Zur Eröffnung der Musik- und Theater-
Ausstellung.
Ed. H. Die Ausstellung, welche in fast unübersehbarem
Reichthum sich übermorgen vor unseren Augen entfalten wird,
ist aus einem ursprünglich bescheidenen Kern emporgewachsen.
Zur hundertsten Wiederkehr von Mozart’s Todestag (1891)
war in Wien eine Ausstellung von musikalischen Instru
menten, Autographen, Drucken und Porträts geplant, welche
etwa nach Art der Grillparzer-Ausstellung in den Localitäten
des Rathhauses Platz gefunden hätte. Je tiefer man, be
sprechend und berathend, in das Detail dieses Planes ein
drang, desto mächtiger wuchs der Rahmen desselben in die
Höhe und Breite. Warum nur die Geschichte der Musik
illustriren und nicht auch die Entwicklung des Theaters?
Und warum nicht über eine österreichische Musik- und
Theater-Ausstellung hinausgreifen zu einer internatio
nalen? So trieb in dem genialen Frauenkopf, welchem die
erste Anregung entsprang, der Urgedanke immer neue Aeste
und Zweige, bis in unbegreiflich kurzer Zeit eine in ihrer
Art ganz einzige Ausstellung fertig stand. In ihrer Grund
idee und Gestaltung hat sie weder Vorgänger noch Rivalen.
Die letzten Pariser Weltausstellungen haben allerdings der
„Histoire du travail“ — oder wie wir’s 1873 in Wien
nannten, der „Additionellen Ausstellung“ — einige Pavillons
oder Galerien eingeräumt, aber darin bildeten Musik- und
Theater-Geschichte nur eine sehr dürftige Unterabtheilung,
eine amüsante Beigabe zur Hauptsache: der Industrie-Aus
stellung. Zum erstenmal haben wir jetzt eine ausschließlich
musikalisch-theatralische Exposition, die gerade durch diese
Beschränkung ihren Zweck in außerordentlicher Vollständig
keit und wissenschaftlicher Gruppirung zu erreichen vermag.
In Wien erschien 1873 die Tonkunst als Ausstellungs-
Gegenstand auf die Instrumente beschränkt, während in Paris
1867 die Musik selbst sowol als schaffende Kunst (durch
Compositionen) wie als reproducirende (durch Vocal- und
Instrumental-Concerte) zu förmlichem Wettkampf aufgerufen
war. Unsere diesjährige „Musik- und Theater-Ausstellung“
benützt mit Recht das Beispiel der Franzosen, indem sie
auch der lebendigen Musik durch eine fortlaufende Reihe von
Concerten und Opernvorstellungen außerordentliche Entfal
tung gewährt. Daß damit nicht wie in Paris auch das
Princip der Preisbewerbungen, dieser Brutstätte von Neid
und Eifersucht, verbunden ist, erhöht den vornehmen Cha
rakter des Unternehmens und kann jedem in derlei Aus
stellungsturnieren Erfahrenen nur willkommen sein.
Das Publicum, das am 7. Mai staunend die herr
lichen Räume durchwandeln wird, hat schwerlich eine richtige
Vorstellung von der aufreibenden geistigen und physischen
Arbeit, welche in dem Unternehmen steckt. Um nur von den
Spitzen zu reden: die Fürstin Metternich und ihr zu
nächst die Gräfin Kielmansegg haben monatelang ihr
ganzes Denken und Thun dafür eingesetzt. Und als ich vor
mehr als vier Wochen die noch gänzlich leere Rotunde be
sichtigte, traf ich den Präsidenten der Ausstellung, Mark
grafen Pallavicini, schon längst installirt in seinem
kahlen Bureau und eifriger beschäftigt, als der letzte
seiner Secretäre. Welches Kapital von Kenntnissen und
Thatkraft hatten die Fachreferenten — speciell Pro
fessor Adler für die Musik — aufzuwenden, um von
überall her diese Unzahl werthvollster Objecte zu erlangen
und nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten zu ordnen! Das
wissenschaftliche Interesse ist in der Ausstellung streng ge
wahrt, aber es wird keineswegs allein herrschen, sondern in
glücklichster Verbindung mit dem Unterhaltenden und Ergötz
lichen. Man kann das in Kürze so präcisiren: in der
Rotunde die Belehrung, im Park das Amüsement und die
Erholung. Genauere Beschreibung all des Schönen und
Merkwürdigen in der Ausstellung wird den ganzen Sommer
hindurch Theater- und Musikreferenten in Athem halten.
