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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Als kürzlich in
positionen
sich mancher Oesterreicher fragen: Warum geschieht Aehn
liches nicht bei uns? Haben wir doch gegen den Großen
ßisch
Monarchen aufzuführen, die sich als Componisten hervorge
than. Während die Vorgänger
nern der Musik und seine Nachfolger wenigstens nicht zu
ihren Priestern zählen, bietet
Schauspiel, daß mehrere Generationen ein und derselben
Dynastie sich durch regsten Antheil an der Tonkunst aus
zeichnen. Von dieser speciellen Begabung und Thätigkeit der
hundert hat das große Publicum nur sehr vage Kenntniß;
etwa gerade so viel, als die gangbaren Lesebücher mittheilen.
Man weiß, daß Kaiser
Virtuosen seiner Zeit, Paul Hofhaimer, hochgeschätzt und
wohnte, mit
liebevoll verkehrte. Aber den Vorfahren
stehen wir seltsam fremd gegenüber. Und doch sind es gerade
sie, welche nicht blos genießende und ausübende, sondern
schaffende Tonkünstler gewesen. Die Kaiser
und das nicht wie große Herren, sondern wie geschulte
Musiker. Von den Compositionen
erkennung die Musikgelehrten übereinstimmten, hat sich leider
nichts erhalten. Er war ein eifriger Schüler des berühm
testen Theoretikers seiner Zeit, Johann Joseph Fux, dessen
Hingegen sind uns werthvolle Compositionen geistlichen
und weltlichen Inhalts von den Kaisern
in sorgfältiger Auswahl zum erstenmale an die Oeffentlich
keit. Dem Unterrichtsminister Freiherrn v. Gautsch ge
Artaria eine Seltenheit und soll
auch eine Seltenheit bleiben. Es werden nämlich,
außer 20 zu Geschenken bestimmten Prachtexemplaren, nur
200 numerirte Exemplare für Subscribenten hergestellt
und die Platten sodann eingeschmolzen. Erst in späterer Zeit
sollen einzelne dieser Compositionen (blos im Clavierauszug)
in einer „Volksausgabe“ erscheinen. Die Herstellung dieser
Publication verlangte viel Arbeit und Sorgfalt. Wie schwer
war nicht aus den Hunderten von Werken Kaiser
eine richtige Auswahl zu treffen! Die Compositionen, zum
allergrößten Theil nur in Stimmen vorhanden, mußten erst
in Partitur gesetzt werden. Mancherlei Lücken und zweifel
hafte Lesarten erforderten einen philologisch und musikalisch
erfahrenen Herausgeber, der in seinem Revisions-Bericht sich
gegen alle Einwendungen hieb- und stichfest erweisen mußte.
Den rechten Mann dafür hat der Unterrichtsminister in
einem jüngeren
Musikgeschichte an der
Dr. Guido Adler, gefunden. Professor
Kaiser
sitionen den Band eröffnen, hatte Musikliebe und -talent
von seinem Kircher, eine der
„
licher erscheint uns sein Hymnus „
mit der charakteristischen Begleitung von drei Flöten und
drei Trompeten. Trotz der Stürme des ausgehenden dreißig
jährigen Krieges sorgt
künstler und für Gewinnung neuer tüchtiger Kräfte. Er sendet
die talentvollen jungen Musiker
deutung der
Es war die Zeit, da die Italiener immer mehr Boden ge
wannen in
und
Nachfolger, Leopold I. Ein vielseitig unterrichteter, hoch
dieser kaiserliche Capellmeister von kleiner Statur und düsterem
Blick, stets in schwarzem
schwarzer Allonge-Perrücke! Mit der Musik verscheuchte er
alle Kümmerniß. „Diesen Fasching,“ schreibt er
ich ziemlich still sitzen sollen wegen der Todten-Klagen, doch
haben wir etliche Festl in camera gehabt; denn es hilft den
Todten doch nit, wann man traurig ist.“ Kaiser
mit Vorliebe Feste mit Musik und sah es gern, wenn seine
Familie im Vereine mit dem hohen Adel selbst an den Auf
führungen mitwirkte. Sein Sohn, der
und dessen
feiern mit musikalischen Productionen die Festtage der Eltern.
