Sie dürfen: Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten
Bearbeiten — das Material remixen, verändern und darauf aufbauen und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.
Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten. Unter folgenden Bedingungen:
Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.
Keine weiteren Einschränkungen — Sie dürfen keine zusätzlichen Klauseln oder technische Verfahren einsetzen, die anderen rechtlich irgendetwas untersagen, was die Lizenz erlaubt.
Hinweise:
Sie müssen sich nicht an diese Lizenz halten hinsichtlich solcher Teile des Materials, die gemeinfrei sind, oder soweit Ihre Nutzungshandlungen durch Ausnahmen und Schranken des Urheberrechts gedeckt sind.
Es werden keine Garantien gegeben und auch keine Gewähr geleistet. Die Lizenz verschafft Ihnen möglicherweise nicht alle Erlaubnisse, die Sie für die jeweilige Nutzung brauchen. Es können beispielsweise andere Rechte wie Persönlichkeits- undDatenschutzrechte zu beachten sein, die Ihre Nutzung des Materials entsprechend beschränken.
Maschinenlesbares Transkript der Kritiken von Eduard Hanslick.
Ed. H. Held der neuen Oper ist der
Maler Cornelius
von dessen Erlebnissen uns die Kunstgeschichte nur spärlich
berichtet. Möge ja Niemand die Mühe geschichtlicher Nach
forschungen an unsere Novität wenden. Der Name des
Helden ist historisch, alles Uebrige freie Erfindung. Corne
lius
war, wie einer seiner Biographen sagt, ein so rüstiger
Maler, daß er im Laufe von wenigen Jahren reich wurde
und auf großem Fuße lebte. Er malte viel aus der Heiligen
Geschichte und Mythologie, war auch ein Hauptmitarbeiter
an den Blumenstücken des berühmten Jesuiten Daniel
in dessen Gehänge und Kränze er
mit dem Kinde, reliefartig Grau in Grau malte. Die kaiser
liche Gemälde-Galerie in
ganze Art charakteristisches Bild: „
Der halbnackte
seinen Häupten steht
und weinend ein Tuch an die Augen drückt;
Gewandung, starrt mit ausgebreiteten Armen schmerzerfüllt
gegen Himmel. Gemachter Idealismus und gequälte Alle
gorie — aber, wie die Kenner sagen, flott gemalt. Dieser
dem großen Publicum bis auf den Namen fremde Maler
findet im Theater nicht die Bekanntschaft und die Sympa
thien vor, wie etwa der von vier
nisten verherrlichte Rafael
sie ihrem Cornelius
können, was ihnen beliebt.
Zu Beginn der Oper sehen wir die Maler von
werpen
daß der früher so heitere Cornelius
Philosoph geworden sei. So producirt er sich auch selbst.
Aber bei dem Anblicke einer ihm begegnenden fremden
schönen Dame geräth der weltmüde Skeptiker sofort in helle
Flammen. Er spricht sie an, aber
Fräulein, antwortet mit keiner Sylbe und erreicht schweigend
ihre Wohnung. Natürlich erscheint sie alsbald auf dem
Balcon.
erklettert dann den Balkon und findet schnell Erhörung. Der
zweite Act spielt in der Umgebung von
zogen haben. Wie der erste Act geendet, so beginnt auch der
zweite: mit einem langen, langen Liebesduett zwischen
nelius
in seinem Landhäuschen gesteckt, ohne Sehnsucht nach der
Stadt zu empfinden. Da nahen sich die Maler, welche einen
Ausflug nach
den langvermißten Freund. Sie erzählen von dem unge
heuren Aufsehen, das sein neues
werpen
erfülle — er möge doch mit ihnen zurückkehren!
wäre dazu von Herzen gern bereit, aber
Thränen und hält ihn verzweifelt zurück. Vergebens bittet
er sie, mitzugehen und sich seines Ruhmes zu freuen; „O
komm’ mit mir, sei’s nur auf Tage, auf Stunden!“ Nein,
lassen. Als er endlich mit dem Versprechen baldiger Rück
kehr den Freunden zum Schiffe folgt, ruft sie in Ver
zweiflung: „Die Liebe — oder das Kloster!“ Und
trotz der unglaublichen Dummheit dieses Verhaltens
der holden
Jammer und den tragischen Ausgang des Stückes.
