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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
Vergl. die Feuilletons vom 24. und 25. Juni d. J.
Boston war in systematischer Pflege des
Wir haben gesehen, daß die Bemühungen, eine stabile
Oper in
eine günstige Wirkung hatten sie doch mittelbar auf die
Concertmusik. Eine Anzahl guter Opernsänger, mitunter
großer Künstler, enthüllte dem Amerikaner, der nur das
Psalmodiren seiner Singschulen gekannt, den Zauber wohl
geschulter schöner Stimmen. Viele von diesen Opernsängern
wirkten in Concerten und Oratorien mit. Ein anderes wichtiges
Ergebniß war, daß die
ständigere Orchester brauchten. Nach den üblen Erfahrungen
Capellmeister und einige vorzügliche Instrumentalisten mit.
Der Geschmack an symphonischer Musik entwickelte sich stetig,
und die maßgebenden Musikfreunde von
daß der Zeitpunkt zur Gründung einer eigenen Philharmoni
schen Gesellschaft gekommen sei. Der Mann, dessen Energie
und Kunstbegeisterung das schwierige Werk zu Stande brachte,
einen permanenten Orchesterverein nach Art der
„Philharmonic Society“ zu schaffen, war Uriah Hill.
das Publicum versammelt war, nahmen diese freiwilligen
Aufseher ihre Plätze im Orchester ein. Um einen eigenen
Concertsaal bauen zu können, gab die Gesellschaft im Jahre
mit drei- bis vierhundert Mitwirkenden; aber das Publicum
kam nicht zahlreich genug, und der Bau unterblieb. In der
Verwaltung dieser Gesellschaft wurden allmälig die
lirende Macht. Eine gewisse Antipathie entstand zwischen
ihnen und den eingeborenen Mitgliedern, welche gegen
die Deutschen so heftig vorgingen, daß zeitweilig die Exi
stenz der Gesellschaft gefährdet schien. Die Gesellschaft
mußte von den
hören, sie gehe in ihrer Protection der Deutschen auf die
Vernichtung der
die lakonische Bemerkung macht, daß nicht wohl etwas ver
nichtet werden konnte, was überhaupt nicht existirte. All
mälig wurde dieser Verein die wichtigste Instrumental-Ge
sellschaft in den
classischer Musik festhaltend, blieb sie nicht allzu lange zurück
hinter den modernen Entwicklungen. In den Fünfziger-
Jahren finden wir in ihren Programmen R. Schumann,
Die erste Bekanntschaft mit Werken der Kammer
musik verdankt
welche in Folge der Revolution nach
waren. Hier, wie überall, blieb die Pflege dieses Musik
zweiges lange auf den häuslichen Kreis der Liebhaber be
schränkt. Den ersten Versuch mit öffentlichen Quartett-
Soiréen machte der genannte Uriah Hill im Jahre
Chorvereine sind in
entstanden, aber regelmäßig bald wieder verschwunden. Be
sondere Erwähnung verdient die „New York Harmonic
Society“, welche unter Th. Jenny
Lind’s Mitwirkung im Jahre
In Boston beschränkte sich die „Händel- und Haydn-
Es ist das eigentliche Verdienst der
demy“, daß sie während ihres kurzen Bestandes doch
sechs von den neun Symphonien
ersten Aufführung gebracht hat. Ihr folgten im Laufe
der Jahre verschiedene Orchestervereine, aber keiner lebte lange.
Am längsten noch die „Harvard Musical Associa
tion“, die
Noch immer fehlte eine Institution für den regelmäßigen
Gesangsunterricht der Kinder. Die Kirchenchöre und
Singvereine brauchten fortwährend neue Recruten. Das
beste Material zur Bildung von Chorsängern, die Schul
jugend, war zur Hand und das Problem leicht zu
lösen durch Einführung des Gesangsunterrichts in
den Schulen. Aber das größte Hinderniß bildete die
Opposition der Eltern und deren Vorurtheil gegen
musikalische Erziehung. Mr. Woodbridge, ein verdienst
Um die Einfachheit seiner Methode zu beweisen, erbot sich
im Gesang zu unterrichten. Der Versuch glückte vollständig
und zerstreute alle Bedenken. Es war eine folgenreiche That,
daß der Stadtrath von
führung des Gesangsunterrichtes in den Schulen anordnete.
Haydn-Gesellschaft und anderen Singvereinen fehlte es nicht
mehr an geeignetem Nachwuchs. Ja für die ganze Union
ward der Vorgang wichtig, denn die vornehmsten Städte im
Norden und Westen, im Süden und Osten folgten allmälig
dem Beispiele
Bemühungen durch die speciell
Musiktage oder Zusammenkünfte (musical conventions)
in verschiedenen Städten der
angeregt von der Sitte
gänzlich von diesen verschieden. Ursprünglich Zusammen
künfte von Kirchenchören, die unter Leitung eines Psalmodie-
Lehrers Psalmen und kurze Anthems sangen, gewannen diese
„Conventions“ eine größere Bedeutung, als
Centrum derselben wurde. Professoren der
hielten da Vorlesungen für die Lehrer der verschiedenen
Schulen, besonders über die
andere Fragen des Musikunterrichts. Man erweiterte bald
den Kreis dieser Meetings zu einer förmlichen „National-
Musik-Convention“, die aber nur kurzen Bestand hatte. Aus
ihrem Material bildeten sich zwei neue „Conventions“; an
ihrer Spitze standen Lowell Mason mit der
Ein wichtiges Ereigniß war das große dreitägige Musik
fest, des die Händel- und Hayden-Gesellschaft im Mai
nach Muster der
500 Stimmen, das Orchester 78 Mann stark, der Solo
gesang durch die besten Künstler vertreten. Seither feiert
Musikzeitung, welche Mr. Dwight, ein begeistertes
nach einander viele Städte der Union, bis sie in
mit rasch nacheinander gegebenen zwanzig Concerten die Höhe
ihrer Erfolge erreichten. Für die musikalische Entwicklung
sechs Jahren 129 Concerte gegeben hat, von eminenter
Wichtigkeit. Eine überaus große Anzahl von guten und be
deutenden Tonwerken ward durch die „Germania“ da zuerst
bekannt. Eine schwere, aber nicht vergebliche Pionnier-Arbeit!
