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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Während unsere
stellungs-Theater die Künstler der Comédie Française be
wunderten, war es mir wenigstens vergönnt, mich hier in
den Gartenanlagen des herrlichen „Quellenhofs“ literarisch
damit zu beschäftigen. Ich that es an der Hand eines kürz
lich erschienenen Buches von P. Regnier („
erste Rolle der Geburt des
Hundert und Ein Kanonenschuß verkündeten, daß die Kaiserin
Ein Prinz! Vive l’Empereur ! Die Leute umarmten sich
jubelnd auf den Straßen.
Jahre später,
Enthusiasmus: ein Knabe! ein Prinz! Der neugeborene
Thron der Bourbons; so sangen die Poeten Victor
und
später hört
Jubelgeschrei: ein
das Schicksal dieser unter tumultuarischen Freudenrufen des
Volkes geborenen Prinzen? Das Exil und der Tod in
fremden Landen.
Zur Feier der ersten dieser drei Entbindungen, der von
gedichtet: „
Verherrlichung
und Vater. In der Schlußscene erschien sein Erbe, um
geben von der Weisheit, der Stärke und dem Sieg. Für
diese kleine, aber hochwichtige Rolle suchte man ein wohl
genährtes Kind mit rothen Backen und einem den künftigen
Helden verrathenden kecken Gesichtchen. Das Söhnlein der Schau
spielerin Madame
und genau unterrichtet, wie es sich zu benehmen habe. Wie
überglücklich war der Knirps, als man ihm statt seines Hemdchens
eine flitterbesetzte weiße Tunica anzog, darüber einen Purpur
mantel und auf dem Kopfe eine goldene Krone! Bei der Probe
zeigte er sich sehr anstellig in seiner Rolle: er hatte auf dem
Throne, einem Sammtfauteuil, aufrecht zu stehen, die linke
Hand an der Hüfte, mit der rechten ein Scepter empor
haltend. In eigensinnigem Eifer verharrt aber der Kleine
schon lange vor dem Aufziehen des Vorhanges in dieser
Stellung; er ermüdet während der Scene und läßt das
Scepter fallen. Zwei Hofdamen sollen ihn die Stufen des
Thrones herabführen; dazu fühlt er sich jedoch zu groß, zu
stolz; er will durchaus allein gehen, wehrt sich heftig gegen
die Hofdamen, verwickelt sich in seinen Purpurmantel und
— unter lautem Gelächter des ganzen Hauses kollert der
als
schämt, verwirrt, vermag er sich kaum auf den Beinchen zu
erhalten. Zum Unglück fühlt er auch einen prickelnden
Schmerz auf der Haut von den Goldflittern seiner Tunica
und beginnt sich heftig zu kratzen. Neues Jubelgelächter im
Publicum. „Unglückliches Kind,“ ruft ihm die
fast erstickter Stimme zu, „willst du endlich aufhören?“ —
„Ich kann nicht, ich kann nicht,“ schreit der Kleine weinend
und kratzend, „ich habe einen Floh!“
So endete das erste Debüt
mit vier Jahren auf die Bühne gestellt, sollte er doch
keineswegs zum Theater gehen. Seine
spielerin, war zu tief durchdrungen von der Gefährlichkeit
und den Täuschungen dieses so verlockenden Berufs. Ihre
Meinung theilen sehr viele Schauspieler unserer Zeit, welche,
trotz ihrer eigenen glänzenden Erfolge, die Kinder dennoch
mit aller Kraft von der gleichen Laufbahn abhalten. Ein
merkwürdiges Beispiel ist der große Macready, Vater von neun Kindern, von denen kein
obgleich seine
daß sie bei seiner Geburt schmerzlich ausrief: O weh, die
Conscription!
Als Theaterkind hatte
größten Schauspieler seiner Zeit, Talma, kennen zu lernen.
Anbeginn ohne Hindernisse seinen ruhmvollen Weg gegangen
und keinem eifersüchtigen Rivalen begegnet. Die einzige
Schwierigkeit, die er zu bekämpfen gehabt, war die
Abneigung seiner Eltern vor dem Schauspielerstande. Aber
seine außerordentliche Begabung ließ sich nicht lange unter
jochen. Ein angesehener Arzt, der
welcher
Studien trieb und Zahnarzt werden sollte, schilderte dieses
Zusammenleben als unerträglich, weil
hindurch Verse declamirte. Im Jahre
in der Comédie Française, wird sofort engagirt und schafft
noch im selben Jahre die Rolle
Ruf begründet hat. Aber der schnell erworbene Künstlerruhm
will seinem ungeduldigen Ergeiz nicht genügen; er mischt
sich eifrig in die politischen Kämpfe, denen er besser fern
geblieben wäre. Seit der Revolution verkehrt
schaftlich mit den Männern der vorgeschrittensten Partei und
sucht jede Gelegenheit auf, sich an revolutionären Kund
gebungen zu betheiligen. Unbedacht läßt er sich zu mancherlei
Schritten, auch vor dem Publicum, hinreißen, welche das
Interesse seines Theaters beeinträchtigen. Die Conflicte
häufen sich. Müde der stummen Feindseligkeit, von der er
sich umgeben fühlt, entschließt sich
als Societär der Gesellschaft zu entsagen, und über
tritt im Jahre
im Palais Royal, das den Titel „Théâtre français de la
rue Richelieu“ annahm und das heutige Théâtre Français