Diese Uebung erhielt sich bei Hofe noch lange Zeit. Alle
Kinder
geübte Sänger. Gesangskunst und Geschmack für den bel canto
vererbten sich in der kaiserlichen Familie. Davon geben auch
die Compositionen Kaiser
sangbar und fließend geschrieben. Sein Meisterwerk ist der
Psalm „
halten, ja direct dem Kaiser
Indeß liegt jetzt der Entwurf von der Hand Kaiser
vor, aus dessen letzten Lebensjahren das Stück stammt. Ein
Facsimile desselben liegt der Publication bei. Von einem
Italiener, dem Grafen
schon in der Jugend eine Vorliebe für die
und den
ganz
ponirte deutsche Singspiele und zwei
die vollkommenste in der Welt genennt werden, und dieses
ist gar kein Wunder, nachdem der
Examen anstellte, wenn einer darinnen sollte angenommen
werden, da denn blos nach Meriten und nicht nach Nei
gungen geurtheilt ward. Wenn alle Collegia in
solche Art untersucht und besetzt worden, so ist kein Zweifel,
der Menge der erfahrensten Künstler urtheilen, wie hoch sie
dem
hoch zu stehen, denn sie waren fürstlich bezahlt und sehr
zahlreich, aber auch gehörig angestrengt im Dienst. Während
innerhalb des Zeitraumes
Aufführungen von Opern und Oratorien stattgefunden
hatten, wurden unter
vierhundert veranstaltet. Der
auf seinen Reisen mit. Dieser strenge Dienst — und wie wir wol
beisetzen dürfen, der mitunter in Rückstand gebliebene Sold —
machte die Musiker zeitweilig mürrisch und nachlässig. Da
tritt der
für Disciplin und Gehorsam. Eigenhändig entwirft er die
strengen Verhaltungsregeln, die im Facsimile von des
Handschrift dem Buche beigegeben sind. („Punti ch’io voglio
che siano delli miei Musici sempre inviolabilmente
osservati.“) Für seine Hofmusiker zeigt
das größte Interesse. Er befreit sie von einem Theil der
Kopfsteuer, fördert junge Talente, schafft das Amt der „Hof
compositoren“, um tüchtige Meister, die nicht als Capell
meister oder Organisten angestellt werden können, zu unter
stützen. Der berühmte Johann Joseph Fux, ein Steier
Im Gegensatze zu dem unerschütterlich gelassenen Gleich
muthe
ehrgeizig, gehörte er zu jenen hochbegabten Prinzen, an deren
Thronbesteigung sich die schönsten Hoffnungen knüpfen. Leider
starb er, 33 Jahre alt, schon im sechsten Jahre seiner Re
gierung. Sein musikalisches Talent war noch persönlicher
und intensiver, als das seines
drei Compositionen sind uns von ihm erhalten, eine geist
liche und zwei weltliche. Aber diese Proben berechtigen zu
der Vermuthung,
geworden, wenn seine Geburt ihn nicht zum Herrscher über
ein großes Reich bestimmt hätte. Allerdings haben seine
wissenschaftlichen und ritterlichen Beschäftigungen, seine
Regentenpflicht, endlich auch ein Zug von Ungeduld in
seinem Charakter zusammengewirkt, um sein musikalisches
Talent nicht völlig zur Reife kommen zu lassen.
Compositionen zeigen gegen die seiner Vorfahren ein origi
nelleres Talent und einen merklichen Fortschritt in der
musikalischen Kunst. Er stand eben auf den Schultern
einer vorgeschrittenen Zeit. Während seine Ahnen in
einer musikalischen Uebergangszeit geschaffen hatten, schrieb
epochemachenden Meisters wie Alessandro
nur seine Kirchen- und Kammermusik stand auf hoher Stufe,
auch die Opernaufführungen unter
musikalischer Vollkommenheit und äußerer Pracht noch die
berühmten zu
für das
das zwischen der Hofbibliothek und der kaiserlichen Reitschule
stand. Hier wurden die besten Werke der
Alessandro
vollendeter Ausführung gehört. Mit der glänzenden Sopran-
Arie
Band des großen musikalischen
demselben nicht blos musikgeschichtliche Wichtigkeit, sondern
auch ein eminent culturhistorisches Interesse zuerkennen. Die
ganze gebildete Welt, die jetzt zum erstenmal einen Einblick
in das musikalische Schaffen der habsburgischen Dynastie
empfängt, wird dasselbe mit Antheil verfolgen. Wir Oester
reicher aber betrachten mit Stolz und Rührung dieses
Monument einer sich forterbenden künstlerischen Thätigkeit,
welche in der Culturgeschichte nicht ihresgleichen hat.