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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die „Gesellschaft der Musikfreunde“ hat in
ihrem dritten Concert
schen
gebracht. Kein zweites Gedicht ist der
sehr ans Herz gewachsen, wie „
Sprüche begleiten und führen uns von Kindheit auf durch’s
ganze Leben. Die unermeßliche Popularität dieser Dichtung
drängte nach jeder Art von Illustration; man wollte „
Glocke
führte sie theatralisch „mit lebenden Bildern“ auf, man ver
langte sie auch gesungen zu hören. Triftige Bedenken sprechen
gegen die musikalische Eignung dieses Gedichtes; aber auf
jeden abmahnenden Aesthetiker kommt ein muthiger Com
ponist, welcher mit dem lebendigen Experiment die Theorie
entwaffnet. Wie verlockend für den Musiker ist die
Mannigfalt von Situationen und Empfindungen, durch
welche der Dichter hier alle bedeutenden Verhältnisse
der Menschen erschöpft: Kindheit, Jugend, Liebe, Ehe, Ver
nichtung durch Tod und durch Feuersbrunst, Ordnung und
Friede, Krieg und Revolution! Daß diese Einzelbilder wol
dem Inhalt, aber nicht der Form nach musikalischem Aus
druck zugänglich sind; daß sie durch musikfeindliche Zwischen
glieder — die realistische Schilderung des Glockengießens und
die lehrhaften Sentenzen — jeden Augenblick unterbrochen
werden, davor schlossen die Componisten lieber die Augen.
Lindpaintner suchte dieser Schwierigkeit auszuweichen,
Andreas Romberg’s leicht ausführbarer, philiströs gemüth
Max Bruch hat bis heute den Sieg über alle seine
biedermännische Sentimentalität des „Meisters“ in Gericke dirigirte, die Solopartien waren im Besitze von
Das Concert der Philharmoniker zum Besten
ihres Unterstützungsvereins „Nicolai“ begann mit
dramatischer Ouvertüre „
dies eine groß angelegte Composition von gewaltiger, fast
unheimlich drängender Energie. Aus der langsamen Ein
leitung, deren Thema einem alt
stammt, tritt uns die schwermüthige Andacht, aus dem Allegro
die ganze Wildheit und Kampfbegier der Hussiten leibhaftig
entgegen. Das Stück klingt so fanatisch, als wenn es stellen
weise mit Aexten, Sensen und Morgensternen instru
mentirt wäre. In
keinen Schaden anrichten; bei einer Volksversamm
lung auf dem
ausspielen lassen. Von rein musikalischem Standpunkt be
trachtet, verräth die Composition trotz ihrer Ueberfülle und
ihres Ueberlärms eine geniale Begabung und große technische
Herrschaft.
die Jagd nach falschen Contrasten, die uns in den „drama
tischen“ Symphonien so vieler neudeutscher Componisten ab
stößt. Dieser Slave kennt gründlicher als mancher Deutsche
seinen
ohne Einwirkung auf die „
werthvoll und interessant uns auch diese neue Bekannt
schaft war — für
zeit hätte sich eine Auswahl aus Dvořak’s „
spruchslosesten und liebenswürdigsten Stücken dieses sonst
nur in schwerer Rüstung auftretenden Tondichters. Alle sind
durchaus warm empfunden und fein ausgeführt, freilich
nicht ohne harmonische und rhythmische Sonderbarkeiten.
Durch die bedauerliche Verhinderung der Frau Ellen
Forster entfiel das
Massenet und
alte Glockenspiel der St. Martinskirche in
zu setzen, als man den feierlichen Einzug des Herzogs
von
entrollt ein Pergament, worauf zu lesen ist: „Wenn morgen
um 6 Uhr beim Einzuge des
nicht erklingt, wandert Meister
Nun gehören Glockenspiele bekanntlich zu den Instru
menten, die viel schneller verdorben als reparirt sind;
hat somit allen Grund, zu verzweifeln. In dieser Gemüths
verfassung wirft er sich in stiller Nacht vor der Statue des
heiligen
steinerne Heilige plötzlich von hellem Licht umflossen und
nickt verständnißvoll mit dem Kopfe; zugleich sieht man oben
im Thurme die Glocken, die von Engeln geschlagen werden.
Freudestrahlend theilt
Die beiden von ihr verschmähten Freier, der Bäckermeister
Price) und der Vorstand der Kaminfegerzunft,
Der heilige
herzigen Halbirer seines rothen Mantels kannten, hat das
größte Verdienst um das neue Ballet. Es ist ein Wunder
werk — nämlich von Seite des heiligen
und Componist haben nichts Uebernatürliches geleistet. Die
Grundidee mit der Glockenspiel-Legende ist recht poetisch und
wirkt sehr hübsch in der Hauptscene auf dem Glockenthurme.
Was sich unter demselben, auf der Straße, begibt, enthält
hingegen wenig Neues und erinnert an ähnliche Balletscenen
und Figuren. Auf der
Carillon
nehmheit als „Légende mimée et dansée“ bezeichnet, was
ungefähr bedeuten soll, daß der Tanz hier untergeordnet sei
der pantomimischen Handlung. In der That hat
sein Augenmerk vorwiegend auf eine dramatisch erklärende,
den Vorgängen sich genau anpassende Musik gerichtet und
diese Aufgabe mit all der Feinheit und Schärfe gelöst, die
man von dem Componisten der „
Aber eine jedem scenischen Detail auf das genaueste fol
gende Musik muß darum noch keineswegs reizend sein. Und
das ist auch
Momenten. Meistentheils ist sie bizarr, trocken und ver
künstelt, ohne die gesunde natürliche Heiterkeit und melodiöse
Frische, welche wir an einer Balletmusik nicht gern vermissen.
Im „
vor: gleich anfangs eine Art schwerfälliger Walzer über
einem ermüdend festsitzenden Grundbaß, dann gegen den
Schluß ein „Vlämischer Tanz“ in Allabreve-Tact von er
drückender Monotonie; beides sonderbare, melodiehungrige
Fremdlinge in einem Lande, wo Johann
herrscht. Dann gibt es zwei festliche, in Tanzbewegungen
ausschwingende Aufzüge der Kaminfeger und der Bäcker; aus
Furcht, gewöhnlich zu werden, charakterisirt
friedlichen Gewerbe mit einer ungewöhnlich verzwickten und
unlustigen Musik. Insbesondere der Bäckertanz, eine abge
härmte Melodie, unter welcher die Pauke durch 24 Tacte
einen Orgelpunkt auf F (zu drei gleichen Schlägen in jedem
Tact) hämmert, macht den Hörer nervös. An starkes
Gewürz hinlänglich gewöhnt, wird es uns, vollends
in Tanzmusik, doch zu viel, immer nur übermäßige
und verminderte Dreiklänge, absichtlich verkrüppelte
Rhythmen und dissonirende Querstände zu vernehmen.
Einmal jedoch unterbricht der Componist diesen musikalischen
haut-goût durch ein längeres Musikstück von zartem natür
lichen Duft. Wir meinen den „Liebesdialog“, der auf der
Bühne von
und einem Violoncell geführt wird. Diese zärtliche Melodie
über leise pizzikirten Accorden hebt sich erquickend aus dem
Ganzen. Auch wo es auf musikalischen Witz und virtuose
Technik ankommt, hat
der Nachahmung der krähenden Hähne und gackernden Hühner
am frühen Morgen; dann in der Verwendung des Glocken
spiels. Das dürftige Thema dieses
hat es nicht ohne Mühe aufgefunden und entziffert — in
Dijon. Dorthin hat nämlich der Herzog