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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Für einen dreiwöchentlichen Aufenthalt in
bad
für dieselbe Zeit im
Quantität. Denn eine Reihe von schönen Tagen gibt’s
hier selten zu ertragen. Betrachten wir noch so entzückt das
sonnbeglänzte Schneefeld des
unserer „Villa und Pension Hürsch“ so majestätisch aus
breitet — nur zu bald wird es sich in schwarze Wolken
hüllen. Dann stimmt der Himmel sein berühmtes
Regenlied an, das viel, viel länger ist als das
nur nicht so schön. Eine graue, nasse Melancholie rieselt auf die
Landschaft und in unser Gemüth. Das ist der rechte Moment, aus
unserm literarischen Proviant die härtesten Bissen hervorzuziehen:
neue Offenbarungen über Musik. Vorherrschend sind noch immer
die
lust! Ich glaube wirklich, daß
Vortheil davon hätte, wenn jetzt zehn Jahre lang keine
Bücher darüber geschrieben würden. Fortwährend werden
neue (oder auch die nämlichen) Tiefsinnigkeiten über jeden
Vers, jedes Motiv von
wirklich, daß ein Musikdrama von ehrlicher Wirkung diesen
Wust von philosophischen Commentaren nöthig habe? Wer
seit zwanzig Jahren mit gelehrten Abhandlungen über den
Liebestrank oder Todestrank
der
hauer
Recht, übersättigt zu sein. Lebhaft interessiren wir uns für
neue biographische Mittheilungen, wie die gleich näher zu
besprechenden von Ferdinand
Zufluß philosophirender Erklärungen und Verdunkelungen
stellt die Geduld des Lesers auf eine harte Probe. Hier
die Titel zweier eben angekündigter Bücher: 1. „Wagner-
Encyklopädie. Haupterscheinungen der Kunst- und
sichtnahme auf deren Verhältniß zu den philosophischen Rich
tungen der Junghegelianer und Schopenhauer’s Dinger.
und „
seien, einen dramatischen Gedanken zur Darstellung zu
bringen“. Wir, die wir die trefflichsten
Aufführungen unter
Schülern in
uns von
„ein gänzlich unbekanntes Werk“ geblieben sei, weil wir
nicht im Sommer
werde „überall verständnißlos bewundert“. „Das tiefste Wesen
der Tragik und Komik sei zu voller Deutlichkeit und tiefster
Bedeutung erst in
zwei größten germanischen Dramatiker.“ Also nicht blos
sind wesenlose Schatten neben
sagt, diese Melodie seit zwanzig Jahren schon so oft gehört,
daß sie uns keinen Eindruck mehr macht, am wenigsten einen
guten.
von
den Philosophen Herbart: „Mir ist bei seinen Schriften
„ Wagner, wie ich ihn kannte“, heißt ein von
in der man häufige Wiederholungen und Weitschweifigkeiten
dem hohen Alter des Verfassers gerne nachsieht. Neues
und Wichtiges erfahren wir über
Biographen gänzlich im Dunklen sind, und zwar durch
eigene Schuld“.
die ja sonst ein fast vollständiges biographisches Material
bieten, jede Aufklärung über seinen Antheil an der Revolution
zurück. activer Mit
helfer an der
bedeutenden Anzahl bewaffneter Bauern begleitet.
und
Anrücken des Militärs in Brand gesteckt werden müßten.
Taschen mehrere Briefe
wähnten.
später zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe begnadigt.
wäre demselben Schicksal verfallen, hätte er nicht rechtzeitig
die Flucht ergriffen, zunächst nach
sagt
zugleich gefangen genommen wurde.“
haft währte fast 13 Jahre, genau so lange wie
gehoben wurde. In der bekannten „
FreundeIch habe mich
wirklich nie mit Politik abgegeben.“ Das gerade
Ausführlicher und liebevoller als alle übrigen
Biographen schildert
aufopfernde, edle Dulderin, welche von den
sehr oberflächlich, wo nicht geringschätzig behandelt und ins
besondere gegen die brillantere
wird, erhält erst durch
Bedeutung.
