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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Nicht um Musik zu hören, sondern um sie
abzuschütteln, entfloh ich für einige Zeit von
hand Melodien aus den letzten Opern und Concerten flat
terten mir wie lästige Möven ums Haupt und unserem
Schiffe nach. Ich sehnte mich vorläufig nach keinen neuen.
Aber Eines wollt’ ich doch nicht versäumen: den alten
noch einmal zu sehen und seinen „
neueste Oper des Achtzigjährigen ist ein Stück Musikgeschichte
und ihre Première in
hatte
gesättigt, scheute er neue Ovationen und den Empfang bei
Hofe. Selbst nach seiner Ernennung zum Senator unterließ
er es, sich persönlich beim
hat ihn die erste Aufführung seines „
Nation, eine Herzensangelegenheit des ganzen Volkes!
Von diesem Enthusiasmus beim Erscheinen
der Bühne macht man sich in
Vorstellung. Und noch stürmischer erbrauste der Jubel, als
desselben Platz nahm. Einen hochbejahrten, hochberühmten
Künstler also gefeiert zu sehen, hat etwas unendlich Er
hebendes und Rührendes, auch für den Fremden. Mit der
fortreißenden Gewalt dieser Stimmung verband sich die Be
geisterung sämmtlicher Künstler. Eine berauschendere Wirkung
wird man wol niemals vom „
15. April in dem großen prächtigen Teatro Costanza. Da
ich auf dieses Erlebniß durchaus nicht vorbereitet war, ver
mag ich nur den unmittelbaren individuellen Eindruck zu
schildern, welchen die Oper auf mich gemacht hat. Die bevor
stehende
Ausführung und Berichtigung meines Urtheils gestatten.
Unter den berühmten Componisten Bellini und
Als ich am Tage der
Aehnliches zu
sein Lieblingswunsch gewesen, eine komische Oper zu schreiben.
„Und warum haben Sie es nicht gethan?“ — „Weil man
nichts davon wissen wollte (parceque l’on n’en voulait pas).“
Den „
haltung componirt. Daß er bereits einen „
gonnen habe, stellt er in Abrede. „Ich bin nicht zwanzig
Jahre alt,“ meinte er mit einem mehr schalkhaften als
schmerzlichen Lächeln, „sondern viermal zwanzig!“ Die
schlichte Herzlichkeit, mit welcher
unnahbar für jeden Fremden — mich empfing und begrüßte,
hat mich, der ich manche Jugendsünde gegen ihn auf dem
Gewissen habe, tief bewegt. Es leuchtet etwas unendlich
Mildes, Bescheidenes und in der Bescheidenheit Vornehmes
aus dem Wesen dieses Mannes, den der Ruhm nicht eitel,
die Würde nicht hochfahrend, das Alter nicht launisch gemacht
hat. Tief gefurcht ist sein Gesicht, das schwarze Auge tief
liegend, der Bart weiß — dennoch läßt die aufrechte Haltung
und die wohltönende Stimme ihn nicht so alt erscheinen.
Eine Anspielung auf
und die Melodie müßten doch immer die Hauptsache bleiben.“
In jenem absoluten Sinn der früheren
sind sie es im „
zu der zweiten Periode
Nirgends wird im „
unterdrückt oder überfluthet, nirgends das Gedächtniß durch
Leitmotive gegängelt, die Empfindung von klügelnder Re
flexion durchkältet. Hingegen hat die Musik zu „
mehr den Charakter einer belebten Conversation und Decla
mation, als den einer ausgeprägten, durch selbstständige
Schönheit wirkenden Melodik. Daß er Musik von letzterer
Art auch mit fließendem Lustspielton vortrefflich zu verschmelzen
verstand, beweist der zweite Act seines „
Damit verglichen kann man — in weiterem Sinn und libe
ralster Auslegung — von
staff
reiche Componisten, welche langjährige Erfahrung und
Technik, aber nicht mehr die reiche blüthentreibende
Phantasie der Jugend besitzen. Die ganze Anlage des
„
mit ihrer dem recitirenden Schauspiel fast gleichkommen
den Ausführlichkeit der Diction hat eine neue, verschie
dene Methode des Componirens zu Folge. Ehedem definirte
man das Gedicht als „die Zeichnung, welche der Componist
zu coloriren habe“. Das paßt nun und nimmermehr auf
die Musik der früheren Opern. Die Melodien
bloße Coloriren einer fertigen Zeichnung; sie sind ein Neues,
Selbstständiges, das von dem Text zwar die Richtung, die
Stimmung empfängt, aber sich seine Zeichnung selbst schafft.
