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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die „
ist, bereits eine recht zahlreiche Nachkommenschaft. Der colossale
Erfolg dieser Oper, welche in den knappen Rahmen eines
Aufzuges eine erschütternde ländliche Tragödie zusammen
preßt, hat auf die jungen Componisten wie ein Allarmschuß
gewirkt. Opern mit gewaltigen Leidenschaften und blutigem
Ausgang mußten ehedem stolze Könige und Helden ins
Treffen führen und, den großen Ereignissen entsprechend,
einen großen Raum von 4 bis 5 Acten ausfüllen. Nun
sehen wir plötzlich die tragische Oper zu Einem Acte ein
geschrumpft und vom Hoflager oder der Ritterburg ins Dorf
herabgestiegen. „
— ich nenne nur die in
und Musik Abkömmlinge der „
des
größten Theil Rache, Eifersucht, Mord, Selbstmord und
Doppelmord — Alles in Einem Act. Die einactige Oper
war in
bestrittener Besitz des Humors, der heiteren oder ausgelassenen
Laune. Die neueste Mode verlangt das Gegentheil. Es
scheint fast, daß Niemand mehr den natürlichen Frohsinn,
das leichtblütige Temperament besitzt für eine komische Oper.
Denn von unseren neuesten Operetten, deren angebliche
Komik zumeist in Witzkrämpfen mit schmetternder Orchester-
Begleitung besteht, kann doch hier nicht die Rede sein. Auch
die jüngste kleine Opern-Novität, die wir soeben kennen ge
lernt, gehört zu den Dorftrauerspielen in Taschenformat.
scheinlich eine Art Cavalier unter der barfüßigen Strand
bevölkerung von
Kind, das sie ihm vor vier Jahren geboren. Warum? Weil
er — so antwortet uns der Dichter — schon als kleiner
Junge mit einer gewissen
richtiger, weil er ein Lump ist. Denn er liebt
vielmehr behandelt er sie mit der schnödesten Gleichgiltigkeit,
wie es diese gar nicht liebenswürdige Person auch vollkom
men verdient. Wir möchten auch fragen, weßhalb
wie er im ersten Act selbst gesteht, von unaufhörlicher Eifer
sucht gequält werde, ohne daß
leisesten Anlaß gibt? Darauf erhalten wir gar keine Ant
wort. In der verstoßenen
noch eine gefährliche Rivalin und trachtet, sie zu verderben.
Mit Hilfe eines schuftigen
zu bewerkstelligen. Sie reizt und verhöhnt
bis Beide hart an einander gerathen.
roher Faust
Löwin springt die empörte Mutter auf und sticht mit einem
Messer nach ihrer Verfolgerin. Der Stoß geht fehl, aber
der mit seinen Häschern lauernde Spion
sich
wache. Dort nehmen
wirken ihre Freilassung.
absichtlich barschen Benehmen sein warmes Interesse für
Nachstellungen der Polizei zu entziehen.
Er überhäuft
That, fühlt aber die alte Leidenschaft immer mächtiger er
wachen; er verspricht wieder Lieb’ und Treue, und
leistet ihm hochbeglückt den gleichen Schwur. Mit ihrem
Liebesduett schließt der erste Act. Der zweite spielt ein Jahr
später.
zärtliche Freundin seiner
Wirthschafterin bewährt. Der rüstige Witwer liebäugelt mit
dem Gedanken,
ihm unbekannt geblieben, zur Frau zu nehmen. Nach ein
jähriger Abwesenheit heimkehrend, stößt
Verlobung seines Vaters mit
Sohne befragt, gesteht
meint auf die Zustimmung seiner Erwählten rechnen zu
dürfen.
Empörung überhäuft
Vorwürfen ob ihrer Treulosigkeit. Auf ihre immer flehent
licher wiederholte Betheuerung „Es ist nicht wahr!“ ant
wortet er unbeugsam, er werde ihr niemals, niemals glauben.
Da eilt
trägt die Verscheidende auf seinen Armen ans Ufer. Mit
den Worten „Es ist nicht wahr!“ stirbt sie.
Die Verwandtschaft dieses Librettos mit der „
ist augenscheinlich. Wie
zwischen zwei ihn begehrenden Frauen; er ist, wie sein Vor
bild, ein Verführer von sehr beschränktem Verstand und
weitem Gewissen. In
lassenen Geliebten, haben wir eine zweite
sella
riddu
das ganze Interesse des Zuschauers. Alle Uebrigen sind
Nebenpersonen.
