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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Mit Robert
schönen Kreise geschieden, der in jugendlicher Begeisterung
sich um die Bannerträger der musikalischen Romantik, um
Meister sind zuerst hinübergezogen; dann folgten
Moriz
bündler — der
noch der letzte Nachglanz jener goldenen
dieses Kreises. Es wird häufig für einen guten Witz der
Vorsehung gehalten, daß sie in „Robert Franz“ die
Kraft eines
sessen, sie würde mit unbezwinglicher Gewalt die Schranken
des Liedes durchbrochen und sich über die benachbarten Ge
biete ergossen haben. Hingegen war
strebt, auch das kleinste Lied zu einem Kunstwerk zu ge
stalten. In jedes seiner Lieder hat er sein volles Können,
sein tiefstes Empfinden gelegt. „Sie kennen meinen Grund
satz,“ sagte er, „nichts zu machen, das ich nicht machen
muß.“ Dieses oberste Gebot eines unverbrüchlich idealen
Strebens hieß ihn auch jeder Concession, sei es an das
Publicum, sei es an die Sänger, aus dem Wege gehen.
eines Gedichts gleichsam einzufangen und jede Stimmung,
jede Nuance einer Stimmung, getreu in Tönen zurückzu
spiegeln. Daher der stets sichere Eindruck, das unauflösliche
Verwachsen des Gedichts mit seiner Musik im Geiste des
Hörers. Der bestrickende Reiz der
Manchem eine enthusiastische Ueberschätzung des Componisten
hervorgerufen. Kritiker, die sein schönes, vornehmes Talent nicht
ohneweiters, „Genie“ nennen wollten, noch ihn selbst auf Eine
Höhe mit
leidenschaftliche Händel verwickelt. Die Bagge’sche
Franz fürchtete noch vor 20 Jahren für das Schicksal
einer fernliegenden Vergangenheit: sie wurde keineswegs
durch Schubert und
Meine Correspondenz mit R.
sonderbaren Ausgangspunkt. Es war an einem Sep
tember-Abende des Jahres
im Mirabellgarten zu
willen eingesperrt wurde. In lebhaftem Gespräche über
Begeisterung verkündete, waren wir lange den einsamen
Garten auf und ab gewandelt, ohne zu bemerken, daß
wir daselbst die letzten Spaziergänger geblieben. Da hörten
wir das eiserne Gitterthor klirrend ins Schloß fallen und
sahen gerade noch, wie der pünktlichste aller Invaliden den
großen Schlüssel umdrehte und abzog. Glücklicherweise er
reichte mein Ruf den martialischen Wächter, der keineswegs
darauf bestand, uns die Nacht im Garten zubringen zu
lassen. Das Gespräch über
gesetzt. Wahrhaft rührend war der apostolische Eifer, mit
welchem
kehren“ unternahm, zu welchen ich damals kein rechtes Ver
ständniß finden, wenigstens kein Herz fassen konnte. Schon
als Schüler
und anderen Instrumental-Compositionen
wie die meisten Musiker des katholischen
nur geringe Kenntniß von dessen Vocal-Compositionen und
konnte für die weltflüchtige Asketik und den wunderlich krausen
Vocalsatz der mir bekannt gewordenen Kirchencantaten mich
nicht begeistern.
und zu preisen, was ich mangelhaft oder einseitig aufgefaßt.
Bald nach jener Gartenscene setzte er in einem Brief an
mich sein Lieblingsthema fort: „Wir Beide sind wol gleich
mäßig von der Ueberzeugung durchdrungen, daß dem rohen
Materialismus unserer Tage, der immer widerwärtiger auch
in Kunstsachen ein schweres Wort mitreden will, auf das
entschiedenste entgegenzutreten ist. So großen Werth ich nun
auch auf das lebensvolle Wort, das sich rückhaltlos einer so
verderblichen Strömung entgegenwirft, lege, kann man
sich doch nicht verhehlen, daß seine Wirkung, ohne
von künstlerischen Thaten begleitet und unterstützt zu sein,
schließlich spurlos verhallt. Auf künstlerische Thaten, welche
die beste Abwehr bieten würden, ist wol kaum in der dürren
Gegenwart ernsthaft zu rechnen — es wird auf lange hin
kein Messias auftauchen, der die argen Geister mit der Macht
seines Armes hinwegzufegen vermöchte. Von woher soll uns
aber die Rettung kommen? Irre ich nicht, so sprach ich mich
über diesen Punkt bereits flüchtig gegen Sie aus: Kann der
alte Sebastian Bach auch nicht in dem Maße, als meine Zu
um sie dafür um so freier zu machen. Und das kann Jeder
durch ihn an sich erleben — schon darum muß er der
Menschheit näher gebracht werden!“ — Seinen über Alles
geliebten
näher zu bringen“, erachtete Robert
aufgabe. Diese That sind seine Bearbeitungen
Kirchenmusiken. Sie haben von Seite der strengen Bachianer
Anfechtung erfahren, aber auch die dankbare Zustimmung
des Publicums in
Durch die
gewonnen, der, zurückfröstelnd vor dem starren Gerippe der
Original-Partitur, nicht „mit dem Gemüth“ an den Meister
heranzutreten vermochte.
