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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Berufung nach
für Chirurgie an der medicinischen Facultät der damals
noch jungen Hochschule versah. Es war in jener für die
beiden Hochschulen
versität, so glanzvollen Epoche, während welcher Lehrkräfte
wie Gottfried
der Kunsthistoriker
niker
der Geschichtsschreiber
Auditorium um sich versammelten und Geister wie Georg
und Andere sich des Asylrechtes auf freiem
erfreuten. Der Lections-Katalog des Jahres
aus, daß
Chirurgie las, daneben noch 7½ Stunden der chirurgischen
Klinik und sechs Stunden dem Operationscurse widmete.
Weniger bekannt dürfte jedoch die Thatsache sein, daß der
so vielbeschäftigte Lehrer und Operateur noch Zeit und Lust
fand, der journalistischen Thätigkeit, und zwar als Musik
referent der
Amtes als Musikreferent waltete. Nicht ohne ein Gefühl der
Wehmuth betrachten wir die vergilbten Blätter der
Zeitung
einem —h signirten Concertberichte enthalten. Dem Entdecker
talent und der bewährten Gefälligkeit des k. k. General-
Consuls in Przibram, verdanken
In Nachstehendem geben wir einige Stichproben aus
diesen „von des Augenblickes Gunst geborenen“ Recensionen;
sie werden nachhaltiger als alle Schilderung darthun, wie
dieselbe Hand, welche das Messer des Operateurs führte,
auch die Feder zu meistern wußte.
So schreibt
großer
„Es gehört zu der Charakteristik der Schubert’schen
stimmten Rhythmen schon im ersten Theile der Sätze Com
binationen und Harmonisirungen vornimmt, die sich ein
weniger üppig begabter Componist wohlweislich für den An
fang des zweiten Theiles verspart; dies ist nun zwar auch
schon von
schränkterem Maße (mit Ausnahme der
Verschwendung immer noch zu Gebote stand, läßt das
Uebermaß der epischen Breite bald vergessen, und eine
Steigerung liegt in jedem Satze, sowie in dem ganzen
Kunstwerk, wie sie nur den begabtesten Geistern zu Diensten
ist. Ob
Opern öfter gehört hätte, hie und da gekürzt haben würde,
ist schwer zu sagen; von
er öfter nach den ersten Proben noch strich, denn sein
Grundsatz war: „kurz und gut“. Jetzt an einer solchen
Symphonie zu streichen, wäre allerdings ein Unfug.“
Gelegentlich einer Quartett-Production schreibt
„Es ist ein oft wiederholter Ausspruch, daß die
Streichquartettmusik die vollkommenste Instru
mentalmusik sei; die Einheit der Tonfarbe, die Uebersichtlichkeit
der Combinationen, die Vollkommenheit der Harmonie bietet
den höchsten musikalischen Genuß, der dabei stets eine gewisse
Behaglichkeit mit sich führt, die hier höchstens durch die oft
unangenehme Kälte des Locales beeinträchtigt wird. Die
meisten Componisten sind darüber einig, daß es viel leichter
ist, eine gute Symphonie und eine gute Oper zu schreiben,
als ein gutes Streichquartett;
denken für die schwierigste musikalische Aufgabe. Dies hat
nun den großen Vortheil, daß sich gerade die gediegensten
Musiker seit
so die Quartett-Literatur die schönsten Blüthen der modernen
Kunst aufzuweisen hat.
sind daher stehend in allen von uns je gehörten Quartett-Soiréen,
und selbst
als Meister hervor, so Schönes sie auch sonst geboten haben.“
Und dann weiter: „Das
A-dur gehört ohne Zweifel zu einer der frühesten Arbeiten,
wir haben bis jetzt keines gehört, welches so sehr den
Stempel des Vater
wenig charakteristisch, die Arbeit gewandt, doch ohne den
Geist des
ist. Das ganze Stück, in knapper Form, trägt einen recht
ordentlichen Zopf mit Haarbeutel; doch nein! mehr ein
Zöpfchen, und das lustige Gesicht des jungen
schaut unter den gepuderten Haaren hervor; bei aller
Fröhlichkeit wird heftig studirt, ob sich auch Alles schön
contrapunktisch fügt, und daß der Papa ja zufriedengestellt
wird; doch das blitzende Auge des großen
schon hervor, und in den letzten Variationen des dritten
Satzes, da mögen die alten Herren die Ohren gespitzt haben;
prächtige Sachen kommen da zum Vorschein, schön auch noch
für uns, schön für alle Zeiten!