ist. Mit 27 Jahren heiratet er die 35jährige Julie Car
, eine durch ihren Geist und ihren Charakter noch
seiner Freunde aus der ersten Zeit der Revolution enden
auf dem Schaffot;
und ewiger Unruhe. Da der Wohlfahrtsausschuß Verhaftun
gen nur zur Nachtzeit vornahm, legt sich
zu Bett, ohne daß irgend ein Kamerad sein Schlafgemach
theile. Im Hofe hält er zwei wachsame riesige Hunde. Aber
viel besser als das Gebell dieser Köter schützte ihn sein
bewundertes Talent. Mit jedem Tag wuchs die Begeisterung
des Publicums für ihn. Nur seine Popularität als Künstler hat
ihn — ganz wie später den Maler
Guillotine gerettet. Nach der Schreckenszeit finden wir
gründlich geheilt von seiner Passion für Politik. Trotzdem
unterhielt er stets Beziehungen zu den hervorragendsten
Persönlichkeiten des Staatswesens, insbesondere mit Dem,
welcher bald über Alle Herr werden sollte:
daß
die Coulissen geführt wurden an Abenden, wo der Zudrang
des Publicums den freien Eintritt nicht erlaubte. Das er
klärt die besondere Freundlichkeit, welche die beiden Schau
spieler später vom
ein kleines Landhaus bei
Schulden und schenkte ihm zu verschiedenen Zeiten bedeutende
Summen. Die Thüren der Tuilerien waren stets offen für
von
pirung des Königsmantels habe unterrichten lassen. „Er
spielte seine Rolle viel zu gut,“ versichert
daß er meiner Lectionen bedurft hätte. Im Gegen
theil hat
Rollen mancherlei Winke gegeben, die ich verwerthete; denn
er liebte das Theater und sprach sehr gut darüber.“ Seiner
Dankbarkeit gegen
war
Königs
er die Rolle des
dem Lieblingsstück der Royalisten. Diese Rolle, welche für
den Tragöden
erregte die höchste Neugierde des Publicums. Er spielte sie
einfach, gemüthvoll, vortrefflich. Trotzdem erfuhr dieses Lob
manche Einschränkung, manchen Widerspruch. Das geschieht
fast immer, wenn ein Künstler sich zum erstenmal in einem
neuen, von seinen berühmten Rollen ganz verschiedenen Genre
versucht. Er stößt im Publicum und in der Kritik auf eine
gewisse Feindseligkeit, ein vorgefaßtes Mißtrauen. Damals gingen
die Meinungen überwiegend dahin, daß ein Schauspieler un
möglich in zwei verschiedenen Gattungen ausgezeichnet sein
könne. Man konnte ihnen entgegnen, daß Garrick dieses
Straßenschmutz oder von Blut triefen — immer erscheinen
Sie wie in Ihrem eigensten Elemente.“ Rollen wie diesen
Abel
nicht spielen wollen; dagegen sträubte sich seine ganze Natur.
Es war ihm unmöglich, eine triviale Person darzustellen.
Außerhalb der Tragödie vermochte er aber im Drama und
im höheren Lustspiele zu zeigen, welche Macht ein wahrer,
natürlicher Darsteller auch ohne die gewaltsamen Mittel des
Tragöden auf die Zuschauer ausüben kann. Im Lustspiele
hin und wieder angezweifelt, ist
bestritten geblieben in der Tragödie. Mit einer einzigen
Ausnahme. Der Kritiker Geoffroy, ein Mann von ebenso
haupten, wenn die Ateliers und Arbeitszimmer so indiscrete
Echos hätten, wie die Coulissen des Theaters. Wir wollen
dies nicht untersuchen. Das Entscheidende ist, daß der Schau
spieler stets seine eigene Person ins Feld führt. Dichter,
Componisten, Maler schaffen nicht unter den Augen der
jenigen, die sie kritisiren werden; sie können an ihren Werken
daheim mit Muße ändern, nachbessern. Der Schauspieler
hingegen muß vom ersten Moment an vor den Blicken
von Hunderten schaffen, welche Beifall oder Verurtheilung
bereit halten. Kein gesprochenes Wort kann er zurück
nehmen, keine Geste, keinen Tonfall verbessern. Er
muß vollkommen Herr seiner selbst sein, um so schwieriger
Aufgabe zu genügen. Das erklärt die ganz besondere Dispo
sition des Bühnenkünstlers, von der Kritik zu leiden. Sie
verwundet ihn nicht blos in seiner Eigenliebe, sondern auch
in seinem Selbstvertrauen, indem sie ihm mit der nöthigen
Kaltblütigkeit auch einen Theil der Mittel raubt, welche ihm,
wie er nur zu gut weiß, unentbehrlich sind für seine
Wirkung. So befiel denn auch
bohrendes Mißbehagen, sobald er die boshaften Augen
auf sich geheftet sah. Der bloße Anblick dieses Menschen ließ
ihn Fehler begehen, deren unbarmherzige Verurtheilung er
im nächsten Blatt mit Sicherheit zu erwarten hatte. In
furchtbarer Aufregung über einen ganz besonders gehässigen
Artikel stürzt
fordert den Kritiker auf, sich zu entfernen.
in seinem
schreiben werde, welcher fortan nicht mehr für ihn existire.
Trotz dieser feierlichen Erklärung vermochte er aber sein Wort
und seine Galle nicht zu halten; er ließ, von Nachsucht über
mannt, in einem seiner letzten Feuilletons noch einmal seine
Wuth gegen
gödie bezeichnete. Die bekannten enthusiastischen Schilderungen
Chateaubriand’s und der