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Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Eine geniale Natur, ein bedeutender Mensch,
ein starker Künstler ist uns mit
unserer Zeit, die täglich ärmer wird an Künstler-Originalen,
war er eines der hervorstechendsten. Wer diesen dichtbewal
deten, gutmüthig trotzigen Charakterkopf je gesehen hat, der
vergißt ihn nicht, und wer
spielen gehört, dem klingt er in Ewigkeit nach. Von all den
berühmten Clavierspielern, denen ich im Laufe eines halben
Jahrhunderts gelauscht, hat mir, nach
reiche Stunden bereitet, wie Liszt war einzig,
Wien darf sich eine der häufigsten und dankbarsten
Kraft und Jugendfrische, unvergleichliche Behandlung der
Melodie, vollendet schöner Anschlag im brausendsten Sturm
wie im leisesten Verhallen des Klanges, eine Ausdauer und
ein Gedächtniß ohne Beispiel — das Alles und noch mehr
hatten wir zu bewundern in jenem unvergeßlichen „Clavier-
Cyklus von sieben Abenden“, der in der Geschichte des
Concertwesens eine monumentale Stelle einnimmt.
stein
ist ein Genuß im besten und eigentlichsten Sinne: ein Ge
nießen, an welchem noch der sinnliche Beischmack dieses
Sinn verloren ging und damit die Aufnahmsfähigkeit des Zu
hörers. Und selbst in solchen wilden Ausbrüchen hat
stein
daß wir fühlten, nicht Virtuosen-Eitelkeit, sondern eine den
Spieler fortreißende Naturgewalt sei schuld an seinen Ueber
schreitungen. Dieser aus Temperament und Race zusammen
strömenden Elementargewalt gab das culturmüde
sich gefangen und gestattete willig dem „göttlichen
stein
als sein Clavierspiel; ich empfand umgekehrt und ward ihm
dadurch, wie ich nur zu bald erfahren mußte, persönlich ent
fremdet. Daß er auch als Tondichter reich begabt war und
in jeder Gattung einzelnes Schöne, ja Hinreißende ge
schaffen, habe ich niemals übersehen, ja sehr lebhaft gefühlt
und betont. Aber keine von
sitionen vermag uns völlig zu befriedigen, denn nach einem
meist glänzenden Anfang wird die Erfindung fast regelmäßig
matter, die Ausführung schleuderischer. Das
in C-dur (op. 66) ist typisch dafür. Mit einem prächtigen
Thema bricht der erste Satz wie ein heller Morgen an;
das Scherzo ist geringer, aber noch immer pikant; darauf
folgt ein wüstenartig langes und sonnenloses Adagio und
ein peinlich triviales Finale. Und die
mächtig tritt sie auf! Aber nach diesem imposanten ersten Satz
und schon in diesem geht es erst stufenweise, dann jäh abwärts.
Trotzdem besticht auch in diesen Werken, in dem
Concert
wisse Unmittelbarkeit und Naivetät, die in der nach
schen Musik sich nur selten zeigt. Ohne Zweifel ist
stein
verpflichtet. In den Slaven steckt noch ein Kapital von un
verbrauchter Lebenskraft und derber, noch nicht zu Tode
cultivirter Sinnlichkeit. Vollkraft und Volltrotz der Slaven
natur wogt auch in
Compositionen wie in seinem Spiele zu Tage. Diese Eigen
schaften, welche eine starke Energie nach Außen verbürgen,
haben mich ehedem zu dem irrigen Glauben ver
leitet, die dramatische Musik müßte für
günstigste Feld abgeben. Es lagen damals nur seine beiden
ersten Opern vor: „
die ich noch immer für seine besten halte. Sie leiden aller
dings auch an dem früher genannten Erbübel der
stein
aber rasch wieder erlöschenden Phantasie. Dennoch wüßte
ich heute keinen
wäre, etwas Aehnliches für die Oper zu schreiben, wie der
erste Act von „
„
sehr schöne lyrische Momente, bleiben aber wirkungslos als
Ganzes. Für die Oper fehlt
die sich stetig ansammelnde und steigernde dramatische
Energie. Dies beweisen sein „
„Liedes geschaffen, bedarf
nicht ausdrücklicher Erinnerung. „
es doch immer so bliebe
lisch
kundigen Lippen.