Es folgte das neue
für vier Violinen, zwei Bratschen und zwei Celli, eine Zu
sammensetzung, die, sowie auch das Sextett für Streich
instrumente, bisher nicht oft benützt ist. Aus dem Bildungs
gange und dem Naturell
sich mehr dem Muster
Beiden besitzen wir ähnliche Arbeiten) anschließen würde,
und so ist das Werk denn auch im echt
Geiste geboren, ohne gerade imitirt zu sein. Wie herrlich ist
dieses Werk! Es fielen uns nach den ersten Tacten die Worte
aus „
auf mich ein!“ Der moderne Geist, das eigene Ich, tritt
hier vor den Hörer, wir sind ganz in dem Elemente, in
dem wir leben, in der Luft, die wir athmen; die unmittel
bare Gegenwart reißt uns fort ins Reich von Idealen, die
unserer Zeit naturgemäß sind; lassen wir die Reflexionen
darüber, ob diese Musik wirklich vollendeter ist, als die eines
lichen Genusse der Töne, ganz dem üppigen Wohllaute der
Harmonien, dem jubelnden, stolzen Schwunge der Melodien
hin, lassen wir uns vom Dichter berauschen und geben wir
uns gefangen! — Der Klang der acht Saiten-Instrumente in
ihrer organischen Zusammenwirkung hat in der That etwas
Aufregendes; er ist so intensiv, man möchte sagen, so nervös,
daß man wie bezaubert ist; dies tritt noch mehr in einem
kleineren Raume hervor, wo wir schon wiederholt das Werk
hörten und sorgfältig hörend studirten. Viel des schönen
Details an welchem die Arbeit so unendlich reich ist, geht
in großem Raum verloren, zumal für diejenigen, welche
das Musikstück zum erstenmale hören; doch daß es trotzdem
so herrlich wirkt, ist der beste Prüfstein für die Vollendung
des Ganzen; auch die Skizze bleibt noch herrlich, voll
warmen Lebens und Kraft! Der Schönheiten sind so viele,
daß wir hier von einer Detaillirung ganz absehen müssen.
Bei jeder Stelle, die uns ins Gedächtniß kommt, können
wir nur wiederholen: wie schön, wie herrlich ist das und
das, und wie das Alles so wunderbar klingt! So klar und
abgerundet die Form, und doch so ungebunden frei die
Phantasie! — Doch daß wir über das Werk fast die Spieler
ganz vergessen hätten, das ist wol das Beste, was man von
ihnen sagen kann.“
Hören wir an anderer Stelle ein Urtheil über Frau
Clara Schumann und
„Frau Clara Schumann ist schon seit vielen Jahren
Kleinen das ganze Kunstwerk widerspiegelten. War es der
Zauber, der um die Künstlerin schwebt, war es der Diri
gent, war es die Begeisterung für die Composition, was
das Orchester beseelte? — Die Orchestersätze griffen so
prächtig exact mit dem Clavier in einander, die Begleitung
war meist so delicat, so präcis, daß man eine vollkommen
abgerundete Anschauung von dem ganzen Kunstwerke bekam;
man konnte sich einmal ganz dem Werke selbst hingeben und
brauchte sich nicht fortwährend zu fürchten, daß durch irgend
einen instrumentalen Unfall der Genuß des nächsten Mo
mentes verbittert werden würde; so gut wurde es uns hier
noch nie. — Und auch die große C-dur-Symphonie
Ein anderer Bericht gilt einer Kammermusik-Soirée,
in welcher das Mozart’sche Quintett für Clavier
„Ein reizend naives Werk aus der besten Zeit des Mei
sters! Sowol bei diesem wie bei dem imitirten
sich die Blasinstrumente weit besser mit dem Ton der mo
dernen Flügel als die Streichinstrumente, und es ist daher
zu verwundern, daß erstere in der modernen Kammermusik
für Clavier nicht mehr verwendet sind. Was die Ausführung
betrifft, so war dieselbe bezüglich der einzelnen Spieler ganz
gut, doch die Direction des Ganzen, die dem Clavier zufällt,
war im höchsten Grade schläfrig und geistlos. Wie kann sich
ein Clavierspieler so zu seinen Mitspielern setzen, daß er
keinen von ihnen zu sehen im Stande ist! Gleich im Anfange
begannen die Bläser, ohne daß der Clavierspieler davon eine
Ahnung hatte, daß wirklich angefangen werden sollte; wie
wurde der erste Satz verschleppt, welche philiströse Auffassung
des Finales und, trotz aller Sauberkeit im Einzelnen,
welch ein steifleinenes Vorwärtsschieben des Ganzen!