Heute beschränkt sich meine Absicht darauf, den Leser auf
einem flüchtigen Orientirungsgang durch die musikhisto
rische Abtheilung in der Rotunde zu geleiten und ihn auf
einige der werthvollsten Objecte aufmerksam zu machen.
Links vom Eingange durch das Südportal beginnt die
Illustration der Entwicklung der Tonkunst von
der ältesten bis zur neuesten Zeit, durch Handschriften,
Drucke, Instrumente, Porträts, Medaillen u. s. w. Eine
Art Vorhof dazu bildet die „Ethnographische Musik
ausstellung“: wunderliche, meist primitive Instrumente
fremder Völkerschaften, ebenso interessant durch ihr hohes
Alter wie durch ihre verschiedenartigen seltsamen Formen.
Daran schließt sich die Ausstellung von Documenten der
vorchristlichen Musik. Sie ist keineswegs reich
haltig, birgt aber eine der größten Merkwürdigkeiten:
ein Fragment des „Papyrus Erzherzog Rainer“. Diese
Papyrusrolle (aus dem Beginne unserer Zeitrechnung)
enthält Text und Partitur, Instrumental- und Vocal
noten eines Chorliedes des „Orestes“ von Euripides
und ist das älteste und einzige erhaltene Stück griechischer
Musik. Griechenland ist außerdem durch die Werke
seiner berühmtesten Musik-Theoretiker und Historiker ver
treten. Einen viel kleineren Raum nimmt das alte Rom
ein. Die Römer, diese Engländer des Alterthums, hatten
zu viel mit Staatskunst, Jurisprudenz und Kriegswissenschaft
zu thun, um sich besonders um Musik zu kümmern. Wir
schreiten vorwärts zum Mittelalter. Mehr als hundert
Bilder der heiligen Cäcilia verkünden hier gleichsam die
Alleinherrschaft der geistlichen Musik. Wir betrachten alte
Handschriften des Gregorianischen Gesanges, die ältesten
Proben der Notenschrift — Neumen, Choralnoten, Mensural
noten — Vieles mit kostbaren Miniaturen, wie zum Bei
spiel das Antiphonar des Königs Mathias Corvinus. Näher
stehen uns schon Minnegesang und Meistergesang.
Unschätzbar sind die Lieder des Tiroler Minnesängers
Oswald von Wolkenstein, ein prachtvoll ausgestatteter
Band aus dem Privatbesitze des Kaisers. Zunftbücher, Tabu
laturen und Gemälde versinnlichen uns die Thätigkeit der
Meistersinger.
Nun beginnt die Musik in das Stadium des eigentlich
kunstmäßigen Satzes, des Contrapunktes, einzutreten durch
die Niederländer, deren Componisten und Sänger das
fünfzehnte und sechzehnte Jahrhundert beherrschen. Zu
den kostbarsten Monumenten dieser Kunst-Epoche gehört der
vom Unterrichtsministerium ausgestellte „Tridentiner
Codex“, eine der reichhaltigsten handschriftlichen Samm
lungen niederländischer Compositionen des fünfzehnten Jahr
hunderts, geschrieben von dem Trienter Bürger Johann
Wiser. Lehrreich und übersichtlich dargestellt ist die Entwick
lung des Notenstiches und Druckes. Da sehen wir
zuerst liturgische Werke, in welchen die Notenlinien gedruckt,
die Noten aber geschrieben sind; dann werden die Linien ge
druckt, die Noten gestempelt (Patronendruck); endlich versucht
man es mit Holztafeldrucken. Dieses sehr kostspielige
Verfahren — weil für jedes Notenbeispiel eine besondere,
nicht weiter brauchbare Tafel geschnitten werden mußte —
machte endlich der großartigen Erfindung Platz, mittelst
beweglicher Metalltypen Noten zu drucken. Der Er
finder, Ottavio Petrucci, erhielt 1498 das päpst
liche Privilegium darauf und etablirte sich in Venedig.