In seinen letzten Jahren hat sich
schaftlichem und zähem Eifer auf eine von ihm neugeschaffene
oder vielmehr umgeschaffene Musikgattung verlegt: auf die
„geistliche Oper“. Schon seinen „ Thurm zu Babel“
Werke, deren scenische Aufführung er nirgends durchsetzen
konnte, so ging er mit verdoppelter Kraft daran, für seinen
„
schaffen. In einem längeren Aufsatze hat er selbst für sein
Project das Wort ergriffen. Er beginnt mit dem Bekennt
nisse, das Oratorium habe als Kunstgattung ihn seit jeher
zum Proteste gestimmt; bei den bekanntesten Meisterwerken
(nicht beim Studium, sondern bei ihren Aufführungen) sei
er immer kalt geblieben. Das Alles müsse viel groß
artiger und richtiger wirken, wenn es auf der Bühne
in Costümen und mit Decorationen, mit der vollen Action
dargestellt würde. Man müßte also im Gegensatze zu
weltlichen ein „geistliches Theater für geistliche Opern
bauen“.
solchen Theaters sich zuerst nach
gewendet, später in
und — überall verschlossene Thüren fand. Indem er die
finanziellen, künstlerischen und technischen Schwierigkeiten
aufzählt, die seinem Unternehmen entgegenstehen, erklärt er
sie alle in seinem grenzenlosen Sanguinismus für leicht be
siegbar. Ihm erscheint „das Bestehen eines geistlichen Theaters
neben einem weltlichen in der ganzen cultivirten Welt, in
jeder größeren theaterfähigen Stadt nicht
nur ein Mögliches, sondern sogar ein Nothwendiges; sind
doch Oratorien überall an der Tagesordnung“!
übersah in seinem Eifer, daß das Publicum mit drei bis
vier Oratorien jährlich befriedigt ist. Dafür baut man nicht
leicht ein neues großes Theater mit kostspieligster Maschinerie
und einem eigens engagirten Sängerpersonal. Wie bescheiden
ist das Oratorien-Repertoire, wie klein das Publicum, über
welches ein solches „geistliches Theater in jeder Stadt“ zu
verfügen hätte! Trotzdem war
seinen Plan verwirklicht zu sehen: in Bremen, wo man
Oratorien findet derzeit ein merkwürdiges Seitenstück in der
von Leoncavallo geplanten Verbindung des Ballets
In
stein
verschwinden. Man vergaß sogar sein 50jähriges Künstler-
Jubiläum durch die Aufführung eines seiner Orchesterwerke
hier zu feiern — eine unverzeihliche Lässigkeit. Freilich hatte
man durch eine Reihe von Jahren dem Publicum, das
dann nicht mehr anbeißen wollte, zu viel
gesetzt, darunter manches sehr Unbedeutende, ja Abstoßende,
wie die Ouvertüren zu „
same
Wir dürfen annehmen, daß die persönlichen Erinnerungen
an den verblichenen Meister und die steigende musikalische
Hungersnoth jetzt zusammenwirken werden zur Wieder
einführung einiger seiner besten Werke in unsere Concert
säle. Die so originellen und reizvollen Balletmusiken aus
„
Concerten ebenso willkommen heißen, wie in den Gesell
schaftsconcerten die prächtigen Chöre aus dem „
Babel
steine in
Quartettspieler, unsere Clavier-Virtuosen und Liedersänger
können am wenigsten in Verlegenheit kommen,
Andenken würdig und reichlich zu ehren. In manchen seiner
überaus zahlreichen Compositionen dürfte
wieder aufleben. Könnten wir nur auch den großen, einzigen
Clavier-Virtuosen