burgMinna Planer, die
halte, besonders in ihrer Sorgfalt für ihren Mann. Von
Anfang ihrer Verbindung folgte sie ihm blindlings,
lieh ein williges Ohr seinen Ausbrüchen gegen seine
Zeitgenossen, seinen weit ausholenden Dissertationen
über Kunst; Alles hörte sie mit ruhiger Ergebenheit
an, obschon sie ihm nicht folgen konnte. Während
zu keiner Zeit seines Lebens seine Ausgaben zu controliren
verstand und sich nichts versagen konnte, war sie immer
darauf bedacht, zu sparen. Jahrelang lebten sie in Noth,
aber nie kam eine Klage über die Lippen der Frau. Kamen
bessere Zeiten, so hatte sie nur Einen Gedanken: ihm jeden
Genuß zu verschaffen, der ihm Freude bereiten konnte. Seit
nach
sah
Meister. Nach einem Tag unfreiwilligen Fastens in
entschloß sich
nicht sehr kostbaren Geschmeides zu rathen. Man
denke sich seine Scham, als er erfuhr, daß seine
Frau schon seit einiger Zeit, eins nach dem andern, ihre
Ringe, Ketten und Armbänder habe verkaufen müssen, um die
tägliche Nahrung zu schaffen. Sie ward in dieser Noth zur
wahren Heldin. Nicht allein half ihre Gemüthsruhe die
ärgerliche Heftigkeit ihres nervös aufgeregten Mannes zu
beschwichtigen — alle und jede Arbeit im Hause wurde von
ihr mit der größten Bereitwilligkeit verrichtet; sie scheuerte,
wusch die Wäsche, kochte und flickte; dabei verheimlichte sie
so viel als nur möglich Alles, was ihn nur unangenehm
berühren könnte. Alle Opfer, die sie ihm damals brachte
— so schließt
erst klar, als ihr beiderseitiges Los sich gänzlich zum Bessern
gewendet hatte. Ihr „beiderseitiges“ Los? Das
kann nicht genau sein.
Entbehrung und des Exils mit
von seiner Glücksperiode, von seinem Glanze, seinem Reichthum,
seinem Weltruhm hat sie nichts genossen.
Ruf König
v.
rend
trauerte. Und die Ursache dieser Trennung?
uns ziemlich deutlich erkennen, wenn er auch, offenbar aus
Schonung für
Bei seinem Besuche in
Beziehungen
Frau v.
Eifersucht
Warnungen nicht fehlen und erinnert
voll an zwei bekannte Stücke „
und „
erhält er in
ist los hier; ich komme zu dir nach
auf der
sondern schrieb am nächsten Tage: „Gottlob, Alles ist so
ziemlich wieder im Geleise und fürs Erste gibt’s Ruhe —
aber die Bösartigkeit der Leute!“ Im Jahre
sich die beiden Gatten für immer.
könnten wol über diesen traurigen Punkt Aufschluß geben,
aber
lichen“.
begreifen, daß sie nicht mit mir rechten sollte, wie mit
anderen Individualitäten? Konnte ich mich binden und
ketten wie ein gewöhnlicher Spießbürger? ... Ja, es
kommt mir so vor, als ob nach Allem ich mit ihr viel zu
nachsichtig und geduldig gewesen bin.“ Und später: „Ich sehe
jetzt erst deutlich, daß ich verzogen habe, doch ärgere
ich mich, wenn ich daran denke.“ Das ist ein merkwürdiger
Charakterzug
holt
ner
Theil der liebenden Sorgfalt dieses Weibes.“
nach der Trennung erst recht eingesehen haben, „wie viel er
finden nicht die leiseste Erwähnung, daß er versucht hätte, sie
zurückzurufen, als „der junge
ein so glänzendes Los bereitete.