Es folgte das große Streichquartett D-moll
von Schubert, unserer Auffassung nach das Größte,
Auffassung. Dies wird jedoch kommen, sobald die Spieler
unbefangener und freier sich gegenseitig hingeben.
Die dritte Nummer bildete ein Octett von
Es folgte das große
Cello in B-dur von Beethoven. Wir konnten uns zwar
dicken Saiten den Saitenklang fast verloren hat, mischen.
Das Stück selbst, bekanntlich eines der vollendetsten aus der
vorletzten Periode
geistigen Ohr schöner klingen, als dem körperlichen. Für
jeden Dilettanten ist es eine der schönsten Jugenderinnerungen,
und diese erscheinen uns ja immer in der Phantasie idealer,
so daß, wenn wir sie in Wirklichkeit wieder vor uns sehen,
wir durch diese Wirklichkeit oft enttäuscht werden. Wir
waren durch diese Reflexionen befangen und unterlassen da
her eine eingehende Besprechung.“
Die Nachbarschaft Richard
haben scheint, hinderte ihn nicht, sich gegen dessen Richtung
scharf auszusprechen. Er schreibt gelegentlich:
„Jetzt gehört es zum guten Ton, auch die letzten Werke
ten, für die höchste Potenz des „musikalisch Schönen“ zu
erklären. Wir sind nicht dieser Ansicht, sondern sind
Männern, wie
sehr dankbar, daß sie nicht an diese letzten Werke
hoven
sogenannte neudeutsche Musikschule thun möchte — wenn
sie es nur könnte.“
Aber auch dem Publicum blieb
nicht schuldig. Es scheint, daß der Besuch der Concerte in
jenen Tagen Vieles zu wünschen übrig ließ. Heute, da man
in
Tonhalle, mag es von erhöhtem Interesse sein, zu lesen, wie
„So werkthätig sich das Publicum bei der Gründung
des Vereines betheiligt hat, so wenig nimmt es verhältniß
mäßig Theil an der Förderung und Entwicklung desselben.
Die Einrichtung scheint noch zu neu; oder sollte es wirklich
an Interesse für Musik fehlen? Sollte das Publicum mei
nen: wir hören ja im Theater und in den Concerten der
allgemeinen Musikgesellschaft, daß Manches besser ist als
früher, was sollen die vielen neuen Concerte? Man kann
nicht in alle Concerte gehen! Dies ist gewiß zum Theile
berechtigt, doch dabei kann das neue Orchester nicht bestehen;
die Künstler wollen nicht allein von ihrem Gehalt leben.
Die Gunst, das Interesse des Publicums ist ein ebenso
wichtiges Nahrungsmittel für den Künstler, als das tägliche
Brot! Lieber mehr Beifall, als Geld! Das hört und fühlt
Jeder, der mit Künstlern häufiger zu verkehren Ge
legenheit hat.“
In einer Besprechung vom 9. December
es über den Pianisten Alfred Jaell:
„Herr
man über ihn viel sagen könnte; er steht in vieler Hinsicht
über jeder Kritik, er hat sich in seiner Manier fern von der
zu schlagen, anstatt es zu spielen; er erinnert an
so weit uns die Spielart dieses Meisters aus Tradition
und Schriften bekannt ist. Dabei entwickelt er ausreichend
Kraft und behandelt das Instrument mit schönem Maß.
