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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
„Ein Kuß! Was ist ein Kuß?“
L. Doczi, „
Ed. H. Auf einer jener Hofjagden, welche zur Mechanik
der komischen Opern zu gehören scheinen, geräth der junge
des Ritters
Frau
um, mit dessen Helm bekleidet, im Abenddunkel
küssen, worüber sie in unsäglichen Schmerz und er in tiefe
Reue versinkt.
hat, meldet sie seinem Herrn. Dieser flucht seiner verzweifeln
den
seinem Gefolge bereits ohne Abschied sich davongemacht hat.
Dies der Inhalt der beiden ersten Acte. Der dritte führt
uns an den Hof, wo der
zärtliche Betheuerungen wechselt. Da pocht
Rächer seiner Ehre wüthend an das Thor. Der
seinen
einnehmen, während er selbst im Narrenkleide sich abseits
hält. Sein Stellvertreter hört die Klage des alten
und entscheidet, nachdem es sich angeblich blos um einen
Kuß auf die Stirne handelt:
seinerseits auch die
kennen und befiehlt,
seine Ehre gewahrt“, selbst noch einen Kuß auf die Stirne.
Man wird zugeben, daß diese Handlung sehr dürftig ist
für eine Oper, die volle drei Stunden spielt und nach dem
unverkürzten Original-Libretto mehr als vier Stunden zu
spielen hätte. Es widerstrebt mir, mit einem hochbegabten
Dichter wie
als mit einem gewöhnlichen Librettisten. Wer zwei köstliche
Stücke geschrieben, wie „
hat den Anspruch, daß man ihn (wie
verlangte) „nur mit dem Hut in der Hand“ kritisire. Also, mit
dem Hut in der Hand, erlaube mir, den „
für ein unglückliches Opernbuch zu halten. Ein echter Poet,
ist
und Kunstverstand hoch überlegen. Aber eine bessere komische
Oper dürfte trotzdem mancher seiner Stiefbrüder in
fertig kriegen. Unwillkürlich muß man an
denken, der eines Tages, um etwas ganz Apartes
zu erlangen, einen Operntext bei Friedrich Hebbel be
sungenen Oper unmöglich. Indessen auch weitläufig Reden
und Gegenreden, wie sie im „
Handlung aufhalten, bilden eine Gefahr für die Oper, denn
die Musik braucht viel Zeit und vermag einen ausführlichen
Dialog nicht so rasch dahingleiten zu lassen, wie ein Lustspiel.
Erst der dritte Act, in dem endlich auch die Scene wechselt,
erweckt lebhafteres Interesse und einige Neugierde, wie der
Knoten sich lösen werde. Aber der Zuschauer, der hier schon
etwas ermüdet anlangt, muß sich knapp vor dem Schluß
noch von vielen unnütz retardirenden Auseinandersetzungen auf
gehalten sehen. Der Rothstift des
aus dem unverkürzt gedruckten Textbuch überzeugen kann,
recht fleißig darin gewaltet — sicherlich zum begreiflichen
Schmerz des Dichters und Componisten, aber, wie ich glaube,
zum entschiedenen Vortheil der Oper. Die sichere Wirkung
des Ganzen ist des Opfers etlicher Einzelheiten werth. Und
diese Kürzungen, welche Director
mit dem musterhaft zuvorkommenden und bescheidenen Com
ponisten vornahm, haben thatsächlich nur das am leichtesten
Entbehrliche getroffen.
Außer dem Fehler, an sich kein gutes Libretto zu sein,
hat
noch immer den Hut in der Hand) kein Textbuch für
Johann Strauß. Der Dichter, welcher ein Libretto für einen
schwüle Atmosphäre zu erfrischen sucht, besteht doch nur in
ganz verbrauchten Verkleidungsspässen, über die kein Mensch
lacht: der
als König verkleidet u. dgl. Ebensowenig Komik steckt in den
Charakteren:
mental, die Leute ihrer Umgebung unbedeutend und physiogno
mielos. Der
man weiß, wie es mit diesen aussicht. Sie erinnern uns
im Theater immer an den König
reich
aber einen Hofnarren, Namens
viel trauriger, und das erheiterte den
Grob und gewaltthätig ist er, aber nicht komisch, nicht ein
mal lustig, trotz seines unmäßigen Trinkens.
buch liest sich sehr hübsch, aber es hat un
zweifelhaft die freie schöpferische Kraft des Compo
nisten, dieses Componisten, mehr gehemmt als be
flügelt. Der Inhalt nöthigte ihn, größtentheils ernst
haft, empfindsam, leidenschaftlich zu sein, während er
gerade in seiner heiteren Musik so unwiderstehlich ist. Die
langgestreckten, durchaus gesungenen Verse, die durch keine
Prosastellen oder Secco-Recitative unterbrochen sind, zwingen
ihn zu einem fortlaufenden tactmäßigen Arioso, aus dem
sich abgerundete Musikstücke nur selten scharf herausheben.
