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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H.
Siehe Nr. 10675 der „
Nr. 10685 vom 24. Mai, Nr. 10690 vom 29. Mai, Nr. 10691 vom
30. Mai und Nr. 10694 vom 2. Juni 1894.
uns ein treues Bild von der geistigen Spannkraft und all
seitigen Empfänglichkeit, welche der bereits Schwerkranke sich
bis ans Ende bewahrt hatte. Kämpfend mit einem Herz
leiden, das jeden Andern zu muthloser Passivität nieder
gedrückt hätte, bethätigt
Antheil an den Erscheinungen der Literatur, Musik, Politik.
Dieses Interesse bleibt nicht blos aufnehmend, es wird zu
gleich productiv in seiner oft zu kleinen Abhandlungen an
wachsenden Correspondenz, in seinem eisig fortgesetzten
Herrenhause. Unter dieser erstaunlichen, vielseitigen Geistes
thätigkeit strömt aber in
würdiger neuer Zug: sein inniges Sich-Eins-fühlen mit der
Natur. Es ist dies ein ganz Anderes, als
genießen in seinen bewegteren jüngeren Tagen, wo er land
schaftlicher Schönheit objectiver, mehr als beschauender
Künstler gegenüberstand. Auf unseren gemeinsamen Reisen
sah ich ihn manche Gegend bewundern, auch wol, wenn sie
seinen Erwartungen nicht entsprach (wie der
doch Object, wie ein Gemälde, und mußte bald seinem
Drange weichen, wieder Anderes, Neues zu sehen. In seinen
letzten zwei Jahren wandelt und vertieft sich dieses Ver
hältniß; wir beobachten an
inniges Mitfühlen der Naturstimmung, ein stilles, dabei
leidenschaftliches Versenken in ihre Einzelheiten. Sein Puls
pocht in geheimnißvoller Sympathie mit dem Pulse der
Natur. In dem engen Umkreise von
er Eins mit dem Leben der Landschaft. „Ich fühle mich
als Stück der Natur, als Fels, als Woge, als Baum, als
Himmel.“ Dieser Zug hatte für mich etwas tief Ahnungs
volles, dabei rührend Großartiges, indem
schwärmerei nie in thatlosem Quietismus erschlaffte, sondern
in steter Wechselwirkung blieb mit geistiger, oft angestrengt
geistiger, productiver Thätigkeit.
Abbazia, 6. Januar
in
meinem Fuß knisternden Schnee, das tiefblaue Meer, den
Himmel wie Email über mir, das tiefe Grün der Lorbeern
u. s. w. zu sehr, als daß ich mich auf andere Gedanken
concentriren könnte. Ich fühle mich als Stück der Natur,
als Fels, als Woge, als Baum, als Himmel, und da ver
flüchtigen sich meine Speculationen. Und in
schen die Menschengedanken wieder zu sehr vor, und so wird
nichts — Alles bleibt Vorempfindung, „unendliches Melo
disiren ohne Melodie“!
Wien, October
— Sorgen um die Zukunft verbittern mein Leben;
wie lächerlich ist doch ein alter Mensch, der für die wenige
Zukunft, die er noch hat, sich hundertmal mehr Sorgen
macht, als ein junger Mensch, der noch eine lange Zukunft
vor sich hat! —
Wien, Februar
Wien, Februar
scheint intensiv Talent! Gerade so Lecocq; wir hörten
Abbazia, 9. Januar
Wien, März
Klangfratze gewöhnen soll, ist doch viel verlangt. Indeß bin
ich überzeugt, daß wir noch lange nicht am Ende sind.
Man wird dazu kommen, das beliebige Hin- und Her
schlagen mit Fäusten auf dem Clavier in irgend welchen fünf-
oder siebentheiligen Rhythmen auch noch für interessante
Kunst zu halten. Erst dann wird man, wenn man ganz
ins natürliche bestialische Chaos zurückgefallen ist, wieder von
vorne anfangen. So wird es auch mit dem Ethischen und
Socialen gehen, das sich die Culturnationen mühsam erworben
haben. Man will zum bestialischen Urzustand zurück. Freut
mich, daß ich es nicht erlebe. — Das Clarinett-
von
Abbazia, 3. Januar
immer fragen: „Schön“ für wen? „Gut“ für wen? Es
sind im höheren Sinne conventionelle, mit der Veränderung
und Cultur der menschlichen Gesellschaften unlösbar ver
bundene, fortwährend wechselnde Begriffe. Sie sind deßhalb
nicht weniger werthvoll, weil sie conventionell sind; denn
die aus dem Altruismus hervorgegangene Convention ist
eine der stärksten Fundamente der Ethik und der Aesthetik.
Wenn ich noch einen Moment über diese Dinge im Zweifel
gewesen wäre, so würde mich ein Buch, das ich mit Heiß
hunger verschlinge, Herbert
völlig ins Klare gebracht haben.
