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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Die Drachensaat der „
üppig auf.
ein neues Operngenre und sich selber einen jungen Ruhm
geschaffen, hat diesen Pfad sofort wieder verlassen, um zwei
rührende Familiengeschichten („
Rantzau
gossen wird. Aber sein erster Erfolg wirkt noch immer ver
lockend, fast möchte ich sagen verheerend auf die jüngeren
Componisten. In
Lucia
a Marina
nennen. In
trieb noch einen unverhofft gewaltigen Vorschub durch die Preis
ausschreibung des Herzogs
den zweihundert eingereichten Einactern sollen mehr als
drei Viertel tragische Stoffe behandelt haben. Nach der preis
gekrönten „
schreckend brutalem Inhalt, dürfen wir ungefähr auf die
Beschaffenheit der übrigen schließen. Die Componisten haben
Blut geleckt und lechzen nach Grausamkeiten. Sie erinnern
mich an jenen Parlamentsrath aus
volutionszeit, der sich bei herrlichem Wetter die Hände rieb
und ausrief: Voilà un beau jour pour une exécution! „
drängt in den allerengsten Rahmen ein erschütterndes Trauer
spiel zusammen: zwischen zwei mörderischen Flintenschüssen
rollt sich die ganze Geschichte in drei Viertelstunden ab. Mit
dem ersten Schuß streckt
mit dem zweiten
knallt schon in der Ouvertüre; er gehört zur Partitur
und ist als ein neuer realistischer Effect charakteristisch.
Diese gewaltthätigen Einacter machen fast alle den Eindruck
eines letzten Actes, dem die früheren zwei oder drei ampu
tirt worden sind. Es fehlt die erklärende Exposition und die
Entwicklung der Handlung. Auch in der „
uns erst die dritte Scene über das Verhältniß der Personen,
über die Vorgeschichte und über den pikanten Schuß in der
Ouvertüre. Wenn die Sänger, wie es zu geschehen pflegt,
undeutlich aussprechen, so mag man sich selber zurechtfinden.
einem feindlichen Stamm seinen Schwiegervater erschossen.
Auf der Flucht vor den Verfolgern stürzt er atemlos in
seine Hütte, wo sein junges Weib,
ist der feindliche Anführer
seinem Anhang zur Stelle, um den Flüchtigen zu suchen.
Der Chor der Tscherkessen singt:
Diese grausamen Verse belehren uns, daß
rache verfallen ist. Die Rächer stürmen „unbeugsamen
Muthes“ gegen die Hütte an, worin
schläft — da tritt
sich selbst aus. Er bittet nur um eine rasche Hinrichtung
durch Pulver und Blei. Die Bitte wird ihm abgeschlagen;
lebendig soll er vom Felsen in den Abgrund gestürzt werden.
spitze ankommen. Da ergreift sie die Büchse und erschießt ihn.
Das Textbuch ist in seiner Gedrängtheit geschickt ge
macht, und wer es liebt, eine ganze Oper hindurch ununter
brochen gemartert zu werden, der mag sich daran erfreuen.
Nicht die grausame Katastrophe allein ist’s, was uns die
Seele aufwühlt, sondern die qualvolle Todesangst, in der
wir erhalten werden vom Anfang bis zu Ende. Wir fühlen
tief mit
Menschen, die sich in verzehrender Seelenqual vor uns auf
reiben. Mit dem Auftreten
sterben muß — in fünfzehn oder in zwanzig Minuten, die
sich uns zu einer qualvollen Ewigkeit ausdehnen. An den
Anfang und das Ende seiner Tragödie stellt der
eine rührende Kinderscene. Vielleicht wollte er durch diesen
Contrast das Gräßliche der Handlung mildern; für mein
Gefühl hat er es nur verschärft.
Der Musik zu „
rühmen. Herr Ferdinand Hummel, obgleich erst jetzt
Sinn für Form und Wohlklang und opfert Beides nur
ausnahmsweise dem dramatischen Effect. Im Besitze aller
modernen Mittel, insbesondere der Instrumentation, erweist
er sich vielfach als ein guter Musiker der älteren Schule.
Seine Partitur zeugt von Effectkenntniß und theatralischem
Blick. Leider ist seine Erfindung weder reich noch originell.
Kommt es daher, daß Herr
orchester, dann als Musikdirector im königlichen Schauspiel
hause zu viel fremde Musik gespielt und dirigirt hat? Er
entlehnt nicht die Worte anderer Meister, aber er spricht
mit ihren Stimmen, insbesondere mit der des jüngeren
wir die
Augenblick los. Hin und wieder glauben wir
vernehmen, auch die Verschwörungsscene aus den „
klingt deutlich nach in
genug fehlt jede Localfärbung, jeder nationale Anklang in
der Musik. Am glücklichsten erscheint mir Herr
den zarten lyrischen Stücken. Vor Allem in der einleiten
den Scene
Mutter, indem es sich versteckt und wiederholt Kukuk! ruft.
(Nebenbei bemerkt: Warum verschwieg der Componist, der
gewiß oft den Kukuk gehört hat, dem Kleinen das Geheimniß,
daß dieser populäre Vogel stets die tiefere kleine Terz intonirt, und
nicht die obere Quart oder Quint?) Diesem Spiel zwischen
Mutter und Kind, welches sich auf einer zarten ländler
artigen Melodie schaukelt, folgt ein gleichfalls gelungenes
Schlummerlied von weicher, blos durch den Querstand in
den beiden ersten Tacten leicht gestörter Anmuth. Nur zu
lange dauert dieses Lied; die sich langsam hinziehende
Melodie wird so oft wiederholt, daß ihre einschläfernde Wir
kung sich schließlich über das Kind hinaus auf Andere aus
dehnt. Der Componist beutet seine Motive über Gebühr
aus, wie schon die Ouvertüre beweist. Es ist unmöglich,
haushälterischer zu sein. Die ganze Scene zwischen Mutter
und Kind ist überaus fein instrumentirt. Von da an durch
bricht das Orchester alle Schranken; wir werden über
fluthet von den stärksten, dicksten Schallwellen; unausgesetzt,
athemlos arbeiten die vier Hörner sammt Trompeten, Po
saunen und Tuba, mit Pauken und Trommel zusammen.
Zu diesen leidenschaftlichen „hochdramatischen“ Stellen ist
Herr
effectkundiger Theatermaler. Conventionell gewordene, be
währte Phrasen und grelle Klangwirkungen müssen hier die
eigene Inspiration, die unmittelbar überzeugende tiefere
Empfindung vertreten.
Von der günstigen Aufnahme der Novität im Hof
operntheater haben wir bereits in Kürze berichtet. Das Ver
dienst der Aufführung wog dabei nicht leichter als das des
Componisten. Frau Schläger (
Die Direction der Hofoper durfte füglich voraussetzen
daß dem Publicum nach den Flintenschüssen der „
ein erheiterndes Nachspiel willkommen sein würde. Dafür
schien ein neues Ballet der Herren Regel,