Dämon im Stücke, nur mit einem andern Resultat: in der
„
die
die Handlung ein, sondern dient blos zu nationaler Charak
teristik, als ethnographische Staffage der Landschaft. Die
Handlung, welche, an rein menschliche Gefühle appellirend,
die Sympathie des Zuschauers erregt, ist einheitlich aufge
baut, ohne heftige Sprünge und doch wechselvoll ausgeführt. Nur
die Vorgeschichte und manche wichtige Voraussetzung erfor
derten eine deutlichere, minder flüchtige Betonung. Vieles
bleibt im Vorüberfluß des Gesanges unverstanden, was im
recitirten Schauspiel mit wenigen nachdrücklichen Worten
vollständig aufgeklärt wird. Von den sämmtlich recht gut
charakterisirten Personen hat eine, nämlich
einen humoristischen Anflug, der leider in der Musik so gut
wie unverwerthet bleibt. In den Händen eines geistreichen
Componisten konnte der gutmüthige Polterer und verliebte
Alte eine sehr wirksame Figur werden.
Der Composition des Signor Tasca läßt sich einiges
bedeutenden Melodien werden, daß alle Geigen sie unisono
mitspielen. Wie alle Jung-Italiener legt
Gewicht seiner Erfindung auf eminent dramatischen Aus
druck, auf die farbige Illustration der Handlung. Wo diese
vorwärtsdrängt, wird der Gesang fast zum Recitativ mit rasch
verschwindenden melodischen Ruhepunkten. Man kann Herrn
tische Wahrheit zu Gunsten einer reizvollen Melodie opfere
— wozu freilich gerade er nicht viel Selbstverleugnung nöthig hat.
Es ist
zu thun, und diese weiß er, wohlvertraut mit dem orche
stralen Farbenkasten
So zum Beispiel am Ende des Liebesduetts zwischen
sella
getheilten Violinen ein verklärendes Licht breiten, worauf
nach einigen heftigen Schlägen der Act pianissimo ausklingt.
der „
hang gesungenes Ständchen unterbrochen wird, so muß auch
in
eine hinter der Scene von Mandolinen gezirpte Serenade
hören zu lassen. An einem Gebet der Landleute mit Orgel
begleitung aus der Kirche fehlt es auch nicht. So geschickt
Ausmalen verwendet — auch diese Kunst scheint be
reits seit
den — so schwach zeigt er sich als selbstständiger Melodien
schöpfer. Gleich das fröhliche Marktreiben in der ersten
Scene, mit der gesungenen und getanzten Tarantella: wie
ungleich lebensvoller und musikalisch reicher hat das schon
vor fünfzig ihren
geschildert —
lied wie in „
reizlos; und doch legt der Componist ihm eine besondere
Wichtigkeit bei, da er es schon in der Ouvertüre und dann
in der Sterbescene der
Cantilenen
vecchio“ und die übertrieben pathetische „E sua madre“ in
Des-dur — behelfen sich mit völlig verbrauchtem Material.
Das hübscheste Motiv der ganzen Oper erklingt im zweiten
Act in der Scene
regola“.
So bescheiden auch die musikalische Bedeutung von
Danke verpflichtet. Denn sie hat eine der genialsten
dramatischen Schöpfungen veranlaßt: die Bellincioni. Sie reiht sich nicht blos ebenbürtig an
tanzen, zu singen, der Nebenbuhlerin zum Trotze, Ganz un
vergleichlich spielt und singt Gemma
Doch das Unheil meldet sich nur zu schnell.
getäuscht wähnend, stößt sie von sich, beschimpft sie. Hier
rührt uns die
welche einer flehentlich Bittenden, ungerecht Verklagten zu
Gebote stehen. Außerordentlich ist ihr Spiel, ihr Blick, ihr
Ton in der kurzen Sterbescene. Nur den grellrothen Blut
fleck auf ihrer Stirn hätte ich weggewünscht. Leiden und
Sterben, alle Trauer und Vernichtung können wir auf der
Bühne mitfühlend ansehen, aber das physisch Gräßliche, die
blutige Wunde, stößt uns peinlich ab. In der Probe, wo
die
machte mir ihr Sterben einen reineren, tieferen Eindruck.
Und die Stimme der Sängerin, ist denn davon gar
nichts zu berichten? Ich habe, offen gestanden, wenig darauf
gehört. In einer so hohen dramatischen Schöpfung wie diese hört
der absolut musikalische Wohllaut beinahe auf, etwas Wichtiges
zu sein. Schönheit kann man dem Organ der
eigentlich nicht zusprechen; es gleicht jenen Gesichtern, in
deren markirten Zügen vorzugsweise der Geist anzieht und
fesselt. Die hohen Töne der
voller Gewalt; wir hörten sie wiederholt das zweigestrichene
A und B kräftig anschlagen und lange aushalten. Im
Medium verräth der mattere, auch häufig tremolirende Klang
die Nachwirkung großer Anstrengungen. Aber gleichviel —
eine Stimme, die so ungemein modulationsfähig und vom
Ausdruck durchgeistigt ist, wird noch lange im Stande sein,
Großes zu leisten. In
einen ihrer größten Triumphe gefeiert.
Signor Stagno gab den