Freunde nach
Landhaus leer und bleibt ohne jede Spur von der Ge
liebten. Wir sehen ihn zu Anfang des dritten Actes in der
Kirche an einem Bilde malen, oder richtiger, vor der leeren
Leinwand in melancholischen Betrachtungen kauern. Da
vernimmt er im Mittelschiff der Kirche die Stimme
beth
ihre Liebe ihn dem Leben wieder zurückzugeben. Umsonst.
„Ich bin des Himmels. Mein Herz ist todt für dich!“
schnell das Bildniß
wand und sinkt todt zu Boden.
Die ganze Handlung, welche sich weit weniger für ein
Drama, als für eine psychologische Novelle eignet, spielt
nur zwischen
als handelnden Personen. Für keine von beiden vermögen
wir uns zu erwärmen.
Liebes-Egoismus, ihren „ahnungsvollen“ Träumen und ihrer
fixen Idee: die Liebe oder — das Kloster!
erscheint verständlicher; daß er, wie seine Freunde behaupten,
ein ganz außerordentlicher Mensch ist, müssen wir freilich
auf Treu’ und Glauben hinnehmen. „
des Menschengeistes, seines Genius Flug beschämt des Adlers
Kühnheit, furchtlos und ohne Zagen reißt er keck des
höchsten Himmels Allmacht herab“ — und was solcher Prah
lereien mehr sind. Von ihm selbst bekommen wir in harten,
ungefügen Versen nur pessimistische Phrasen und liebestrunkene
Ausbrüche zu hören; er ist abwechselnd ein Stückchen
und ein Stückchen
schwollen. Alle übrigen Personen, die sich um die Herzens
geschichte der beiden Liebenden herumbewegen, sind im
Grunde überflüssige Nebenfiguren. Ein billiges Auskunfts
mittel, die Freunde
essant zu machen! Neben Franz Hals und
insbesondere „
muthigsten Situationen
aus dem Soldaten-, Bürger- und Bauernleben sollten
gleichsam die
Aehnliches scheint dem Textdichter in den Volksscenen seines
„
versagt, weniger durch seine, als des Componisten Schuld.
Antonio
mit seinem „
geführt. Bedeutet „
jenem ersten Werke? In formaler und technischer Beziehung
gewiß. Die Musik der neuen Oper ist einheitlicher, vor
nehmer im Styl und noch sorgfältiger, scrupulöser in der
Ausführung. Auch die Wahl des Textbuches bezeugt einen
ästhetischen Fortschritt, denn mit der unsäglich brutalen
Handlung des „
Schut
möchte ich dennoch der älteren Oper nachrühmen: ihre Chöre
und Tänze im zweiten Acte haben ungleich mehr Leben und
Frische, als die analogen Volksscenen in „
Im Wesentlichen ist
derselbe geblieben: er neigt entschieden zum Weichen, Senti
mentalen, Schwärmerischen. Auch in „
die zarten, gefühlvollen Partien die besten. So die Duette
beth
drei Liebesduette im ersten, zweiten und dritten Acte verhalten
sich dramatisch zu einander wie Eroberung, Besitz und Verlust.
Zu lang sind sie alle drei; auch fehlt ihnen das Gegen
gewicht kraftvoller, farbenfrischer Musikstücke. Dazu boten die
zechenden Maler, die Spaziergänger, die Kirmeß, die Schiffer-
und Brummchöre Gelegenheit genug. Aber hier zeigt sich
der Componist auffallend schwerblütig, temperamentlos und
von dürftiger Erfindung. Auch vermissen wir in seinen
Volksscenen nationale Charakteristik. Nichts als die Deco
rationen und Costüme erinnern daran, daß wir uns auf
dieses
reglia
zu machen. Diese „Volksscenen“ schmachten nach einer ein
leuchtenden frischen Melodie und keckem Rhythmus. In zwei
Figuren, dem Maler
nimmt
bung; aber wie vor seiner eigenen Kühnheit erschrocken, kehrt
er schnell wieder um.