Wie oft standen diese Künstler, die im Stande waren, eine
einem Publicum, welchem feinere Orchestermusik etwas ganz
Neues war. Die Mühsal unausgesetzten Reisens und der
Wunsch, sich endlich eine bleibende Heimat zu gründen, ver
anlaßte die „Germania“,
selbst nach ihrer Auflösung hat sie segensreichen Einfluß fort
geübt und übt ihn noch heute, indem viele ihrer Mitglieder
sich in
ämter dort bekleiden.
Die übrigen Städte Philadelphia ist
zur Aufführung. In Cincinnati und
Nationalgesang ist im
zu finden. Der
singt niemals, außer als Mitglied eines Kirchenchors.
Darum ist die
und macht, trotz ihrer Naturschönheiten, einen melancholischen
Eindruck. Die beseelenden, erfrischenden Klänge der mensch
lichen Stimme fehlen vollständig. Das Gefühlsleben der
Menschen, welche hier das Land bebauen, scheint tief in ihre
Brust zurückgedrängt oder nicht existirend. Nur einmal im
Jahr klingen menschliche Stimmen durch die Landschaft:
wenn die Sommerparteien kommen, die Städter, welche mit
ihren abgeschmackten, trivialen Minstrel-Balladen die Sing
vögel verscheuchen. Wie sollen wir uns diese gänzliche Ab
wesenheit von Volksgesang erklären? Professor
seiner Charakteristik der ersten Ansiedler in
war das Leben eine ernsthafte Arbeit, ja ein harter Kampf. Außer
und über diesem war es nur die Religion, was ihre ganze
Intelligenz und Empfindung absorbirte. Religion, sagten sie,
ist die Hauptsache; sie glaubten es, sie handelten danach.
Die Wirkung war furchtbar. In
Dienstmagd Samuel
der Gemeinde ausgestoßen, weil sie — in der Kirche gelächelt
hat. Ein hochgeachteter Geistlicher, der einige junge Leute im
Erdgeschoß herzlich lachen hört, steigt sofort zu ihnen her
unter mit der Ermahnung: „Mitbrüder, ich staune, daß ihr
so heiter sein könnt, da ihr doch eurer ewigen Seligkeit nicht
gewiß seid!“ Aus dem Gemüth eines solchen Volkes kann
ein unbefangener herzlicher Gesang nicht erblühen. Diese
düstere Verschlossenheit ist bis auf den heutigen Tag der
Grundzug der Majorität des Volkes geblieben. Allerdings
geschah während des Unabhängigkeitskrieges der Versuch, einige
patriotische Lieder zu schaffen, aber nach dem Krieg waren
sie auch schon vergessen; der groteske, lächerliche „Yankee
doodle“ — obendrein ein fremdländisches Product — hat
sie alle aus dem Feld geschlagen. Daß ein so ernsthaftes
Volk diesen Gassenhauer zum Ausdruck seiner patriotischen
Gefühle erwählen konnte, gehört zu den psychologischen
Räthseln.
Volksgesang von sehr origineller Form existirt nur in
den südlichen Staaten der Union: die Lieder der farbigen
Race. Die Farbigen des Südens sind sprichwörtlich musika
lisch; man könnte sie ein Troubadourvolk nennen. In einigen
ihrer Melodie-Typen besteht Alles, was man eigentlich
oder minder vollständig das Echo
licher, naiver Gesang war das Einzige, was den armen
unterdrückten Sklaven in Zusammenhang mit seinem Volke
erhielt. Die gleichförmig düstere Geschichte des ehemaligen
Negersklaven zeigt ihn uns als ein Wesen von geringer
Intelligenz, nur im Besitz einiger wörtlich eingelernten reli
giösen Vorschriften und eines angeborenen musikalischen
Talents. Seine Nationallieder, größtentheils in Dur, zeigen
einen lebhaften Sinn für originelle Melodie und Rhythmik,
auch für eigenthümliche Harmonisirung des vom Chor ge
sungenen Refrains. Der Neger der
derzeit ein freier Mann und genießt die Vortheile einer
höheren intellectuellen Erziehung. Nicht wenige Farbige,
Männer wie Frauen, haben sich bereits ausgezeichnet als
Sänger und Instrumentalisten, ja sogar durch Proben von
Compositions-Talent. Schade, daß Dr.
dieser von ihm so sehr gepriesenen Negerlieder in Noten bei
gefügt hat; sie wären den Lesern willkommener gewesen, als
die im Anhang abgedruckten alten Psalm-Melodien. Bemerkens
werth ist, daß die Weißen in
Erfindung von Original-Melodien, sich gegenwärtig die
charakteristischen Rhythmen und Modulationen der Neger gern
aneignen, um ihren „Balladen“ eine Localfarbe zu geben.
Diese Balladen werden insbesondere durch die speciell
kanisch
haben das Talent manches
sorbirt. Der Begabteste unter ihnen ist Stephen Foster,
Wir schließen unsere Mittheilungen aus Dr.
werthvollem
Auflage drei Versehen gutmachen, die uns besonders aufge
fallen sind. Fürs erste fehlt unter den zahlreichen, von Dr.
Pauline
Lucca. Diese Künstlerin, deren Namen man ebensowenig