Nebst diesen feinen, eleganten Petrucci-Drucken, die zu
den größten musikalischen Kostbarkeiten gehören, bietet die
Ausstellung die ersten deutschen Notendrucke aus den Offi
cinen in Augsburg, Mainz, Nürnberg, Prag. Den Abschluß
machen die Notendrucke aus Kupferplatten. Aus dem sech
zehnten Jahrhundert sehen wir die Werke der berühmtesten
Theoretiker in Original-Ausgaben, dazu ein Cancionale der
Hussiten und der Mährischen Brüder. Eine eigene Gruppe
dieser Abtheilung bildet die protestantische Kirchenmusik;
darunter das „Wittenbergisch deutsch geistlich Gesangbüch
lein“ von Johann Walther, dem Freunde Luther’s, vom
Jahre 1551.
Wir kommen nun zu den Anfängen der Oper und
des Oratoriums. Die italienischen Madrigale und die
Monodien, welche als die ersten Erscheinungen kunstmäßigen
Sologesanges direct zur Entstehung der Oper, des „Drama
in musica“, leiten, sind durch kostbare Sammlungen ver
treten. Von der königlichen Bibliothek in Berlin wurden die
ersten Opern, hochwichtige Marksteine in der Geschichte
der Musik, eingeschickt: Caccini’s und Peri’s „Euridice“
(beide aus dem Jahre 1600) und Monteverde’s
„Orfeo“ (1607). Auch die denkwürdige Hamburger
Unternehmung ist nicht vergessen, die erste stehende deutsche
Oper, an welcher Reinhard Kaiser, Matheson, Händel
wirkten. Nebst den ältesten Hamburger Operntextbüchern
finden wir da eine ganze Reihe Opern-Autographe von
Reinhard Kaiser. Das anstoßende Gelaß repräsentirt die
Blüthe der Musik am bayrischen Hofe im sechzehnten
Jahrhundert und enthält vorzugsweise Compositionen von
Orlando Lasso, dem berühmten Niederländer, der 1595
als Hof-Capellmeister des Herzogs Albert V. in München starb.
In den anstoßenden Räumen wird die Entwicklung der
Instrumental-Musik im sechzehnten und siebzehnten
Jahrhundert dargestellt. Zuerst der Orgel und des Claviers.
Dann fesseln uns nicht weniger als vier Separat-Ausstellungen
auserlesener alter Musik-Instrumente. Erstens das Ber
liner königliche Instrumental-Museum; wol
die Krone aller ähnlichen systematisch geordneten Sammlun
gen. Daneben die schönen italienischen Streichinstrumente des
Baron Nathaniel Rothschild. Ferner die kostbare Samm
lung von Instrumenten des sechzehnten und siebzehnten Jahr
hunderts aus dem Besitz des Erzherzogs Franz Ferdi
nand von Este. Schließlich eine reiche Collection alter
Instrumente, namentlich italienischer Geigen, welche der Wiener
Instrumentenmacher Zach mit bedeutenden Opfern auf ausge
dehnten Reisen erworben hat. Man wird gar nicht fertig, diese
unschätzbaren vier Instrumenten-Sammlungen zu betrachten
und zu studiren. Was die Entwicklung der Orgelmusik
betrifft, so sehen wir die Werke zahlreicher bedeutender Or
ganisten, getrennt nach norddeutschen und süddeutschen
Schulen. Mit diesen ist der Uebergang zu Joh. Seb. Bach
unmittelbar gegeben. Wir stehen andächtig bewundernd vor
den beiden colossalen Säulen, welche eine große Musikepoche
abschließen und zugleich eine neue einleiten: Händel und
Bach! Porträts und Autographe versinnlichen uns die
Persönlichkeit und das Wirken der beiden großen protestan
tischen Meister. Selbstverständlich sind auch die SöhneBach’s
nicht vergessen.