Wenn ich schon nach dem „
und Können unsere volle Achtung erzwingt, so gilt dies
noch viel mehr von seinem „
Respect ist’s ja nicht, womit einem dramatischen Compo
nisten gedient sein kann. Erheben, erschüttern, fortreißen soll
er uns, wenigstens unterhalten. Das gelingt unserem Maëstro
äußerst selten und gleichsam nur im Vorübergehen. Er sucht,
was ihm an schöpferischer Kraft und starker Sinnlichkeit
fehlt, durch kunstreiche Detailarbeit und psychologische
Grübelei zu ersetzen. Oder sollte er die Naivetät, die
Freude am sinnlich Schönen, diese angeborene Mitgift des
Italieners, absichtlich erstickt haben, um sich zum „Dra
matiker“ im Sinne
Vasall von Szigeth
an
sich fortschleppende Cantilene, die scharf accentuirte Declamation,
der Aufwand einer effectvollen, aber ruhelosen und vordringlichen
Instrumentirungskunst — das Alles verräth den zu
Fahne übergegangenen abtrünnigen Italiener. In den
Volksscenen des ersten Actes bemüht sich
sehr schwachem Erfolge, das Durcheinander der einzelnen
Stimmen in den „
Maler den wiedergefundenen
Rückkehr bewegen („Kehr’, o
mahnt die ganze Situation so lebhaft an das erste Finale
im „junge
klängen, sehr starken Anklängen aus
begegnen wir in „
wiegend herrscht in der ganzen Oper der weichlich oder auf
geregt sentimentale Ton. Wie gerne gäben wir ganze Seiten
dieses gefühlsschwelgerischen declamirten Singsangs für eine ein
zige schön gewachsene, reinliche Melodie, die sich frei bewegt und nicht
auf einem instrumentalen Ameisenhausen sitzt! Wie überdrüssig
sind wir dieses allzeit bedeutsamen und nachdrücklichen Musik
styls, welcher jedes Wort des (ohnehin unverständlichen)
Textes im Orchester dick unterstreicht, roth, grün, blau
unterstreicht, so daß wir Wichtiges von Unwesentlichem
kaum mehr unterscheiden und nur lauter Farbenkleckse sehen,
keine einzige deutlich umrissene Zeichnung! Mancher geist
reiche, fein empfundene Zug in
rettungslos verloren in dem Nebel ihrer aufgeregten Mono
tonie. So machte denn „
beobachtet habe, auf das Publicum schließlich den Eindruck
achtungsvoller Langweile. Und wenn die Langweile vorhält,
wird selbst die Achtung ärgerlich.
Die sehr beifällige Aufnahme der ersten Aufführung
haben wir gestern bereits gemeldet. Herr
mit den Darstellern der Hauptrollen wiederholt dankend
hervortreten. Applaus und Hervorruf nahmen aber nach
dem letzten Acte, als der größte Theil des Publicums sich
bereits entfernt hatte, einen so demonstrativ lärmenden
Charakter an, daß man sie schwerlich für den Ausdruck der
allgemeinen Meinung halten konnte. Aus persönlicher Sym
pathie für den kenntnißreichen, ehrlichen und bescheidenen
Componisten möchte ich seinem „
sehnliche Reihe von Wiederholungen wünschen. Die nächste
Zukunft wird lehren, ob das Werk sich aus eigenen Mitteln
zu behaupten vermag. Von Seite der Aufführung war nichts
verabsäumt. Glänzend lösten der Chor und das Orchester
ihre schwierigen Aufgaben unter der Leitung des Hofcapell
meisters Hanns Richter. Herrn