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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Von den
„
der Wien war mir ein widerlicher Nachgeschmack haften ge
blieben. Trotz der unleugbaren Vorzüge der Composition
und der Sänger fühlte ich mich bis heute voreingenommen
gegen das Werk. Was war schuld daran? Nichts Anderes,
als die Barbarei des Da capo. Signor Beltrami tritt
Da capos auf seine doppelte Länge ausgezerrt worden. Der
Musikkritiker — welcher, wie der Schauspieler, doch auch
ein Mensch ist, sozusagen — gelangt somit an den wirklich
sehr hübschen zweiten Act in einem Zustande zorniger Ver
bissenheit. Der Spectakel vom Ausstellungs-Theater wieder
holte sich im Theater an der Wien noch viel ärger. Es war
nicht zu ertragen. So oft ich später das Wort „
hörte, glaubte ich, der dicke
„Signore!“ und alle Glocken und alle Bassisten
Bim Bam! dazu.
Von dieser fatalen Empfindung sehe ich mich durch die
Aufführung im Hofoperntheater endlich befreit. Herrscht doch
bei uns das segensreiche Verbot des Da capo-Singens!
Auch der gefürchtete Glockenchor wirkt hier nicht so auf
regend, wie bei den Italienern, weil das Tempo weniger
schleppend genommen und das „Bim Bam“ der Bassisten
bedeutend gemildert wird. In einem Rückblick auf die
Meinung ausgesprochen, es würden für das
die „
Schneller, als man gedacht, hat dieses Wort sich erfüllt; fast
alle größeren Bühnen
und mit günstigem Erfolg. Die kleineren Theater dürften
bald nachfolgen, denn mit
„
kleinen Personals, sowie einer sehr bescheidenen decorativen
Ausstattung.
Wie die „
Bajazzo
falls ein comprimirtes Dorftrauerspiel, welchem obendrein
eine wirkliche Begebenheit zu Grunde liegt. Der Clown einer
Gauklerbande,
Liebesanträgen. Von ihr schimpflich zurückgewiesen, rächt sich
der heimtückische, rohe Geselle, indem er
ihr zärtliches Einverständniß mit dem jungen Bauer
verräth.
den Namen seines Rivalen nicht aus ihr herauszubringen.
Er wiederholt diesen Versuch immer heftiger im zweiten Act,
während der lustigen Comödie, die er mit seiner
dem versammelten Dorfpublicum aufführt. Das Spiel wird
dem eifersüchtigen
auf der Bühne seine
Rettung herbeispringenden
sehr einfacher, aber keineswegs unergiebiger Stoff. Von jeher
hat es dem Publicum ein apartes Vergnügen gewährt, das
Theater im Theater, die Schauspieler als Schauspieler
vorgestellt zu sehen. Von
gesehen, wo die Comödie in eminenter Weise dem drama
tischen Zwecke dient, finden moderne Stücke wie „
„
ihren Effect in diesem Doppelspiel. Für die Oper ist die
Comödie in der Comödie noch selten verwendet. Sie besitzt
also im „
drein verstärkt durch den ungewohnten Reiz, unsere ersten
tragischen Heldenspieler uns in der Harlekinsjacke zu zeigen.
Das Libretto ist vom Componisten selbst verfaßt und bis
auf die unverhältnißmäßige Ausdehnung des ersten Actes
geschickt ausgeführt.
Talent, einen nachdenklichen Kopf und eine geschickte Hand.
Reichthum und Originalität kann man seiner melodischen
Erfindung kaum nachrühmen. In jeder von
Opern blitzen einzelne überraschende Funken von Genialität
auf, wie sie in den „
sind letztere einheitlicher im Styl als die „
machen gegen die „
friedigenderen Gesammt-Eindruck.
originellere Talent zu sein,
Er hat mehr Sinn für die Form, für Abrundung der
einzelnen Theile eines Musikstückes und deren harmonisches
Verhältniß zu einander. Seine Musik ist weniger zerrissen
und sprunghaft. Eine prägnante eigene Physiognomie des
Componisten kann ich aus seinen „
winnen; möglich, daß sie in den „
hervortritt. Mir sind die „
phezeien. Gewiß aber steckt eine ungemein dramatische
Energie in ihm. Wenn er sich einerseits vor unfruchtbarer
Grübelei, andererseits vor rohem Kraftaufwand hütet, wenn
er endlich
Umfange als bisher die Herrschaft über sein Ich einräumt,
so können wir noch Erfreuliches, ja Bedeutendes von ihm
hoffen.
haupt sind beide Componisten nicht Nachahmer. Der
Boden, aus dem sie emporwachsen, ist noch immer
dramatischen Accent und rücksichtsloser Orchesterwucht
revolutionirt hat gegen die weichliche melodiöse Mono
tonie
nalen Grunde weht jetzt, mehr oder minder heftig,
aber doch mehr von
Effecten, Accordfolgen, als von
Princip. Sein Orchester maßt sich bei aller Ueppigkeit doch
nicht als melodieführend die Herrschaft über die Sing
stimmen an.
Leitmotive im engeren Sinne; er verbannt weder den Chor
noch das Duett, noch überhaupt selbstständige Musikformen.