Herr
endet schön. Die im ersten Satz wie üblich eingelegte Cadenz
war mit außerordentlich feinem Geschmack componirt, und
obgleich sie sich genau in den Figuren des
Satzes hielt, wußte der Künstler doch auf die geschmackvollste
Weise seine Force in perlenden Trillerketten zu zeigen. Das
Concert ist nicht brillant im heutigen Sinne der Technik, es
liegt bequem claviermäßig und schließt sich enger an die
demselben Künstler meisterhaft vorgetragene
von
doch besonders dankbar für die Wahl dieses Concertes, da
es jedenfalls eines der schönsten der gesammten Literatur ist.
Das zarte Adagio wurde leider vom Orchester völlig ver
nichtet. Der erste Fagottist war, wie es schien, so entzückt
über das Spiel des Herrn
blies, und so der mittlere Abschnitt des Andante ganz ver
stümmelt und unverständlich zum Vorschein kam. Von
um so schlagenderer Wirkung war das Rondo, in dessen
Vortrag Herr
Beimischung des Pikanten verfuhr, daß wir es nicht genug
anerkennen können. Die vollendeten chromatischen Läufe
waren von entzückender Wirkung und liefen wie Quecksilber
kügelchen auf einer bald aufwärts, bald abwärts bewegten
polirten Platte.“
Das damalige Züricher Orchester erfährt in
„Mit den Streichinstrumenten kann man sich wol be
friedigt erklären, ihre Zahl ist durchaus genügend. Die
Trompeten und Posaunen und das erste Horn sind gut
besetzt, müssen jedoch in Schranken gehalten werden; die
Herren mögen in ihrer schmetternden Freude bedenken, daß
sie in einen heißen Saal hineinblasen, in welchem sich
Menschen mit Ohren befinden. Der schwache Punkt des
Orchesters sind die Holzbläser und besonders auch der
Paukist. Die Flöte ist gar zu zart in den Einsätzen; die
erste Clarinette ist recht gut, die zweite bläst meist unrein,
die Oboën sind höchst naiv ungeschickt, das Fagott kann nur
unschön grunzen und tölpelt bei jeder Gelegenheit hinein;
das große Horn stolpert über seine eigenen Töne; der
Paukist mißkennt durchaus den großen Werth seines In
strumentes. Es ist bekannt, daß
Symphonien in
Orchester nur den Paukisten und dieser seine Pauken mit
nahm und seinen Kasten mit acht bis zehn Arten von Pauken
schlägeln, die alle mit verschiedenen Stoffen umwickelt waren,
um eine jede denkbare Modulation des Tones hervorzubrin
gen; die Pauke ist bei
der Contrabässe und muß Töne von sich geben, kein un
musikalisches Gepolter wie heute Abends.“
Diese und ähnliche Kritiken
fällig über die Leistungen des Orchesters aussprachen und
durch die außerordentliche Sachkenntniß überraschten, mit
welcher jedem einzelnen Instrumente ein Sündenregister vor
gehalten wurde, scheinen Empfindlichkeiten geweckt zu haben.
Das Herüberschießen vertrugen die sonst so kaltkritischen
Züricher schon damals nicht. Wenigstens regnete es in den
Spalten der
minder geharnischten Entgegnungen, und die Redaction selbst
salvirte sich unter das Regendach einer zahmen Erklärung,
„daß ihrem Mitarbeiter jede böswillige Absicht ferngelegen
sei etc.“ Vielleicht mag diese Rückwärts-Concentrirung nicht
nach dem Geschmacke
hören mit dem Jahre
Spätere Musikberichte in der
nun auch dahingegangenen Professor Wilhelm Lübke zu