Ungemein schwierig ist es nun auf dem Gebiete jeder
Kunst für den innerhalb einer Zeit Stehenden zu beurtheilen,
nach welcher Richtung hin sich eine weitere Entwicklung
kundgibt; ja man hat schon oft Fortschritt für Rückgang
oder Rückgang für Fortschritt gehalten. Es ist mit den
socialen Verhältnissen nicht anders. Die meisten Menschen
halten Social-Demokratie und Communismus für Fort
schritt; die sociologischen Historiker sagen, es ist ein Rück
schritt zu bereits überwundenen Formen der Gesellschaften
und Staaten. Nur in den Naturwissenschaften wissen wir
immer sehr bald, ob eine Beobachtung, eine Zusammenhangs-
Erkenntniß neu ist oder nicht.
Wir befinden uns zur Zeit mit der Musik, so viel ich
es zu beurtheilen vermag, auf einem Punkte, wo eigentlich
Niemand sagen kann, was werden wird. (Es ist wol mit
den modernen Künsten zur Zeit nicht besser bestellt.) Man
denkt sich wol zuweilen, es müßte Jemand kommen, der un
erschöpflich an neuen, bisher noch nicht gehörten Melodien
ist. Ist aber unsere jetzige Generation auch noch empfänglich
dafür? Das ist mir sehr zweifelhaft. Der Culturmensch will
immer etwas Neues von Zeit zu Zeit haben. Was soll ihm
die Musik Neues bringen? Sollen die Stücke complicirter,
polyphoner werden, um das Interesse an dem Ineinander
winden der Tonformen zu reizen? Man kann die Motive
doch nur nacheinander oder nebeneinander bringen, entweder
wie sie sind oder in veränderter Form. Man kann das Ein
zelne und das Ganze kürzer oder länger machen.
wählt das Letztere. Daß eine Symphonie ein Concert aus
füllt, war wol noch nicht da, es ist neu, die neuen Gene
rationen wollen vor Allem etwas Neues. Die Kritiker wollen
auch etwas sein; sie klammern sich an das Neue und kommen
sich dabei selbst neu und interessant vor; sie schrauben sich
in ihrer bornirten Phantasie zu Vorkämpfern einer neuen
Aera hinauf und kommen sich dabei viel wichtiger vor wie
der Held, den sie auf ihrem Schild tragen.
Es wäre wol ganz interessant, zu hören, was für Musik
man in hundert Jahren machen wird, doch wir werden wol
kaum Aussicht haben, hier am
Meister von
ein ewiges Leben schenkt; so thun wir wol am besten, uns
an dem zu erfreuen, was wir haben, und übrigens dem
Grundsatze zu huldigen: „Mensch, ärgere dich nicht!“
Abbazia, 3. März
St. Gilgen, 11. Juli
Wien, 20. December
neben
die Zeit schreitet vor, und auch die Größten irrten zuweilen,
wie die Kritik der Späteren mit neuen Forschungen und Ent
deckungen neuer Thatsachen oder Betrachtung auch älterer
Thatsachen von anderen Gesichtspunkten aus aufweist. Es gibt
keine ewigen Größen, sondern immer nur Größen in einer be
stimmten Zeit und unter bestimmten Verhältnissen. Ich quäle
dich heute sehr: kannst du mir sagen, in welchem Jahre
In alter Liebe und Treue dein gelähmter Kranich.
Das Concert des „Böhmischen Quartetts“ war die
letzte Musik, die
letzte, den er vor seiner Abschiedsfahrt nach
schrieben hat. Welch lebendiges Interesse an der Musik
quillt da noch aus jeder Zeile! Von Bekannten und Un
bekannten ward mir in zahlreichen Zuschriften das dankbare
Geständniß, sie hätten aus
den ganzen großen Menschen kennen und verehren gelernt.
Der medicinischen Welt hat
die wir Laien nicht verstehen können; uns Anderen über
häufte er mit Schätzen des Geistes und Herzens, die Jeder
versteht und die Jeden beglücken. So war es denn wohl
gethan, diese Briefe, welche die Bewunderung und Liebe
Tausender für
gerade jetzt zu veröffentlichen, wo sie ohne Commentar
allgemein verständlich sind und
noch lebendig vor unseren Augen steht, der Ton seiner
Stimme noch deutlich in uns nachklingt.
Eine anonyme „
sicherung beruhigen, daß kein einziger von
meinen Händen gekommen ist, noch jemals kommen wird. In die
Druckerei der „
Abschriften gelangt.
nimmer Seinesgleichen sehen. An der Schwelle des
prosaisch-praktischen neuen Jahrhunderts steht
der ganz einzige große Arzt, den ein poetischer und roman
tischer Hauch umwittert und von dessen Künstlernatur und
reinem Menschenadel ein alle Herzen bezwingender Zauber
ausging. Nothnagel hat ihn schön und treffend mit