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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Wer kennt heute noch
sammlung „
wer sie in einer ziemlich weit zurückliegenden Jugend gelesen
hat. Die heutige Jugend steht in rathloser Verwunderung
vor der halb schaurigen, halb humoristischen Romantik
mann
Welches Wagniß für einen modernen Componisten, sich von
dorther einen Opernstoff zu holen!
brüder
durch seine Einfälle die Weisesten in Verwirrung bringt —
unterhalten sich, wie die Freunde in
mit Gesprächen über Kunst und mit romantischen Erzäh
lungen. Eine davon heißt „ Signor Formica“. Das
das Mädchen verliebt, den jungen Maler von der Schwelle
jagt. Nach allerlei listigen und lustigen Streichen, welche der
nie verlegene
er mit
beim Herausgehen aus dem Theater entführen. An diesem
Punkt der Erzählung setzt die Oper ein. Die Personen der
Erzählung kommen auf die Bühne wie aus der Pistole ge
schossen; wir wissen nichts von ihrer Vorgeschichte, ihren
Beziehungen, ihrem Charakter. Für das Publicum der Oper
sind
unverständliche Caricaturen ohne Witz und Humor. Die
versuchte Entführung mißlingt, und nach einer allgemeinen
Prügelei leert sich die Bühne, merkwürdigerweise ohne den
schließt, ohne daß Jemand, der nicht zuvor aufmerksam die
Novelle gelesen, aus der Handlung klug wird. Ebenso unklar
ist uns die Ursache und der Ausgang des Streit-
und Schimpf-Duos zwischen
welches den zweiten Act einleitet. Es wird durch die
Meldung des Bedienten abgekürzt, daß ein
sprechen will. Anstatt ihn eintreten zu lassen, eilen die beiden
Wauwaus die Treppe hinab, damit
eine lange Arie zu singen. Genau nachdem sie ausgesungen,
kommen die
auf. Dieser bringt die Nachricht, daß für heute Abends ein
neuer Entführungsversuch geplant sei; er empfiehlt aber
trotzdem den Besuch der Comödie, indem er mit seinen
Polizeisoldaten die Entführer auf frischer That ertappen und
festnehmen will. Zuvor wird noch der alte Witz aufgewärmt,
daß das Fräulein und die Zofe ihre Kleider tauschen müssen.
Die nächste Scene versetzt uns in das Innere des beschei
denen Teatro
Bühne. Auf dieser wird zuerst eine kurze Pantomime gespielt,
dann eine komische Scene, in welcher der beliebte
in der porträtähnlichen Maske des
durch boshafte Sticheleien so lange reizt, bis Schimpfworte
hin und wider fliegen und die Vorstellung abermals mit einer
großen
hat
denn auch glücklich gelingt. Der dritte Act versetzt uns nach
zur Vermälung zu schreiten, sich in einem zärtlichen Duo
ergeht. Aber
gräßlichen Dr.
Er weist ein päpstliches Decret vor, welches die Ehe
Dispens ertheilt zur Heirat mit seiner Nichte. Wie löst nun
unser Textdichter diesen harten Knoten? Er setzt einen eigenen
Einfall an die Stelle der
Erfindung, so albern, daß man sich kaum traut, sie nach
zuerzählen. Der allgegenwärtige Salvator
scheint nämlich in der Maske eines fürcherlichen ur
alten Zauberers. In den Festsaal eintretend, zieht
er mit seinem Stabe Beschwörungskreise um sich, was
richtige Zauberer doch nur thun, wenn sie im Dienste sind.
Zu zaubern hat er gar nichts, sondern blos vorzugeben, er
sei
der
ersten Acten so oft und immer zur Unzeit von dem ver
schollenen Bruder gesprochen wird, der uns gar nicht inter
essirt! Der angebliche
vormundschaftlichen Rechte auf
und — sie zu heiraten. Das ist Herrn
viel; er zerreißt das päpstliche Decret und gibt
frei. Nun wird gewiß
im ganzen Parquet — seine Maske abnehmen und mit
einem heiteren Schlußgesang die allgemeine Versöhnung
feiern. Aber nein — das Unglaubliche geschieht!
bleibt Zauberer, er nickt bedeutsam mit seinem krummen
Eulenschnabel und winkt nach dem Hintergrund. Die Wand
öffnet sich. Das verdutzte Publicum schaut in ein riesiges
astrologisches Observatorium mit Planeten, Sternen und
kleinen Genien, welche goldene Vogelhäuser oder so etwas
dergleichen in Händen halten. Der ehrwürdige Uhu aber singt
unter Harfenbegleitung ein langes, immens langweiliges und
feierliches Andante, eine Art Beschwörung: „Wandelsterne,
ihr Planeten des verborgenen Propheten, Kunde gebt vom
Wandelbaren, das Verborg’ne laßt erfahren!“ u. s. w. Man
traut seinen Augen, seinen Ohren kaum. Nachdem er sich
dergestalt sattsam ausgeschwelgt in Harfen-Arpeggien und hoher
Baritonlage, wirft er endlich die Verkleidung ab. „Große
Bewegung“ heißt es in der Partitur. Große Bewegung auch
im Publicum, das, niedergeschmettert von dem Humor,
bestürzt dem Ausgange zueilt.
