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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H., Nach dem
Weh’ in allen Gestalten haben wir jetzt den Cultus der
Persönlichkeit. Noch niemals ist auf
junger, durch eine einzige kleine Oper berühmt gewordener
Componist mit einem solchen Huldigungstaumel gefeiert wor
den, wie jetzt in
Richard
Anderer! Die Neugierde des Publicums verfolgt ihn auf
der Straße und lauert ihm nach dem Theater auf. Bleibt
der Unvorsichtige mit einem Bekannten stehen, so bildet
sich sofort ein ungenirt zuhörender dichter Kreis von Maul
affen um die Beiden.
dichter aller Nationen in seinen Mauern beherbergt — aber
wenn ein
Federhut eine neu entdeckte Insel betritt, er kann von den
Eingeborenen nicht mehr angestaunt werden, als
von den Wienern. Wer den aufrichtig bescheidenen, an dem
ganzen Spectakel ganz schuldlosen jungen Mann nicht kennt,
der mochte vielleicht gegen ihn einige Voreingenommenheit
empfinden. Mußte man sich doch sagen, daß
Leistungen ihn noch nicht auf jene classische, sichere Höhe
stellen, welche so unbegrenzte Verherrlichung rechtfertigt. Ich
glaube indessen, daß man diese Ovationen richtiger beurtheilt,
wenn man sie weniger von der künstlerischen Seite als von
der gemüthlichen, rein menschlichen betrachtet. Die Leute, die,
nicht satt sehen können, gleichen sie etwa fanatischen Musik
liebhabern? Sehen sie nicht vielmehr aus wie lauter zu
thunliche, herzlich mitfühlende Gratulanten? Es wird uns
ja so selten das Glück, einen ganz Glücklichen zu sehen; gar
einen jungen Componisten, den gleich sein erster Bühnen
versuch aus Noth und Kümmerniß plötzlich ins volle Sonnenlicht
hinaufträgt! Es ist etwas Herrliches um den Ruhm; so
recht süß schmeckt er aber doch nur in der Jugend. Während
der alte
gerne dahin für einen guten Magen, besitzt der glücklichere
drein, das ihn erst wahrhaft zum Glücklichen stempelt:
persönliche Anmuth und Liebenswürdigkeit. Damit gewinnt
er alle Herzen. Indessen ist es keine Kleinigkeit, immer
liebenswürdig oder auch nur höflich zu bleiben, wenn man
von Früh bis Abends beäugelt, bedrängt, bewundert wird.
So ein Glück verlangt viel Geduld. Börne sagte einmal
„
den einzigen fertigen Werke
vom Hofoperntheater her zur Genüge bekannt. Nicht ihnen
galt somit die Neugierde des massenhaft zuströmenden Publi
cums, sondern ihrer Aufführung durch
unter der Leitung des Componisten. „
machte den Anfang.
größeren Werth, als auf sein Erstlingswerk. „
ist die feinere, vornehmere Musik, die „
packendere, effectvollere; ein rundes Ganzes, in dem nichts
zu viel, nichts zu wenig ist, und Alles an rechter Stelle.
„
durch originelle, geistreiche Einzelzüge, welche wiederum mehr
im Orchester liegen, als in der Gesangs-Melodie. Zwischen
dem ersten und dritten Act, auf welchen die Dürftigkeit der
Handlung drückt, erhebt sich der zweite durch eine
viel interessantere Entwicklung und bedeutendere musikalische
Schönheiten. Er hat auch in der
den Höhepunkt des Abends gebildet und den Erfolg des
Ganzen entschieden. Der Tenorist da Lucia (
spielen wollen, sie würden wahrscheinlich ausgelacht. Von
den übrigen Sängern im „
melden. Die Torresella, eine sehr
Der Erfolg des „
durch den Triumph der „
ist letztere in
liebtere Oper; auch die Aufführung vom 19. d. M. brachte
in den Hauptrollen vorzügliche Kräfte zur Geltung. Vor
Allem Signora Bellincioni, deren
gewähren. Wo
auf Einen Punkt concentrirt, bringt er es noch zu blen
dender Wirkung, wie sein Vortrag des Trinkliedes bewies.