Ganz überrascht war ich eines Tags von einem unge
wöhnlich dicken Brief, einer förmlichen Abhandlung, von
seiner
meinem Antwortschreiben, daß ein so werthvolles literarisches
Document Eigenthum eines Einzelnen bleiben sollte, und
wünschte,
allenfalls erweitert, der Oeffentlichkeit übergeben. Ein volles
Jahr konnte sich
er mich, ihm den Brief doch zurückzustellen. „Lange habe
ich geschwankt,“ schrieb er mir im April
ich es mit meinem geringen schriftstellerischen Talente
wol wagen dürfe, einen sehr wahrscheinlichen Streit
anzuzetteln — die Wichtigkeit des Gegenstandes besiegte aber
endlich meine Bedenklichkeiten, und ich bin jetzt unter ge
wissen Bedingungen bereit, die Hand ins Feuer zu stecken...
Gar zu arge Blößen (stylistische) darf ich mir nicht geben;
Herr
auf Außendinge, mittelst deren er die Aufmerksamkeit von
der Hauptsache weg und Nebensächlichem zuzuwenden ver
steht.“ ...
Brief
Im November
torium
Robert
Eindruck. „Ihr Referat“, schreibt mir
allergrößte Freude bereitet. Nach
Jahren mein Protest gegen die orthodoxen Historiker ab,
und von
vollkommen im Rechte war! Jene Clique hat mir im Ver
laufe dieser zwölf Jahre das Leben sauer genug gemacht —
ist es ihr doch sogar durch ein verwerfendes Votum ge
lungen, daß mir eine Unterstützung aus Staatsmitteln, die
mir für die Bearbeitung
werke ausgeworfen war, wieder entzogen wurde. Ueber
die warme Aufnahme des
wird man sich in
wie meinetwegen entsetzen. Da ich meine
geringen Kräfte als im Dienste der beiden Großmeister
leicht ohne Anmaßung ein Bruchtheilchen des Erfolges
in Ihrer schönen Stadt für mich in Anspruch nehmen.
Im Jahre Wien und weiß
diesen Brief mit Bleistift schreibe, denn „zur Taubheit hat
sich bei mir leider noch eine Nervenlähmung des rechten
Armes gesellt.“ Man sieht, daß das Leben des hochbegabten,
dabei unermüdlich thätigen und anspruchslosen Mannes kein
beneidenswerthes war. Im Jahre
der
Sammlung für Robert
legenheit schrieb mir Robert
nicht in Abrede stellen, gegenwärtig in einer Lage zu sein,
die mich zwingen wird, früher oder später den Beistand
Anderer ansprechen zu müssen. In Folge meines Ohrenleidens
sind mir fast alle Erwerbsquellen versiegt, und ich gehe einer
recht sorgenvollen Zukunft entgegen, wenn man mich nicht
einigermaßen über Wasser hält. Nun bekomme ich zwar aus
Staatsmitteln bereits eine kleine Gratification; die reicht
jedoch nicht aus, um auf die Länge meine Bedürfnisse —
obschon sie bescheiden genug sind — zu decken. Aus diesem
Grunde scheint man in einflußreichen Kreisen Gutes mit
mir im Sinne zu haben. So weit ich davon in Kenntniß
bin, handelt es sich aber zunächst um eine Hilfe private
ster Art — ich würde mich sehr entschieden dagegen er
Wir haben die tröstliche Gewißheit, daß Robert
die letzten 20 Jahre seines Lebens, jeder materiellen Sorge
entrückt, in ruhigem Behagen verbracht hat. Ganz seinem
Wünsche entsprechend, hatte ein engerer Freundeskreis die
Ehrengabe an den Meister ohne öffentliche Aufforderung und
mit dem schönsten Erfolge betrieben. An der Spitze der
Unterzeichner stand Liszt, dessen großherziges Gemüth sich