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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Das erste Concert der Gesellschaft der Musik
freunde hat uns ein einziges Stück bescheert: die
MesseAnton Bruckner. Wenn damit nachträglich
hältnissen hat er seine besten Jahre als Organist und Schul
gehilfe in kleinen Orten verbracht; aufgewachsen in der
Kirchenmusik
er selber mit rastlosem Fleiß allen Kunststücken des Contra
punktes und der Fuge nachgegangen. So kam er nach
überließ sich, von neuen Anschauungen überwältigt, plötzlich
einer schwärmerischen Begeisterung für
Doppelwesen ist er nie ganz losgeworden. Neben Gedanken
von schlichtester Bescheidenheit und verjährten contrapunkti
schen Schulstückchen begegnen wir in seinen Werken Ausbrüchen
grenzenloser Ekstase und verworrener Mystik —
Arm in Arm mit Richard
in der Stimmung zu erhalten; er fängt meistens vornehm
und ruhig an, dann beginnt sein Geist zu schwärmen und
streckt uns entweder durch einen unschönen Gewaltstreich
nieder oder legt uns auf die Folter endloser tödtlicher
Monotonie. Wie fromm und würdig, an den Anfang von
um bald in einen wild aufjubelnden Hymnus zu gerathen,
den wir mit den Worten „Erbarme dich unser“ nicht zu
reimen wissen. Wie diese Bitte um Erbarmen an ein Gloria
erinnert, so könnte das „Gloria“ selbst mit seinem maßlosen
Lärm und seinen einschneidenden Harmonien beinahe als
Dies irae figuriren. Noch unersättlicher in jeder Hinsicht
erscheint das Credo. Die dramatisirende und aus
malende Composition dieses Meßtheils beruht auf einer
falschen Auffassung, die sich freilich durch die ganze
Meßliteratur hindurch zieht, also gleichsam durch Er
sitzung geschützt ist gegen jeden Angriff. Das Credo
ist einfach ein aufzählendes Glaubensbekenntniß. Aber nicht
wie Jemand, der eine vorgeschriebene Reihe von Glaubens
artikeln beschwört, tritt der Componist auf, sondern wie ein
Augenzeuge, der überall dabei gewesen und nun lebhaft
schildert: so ist
so ist er auferstanden und so gegen Himmel gefahren! Diese
durch Tradition geheiligte, mißverständliche Auffassung
entsprang einfach aus einem musikalischen Bedürfniß;
der Componist vermochte ohne die Hilfsmittel des Ausmalens
und Dramatisirens nichts anzufangen mit dieser langathmigen
und musikalisch unergiebigen Aufzählung von Glaubenssätzen.
Daß
lichsten Vortheil zieht, läßt sich bei seiner Vorliebe für
starke Contraste und langgestreckte Ausführungen denken.
Einem blendenden Effect zuliebe ignorirt er auch zuweilen
den Sinn der Worte. „Expecto resurrectionem mortuorum“
(ich erwarte die Auferstehung der Todten) ist ein untrenn
barer Satz, ein Ausruf freudiger Zuversicht.
auf das Wort „resurrectionem“ und bringt auf „mortuorum“
eine Art Begräbnißgesang. Das heißt einzelne Worte com
poniren und nicht den Sinn des Ganzen. Den günstigsten,
einheitlichsten Eindruck macht das „Benedictus“ mit seinem
von Wohlklang gesättigten Solo-Quartett. In den früheren
Sätzen haben die Solostimmen meist nur einzelne verlorene
Worte („Eleïson“, „Credo“) in den Chor hineinzuwerfen
und erscheinen neben diesem beinahe als entbehrlich.
Die verfängliche Frage nach der „Kirchlichkeit“ der
in der Musik für kirchlich, für religiös gilt, ist zumeist
conventionell und wurzelt in der Tradition. Jede Zeit,
jedes Volk fühlt anders in dieser Hinsicht. Positive Regeln
lassen sich dafür nicht aufstellen; nur unser Gefühl remon
strirt dort, wo die Grenzen des Zulässigen zweifellos über
schritten sind. Von der Kirchenmusik zu verlangen, sie solle
sich gegen den Musikgeist der Gegenwart absperren, wäre
eine Thorheit. Sie hat dies zu keiner Zeit vermocht.
lestrina
angepriesen wird, hat nicht mehr im Styl seiner
ländisch
mehr in dem
nicht die weltliche Musik ihrer Zeit und ihres Landes. Wer
könnte von wirklich begabten Tondichtern der Gegenwart
verlangen, sie sollen als Kirchencomponisten sich an den
Styl des 17. oder 18. Jahrhunderts binden? Andererseits
ist es aber sehr begreiflich, wenn der Kirche von ihrem
Standpunkte angst und bange wird vor der fortschreitenden
Modernisirung und Materialisirung der Kirchenmusik. Die
Führer der neuen kirchenmusikalischen Richtung fühlen dies
instinctiv selbst. Schon Beethoven ließ seine große
Liszt reiste mit seiner
Die Philharmoniker, welche im vorigen Jahre
gleichfalls ein ganzes Concert mit einer
freundlicher aufgetreten. Sie begnügten sich mit
Achter
in Anspruch nahm, für Leute also, welche Tondichtungen
nach der Klafter abschätzen, nicht halb so großartig ist, wie
eine
den zwei interessante Novitäten von Robert Fuchs und
Smetana’s „
läßt sich
Mädchen los, das ihm nun eine lange Geschichte vorlügt.
Von ihrer Schönheit bezaubert, spricht der Ritter ihr zärt
lich zu, während seine Begleiter, von Meth berauscht, in
tiefem Schlafe liegen. Auch ihn selbst übermannt endlich der
Schlaf. Da eilen auf ein Hornsignal
Walde versteckten fünfzig Jungfrauen herbei und metzeln
das schlafende Gefolge nieder.
führt und angesichts der Herzogsburg aufs Rad geflochten.
Einmal in Kenntniß von diesen Begebenheiten deutet man
sich unschwer die einzelnen Theile der
position. Ihrer elementarischen Gewalt wird sich kaum
Jemand entziehen. In dem Cyklus von sechs symphonischen
Dichtungen, welche
„
Vorher haben wir bereits im Philharmonischen Concert „
Moldau
Flur
werden uns hoffentlich nicht vorenthalten bleiben. In unseren
Tagen theils schwächlichen, theils raffinirten Musikmachens
begrüßen wir mit Freude jede Schöpfung, die von einem
echten, starken Talente stammt.
An Sonntag-Nachmittagen veranstaltet Herr Dues
volksthümliche Kammermusik-Productionen, welche ein
„Trios“ aufzuzählen. Das ist ja das Erheiterndste an allen
solchen
immer unvollständig bleibt und wälsche Flecken, die um
nichts besser sind als die ausgemerzten, hartnäckig stehen
bleiben. Herr
eine „Kniegeige“; diese ganz ungewohnte und lächerliche
Bezeichnung klingt wahrscheinlich — schönerer. Das gebräuch
lichere Wort „Bratsche“ ist auch nur ein Braccio) und klingt neben dem melodischen Viola
ebenso barbarisch, wie neben dem Telephon die neu
erfundene „Fernsprechstelle“, ein Wort, an dem man sich
alle Zähne ausbrechen kann. Musikalisches Gehör scheint
überhaupt diesen Reinigungsdeutschen versagt; sie machen
unsere Sprache mit Gewalt noch unmelodischer, als sie es
schon ist. Uebrigens sind Programm, Kasse, Con
cert und ähnliche jetzt geächtete Ausdrücke längst keine