Als träten wir aus der feierlichen Erhabenheit eines
gothischen Doms in die frühlingswarme, grüne Landschaft
hinaus, so wird uns zu Muthe, wenn wir jetzt von Sebastian
Bach zu den Meistern Haydn, Mozart, Beethoven,
Schubert gelangen, welche Wien zum Mittelpunkt der
musikalischen Welt gemacht haben. Mit ihrer Musik sind
wir aufgewachsen, ihre Melodien sind uns vertraut, wie ihre
Gesichtszüge, die aus unzähligen Porträts und Büsten uns
anblicken. Es versteht sich, daß die Wiener Ausstellung hierin
besonders reich ist an Documenten und Erinnerungen. Wo
hin nur zuerst blicken? Da sehen wir neben einem großen
Original-Porträt von Haydn (dem Fürsten Esterhazy ge
hörig), das Autograph seiner Nelson-Messe, seiner „Schöpfung“
und mehrerer Symphonien. Unter den zahlreichen Ehren
diplomen Haydn’s Ernennung zum Ehrenbürger von Wien
(1804); ferner eine reizende Schreibcassette mit einem
Aquarell, darstellend das denkwürdige „Liebhaber-Concert“
vom 27. März 1808, der letzten Musik-Aufführung, welcher
Joseph Haydn beigewohnt hat. Von Gluck sind die
Original-Ausgaben seiner Werke ausgestellt und das Autograph
seiner Oper „Telemacco“. Mit Rührung betrachten wir
zahlreiche Erinnerungen an Mozart. Sein Clavier, aus
dem Nachlaß Liszt’s, und seine Stainer-Geige; die hand
schriftliche Partitur des Requiems und der G-moll-Symphonie
(Eigenthum J. Brahms’). Ueber der ersten Ausgabe des
„Don Juan“ und dem ältesten Textbuch der „Zauberflöte“
hängen die Original-Cartons von Schwind’s Fresken zur
„Zauberflöte“ im Hofoperntheater und die sorgsam ausge
führte Original-Skizze (in Oel) von Munkacsy’s Gemälde
„Mozart’s letzte Stunden“. (Eigenthum des Herrn L. Lobmeyr.)
Von Beethoven’s Handschrift sind Briefe und Compo
sitionen ausgestellt, dann Büsten, Gesichtsmasken und zahl
reiche Porträts, die zum Theil einander erstaunlich un
ähnlich sind. Ein biographisch merkwürdiges Schriftstück ist die
„Verbindungs-Urkunde“, in welcher der Erzherzog Rudolph,
die Fürsten Kinsky und Lobkowitz dem Meister eine lebens
längliche Pension aussetzen, blos um ihn an Oesterreich zu
fesseln. Die Urkunde ist ausgefertigt im Jahre 1809, dem
Todesjahr Haydn’s und Albrechtsberger’s — ein symbolischer
Grenzstein zwischen dem zurücktretenden alten und einem die
Weltherrschaft antretenden neuen Musik-Ideal. Die reizende
Marmorbüste eines jungen Mädchens fesselt unsern Blick:
die Gräfin Julia Guicciardi, die Muse der Cis-moll-
Sonate! Beethoven’s Wandnachbar in der Rotunde wie
in der Musikgeschichte ist Franz Schubert. Die schönsten
seiner ausgestellten Autographe — so reinlich, correct und
zierlich, wie die Beethoven’schen derb und unförmlich —
sind Eigenthum Nikolaus Dumba’s. Darüber zwei
humoristische „Schubertiaden“ von Schwind.
Reich vertreten ist das achtzehnte Jahrhundert
durch Autographe, Bilder und Drucke seiner hervorragenden
Componisten, nach Möglichkeit geordnet in Gruppen der
Kammer-, Haus- und Orchestermusik, der Oper und des
Oratoriums. Wir befinden uns da in der gewählten Gesell
schaft von Hasse, Graun, Scarlatti, Boccherini, Porpora,
Salieri, Abbé Vogler, Tomaschek, Forkel, Zelter und Anderen.
Im anstoßenden Gelasse befinden sich Stücke aus der Ge
schichte der Oper in Wien, München und Dresden während
des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts, dann Auto
graphe und Bilder der Componisten aus fürstlichen Häusern.
An Schubert reihen sich (an der Hauptwand gegenüber den
Classikern) die Romantiker: Weber, Mendelssohn, Schu
mann, Spohr, Meyerbeer, Marschner, Löwe, Liszt und
Chopin. Besonderes Interesse erweckt ein Porträt Meyer
beer’s aus seinen Knabenjahren und das Autograph der
„Afrikanerin“; von Weber die „Euryanthe“ und Entwürfe
zum „Oberon“; von Mendelssohn und Schumann
zahlreiche Briefe und musikalische Autographe. Die Abthei
lung „Liszt“ ist überaus reich beschickt von Budapest und
Weimar. Herrlich ist das von W. Kaulbach gemalte
lebensgroße Porträt Liszt’s in ganzer Figur und schwarzem
Mantel. Richard Wagner ist der einzige Componist,
für den ein eigener Bau im Parke errichtet ist, eine von
Joseph Hofmann ausgeführte „Gibichungen-Halle“. Nebst
dem Porträt von Lembach, der Büste von Zumbusch und
vielen anderen Bildnissen finden wir hier die Autographe
fast seiner sämmtlichen Musikdramen, theils aus Bayreuth,
theils aus dem Nachlasse König Ludwig’s II. von Bayern.
