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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Herrn Richard Heuberger brauchen wir
besser gereimt sind, als manche gefeierte
die Hauptsache! Ist das ein Libretto von „musterhaft drama
tischem Aufbau“? Besitzt es „alle Eigenschaften eines guten
Stückes“? Ganz im Gegentheil. Die Handlung ist dürftig
und schlecht motivirt, ein Gespenst längst verblichener, uns
völlig entfremdeter Romantik. Charaktere und Situationen
sind theils uninteressant und verbraucht, theils unwahrschein
lich bis zum Widersinn.
Die Handlung spielt auf
hundert. Sie beginnt mit einem Maifeste, das die Bevöl
kerung mit einem kirchlichen Umzuge, Gesang und Tanz
feiert. Junker Winkel
), ein wüster, gefürchteter Nachtschwärmer, findet sich
„Dein Kind ist mein! Ich suche und finde sie!“
Der zweite Act zeigt uns, wie er diese Drohung aus
führt. Die feierliche Vermälung Neidl) hat eben stattgefunden, als
Die Ungereimtheiten mehren sich.
das Nachtmal begonnen,
„das Haus zu durchwandern, von einer Thür zur andern“.
Die Bühne muß eben leer gemacht werden für
endlich eintritt und
Jetzt wird er doch schnell seinem arglosen Schwiegersohn
sagen, wer der gefährliche Gast ist, der drinnen allein mit
in bequemem Lehnstuhl seine Lebensgeschichte zu erzählen:
„Einst war auch ich ein Kind des Glücks, wie du geartet,
sanft und gut“ u. s. w. Einen Theil dieser Selbstbiographie hat
er schon zu Anfang des zweiten Actes dem
wäre Ort und Gelegenheit gewesen, das Ganze zu erledigen.
Aber gerade jetzt, wo die Gefahr für
beschreibt er, wie einst sein Weib von
führt und zum Selbstmorde getrieben worden sei. Er selbst
habe sich an dem Sohne gerächt, indem er ihn finanziell
ruinirte. Noch immer hat
alte Erzähler würde vielleicht ganz vergessen, es ihm zu sagen,
hörte man nicht
Laß ihn mir und meiner Rache!“ — „Nein,“ erwidert
wir die zwei wohlbekannten contrastirenden Judentypen:
den rachsüchtigen
Dafür hat übrigens
Gift in
dem klugen Mann! Da die Tafel längst aufgehoben ist,
wird wahrscheinlich ein unschuldiger Diener den Rest aus
trinken.
und geht wieder mit seinem Schwiegersohn spazieren, damit
singen können. Der wilde Junker ist plötzlich ein frommes
Lamm geworden; er erklärt sich „von des Hauses Frieden
verwandelt und bekehrt“. Nur einen Kuß erbittet er sich
noch.
Lippen den Rand des Bechers berühren, den sie zum Ab
schied leert. Natürlich erwischt sie den vergifteten Wein, dessen
Wirkung sich sehr rasch bei ihr einstellt. Sie stürzt zu
sammen, singt noch, wie verklärt, eine Vision vom schönen
Mai und fügt sterbend die Hände ihres Gatten und ihres
Geliebten zusammen.
Was die Wirkung der
gefährden mußte, war dieses unglückliche Libretto. Es ist
zu dumm gewesen, es hätt’ nicht sollen sein. Wie viel Mühe,
Studium und Talent hat der Componist daran verschwendet!
Seine Partitur verräth von Anfang bis zu Ende das edelste
Bestreben und gewissenhaften künstlerischen Ernst. Unter dem
Einfluß
berger
teren und Situationen lebendigen Athem einzuflößen. In
„
vollen
und duettirende Stückchen vor — aber doch in den
entscheidendsten Kennzeichen. Der halb recitirende, halb
cantillirende Charakter der Singstimmen, welche, pla
stische Melodienform vermeidend, in nervösem Pathos
auf und nieder wogen; der ruhelose, selbstständig arbeitende
Webstuhl des Orchesters, der zugleich exaltirte und weichliche
Ausdruck der Empfindungen, die Tyrannei des einseitig
Dramatischen, des Bedeutsamen in jedem Wort, jeder
Phrase — das Alles ist im Grunde
gesehen von einzelnen an
so gewandten und geistreichen Musiker wie
steht es sich von selbst, daß er die Technik des Orchesters
wie des Gesanges vollständig beherrscht, die wechselnden
Stimmungen zu malen, die Personen zu charakterisiren ver
steht. Es fehlt in „
fälligen oder ergreifenden Stellen; diejenigen, wo
zeitweilig die usurpirte Herrschaft des Orchesters unterbricht
und sie der Singstimme überträgt. Die besten musikalischen
Gedanken tauchen aber nicht im Gesang, sondern im Or
chester auf: die Begleitung zu
letzte Strahl erlosch“, das D-dur-Motiv in dem Liebesduett
(„Du fliehst mich!“), der G-dur-Satz in der ersten Zwischen
act-Musik u. A.
Der Hörer wird dem Verlauf der Oper mit Interesse
folgen und sich an vielen schönen Momenten erfreuen. Im
Ganzen hat „
füllt, mich weniger befriedigt, als „
Neujahrsnacht
Vermuthlich wird ein großer Theil des Publicums, das ja
vor Allem
gesetzter Ansicht sein. Ich kann deßhalb die bereits gemeldete
Thatsache nicht stark genug nochmals betonen: daß die Auf
führung von „
haftesten Auszeichnungen des Componisten begleitet war.
Unsere Zeit fordert in der Oper, strenger als es ehedem
geschah, dramatische Musik. Ich bestehe auf ganz demselben
Anspruch; nur ist mir in diesem Begriff Musik das Haupt
wort, dramatisch das Beiwort. Auch für die Oper ist Kraft und
Originalität der musikalischen Erfindung die erste, wenn
gleich nicht einzige Bedingung. Jede gute Oper muß durch
strömt, durchleuchtet sein von musikalischen Ideen, die als
solche interessiren, und nicht blos als Nachmalerei von
Empfindungen und Personen, die uns nicht interessiren.
Andere mögen anders fühlen und werden dann auch über
„
Richard
Manneskraft. Einsichtsvoll genug, um in seiner „
weniger einen Erfolg als eine Erfahrung zu schätzen, wird
er uns gewiß noch manche wirksame Oper schenken, sobald
ein besseres Textbuch ihm einladend und hilfreich die Hand
bietet.
Der vorzüglichen Aufführung der (von
persönlich dirigirten) Novität ist bereits gedacht und das
Verdienst der Hauptdarsteller — Fräulein Schläger,