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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Mit großer Spannung und ein klein wenig
Mißtrauen drängte sich das Publicum zu der jüngsten
Aufführung von „
als
Natur und dem tragischen Schicksal der
sella
Geburtstags-Gratulantin mit Knix und Blumenstrauß ein
führt, beim Kirschenpflücken ihr Herz entdeckt und schließlich
aus einem leichten Mißverstehen als glückliche Braut hervor
geht. Wird unsere heißblütige Italienerin sich wirklich in
diese kleinbürgerliche Idylle einleben, nicht blos hinein
zwingen? Daß geniale Darsteller solche und noch viel schärfere
Contraste mit gleichem Erfolge bewältigt und heute in tragi
schen, morgen in heiteren, sogar possenhaften Rollen geglänzt
haben, wissen wir aus der Geschichte der
Künstlerinnen wiederholt sich dieses Phänomen viel seltener,
wie das ja ihrer einheitlicheren, begrenzteren Natur und
ihrem von der äußeren Erscheinung stärker abhängigen Talent
entspricht. Die äußere Erscheinung — da liegt der einzige
Punkt, an welchem eine Art von Mißtrauen gegen unsere
sönlichkeit — aber nur diese — reagirt gegen das Bild,
das wir uns von der
Mädchen, unerfahren, rothwangig und kerngesund. Dagegen
die lange, hagere Gestalt der
glühenden Augen, diese scharfgemeißelten, bedeutenden Ge
sichtszüge — eine Wahlstatt von Gedanken und Schicksalen!
Damit sind aber auch alle Bedenken erschöpft, welche bei
dem ersten Auftreten
Haben wir uns mit dieser Aeußerlichkeit befreundet oder
wenigstens abgefunden, so lohnt uns sofort der Genuß einer
vollendeten Kunstleistung. So wie die
singt und spielt, wir könnten nicht das Geringste anders
wünschen und haben es niemals besser gesehen. Sie hat ihre
Aufgabe nirgends zu hoch gegriffen, nirgends zu stark ange
faßt; kein Accent, keine Bewegung verrieth die eminente
Tragödin. Ihr Blut und ihr Talent triumphiren im
Sturm der Leidenschaften, aber ihrem Kunstverstand
fehlt nicht die Empfindlichkeit der feinen Wage.
Davon hat jede Scene uns überzeugt.
heit im ersten, ihre aufblühende Neigung zu
Act, im dritten endlich der Wechsel von Schmerz und un
verhoffter Freude — es war Alles echt, natürlich und von
seelischer Anmuth durchhaucht. Ja, manche Stelle, die durch
ihre hohe Stimmlage und declamatorische Uebertreibung
leicht zu falschem Pathos verleitet — wie die
zählung am Brunnen — sang die
maßvoller, als unsere
Abreise sinkt sie nicht gleich vernichtet zusammen; ihre Ent
täuschung äußert sich, sehr richtig, anfangs als bitterer Verdruß.
Sie zerpflückt hastig den für
erst allmälig löst sich ihr Mißbehagen in Trauer und
Thränen auf. Kurz: eine große Kunstleistung und ein großer
Erfolg. Ein Erfolg, der, wie mir scheint, nicht allein die
Sängerin, sondern auch das Publicum ehrt. Denn dieses
hat, ein wenig voreingenommen, doch sofort die echte Künstler
schaft der
recht undankbaren
tuzza
durch Schuld des Componisten. Ich will die rein persönliche
Empfindung nicht verhehlen, daß
Wiederholung weniger Eindruck machen, um nicht zu sagen, einen
unangenehmeren. Nach längerer Pause, wie sie ja so förder
lich ist zur Richtigstellung unseres Urtheils, habe ich gelegent
lich des
„
musikalischen Erfindung fast peinlich empfunden. In der
„
verdeckt, und der Contrast dieser Massengewalt hebt wiederum
das nur durch flachen Wohlklang wirkende, unverdient be
rühmte Intermezzo. „
fortreißende Gewalt der „
theil auch die Rohheit derselben. Das musikalische Flickwerk
im „
springt jedesmal deutlicher in die Augen. Der zweite Act
enthält geistreiche Einfälle, Partien von feinem Lustspiel
glanz. Aber rechts und links davon? Ein erster Act, der
einfach Null ist, und ein dritter, welcher mit aller An
strengung es nicht über das Banale hinausbringt; beide unver
blümt langweilig. Das Geschäft, uns über diese musikalische
Armuth zu täuschen, müssen die harmonischen Nadelstiche
besorgen, womit
ausstattet. Sie thun, was nur in ihrer Macht steht, uns
das Gehör zu ruiniren. Die einfachen Grundgesetze der
Harmonie sind in der Natur begründet, nicht willkürlich,
und ebenso unverletzlich wie in der Sprache die Gesetze der
Declination und Conjugation. Wenn Wilhelm
schlichten Anfang seines Monologs „pikant“ zu machen,
spräche: „Durch dieser hohler Gasse muß er gekommen“, so
würde man ihn schwerlich weiter anhören. In der Musik
aber läßt man sich alles Mögliche gefallen, so lange gefallen,
bis man selber nicht mehr wissen wird, ob im Molldreiklang
die große oder die kleine Terz und ob als Leitton ein ganzer
oder ein halber Ton richtig ist.