Man könnte eher sagen, die älteren Gesangstexte liefern
dem Componisten nur größere oder kleinere Rahmen mit
einer Aufschrift: Liebe, Zorn, Frohsinn — in diesen Rah
men schuf der Componist als musikalischer Selbstherrscher
Zeichnung und Farbe zugleich. Der Text zu den Arien
6 bis 8 Verszeilen allgemeinen Inhalts; damit konnte der
Componist frei schalten. Man vergleiche damit das Libretto
zu „
wörtliche Uebersetzung aus
mit noch weiter detaillirenden Zusätzen. Da kann der Com
ponist musikalisch Neues, Selbstständiges nicht schaffen; er
kann nur Wort für Wort nachfolgen und diese bis ins
Kleinste vom Dichter ausgeführte Zeichnung „coloriren“.
Der große Erfolg dieses Monologs ist eigentlich das Ver
dienst
hinzuzuthun, und ich kann nicht sagen, daß die Wirkung
im Burgtheater, ohne Musik, eine geringere sei. Aehn
liches gilt von dem langen Monolog des eifersüch
tigen Mr.
lustspielmäßig ausgeführte Dialoge sind. So paßt merk
würdigerweise die alte Lehre von „Zeichnung und Colorit“
erst auf eine viel spätere, nämlich die heutige Compositions
weise. Nur wenige Stücke im „
für abgerundet musikalische Form gedichtet: das Vocal-
Quartett der Frauen am Schlusse des ersten Actes, die
kleine Cavatine
Frauenchor) und der fugirte Schlußgesang im dritten Acte.
Alle diese geformten Musikstücke machen gute Wirkung, als
Ruhepunkte zwischen den dialogisch fortfluthenden Conver
sations-Scenen; sie erfreuen durch Wohlklang und übersicht
liche Form, entbehren auch nicht einer gewissen Wärme.
Eine besondere Kraft und Originalität der melodischen
Erfindung vermochte ich daran nicht wahrzunehmen,
höchstens daß die kleine Cantilene
an den sinnlichen Reiz des früheren
Der Gesammteindruck, den ich von dem Werke empfing, ist
der einer sorgfältig ausgearbeiteten, feinen und lebhaften Con
versations-Musik, welche nirgends roh oder weichlich wird,
weder in possenhafte Trivialität noch in ungehöriges Pathos
überschlägt. Die Charakteristik
Kraft, die der übrigen Personen nicht hervorstechend. Das
Ganze berührt uns wie die fließende Unterhaltung eines
geistreichen Weltmannes, der nicht den Anspruch erhebt,
neue Wahrheiten oder tiefe Gedanken auszutheilen. Also
mehr Causerie als starke musikalische Schöpfung.
„
gestoßen, aber auch nur höchst selten durch musikalische
Schönheiten entzückt. Wenn unser geehrter College, Robert
de Fiori, in seinem
Triumphlied des Alters, ein fast übermüthiges Spottlied
auf das „Senectus ipse morbus“ nennt, so muß man ihm
vollständig beipflichten. Die Musikgeschichte kennt kein Bei
spiel von einer solchen Bühnenschöpfung eines Achtzigjähri
gen. Wir haben in
Meister gehabt, die in hohem Alter noch gute Kirchen
musik schufen; keine Nation darf sich aber eines
Componisten rühmen, der im Alter
dramatische Lebendigkeit, die anmuthige Laune, die sichere
Führung besessen hätte, welche die Partitur des „
weist. Richard
kanerin
man aufhören, Opern zu schreiben — ein Ausspruch, den
er freilich selbst widerlegt hat. Hat man vor sechs Jahren
den „
begrüßt, so ist „
nicht farblosere Blüthe eines seit sechzig Jahren unablässig
producirenden Talents, ein halbes Wunder.
Die Wiener haben alle Ursache, sich auf die „
Aufführungen der
Das Ensemble ist ganz vorzüglich, Alles ebenso genau und
fein studirt wie lebendig ausgeführt. Ein Künstler allerersten
Ranges ist der Darsteller des Maurel, be
„
einen Oper steigerte und concentrirte sich die ganze
Kraft seines Talents so bedeutend, sowol nach der
dramatischen, wie nach der rein musikalischen Seite
hin, daß nur die blanke Ungerechtigkeit sie geringschätzen
könnte. Gegenüber der moderneren, einheitlicheren Form der
Nicolai’sche jedenfalls mehr