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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. In
Opern zur ersten Aufführung, im vorigen Jahre (
gab es deren sogar 54! Die meisten von ihnen rollen laut
los in ein Eckloch der Theaterstatistik, um nie wieder ans
Licht zu kommen. Aeußerst selten ereignet es sich, daß die
Erstlingsoper eines unbekannten Componisten auch nur im
eigenen Vaterlande seinen Ruhm begründet. Die bedeutendsten
Tonsetzer haben sich durch mißlungene oder halbgelungene
Opernversuche erst zu ihren Meisterwerken durchtasten müssen.
„Die ersten Hunde und die ersten Opern wirft man ins
Wasser,“ pflegte Karl Maria
als eine Seltenheit, ein geradezu unerhörtes Ereigniß ist es,
daß der erste dramatische Versuch eines jungen Italieners
nicht nur in ganz
sofort auch auf den größten
Sprache gegeben wird. Die „
so raschen, fast augenblicklichen internationalen Erfolges. Wie
lange mußten die berühmtesten
warten! Rossini hatte ein Dutzend Opern geschrieben, bevor
sinniger Bursche von 25 Jahren, befand sich in diesem
Fall. Ein großmüthiger Mäcen hatte den Bäckersohn aus
langweilt das trockene Studium; er geht durch, wandert als
Capellmeister einer fliegenden Operntruppe von Ort zu Ort
und bleibt endlich in dem Städtchen
der dortigen Stadtcapelle hängen. Das ist wichtig für seine
Beurtheilung. Ohne einen täglichen praktischen Verkehr
mit der Bühne und dem Orchester wäre die sichere, effect
kundige Technik, die sein Erstlingswerk aufweist, nicht
erklärlich. Aus einem Zeitungsblatt erfährt
zufällig von der Preisausschreibung für die beste einactige
Oper. In zwei Monaten hat er seine Partitur vollendet
und eingeschickt. Sie erhält den ersten Preis und wird in
am 18. Mai
Namenloser, geht Pietro
Bett. Noch sind kaum zehn Monate seit jener ersten Auf
führung verflossen, und schon ist die „
ein fester Bestandtheil des
Das Libretto der „
Glücksfällen des jungen Componisten. Die dramatische Kraft
und die außerordentliche Popularität des gleichnamigen
stück
gearbeitet. Diese ist auch bezüglich des Textes ein Unicum.
Von einem ländlichen Singspiel in einem Act erwartet Jeder
mann eine heitere oder idyllische Handlung. Die „
rusticana
tragödie mit wilden Leidenschaften und blutigem Ausgang.
In einem
kokettes schönes Mädchen,
gekehrt, findet er sie als das Weib des Fuhrmanns
sucht Trost in den Armen der ihn leidenschaftlich liebenden
zu locken. Er stößt
getrieben, dem
zu
Ehre, indem er ihn im Messerkampf tödtet. Dies Alles ge
schieht am Ostersonntag im Verlauf des Gottesdienstes, vor
der Kirche. Die von Herrn Oskar Berggrün verfaßte
von
Uebersetzung total umarbeiten mußten. Hier wird thatsächlich
ein ganz anderer Text gesungen, als der des gedruckten
Librettos. Herr
bereits an Samara’s Oper „
Aus der Musik zur „
ein frisches, energisches und ehrliches Talent. In unserer
musikalisch talentarmen Zeit konnte es nicht ausbleiben, daß
der Jubel über diese neue Erscheinung alle Besinnung
verlor und nicht selten in eine Art Messias-Anbetung aus
schlug. Diese den Widerspruch herausfordernden Uebertrei
bungen, von denen ein Beispiel später citirt werden soll,
dürfen uns trotzdem nicht irremachen. Ein so allgemeiner
und spontaner großer Erfolg ist niemals ohne zureichenden
Grund. Die Eigenthümlichkeit
kürzesten damit bezeichnen, daß er durchaus national
und doch zugleich
den Italiener. Der Charakter seiner Melodien, ihr Vor
herrschen vor der Begleitung, die sinnenfällige Rhythmik,
die Schlußphrasen der leidenschaftlicheren Gesänge — Alles
Anschauungen bezüglich des Dramatischen. Die Musik ent
wickelt sich streng scenisch, ohne die alte Arien-Schablone und
die alten, lästigen Wortwiederholungen. Durchaus einheitlich,
aus Einem Gusse geformt, enthält sie keine bloßen Lücken
büßer, keinen Passagen- und Trilleraufputz, keine wider
sinnigen Effecte. Die Harmonie wie die Orchestrirung lassen
directe Nachahmung
die Tyrannei der Leitmotive noch der unendlichen Melodie.
Die Sonne der
manchen
wie
Tektosage“.
ursprüngliche Natur, wenngleich, meines Dafürhaltens, kein
bahnbrechendes Genie, das eine geschichtliche Furche zieht.