Ohne
Vogelliedes und mancher packende dramatische Zug im
„
Vorbild nicht mit Haut und Haar zu eigen, wie unsere
jüngeren
mäßig diese sklavische Nachfolge sehr theuer bezahlt haben.
drucks, im Ausmalen der Stimmung. Für diese Malerei
verwendet er leider übertrieben grelle Farben, auch wo
sie nicht hinpassen. Jede Wette kann man eingehen, daß
Zuhörer, welche, nicht eingeweiht in die Handlung, mit dem
Rücken gegen die Bühne stehen, den ersten Chor für den
Aufschrei eines fanatischen Revolutionspöbels halten werden.
Dieser betäubende Posaunen- und Paukendonner, diese Hetz
jagd durch alle verminderten Septim-Accorde, dieses Fortissimo
der kreischenden Singstimmen — was geht denn da vor?
Harmlose Dorfbewohner freuen sich über das Eintreffen der
Comödianten. Eine schöne Freude, eine liebe Bevölkerung!
Sänger zum Schreien; sie ist — nicht durchwegs, aber zum
großen Theil — schuld daran, daß in der Première des
„
Soll ich meine Leser in das Werk selbst einführen, so
stolpere ich gleich über einen Stein des Anstoßes. Das ist
der „Prolog“. Für meine Empfindung eine Geschmacklosigkeit
ohnegleichen. Der Hanswurst
etwa die Handlung des Stückes, sondern belehrt uns zuerst:
„nicht Märchen allein seien der Zweck der Kunst“ (!); auch
was er wirklich sieht, schildert der Dichter, dann erreicht er
der Menschen Gunst“. Dann führt er aus, daß auch in
des Gauklers Brust ein Herz schlägt u. s. w. Ich wüßte
nicht, was den Componisten zu diesem Ungethüm von Prolog
verleiten konnte, wenn es nicht die Speculation auf einen
neuen, pikanten Effect war. Den Eindruck des Stückes er
höht er nicht; er schädigt ihn vielmehr, indem er, schnur
stracks seinem Zweck entgegen, dem Zuhörer die Illusion
raubt. Der Act, viel länger und unbedeutender
als der zweite, trachtet uns durch allerlei Lückenbüßer
(Glockenchor, Vogellied) über den Mangel an Handlung
hinwegzuhelfen. Das Lied
des Vogelgezwitschers im Orchester; ihr viel zu langes Duett
mit
Aufzuges, in einer allgemeinen, leidenschaftlichen Phraseo
logie, welche den Zuhörer in unbestimmter Aufregung er
hält, ohne ihn durch die Schönheit neuer Gedanken musi
kalisch zu befriedigen. Der kurze Schlußmonolog des ver
zweifelnden
druck leidenschaftlicher Erregung verwendet der Componist
häufig dieselben drastischen Ausdrucksmittel: unvermittelte
tiefe Accordfolgen der durch eine Baßclarinette verstärk
ten Holzbläser, chromatische Scalen in heftiger Gegen
bewegung oder auch (an
den. — Unvergleichlich gelungener ist der zweite Act.
Zwar thut der Chor des ungeduldig harrenden Dorfpubli
cums auch hier zu viel des Guten; aber von diesem Tumult
heben sich die folgenden Scenen in ihren einheitlich zarten
Farben um so lichter ab. Die musikalische Behandlung der
ganzen Pantomime ist voll Geist und Grazie. Aller Lärm
im Orchester schweigt plötzlich; keine Posaunen, keine Trom
peten und Pauken; Alles fein, maßvoll, wohlklingend. Die
Musik bewegt sich in einem ungezwungen zierlichen
Rococo-Charakter, im Tone stellenweise an
Gravität; dann ein verliebtes Tenorständchen über pizzi
kirten Accorden, durch welche stellenweise einige Flöten-
Staccatos huschen; später, als
sich zu Tische setzen, eine allerliebste, behagliche Gavotte in
A-dur. Nun tritt
betrogenen Ehemann zu spielen hat und im bittersten Ernst
all die Qualen eines solchen empfindet. Der Ueber
gang aus dem Spiel in die unselige Wirklichkeit hat der
Componist mit großem Kunstverstand ausgeführt; allmälig,
stockend, mit wiederholtem Zurückgreifen in die heitere Comö
dien-Musik. Man fühlt das Gewitter in allen Gliedern, bis
es endlich aus der unerträglichen Schwille hervorbricht. Die
blitzschnelle Ermordung
eines Elementar-Ereignisses. Dieser zweite Act, in Text und
Musik etwas Neues und Wirksames, gereicht dem Com
ponisten zur Ehre. Warum erfreuen wir uns an dieser Pan
tomimen-Musik und nennen sie vortrefflich? Weil sie ein
fach ohne Trivialität, melodiös und natürlich ist. Könnte
nicht, so fragen wir bescheiden,
Anlässen einfach, melodiös und natürlich schreiben? Im
Stücke selbst, nicht blos in der Parodie desselben?
Wie bereitwillig heute das Publicum ist, Gutes anzu
erkennen, ja über Verdienst zu schätzen, beweist der außer
ordentliche Erfolg dieser Erstlingsoper, welche
plötzlich zum berühmten und wohlhabenden Manne gemacht
hat. Sein „
stellungen des Hofoperntheaters. Sämmtliche Rollen vor
züglich besetzt, Chor und Orchester ausgezeichnet, desgleichen
die Scenirung, welche im zweiten Acte eine erfahrene, sehr
geschickte Hand erfordert. Als Mark alle Erwartungen übertroffen. Im ersten Acte sehr
übernahm, Ton und Geberde maßlos steigerte, ist wol nur
der Aufregung dieses ersten Abends zuzuschreiben. In der
Rolle des Ritter’s prachtvolle Stimme