Wir haben das Künstlerpaar
einmal gehört: im großen Musikvereinssaal. Concerte, von
Opernsängern veranstaltet, gewähren selten eine reine Be
friedigung; sie bringen Allerlei, Vielerlei und doch selten
etwas Rechtes. Auch das Programm der
in allen Farben und mehrte noch die Besorgniß, es würde
diese geniale dramatische Sängerin, abgetrennt von den
scenischen Hilfsmitteln, hinter ihren Opernleistungen empfind
lich zurückbleiben. Für dieses Mißtrauen hat sie uns mit
der schönsten Ueberraschung bestraft. Wie der Troubadour
Bertrand de
zeit nur der Hälfte seines Geistes zu bedürfen, so hat die
lich der rein gesanglichen, ihr Auslangen und ihren Sieg
gefunden. Ja, sie zeigte im Concert eine neue Seite ihres
Talents, welche in den jüngsten
Berücksichtigung findet: Geschmeidigkeit im leicht verzierten
Gesang und fröhliche Munterkeit in scherzhaften Strophen.
Beides wirkte aufs effectvollste zusammen in einer
von Massenet und einem spanischen
Unmittelbar nach
am Burgtheater begeht jetzt das Hofoperntheater ein ähn
liches Fest: den fünfundzwanzigsten Jahrestag des Ein
trittes von Georg Müller. Für einen ersten Tenoristen
Fürwahr, ein seltenes Geschenk der Natur — und doch kein
bloßes Geschenk.
treten: seine musterhafte Lebensführung und weise Schonung
der Stimme. Er hat sich drei böse, gegen das
Tenoristengeschlecht verschworene Dämonen vom Leibe ge
halten: das Rauchen, Trinken und
delbar hielt er stets an dem Grundsatz, daß auch für den
Opernsänger die Kunst des Singens das Erste und
Wichtigste sei; eine alte Wahrheit, die erst heute eine ver
altete gescholten wird. Ihn berauschten nicht die materiellen
Effecte seiner schönen Stimme, jene mühelos hervor
geschmetterten hohen B und C, denen der Applaus folgt „wie
die Thrän’ auf die Zwiebel“. Wir sehen ihn schon in den
ersten Jahren sorgfältig an der Veredlung seiner Gesangs
technik arbeiten, und in diesem Streben ist er nicht still
gestanden. Seit Meister
keinen Rivalen in
geglichene Coloratur verlangen. Als
namhafte Concurrenten. Ich erinnere mich lebhaft seines
ersten Auftretens. Groß, schlank, brünett, im Gegensatz zu
den meist blond und klein gerathenen
erschien
für Heldenrollen. Er hat bis heute ein großes Gebiet des
Heldenfaches erfolgreich behauptet, insbesondere jenes, das
auch dem lyrischen Element Raum gibt. Kein „
seit einem Vierteljahrhundert ihn ausgestochen. Am glück
lichsten schien mir
Charaktere, bei denen auch der leidenschaftliche Affect auf dem
Grunde ernsten, schlichten Gemüthes ruht:
win
Zug von Redlichkeit und Treue, welcher unmittelbar sympa
thisch anspricht und Gestalten, wie die erwähnten, mit über
zeugender Kraft ausstattet. Jeder Schein von eitler Selbst
bespiegelung müßte sie Lügen strafen. An
rollen hat man nie einen Zug von Geckenhaftigkeit oder
Gefallsucht wahrgenommen, wie er beispielsweise die besten
Leistungen
keit kennzeichnen jede einzelne Rolle
Künstlerlaufbahn. Zumeist in den starken Partien des älteren
Repertoires beschäftigt, hat
mit Erfolg neue Rollen geschaffen. Die Wirkung seines vor
trefflichen
lianer
Dem Publicum lieb und werth als Künstler, ist
für das Theater ein unschätzbares Mitglied. Die Direction
hat ihn niemals unzuverlässig, launenhaft, ungefällig ge
sehen, vielmehr stets bereit, sie aus Verlegenheiten zu retten.
Wie oft ist er in den letzten Monaten für heiser gewordene
Collegen plötzlich eingesprungen, auch an zwei Abenden nach
einander in anstrengenden Rollen! In einer der letzten
schwächten Kraft und Ausdauer
an dem unverminderten Beifall seines Publicums, mit wel
chem der Sänger jetzt die silberne Hochzeit feiert. Das
ist das Seltene, herzlich Erfreuende bei
daß es von keiner Sorge, keinem Abschiedsgefühl verbittert
wird. Wie jeder Künstler, dem das Glück langjährigen Wir
kens zutheil geworden, muß jetzt auch
Kräfte an seiner Seite emporstreben sehen, welche mit ihm
den Beifall der Zuhörer theilen. Adolphe Nourrit,