Worin sein Talent sich am stärksten und augenfälligsten zeigt,
das ist das unmittelbare, sichere Treffen der Stimmung in
jeder Scene, wie des dramatischen Ausdrucks im Einzelnen.
Eine starke Sinnlichkeit und leidenschaftliches Temperament
durchglühen die ganze Oper, welche von Anfang bis zu Ende nicht
blos interessirt, sondern packt. Wie düster, unheimlich drohend
schleicht die Fis-moll-Einleitung zu der ersten Scene zwischen
tiefe Es der Bässe bei dem Ausrufe
Unglück naht!“; wie angstvoll aufgescheucht schwirren die
Violinen, als
Mutter ruft! Gar mancher treffliche Zug von feiner oder
energischer Charakteristik wäre hier anzuführen. Ja, man
könnte in dieser Oper vortrefflich Alles nennen, was im
weiteren Sinne das Gebiet der musikalischen Conversation
streift, mehr der aufgeregten Rede und Gegenrede angehört,
als dem eigentlichen Gesange. Rein musikalisch hingegen ist
mir die Erfindung
keineswegs reich oder originell erschienen. Melodien von jener
schönen, unverwischbaren Prägung, wie sie aus den besseren
Opern von
man in der „
man den dramatischen Heißsporn
„Melodien-
weit gegangen. Man sehe sich die Melodien an, die als solche
in der Oper selbstständig auftreten und wirken: das (auch
in der Ouvertüre vorkommende) Andante appassionato
„Preisen laßt uns den Herrn“ und Aehnliches — Neuheit,
Originalität wird man ihnen nicht nachrühmen können. Die
reizendste, zugleich einfachste und natürlichste Melodie ist das
Stornello der
finden kann. Nicht viel besser als mit diesen pathetischen und
sentimentalen Gesängen steht es mit den lustigen — sie ent
behren der Originalität, aber auch der Natürlichkeit, und
suchen diesen Mangel (dessen sich der Componist wahrschein
lich bewußt ist) durch eine erzwungene, scharfe Charakteristik
zu verdecken. Das Fuhrmannslied mit seiner Molltonart
und den heftig rückenden Modulationen straft
sicherung: „Ich bleibe doch stets froh“, Lügen; es ist nicht
„froh“, sondern aufgeregt, wild, trotzig. Natürlichen, frisch
quellenden Frohsinn vermisse ich auch in dem Trinklied
riddu
von drei zu drei Tacten sich wirksam aufschwingt. Und der
Eingangschor, athmet er wirklich die naive Sonntagslustigkeit
der Dorfbewohner oder nicht vielmehr den glühenden Hauch
einer aufgeregten Wahlversammlung?
Daß den Hörer manche Melodie entzückt, die an sich
weder besonders neu noch vornehm ist, kommt großentheils
auf Rechnung der wirksamen Instrumentation.
ist ein Meister der Orchestrirung; er übt diese Meisterschaft
in der Regel als echter Künstler, mißbraucht sie aber auch
häufig zu rein materiellen Effecten. Gleich die Ouvertüre
gewinnt uns durch ihre Klangschönheit. Leider hat der Com
ponist sich durch
dem falschen Effecte verleiten lassen, mitten in der Ouver
türe, hinter dem Vorhange,
zu lassen. Die Serenade gehört auf die Bühne, vor
Fenster. Durch Klangschönheit entzückt auch das berühmte
Orchester-Intermezzo, in welchem ein mächtig anschwellendes
Unisono der Violinen sich mit Harfen-Accorden und Orgel
tönen zu einer Art Sphärenmusik verflößt. Vor
trefflich versteht sich
keit der einzelnen Instrumente. Er bringt da mit
unter auch seltenere, vornehmere Instrumental-Effecte, womit
nicht gesagt sein soll, daß er sie zuerst erfunden hat. Die
wiederholten leisen Schläge auf die große Trommel (im
Finale, gleich nach der Herausforderung) hat Verdi für
welche in dem „Intermezzo“ die Dominante und Tonika (g, c)
anschlagen, stammt von Boito aus dem Duett
Wie verhält sich die neue Oper zu Verdi? In einer
quelcun,“ sagt
Himmel gefallen, und als sein musikalischer Vater kann
schlechterdings nur
die
liche Spannung, die mächtigen Steigerungen, die Musik
„welche Blut zieht“. Von dem jungen
lodernde Sinnlichkeit, von dem alten die declamatorische Prä
gung. Und wie so manche melodische und harmonische Wen
dung dazu? Klingt nicht gleich die Serenade in der Ouvertüre
und die banalen Unisonos in dem Duett zwischen
und
Ueber die enthusiastische Aufnahme der neuen Oper und
die von Director Jahn so meisterhaft geleitete vorzügliche