Als einer der hingebendsten Freunde
desselben in helles Licht zu rücken. Dazu gehört in erster
Linie
drängtester, scheinbar hoffnungslosester Zeit schon den Grund
bau seiner monumentalen
begreiflich stolzer Sicherheit des Gelingens alle die Pläne
entwirft, die sich später in
können wir in
Sein Recht auf Glaubwürdigkeit beweist aber
er auch die Widersprüche und Schattenseiten in
Charakter nicht verheimlicht. „Mit der wachsenden Er
kenntniß seiner eminenten Begabung,“ erzählt
„und später durch die ganz unerwartet glückliche Lage
wuchs in
ihn frühere Verbindungen und Verhältnisse mit unter
geordneten Naturen vergessen ließ. Er nahm von seinen
Freunden die hingebendsten Opfer an, ohne die geringste
Anerkennung und Dankbarkeit zu zeigen. Wenn er es für
seine Pflicht hielt, gerade herauszusprechen, dann kümmerte
er sich gar nicht darum, ob seine schroffe, beißende Kritik die
tiefsten Wunden schlug, und doch war er selbst aufs empfind
lichste gereizt und verletzt durch den geringsten Tadel.“ Seinen
Hang zum Luxus nennt
von Entsagung keine Idee hatte — nicht in seinen groß
artigen Bühnen-Unternehmungen, nicht im gewöhnlichen
Leben. Seine Bedürfnisse übersteigen immer seine Mittel,
und das Vermögen eines
er oft selbst gestand, nicht zu viel gewesen. Er sehnte sich
unaufhörlich nach einem Reichthum, der ihm gestattete, allen
luxuriösen Bedürfnissen die Zügel schießen zu lassen. In
seinen Bequemlichkeiten, Stoffen, kostbaren Essenzen etc.
kannte er keine Einschränkung, mochte auch seine Barschaft
nicht entfernt dazu ausreichen. Aus dem Bedürfniß, alle
möglichen Genüsse als Luxus zu besitzen, hatte er sich das
Schnupfen angewöhnt und plagte sich mit dem Rauchen.
Er duldete nur Seide auf dem bloßen Körper, trug blos
seidene Schlafröcke und hatte sogar das Futter und alle
Taschen seiner Kleider von Seide. Das gab einmal eine
förmliche Lustspielscene bei einem Modeschneider in
der dem Componisten versicherte, daß selbst die reichsten und
vornehmsten Lords nur Baumwolle dazu brauchten. „Ja,
ja,“ rief
Jahrhunderts, Alles nur Flittergold; wie
Grabe: „Blumen draußen, drinnen aber Weh.“
Interessant und treffend — allerdings sehr verschieden
von
über Liszt als Tondichter: „
Aller
vom 25. November
ganze
wurde, damit endlich mein Ziel (die Aufführung der
„
Wer den neuesten vortrefflichen Aufsatz Kuno
gelesen hat: „
dem müssen merkwürdige Analogien zwischen
und
Stücken ein Charakterproblem. Auch bei ihm, wie bei
Werken unleugbar. „Wer, wie
und Erlösungslehre aufstellt,“ schreibt Kuno
muß, was er lehrt, in dem eigenen Leben verkörpern, einem
Leben voller Weltentsagung, voller Mitleid und Liebe, nicht
weil die Pflicht es gebietet, sondern weil der eigene religiöse
Genius dazu drängt.“ Ueber den Pessimismus
hauer
daß
gefühlt habe, daß er nach seinem eigenen Bekenntnisse schon
mit vierundzwanzig Jahren ein ausgemachter Pessimist ge
wesen sei. Gerade seine Passionsgeschichte zeugt wider ihn.
Er hat in hohem Grade die Fähigkeit des Leidens gehabt
und darum auch erfahren, aber die Kraft und Freudigkeit
des Leidens und Ertragens in gar keinem. Wo haben die
Leiden
Verwünschungen waren, je den Charakter der Aufopferung
und Hingebung gehabt? Der Zwiespalt zwischen seinem Cha
rakter und seiner Lehre vom Weltelend und der Welt
entsagung, zwischen dem Leben, das er geführt, und der pessi
mistischen Askese, die er gelehrt, liegt am Tage. Die Genies
sind eben keine Pessimisten, und wenn sie es tausendmal
versichern; denn sie müssen schaffen und hoffen ...
Während
verächter war, ließ er sich durch die Scheinwerthe der Welt
blenden. Er war blind für die Schwächen seiner Bewunderer
und dienstwilligen Werkzeuge. Nur durften diese dem Meister
gegenüber nicht auch die Kritiker spielen wollen; dann wurde
ihnen heimgeleuchtet. Es gab in der Welt eigentlich nur
Einen Gegenstand, der unserem Pessimisten heilig war: seine
Werke. „Meinen Fluch über Jeden, der etwas daran wissentlich
ändert, sei es eine Periode oder auch nur ein Wort, eine
Sylbe, ein Buchstabe, ein Interpunctions-Zeichen!“
Paßt dies Alles nicht auf Richard