingeschlichen hatten.
Consorten wußten sich zu helfen: sie zwängten diese welt
lichen Melodien unter Kirchentexte, das galt dann für geist
liche Musik. Eine Reaction gegen die Verweltlichung des
Kirchengesanges erhob sich von Seite einiger ernsthafter Geist
licher, welche auf einen würdigeren Styl drangen. Insbeson
dere Professor Hubbard, ein eifriger gebildeter Musik
Instrumentalmusik wurde fast gar nicht gepflegt. Die
Puritaner untersagten sie als unchristlich, sowol in der
Kirche als in der Familie. Dieses fromme Vorurtheil
schwand zuerst in Betreff der Orgel, und manche reiche
gesanges. In Privathäusern waren damals musikalische In
strumente die größte Seltenheit. Ganz Boston, mit einer
Zusammenhange mit dem Gottesdienste. Trotzdem gedieh die
Musikpflege, hervorgewachsen aus dem Psalmsingen, allmälig
zu lebendigerer Kraft im Volke. Schon in
verein hatte man mit einzelnen Chören aus
und
Kirche keine Gelegenheit bot zum Studium solcher Werke,
wagten einzelne Gesangvereine die gelegentliche Aufführung
populärer Stücke aus diesen Oratorien. Unter den Musik
vereinen, die sich zu Anfang des Jahrhunderts bildeten, war
einer der ersten die „Händel-Society“ des Dart
mouth-College bei
In
gend in den Händen der Reichen und Vornehmen, aus deren
exclusiven Kreisen sie allmälig ins Volk drang und Sache
des „Publicums“ wurde. In dem demokratischen
wo Alle die gleichen politischen und socialen Rechte genießen
und nur der gefülltere Geldbeutel einen Unterschied macht,
ist die Musik vom Volke ausgegangen und gehört dem
Volke. Den ersten musikalischen Impuls gaben die Kirchen
chöre und Singvereine, welche sich aus allen Classen des
Volkes recrutirten, vor Allem in der reichen Hauptstadt
Boston, welche in ihrer „Händel- and
ausschließlich aus
hie und da der Name eines Deutschen, Franzosen oder Ita
lieners auf, der sich als Musiker in der neuen Welt durch
zubringen suchte. Ein Deutscher, Hanns Gram, wurde
des
Auch einige bessere
vornehmlich in
im Ganzen neutral und nahmen das Gute, soweit sie es
verstanden, ohne Unterschied der Nationalität. Später bildete
sich noch eine neue Gruppe: die eingeborenen Musiker;
diese hätten am liebsten alle Fremden gleich aus dem Lande
gejagt, leisteten aber selber so gut wie nichts.
Die „Händel- und Haydn-Gesellschaft“ in
pathie der Bevölkerung, daß sie im Jahre ganzen
„
geben konnte. Die Meisterwerke
deten die starke Säule, um welche viele Jahre lang die ganze
musikalische Cultur in Mes
“ und die „