Signor Sottolano ist ein anständiger
Mit den beiden
keit der
wegs abgeschlossen. Herr Sonzogno, der große
mit großer Wirkung zu musikalischen Rührstücken und
Familien-Gemälden verwendet. Doch selbst in dem empfind
samsten, zum Beispiel im „
tragische Ton vermieden, alles Gräßliche beseitigt und stets
mit einem glücklichen Ausgang geschlossen. Die neueste
Richtung sucht ihre tragischen Stoffe am liebsten auf dem
Dorfe und im Arbeiterviertel auf und kennt nur
blutige Lösungen. In Bizet’s „
Einfluß der „
buche, das im Gräßlichen noch weiter geht. Endet die „
mit einem Mord hinter der Scene, so schließen die „
mit zwei Ermordungen auf der Bühne selbst. Auch im
Musikalischen glauben wir das Vorbild
wahrzunehmen: in der emancipirten Form, den grellen
Modulationen, dem häufigen Tactwechsel, der Vorliebe für
chromatische Scalen in der Gegenbewegung, auch in Sexten
u. s. w.
leidenschaftlichen Ausdruck angelegtes Talent. Er hat Wärme,
die sich in manchen gefühlvollen Stellen geltend macht, noch
mehr aber loderndes Feuer in den Momenten äußerster
Leidenschaftlichkeit. Uns dünkt Manches darin grell und un
natürlich, den Italienern nicht. So würden wir beim An
hören des ersten Chors niemals auf brave Landleute rathen,
die sich auf eine Comödie freuen, sondern eher auf eine
zügellose Räuberbande. Die melodische Erfindung des Com
ponisten ist keineswegs reich oder originell; aus den senti
mentalen Cantilenen, die meistens von den Geigen
oder dem Violoncell unison mitgespielt werden, klingt
vornehmlich die Stimme
handelt
von kunstvollen und gekünstelten Farbenmischungen, die vor
zwanzig Jahren in
fällt der Componist auch der Versuchung, mit einem In
strumentirungs-Kunststück zu glänzen, das die Probe auf
seine dramatische Zulässigkeit nur schwer bestehen möchte. So
in der ersten Scene der
sehr geschickt gemachte Nachahmung des Vogelgezwitschers und
Anderes. Während der erste Act sich recht nothdürftig fort
fristet, steigert sich der zweite, dramatisch wie musikalisch, zu
bedeutender Wirkung. Am besten gefiel uns die Musik zu
der eigentlichen Bajazzo-Comödie; hier war der Componist
durch die Scene gezwungen, aus seinem hochgesteigerten,
leidenschaftlichen Pathos herauszutreten und eine an den
Volkston anklingende einfach graziöse Weise anzustimmen,
die durch ihren Rococo-Beigeschmack noch gewinnt.
In der
unterscheiden, was wirklich tiefere, echte Theilnahme, was nur
momentane lärmende Aufwallung sei in dem Beifall des
Publicums. Aber die „
folg errungen zu haben. Maëstro
applaudirt, erschien auch nach jedem Applaus sofort bei offener
Scene auf der Bühne, sich wieder und wieder verneigend.
Merkwürdig, daß auch die Anhänger des „Verismo“ in
ganz unempfindlich sind gegen diese groben Störungen des
dramatischen Zusammenhangs. Auch von der schlimmen Illu
sion, daß jeder Applaus schon das Verlangen nach Wieder
holung der betreffenden Scene bedeute, wird man die
sch
der „
geschieht? Der Bassist
macht dem Dirigenten gewisse Freimaurerzeichen, worauf
er den ganzen langen, langweiligen Prolog noch einmal ab
singt. Dieses entsetzliche Ereigniß dürfte dem Publicum viel
leicht zur Warnung dienen, nicht gar zu freigebig und aus
dauernd mit seinem Applaus zu sein. Wir hatten in den
„
tragen, am schmerzlichsten nach einem das Glockengeläute
nachahmenden Bauernchor, welcher repetirt wurde, obwol
man bei dem tactweis wiederholten f c, f c der Bässe schon
beim erstenmal verrückt werden konnte. Um die Aufführung
machte sich insbesondere der Tenorist A. Garulli ver
Weniger Stoff bietet uns eine zweite Novität, die ein
actige Oper „ Mugnone.