In diesem Arioso-Styl mit seinem häufigen Tact- und
Tempowechsel erinnert
verwendet) sehr häufig an den Dialog in den „
singern
Styl und fremden Ton mit einer geradezu überraschenden
Geschicklichkeit hineingearbeitet. Von vielen Seiten vernahm
man den bewundernden Ausruf: Das hätten wir
gar nicht zugetraut! Trotzdem bleibt meines Erachtens für
sein eigenartiges und in so langjährig gleichmäßiger Praxis
festgehaltenes Talent die ältere Form der komischen Oper
mit gesprochenem Dialog (wie bei
den Conversationston streifenden Recitativen (wie bei
die allergeeigneteste.
anmuthige und geistreiche Musik geschaffen und sich insbe
sondere als großer Meister der Instrumentationskunst gezeigt.
Sein Orchester ist immer klangschön, vornehm, charakteristisch
und doch niemals lärmend oder aufdringlich. An vielen Stellen
ist es wahrhaft entzückend und jungen Componisten zum
Studium zu empfehlen. Wir vermissen auch auf seiner
neuen höheren Staffel dramatischen Styls nirgends den
feinen, geschmackvollen Weltmann und guten Musiker —
was uns abgeht, ist unser lieber alter Johann
Daß Jedermann die neue Oper mit dem lebhaftesten Inter
esse und Vergnügen hören wird, dafür bürgt schon der
Name des Componisten. Es würde heute zu weit führen,
wollten wir alle reizenden Einzelheiten derselben aufzählen;
das mag später einmal nachgeholt werden. Aber ausdrücklich
hervorheben müssen wir die Balletmusik im dritten Act.
Sie ist das weithin glänzende Kronjuwel dieser Partitur. Das
konnte kein Anderer als Johann
doch von Haus aus und in seinem ganzen Wesen „abso
luter“ Musiker, das heißt in seinem musikalischen Erfinden
nicht gern an die Fessel des Wortes, des Textes gebunden.
Mit den ersten Tacten des
plötzlich Flügel gewachsen, und mit jugendlicher Kraft und
Freudigkeit schwingt er sich in die Lüfte; Textbuch und Dichter
verschwinden aus seinen Augen — „jetzt bin ich allein Herr!“
Das Ballet beginnt — auf die
gin
getanzten Polka. Die Musik, von reizend prickelndem Ryth
mus und entzückendem Orchesterklang, gehört zu den schönsten
Tanzstücken von
ziöser, feiner Shawltanz in langsamem Dreivierteltact — ein
glücklicher Contrast zu der vorhergehenden Polka. Das Tempo
beschleunigt sich ein wenig und drängt zu einem Walzer in
F-dur, einem Tanzstück von idealer Feinheit und Poesie.
Wollte schon nach der Polka der Beifall des Publicums kein
Ende nehmen, so brach nach dem Walzer ein förmlicher
Jubel los. Aber es sollte noch besser kommen: ein Czardas
von energisch nationalem Charakter. Wie rasen die
Geigen, wie schluchzen die Clarinetten, wie hämmert das
Cymbal im Orchester! Außerordentlich ist die anwachsende
Steigerung in Tempo, Rhythmus und Klangfülle, womit
das Stück bis zum athemlosen, berauschenden Taumel an
schwillt. Diese unvergleichliche Balletmusik wäre für sich
allein im Stande, jede Oper bleibend zu einem Zugstück zu
machen. Sie weckt in mir einen oft, aber vergeblich ausge
sprochenen alten Wunsch:
diges Ballet schenken. Er ist heute der einzige Componist,
der das mit höchster Wirkung vermöchte. Und mit spielender
Leichtigkeit. Verdankt nicht das Divertissement „
Walzer
schen Melodien? Und verdankten nicht die besten
Ballette ihren Erfolg der Musik von berühmten Opern
componisten wie F. Hérold,
An dem glänzenden Erfolg der Novität, der in unge
zählten Hervorrufen des Componisten und der Darsteller sich
abspiegelte, hatte die musterhafte Aufführung wesentlichen
Antheil. Herr Director Jahn dirigirt die Oper mit jener