Um so hölzerne Figuren, so altmodische Spässe zu be
leben, dazu bedürfte es einer genialen Musik, die den Hörer
vor Lachen und vor Entzücken gar nicht zur Besinnung
kommen läßt — einer Musik à la „
An diesen muß man ja unwillkürlich denken:
der
sein
Namen gewechselt. Eine schärfere Charakteristik bleibt uns
der Textdichter schuldig; der Componist aber hat nicht viel
gethan, dem Mangel abzuhelfen. Man kann an keiner dieser
Personen warmen Antheil oder lebhafteres Interesse nehmen.
Am besten hat sich Herr
abgefunden, dem er einige gefällig sentimentale Melodien oder
Melodien-Fragmente in den Mund legt.
wie musikalisch unbedeutend, tritt keineswegs in den Vorder
grund, wie man doch von dem Haupt- und Titelhelden erwartet.
Durch die ganze
heimnißvolle Reiz, daß bis zum Schluß Niemand, selbst
Salvator
aus dem Theater tretend, gleich anfangs dem
„heute schon zwanzig Masken wol getragen“, und weiterhin
verrathen zahlreiche Flüsterworte und a parte, daß das
Liebespaar und sein dienstfertiger Anhang um das Geheimniß
wissen. Caricaturen wie
komisch, sondern nur abgeschmackt; Letzterer insbesondere, ein
F. Sarcey braucht in seinen
Musikalisch erscheint
Compromiß zwischen dem
und der neben einander gestellt, als mit einander verschmolzen.
über einer selbstständig fortspinnenden Orchester-Begleitung
bewegen sich die Singstimmen in jenem Parlandostyl, der
vorherrschend aus Satzgliedern besteht und diese nur selten zu
längeren Perioden zusammenschließt. Natürlich finden wir
auch die wunderliche Declamation der „
„
tonlosen Endsylben in die Quart, Quint, sogar in die
Sext. (Gleich im ersten Act: vertreiben, auf alle Fälle,
krank sich stellen u. s. w.) Durch diesen Parlandostyl
macht
sprochene Prosa entbehrlich. Es ist somit schwer begreiflich,
warum sprechen
läßt. Wird in einer Oper der gesprochenen Prosa ein so
breites Feld eingeräumt, dann erwartet man daneben nicht
wieder declamirte, sondern musikalisch geformte Gesangstücke
wie bei
— zuweilen auch gegen den Sinn — verstoßen bei
die häufigen Wortwiederholungen. „Kein Wörtchen mehr!“
flüstern im zweiten Act die beiden Mädchen einander zu,
wiederholen das aber unzähligemal. Der
„
in Form und Ton völlig auf die alte komische Oper zurück
greifen. Dahin gehören die Chöre,
kein Ding so hoch“, das Buffo-Quartett und das Frauen-Duett
im zweiten Act, die (bei der Aufführung wegbleibende) Ballade
von
Heiterkeit dieser Nummern schien das Publicum sich zu er
holen, trotz ihres Beigeschmacks von Trivialität. Uebersichtlich
geformte Stücke von
sie jedenfalls besser dem Geist der komischen Oper als
die andere größere Hälfte der
es vor lauter Anstückeln und Abreißen des melodischen
Fadens, vor lauter Tifteln und Künsteln in der Begleitung
zu keiner Wirkung bringt. Sogar die gesangvollste Melodie
in der ganzen Oper, die des Liebesduetts, wird von den
Singstimmen in lauter Fragmente zerbröckelt; sie macht
darum in der Ouvertüre — also nicht gesungen, sondern
gespielt — eine größere Wirkung als in dem Duett selbst!
In ähnlicher Weise wird manche kaum aufgebrochene hübsche
Melodienblüthe geknickt, von dem Aschenregen des „geist
reichen“ Orchesters bedeckt und — wir können dem Wort
spiel nicht entgehen — verschüttet. Entschiedenes Lob verdient
die discrete, oft sehr zarte Orchesterbegleitung der Gesang
stücke und die stimmgemäße, sangbare Führung der Sing
stimmen.
Haltung und greift weder zu den äußersten Schrei-Effecten
noch zu dem Orchestergetöse der Großen Oper.
Recapituliren wir den Verlauf der Première. Im ersten
Act wurde der lyrische Monolog
schien Unlust über die Unverständlichkeit der Handlung zu
überwiegen. Eine wirklich heitere Stimmung im Publicum
machte sich zum erstenmal bei dem komischen Männerquartett
im zweiten Act bemerkbar — dann nicht wieder. Von der
Comödie im Teatro
Oper, hätten wir uns größere Wirkung versprochen. Das
Theater im Theater ist ein oft dagewesener Spaß, der aber
noch immer seine Schuldigkeit thut. Der Composition fehlt
es jedoch an packenden Motiven und fortreißendem Humor. Auch
ist es Herrn
Pantomime in volksthümlich
wie dies mit besserer Einsicht Leoncavallo in der ganz
Das anmuthige, wenngleich nicht starke Talent des Com
ponisten, das an mehr als Einer Stelle das musikalische
Stylgemenge durchbricht, läßt uns hoffen, daß er mit Hilfe
besserer Textbücher eines Tages noch gute Opern schreiben
werde. Trotz der ausgezeichneten Leistungen von Frau
Forster, den Herren