In der Mitte des Westtransepts sind alle hier nicht ge
nannten musikalischen Größen des neunzehnten Jahr
hunderts vertreten. Die älteren Besucher werden an den
Porträts der vormärzlichen Componisten, Virtuosen, Sänger
und Sängerinnen ihre schönsten Erinnerungen aufleben sehen.
Die nächste Wand hält uns mitten in der Gegenwart fest.
Unser erster Blick fällt auf die von Michalek so charak
teristisch aufgefaßten Brustbilder von Brahms, Joachim,
Goldmark und Dvořak. Daneben lauter liebe gute Bekannte
aus der Oper und dem Concertsaal. Hier dürfte das Publi
cum, das sich um die Meßbücher und Instrumente des
sechzehnten Jahrhunderts weniger kümmert, mit Vorliebe
verweilen.
Zuletzt betreten wir eine Sammlung von so vornehmer
und allerseltenster Art, wie sie wol noch keinem Ausstel
lungs-Publicum geboten worden ist: das „Intérieur
Habsburg-Lothringen“. Es enthält die Porträts,
Autographe, Compositionen und Instrumente derjenigen öster
reichischen Monarchen, welche theils selbstschaffende
Componisten, theils hervorragende Kenner und Förderer der
Tonkunst waren. Eine Reihe von Oelgemälden, sämmtlich
Privateigenthum des Kaisers, zeigt uns die Bildnisse dieser
Herrscher: Maximilian I. und II., Ferdinand I., II. und III.
Leopold I., Joseph I., Karl VI., Maria Theresia, Joseph II.,
Franz I. Wir sehen da Autographe von Leopold I. und dem
Cardinal-Erzbischof Rudolph, dem musikalisch hochbegabten
Schüler Beethoven’s. Daneben Compositionen mehrerer öster
reichischer Kaiser im Original und in der jüngst von uns
besprochenen Prachtausgabe von Professor Guido Adler.
Ein interessantes Stück ist die Partitur der Fux’schen Oper
„Elisa“, aus welcher Karl VI. die Aufführung im Jahre
1725 dirigirte. Neben einander stehen das Spinett Kaiser
Joseph’s II. und jenes der Kaiserin Maria Theresia. Welch
bescheidene, enge, tonarme Claviere im Vergleiche zu un
seren heutigen! Mit Wehmuth betrachten wir die reichver
zierte Harfe der unglücklichen Marie Antoinette. Die Lauten-
Tabulatur gehörte Kaiser Joseph I., dessen Lieblings
instrument die Laute war. Aus neuerer Zeit stammt das
Clavier, welches die Stadt München der Kaiserin Carolina
Augusta1816 als Hochzeitsgeschenk verehrte; desgleichen das
Streichquartett ihres Gemals, des Kaisers Franz, endlich die
Zither unserer Kaiserin Elisabeth. Ein Ehrenplatz in dieser
erlauchten Gesellschaft ist dem Original von Haydn’s Volks
hymne gewidmet.
Neben und gegenüber den hier besprochenen Samm
lungen befinden sich die Ausstellungen von Frankreich, Italien,
Rußland, England und die Abtheilung für musikalische Päda
gogik und Vereinswesen. In dem vorliegenden Aufsatze ist
nur das Allerwichtigste und Auffallendste berührt, was die
österreichische und deutsche musikhistorische Ausstellung
dem Beschauer bietet. Tagelang, wochenlang wird man an ihr
zu schauen, zu studiren haben. Schon aus unserer so knappen,
nothgedrungen flüchtigen Ueberschau dürfte der Leser ent
nommen haben, daß die Musikausstellung in der Rotunde
etwas ganz Einziges und ebenso lehrreich ist für den Fach
musiker wie höchst interessant für jeden Gebildeten. Gegen
wärtig interessirt sich ja doch für die Geschichte der Musik,
wer immer als Fachmann oder Liebhaber Musik treibt — und
Musik treibt heutzutage so ziemlich Jedermann.