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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nur selten wagt sich ein Clavier-Virtuose an
einmal bei den Philharmonikern zu hören bekamen. Die
Schwierigkeiten dieses Werkes, äußere und innere, geben nicht
dem Spieler allein, sondern auch dem Hörer zu schaffen. Ich
gestehe, daß mir das
baren Genialität anfangs weit mehr abwehrend als anziehend
gegenüberstand. Seine gewitterschwüle, versengende Leiden
schaft und Trotzgewalt scheint das Gemüth des Hörers wie
ein Dämon des Pessimismus zu bedrohen, während unser
musikalisches Denken sich gleichzeitig an der Lösung seiner
contrapunktischen Geheimnisse abarbeitet. Man muß dieses
mächtige Tonstück wiederholt hören und gut hören, um seine
eigenartige herbe Schönheit ganz zu erfassen und zu genießen.
Zu
um zu siegen, verhält sich dieses
erste
wilden Schmerzgefühl, auch in den Anklängen an
hoven
und die zwanzig Jahre spätere
zuvor war ein Clavierconcert mit so ernster, strenger Rede
aufgetreten, so durchaus symphonisch und aller blos glänzen
den Wirkung abgewendet. Wie merkwürdig, daß
das
Meisterschaft, als Jüngling geschrieben und vor mehr als
dreißig Jahren schon in
das Stück von Brahms selbst oder von
Goldmark’s „
einiger bescheidener Kürzungen noch mehr. Der erste Satz,
für sich schon ein langes Stück, freilich ein sehr interessantes,
hat ein Gefolge von noch vier anderen; kein Wunder, wenn
uns das Finale etwas ermüdet findet. Wie schon die Ueber
schriften des Ganzen und der einzelnen Theile darthun, ist
die „
Zweifel unter dem Einflusse von
und der
gleichfalls eine ländliche Hochzeit herauszuhören liebt. Um so
rühmlicher, daß
Ganzen überall — sich von Nachahmung fernhält und seiner
Eigenart treu bleibt. Wer wollte es
er aus einer ländlichen Hochzeit Anderes heraushört, als
an, als es
durchaus modern, immer lebhaft erregt, oft nervös und
überreizt — aber der Musiker in ihm läßt doch nie den
Poeten vermissen und der Poet selten den guten Musiker.
Zur Eröffnungsnummer des letzten „Gesellschafts
concerts“ hatte Herr
actmusik König Thamos“ gewählt.
zweifellos dargethan hat. Es folgte Robert
originelle, schwärmerische „
und Orchester und hierauf Goldmark’s „
Von allen fremden Pianisten ist in dieser Saison Herrn
Emil Sauer der größte Erfolg zugefallen. In vier Con
und Herr Theodor Pollak. Der große Erfolg von Alfred
Nachdem unser einheimischer Meistersänger Gustav
Walter uns mit einem zweiten Concert erfreut hatte, er
ihrem ersten Concert klang die Stimme der
ermüdet, in den energisch nach der Höhe drängenden Stellen
angestrengt. Hoffentlich nur in Folge der eben überstandenen
Concertreisen, vor deren gehetztem Tempo wir die Künstlerin
gerne in ihrem wie in unserem Interesse gewarnt wissen
möchten. Was sie diesmal aus dem vergrabenen Schatz
älterer
noch des vorjährigen
ihren
Deutlichkeit der Aussprache; ihre
auch hierin von der Italienerin lernen.
„
recht für eine Frauenstimme; daß die Sängerin, lebhaftem
Beifalle nachgebend, das Lied obendrein wiederholte, stimmt
noch weniger mit meiner Empfindung. Die gespenstisch be
klemmende Tragik dieses Stückes verträgt keine Wiederholung.
Ueberhaupt pflegt jedes Da capo den ersten Eindruck nicht
sowol zu steigern, als abzuschwächen. Die stärkste, nach
haltigste Wirkung erzielte Alice Brahms. „
Der Wiener Männergesang-Verein, der sonst
erstenmal als Componisten von zwölf „
tionen
dings den eigentlich schöpferischen Kern überwog, immerhin
aber Züge eines feinen und sicheren musikalischen Talentes
aufwies. Das neue Werk zeigt uns den
ponisten noch weiter vorgeschritten in der Bereitung aller
erdenklichen Klangeffecte, aber ebensosehr zurückgegangen in
dem substanziellen musikalischen Gehalt, in der originellen
Erfindung. Mit Ausnahme zweier reflectirender Stellen, die
etwas gewaltsam in die Naturschilderung hineingepreßt und
vom Componisten zu ganz unverhältnißmäßiger Breite aus
gedehnt sind — den Schlußvers von „Ebbe und Fluth“
und das Extempore „Das ist die Liebe!“ — geht die ganze
Composition in Tonmalerei auf. Dafür erscheinen die Dimen
sionen der Partitur viel zu groß. Man kann mit Vergnügen
sieben Stunden zur See aushalten, nicht aber sieben
lange Sätze musikalischer Seemalerei. Die Gefahr der Mo
notonie sucht
effecte und durch einen complicirten Instrumenten-Apparat
zu besiegen, wie er in solcher Masse und Aufdringlichkeit im
Concertsaal noch nicht erlebt worden ist. In dem unge
wöhnlich stark besetzten Orchester arbeiten unter Anderm
4 Posaunen und 5 Tuben, 2 Paar Pauken, Triangel,
Becken, Tamtam, große Trommel, ein Glockenspiel, dazu Harfe
und die große Orgel! Was da für abenteuerliche Effecte ein
ander jagen, ist nicht zu beschreiben: gestopfte Trompeten
töne, chromatische Sextenläufe der Holzbläser, Geigenpizzicatos,
anhaltender Theaterdonner auf der großen Trommel, Geklirre
der Becken mittelst Schlägel, Sängerchor hinter der Scene,
Posaunenchor aus der Ferne, einmal „bei geschlossener“,
dann bei „offener Thür“ (Partitur Seite 79, 117) und
so weiter. Dies Alles ließe sich noch entschuldigen, wenn
unter diesem aufgehäuften musikalischen Indianerschmuck ein
wohlgebildetes, lebendiges Geschöpfchen steckte, ein gesunder
musikalischer Organismus. Davon ist aber kaum etwas zu
entdecken. All der blinkende, blendende Putz täuscht Nieman
den über die Dürftigkeit der Erfindung, die Armuth an
ausgereiften musikalischen Ideen, den Mangel an innerer,
nicht blos durch das „Programm“ angetäuschter Logik. Die
schwindelnde Höhe, welche die Instrumentirungskunst seit
in so grauenhaft bedrohlicher Gestalt erschienen, wie in
welcher der schöpferischen Kraft unserer Tondichter das Blut
aussagt.